Geschützsonderling unter der Lupe

Artillerie: Trumpeters B4-Haubitze

MODELLFAN nimmt den schweren "Geschützsonderling" - B4-Haubitze - die genau unter die Lupe und zeigt dessen Stärken und Schwächen auf.

Trumpeters B4-Haubitze © Hans-Joachim Klinger
Trumpeters B4-Haubitze

Erfreulicherweise präsentieren sich die zehn Gießäste mit 345 Einzelteilen ordentlich in einzelne Tütchen verpackt, ebenso wie die kleine Platine mit sechs geätzten Riffelblechen und den Zügen des Rohres. Dazu kommen ein Stück Bindfaden für "Drahtseile" und zwei Vinylreifen. Dabei entfallen bereits auf die Einzelgliederketten 84 Teile.

Auf den ersten prüfenden Blick erscheinen die Teile fein detailliert und sauber gespritzt, dennoch zeigen sich beim Zusammenbau hin und wieder einzelne Unstimmigkeiten bei der Passung mit dem Zwang zu unnützer Nacharbeit. Trumpeter konnte es schon besser, aber in der Summe kann man von einer guten Passung sprechen. Bei den feinen Kleinteilen stören teilweise die Angüsse, bei manchen kleinen runden Teilen muss man deshalb stellenweise nacharbeiten.

Das ist sicherlich ein fertigungstechnischer Tribut an die feine Detaillierung und trübt das allgemein positive Bild nicht. Man kann im Großen und Ganzen unbesorgt der klar strukturierten Bauanleitung folgen, um nach 15 Baustufen auf zehn Seiten ein ansehnliches Modell der Haubitze zu erstellen. An der Lafettenfront befinden sich zwei Seiltrommeln, leider fehlt jeglicher Hinweis über den Verlauf der Seile.

Das Modell kann sowohl in Feuerposition, Ladeposition, oder mit der Protze in Fahrstellung gebaut werden. Mit Einschränkungen kann man sogar noch nachträglich die Betriebsart wechseln. Die Informationen zum Original auf der Schachtel werte ich als zu spärlich, auch bezüglich Detailbemalung hält sich Trumpeter wieder vornehm zurück.

Immerhin verweist die DIN-A4-Seite mit dem Farbprofil auf das Angebot der gängigen Farbhersteller. Es ist nur eine einzige Farbvariante Grün über Alles vorgesehen, der Bogen mit den Abziehbildern enthält ausschließlich einen Slogan auf dem Rohr. Aber das geht so in Ordnung weil vorbildgerecht.

Ran an’s Werk …

Ich fing mit der robusten Kastenlafette, deren Seitenwangen aus je zwei Teilen zusammengeklebt werden, an. Dadurch können einerseits sämtliche Nieten dargestellt werden, die mit ihrer schieren Menge das charakteristische Erscheinungsbild der Haubitze prägen. Andererseits bleibt dadurch auf den Rändern eine Klebenaht sichtbar die wegen der dichtgesäten Nieten praktisch nicht zu verspachteln ist.

Der Lafettenkasten wird auf der Unterseite hinten mit der Platte A13 verschlossen, die knapp einen Millimeter zu lang war und entsprechend gekürzt wurde. Alle anderen Teile passten einwandfrei, und der Lafettenkasten erwies sich nach der Montage frei von jeglichem Verzug. Danach konnten schon die diversen Anbauteile montiert werden, nur den beweglichen Erdsporn hob ich mir bis zum Schluss auf, so ließ sich die Haubitze besser handhaben.

Derweil widmete ich mich dem Zusammenbau des Rohrs. Dabei begegnete mir einer der wenigen Fälle, wo mich die Passgenauigkeit des Bausatzes enttäuschte, denn es klaffte ein erheblicher Spalt nahe der Mündung (2). Der sollte bereits vor dem Zusammenkleben aufgefüttert werden, etwa mit einem Plastikstreifen, denn nachträgliches Verspachteln ist wegen der Form der Mündung schwierig.

Außerdem empfehle ich, das Ätzteil mit den Zügen noch vor dem Zusammenkleben der Rohrhälften in die Mündung zu kleben, dessen Position lässt sich dann bei Bedarf noch von hinten korrigieren. Der Stoß sollte nach oben zeigen, so fällt er weniger auf. Vorholer und Rücklaufbremse wurden anschließend problemlos angebaut.

Eigenartigerweise hat Trumpeter den Verschlussblock hohl ausgeführt, was optisch aber nur stört wenn die Haubitze mit geöffnetem Verschluss beim Laden gezeigt wird. Ich nutzte den Hohlraum um dort die zum Ausgleich der Mündungslastigkeit erforderliche Menge Angelblei unterzubringen, das Rohr ist dadurch bei jeder Erhöhung im Gleichgewicht und bleibt in der jeweils gewählten Position stehen.

Leider ist der Verschluss nicht beweglich ausgeführt, kann lediglich geöffnet oder geschlossen angeklebt werden. Die seitlichen Lafettenwangen mit den Anbauteilen für die Richtgetriebe lassen sich zügig zusammenbauen und passen gut. Sie sind ähnlich wie die Seitenwände des Lafettenkastens zweiteilig ausgeführt, für die Nieten und die Klebenähte gilt das dort Gesagte. Die beiden Lafettenwangen bilden mit je einem Zapfen die bewegliche Lagerung des Rohres. Bevor man sie auf ihre Basis klebt, darf man nicht vergessen, das Ritzel der Höhenrichtung einzufügen.

