Der lange Weg zum Wunschmodell

Alfa Romeo Giulia Sprint GTA: Vorbild aus zwei Bausätzen

Es kommt vor, dass ein Vorbild nur durch die „Opferung“ zweier Bausätze nachempfunden werden kann. Hier am Beispiel des Alfa Romeo Giulia Sprint GTA. Doch mit einem „einfachen“ Kitbash war es da noch lange nicht getan. Vieles musste selbst erstellt oder verfeinert werden. 

Mit den aufgesetzten Kotflügeln steht der Alfa recht bullig da.Eine dezente Verschmutzung nimmt den Neuwagenlook. © M. Schneider
Mit den aufgesetzten Kotflügeln steht der Alfa recht bullig da.Eine dezente Verschmutzung nimmt den Neuwagenlook.

Bei einem Porsche-Alfa-Meeting in Hockenheim im Jahre 2004 sah ich einen Alfa GTA mit breiten Kotflügeln. Da ohnehin der Bausatz des Alfa Romeo Giulia Sprint GTA von Tamiya im Regal stand, beschloss ich, eine Breitversion unter Verwendung der Kotflügel eines Gunze-Sangyo-Modells zu bauen.

Jetzt geht’s der Karosserie ans Plastik

Nach dem Vermessen wurden aus dem Gunze-Body mit der Proxxon und einem Sägeblatt die vier Kotflügel herausgetrennt, um anschließend an ihre künftige Stelle am Tamiya-Body gehalten und eingemessen zu werden. Auch am Tamiya-Body wurden die Kotflügel mit der Proxxon so entfernt, dass die breiten Kotflügel in die Aussparungen passten. Zur Front hin brachte ich zusätzlich einiges Sheet an, danach verschliff und verspachtelte ich alle Kanten und Unebenheiten.

Mein Ziel waren jedoch keine eingespachtelten, sondern aufgesetzte und vernietete Kotflügelverbreiterungen. Um dies am Modell darzustellen, schnitt ich schmale Streifen aus Sheet, in welche ich Löcher im Abstand von drei Millimetern bohrte, um sie dann um die Verbreiterungen zu kleben. Eine Seite der Sheetstreifen wurde verspachtelt, die andere nicht. So entstand der Eindruck, dass die Kotflügel von außen aufgesetzt sind. Nachdem alles glatt war, habe ich die Löcher der Sheetstreifen nachgebohrt.

Die Aussparungen an der Heckschürze für das Auspuffendrohr und Kennzeichenbeleuchtung wurden geschlossen. Jetzt grundierte und verschliff ich den Body, bis er lackierfähig war. Da es sich um einen Rennwagen handelt, welcher immer wieder „Feindkontakt“ hat oder mal neben der Strecke fährt, sollte der Body auch nicht 100%ig perfekt sein.

Lack gut alles gut ...

Rot ist hier fast schon Pflicht, aber nicht für das ganze Auto. Viele Racer haben eine andersfarbige Front, um sich von der Konkurrenz zu unterscheiden. Ich entschied mich für Weiß und lackierte die Front großzügig mit Acryl-Weiß. Nach der Trocknungszeit wurde das Weiß abgeklebt und der Rest mit Acryl-Rot gelackt. Dann kamen Decals aus der Restekiste, so auch das Alfa Emblem auf der Motorhaube, die Startnummern und einige kleine Exemplare für die Schweller zum Zuge.

Abschließend erhielt der Body einen 2-K-Acryl-Klarlacküberzug. Nach einigen Tagen wurde der Klarlack angeschliffen und nochmals mit hochverdünnten Klarlack lackiert. Die Lackierung gelang und der Body wurde zum Durchtrocknen beiseite gestellt. Später wurde er noch mit etwas Politur bearbeitet. Die Fensterumrandung habe ich mit Chrom Bare Metal Foil beklebt. Nach dem Verkleben der Folie erhielt diese ein leichtes Washing (siehe Glossar S. 98), damit sie nicht zu sehr glänzt. 

Niete(n) gezogen ?

Nach Anbringen von Kleinteilen wie Lampen und Kühlergrill konnten zum Abschluss die Nieten in die Löcher in den Kotflügeln eingesetzt werden. Diese stammen von Calibre 35, wurden am Gussast rot und weiß lackiert, danach vorsichtig abgetrennt und mit einer Pinzette in die Kotflügel eingesetzt. Die Fixierung erfolgte von der Innenseite des Bodys mit Sekundenkleber. Einige Nieten wurden weggelassen, um so den Rennbetrieb zu simulieren.