Es wird nicht geklebt sondern nur eingelegt und bleibt dadurch drehbar. Sinnvollerweise sollte man beim Ritzel und dem Zahnsegment unter dem Rohr die Zähne ein bisschen verputzen damit sie frei kämmen können. Dadurch ist die Höhenrichtbarkeit des Haubitzenmodells gewährleistet. Der Rohrrücklauf lässt sich übrigens nicht darstellen. Bevor die Haubitze auf den Lafettenkasten geklebt wird (das Modell ist nicht seitenrichtbar!) empfiehlt es sich, die beiden Seilrollen an der Front fertigzustellen und zu montieren.

Trumpeter schweigt sich völlig darüber aus, dass beim Original die Seile unter dem Rohr zum Verschlussblock laufen und dort offenbar in einer etwas komplizierten Führung eingehängt sind. Ich vermute, dass mit diesen Seilen das Rohr beim Instellunggehen in die Rohrwiege gezogen wurde. In Ermangelung aussagekräftiger Fotos habe ich einfach einen Schlitz in die Unterseite des Verschlussblockes gesägt und dort das Seil eingeklebt.

Durch die beweglich gelagerten Seilrollen lässt sich das Seil auch bei beliebiger Erhöhung der Haubitze wieder von Hand straff spannen. Zwar ist das so nicht absolut authentisch, kommt aber dem Erscheinungsbild des Originals recht nahe. Jetzt kann und sollte die Haubitze auf den Lafettenkasten geklebt werden, was wegen der perfekten Passung völlig problemlos abläuft. Danach kommen die seitlich angebrachten Handbremshebel an die Reihe.

Das Raupenfahrwerk erfordert noch einmal erhöhte Aufmerksamkeit. Laut Bauplan werden die beiden fertiggestellten Raupen an die Achse unter der Lafette geklebt. Auf diese Weise sind sie aber nicht beweglich und verhindern die Möglichkeit, die verschiedenen Betriebsarten darzustellen. Abweichend davon habe ich sie beweglich gelagert indem ich zuerst die inneren Wangen des Fahrwerks an die Achse geklebt habe, wobei ich den Klebstoff ganz vorsichtig nur auf die Innenseite aufgetragen hatte!

Hier ist äußerste Vorsicht angesagt, um nicht durch überquellenden Klebstoff die Beweglichkeit zu blockieren. Erst nach gründlichem Durchtrocknen komplettierte ich die Raupen als Baugruppe. So lassen sich beide Raupen gemeinsam schwenken und die Haubitze kann wahlweise in Feuerstellung oder beim Transport gezeigt werden. Die entsprechend dem Vorbild recht simpel gestalteten Kettenglieder lassen sich auch ohne größere Verputzorgien zügig zusammenfügen, allerdings ließen sich die Ketten mit den von der Bauanleitung vorgegebenen je 38 Gliedern nicht schließen; weil zu kurz.

Ich musste je ein zusätzliches Kettenglied einfügen und den Überstand mit dem Kettendurchhang ausgleichen. Zuletzt werden die zwei vormontierten Sitze und die geätzten Auftritte an den Raupen angebaut. Den Raum zwischen den Lafettenholmen füllt ein Gestell für die Transportkarren aus, wobei Trumpeter alternativ zwei verschiedene Bretterplattformen anbietet, leider ohne nähere Erläuterungen. Ich vermute, dass dieses Gestell nur während des Transportes dort aufbewahrt und in Feuerstellung durch die erwähnten Bretter ersetzt wurde.

Das Gestell würde wohl die Bedienmannschaft beim Laden behindern. Die Protze mit den auffälligen schmalen Rädern ist schnell gebaut. Leider ist die Spurstange an den Achsschenkeln nicht beweglich ausgeführt, weshalb sie nur in Geradeausstellung montiert werden kann. Allerdings könnte man für ein Diorama die Achsschenkel vorsichtig von Hand verbiegen und auf diese Weise einen (festen) Lenkeinschlag erzeugen.

Die Räder sind drehbar gelagert und mit recht ansprechenden Gummibandagen versehen. Diese passten aber mit ihrer Führung nicht in die Nuten in den Rädern, ich schnitt die Führungen kurzerhand mit einem Skalpell ab (10). Nun erwiesen sich die Bandagen aber als deutlich zu lang, weshalb ich etwa zwei Millimeter heraustrennte und sie schrittweise mit Sekundenkleber auf die Räder klebte.

Einen sachlichen Fehler muss ich noch erwähnen: Seitlich rechts am Rohr schwebt das kleine Gehäuse C17 quasi in der Luft, beim Original ist dieses Gehäuse aber mit einem Gussflansch am Rohr befestigt. Auf dessen Darstellung im Eigenbau habe ich wegen der komplizierten Form verzichtet.

Sowjetisches Militärgroßgerät war überwiegend einfarbig olivgrün lackiert. Obwohl auch getarnte Haubitzen bekannt sind, zog ich die einfarbige Variante vor. Nach gründlicher Reinigung mit Isopropanol schattierte ich das Modell großzügig mit spritzfertiger Acrylfarbe Vallejo Air 021 "Schwarzgrün". Die eigentliche Farbgebung erfolgte dann mit Gunze Acryl H303 „green“. Für die Kettenglieder fand stahlfarbenes Poliermetall Anwendung. Entgegen meiner Gewohnheit habe ich das Modell weder verrostet noch eingedreckt, weil ich es auf einem sowjetischen Ehrenmal zeigen wollte.

TEXT und FOTOS, sofern nicht anders angegeben: Hans-Joachim Klinger
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