Der Tamiya Alfa ist ein Straßenauto, also musste ich den Innenraum auf Rennbetrieb umrüsten. Die hintere Sitzbank wurde nicht eingebaut, das dadurch entstandene Loch zum Kofferraum mit Sheet geschlossen und verspachtelt. Auch die Hutablage entfiel. Vorraussetzung für den Rennbetrieb ist ein Überrollkäfig. Da die Teilekiste nichts hergab, blieb nur der Eigenbau.

Ich verklebte dünne Röhrchen aus dem RC-Modellbau. An den Stellen, wo eine Biegung hingehörte, wurde in das Röhrchen ein Messingdraht eingesetzt, um ein Knicken zu vermeiden. Als die Spritzwand entfernt war, konnte das Chassis innen und außen rot lackiert und etwas verwittert werden.

In meiner Teilebox fand ich einen Rennsitz, welcher nicht zu modern aussah. Die angegossenen Gurte fielen einem Fräser zum Opfer. Den Sitz habe ich gespachtelt, verschliffen und lackiert.

Nach Vorbildfotos baute ich eine Elektronik-Box auf der Beifahrerseite sowie einen Feuerlöscher samt Verkabelung ein. Das Lenkrad des Tamiya-Kits sah gut aus, hier bohrte ich nur die Löcher in den Speichen aus und brachte Farbe auf. Von den Türverkleidungen des Tamiya-Kits schliff ich die angegossenen Türöffner und Fensterkurbeln ab und ergänzte die Teile aus dem Gunze Kit.

Was steckt unter der Haube?

Der Motor des Tamiya-Kits konnte für mein Vorhaben verwendet werden. Nach Verkleben der beiden Motorhälften wurden am Zylinderkopf zwei Muttern vorsichtig abgetrennt und leicht versetzt wieder angeklebt. Die Weber-Vergaser sind nun durch einige Ätzteile aufgewertet, und mit Gaszug versehen, welcher quer über den Motor verläuft.

Den Luftsammler musste ich allerdings stärker ändern. Der vorhandene Kasten wurde etwas zurechtgefeilt und anschließend aus Metallfolie von einer Weinflasche ein längerer Sammler gebaut, welcher bis an den Kühlergrill reicht. Zwei schwarze Streifen Klebefolie und fein zurechtgebogene Drahtstückchen stellen den Verschluss des Kastens dar.

Rotes Zündkabel von Modelers wurde zurechtgeschnitten und zwischen Verteiler und Zündkerzen eingeklebt. Schwarze Kabelisolierung stellt die Verbindung zu den Kerzen dar. Ein kleiner Behälter aus der Restekiste wurde zum Ölbehälter über dem linken Vorderrad umfunktioniert.

Aus Gewichtsverteilungsgründen ist – wie bei vielen Rennautos – die Batterie im Kofferraum untergebracht. An der Stelle wo die Batterie ursprünglich saß, wurde jedoch eine aus Folie und zwei dünnen Drähten gebaute Halterung eingesetzt. Den Abschluss der Motorraum-Arbeiten bildeten die Haubenhalter und der Überlaufschlauch des Kühlers.

Alfas „Schuhwerk“

Die schmalen Tamiya-Räder sind für den Straßenbetrieb, die Gunze-Felgen etwas breiter, die Reifen für mein Vorhaben jedoch wertlos. Daher habe ich von Scale Production einen Radsatz bestellt, welcher aus Vinyl-Reifen, Aluminium-Ringen und geätzten Einsätzen im BBS Design besteht. Die Slicks wurden leicht angeschliffen, die Einsätze erhielten ein Washing zwecks Tiefenwirkung.

Den Serienauspuff habe ich unter dem Chassis abgeschnitten und mit einem Alu-Röhrchen so verlängert, dass er unter der Fahrertür hervorlugt. Das Aluröhrchen wurde mit einem Streifen Metall am Chassis befestigt und am Schweller mit einem zu einer langen Feder gedrehtem Draht.

Die letzten Kleinteile wie Spiegel, Scheibenwischer, Türgriffe und Nummernschild-Halter folgten, und für etwas mehr Realismus wurde das Modell noch ganz dezent verwittert. Steinschläge an der Front, Bremsstaub am Schweller hinter dem Auspuff und an den Rädern hergestellt mit Kreide geben den letzten Pfiff.

TEXT und FOTOS: Text: M. Schneider
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