Ausgemusterter Militär-LKW wird zum zivilen Arbeitspferd

Der große Krieg war beendet, das Leben ging weiter. So mancher Spediteur gründete getreu dem alten Werbespruch seine Existenz mit ausgemusterten Militär-LKW. Da bietet sich doch auch ein Farbwechsel hin zum zivilen Arbeitspferd in 1:35 an.

Entmilitarisiert – das klappt auch im Modell. Aus dem 1:35er-Büssing-NAG 500 S von IBG Models entstand ein Milch-LKW. © Lothar Limprecht
Entmilitarisiert – das klappt auch im Modell. Aus dem 1:35er-Büssing-NAG 500 S von IBG Models entstand ein Milch-LKW.

Es war die Eingebung eines Facebook-Freundes aus Ungarn. Stets dreht sich der Militärmodellbau im Maßstab 1:35 um Rad- oder Ketten-Fahrzeuge. Warum denn nicht einmal anders denken und Einblick nehmen in die Zeit unmittelbar nach Kriegsende? Viele LKW waren mit Kriegsbeginn für Wehrmachtsbelange requiriert worden und genügend „Überlebende“ wurden nach Kriegsende ausgemustert.

Manche Speditionsfirma gründete mit solchen LKW ihre Existenz; dazu gehörten auch Molkereien. In den 1950er-Jahren gehörte Milchkonsum zum guten Ton und der Transport erfolgte noch in aus nichtrostendem Stahl hergestellten 10-, 20- oder 40-Liter-Kannen. Die waren schwer und aufwendig zu reinigen und bei sommerlichen Temperaturen gestaltete sich nicht nur der Transport hygienisch schwierig.

So kamen ab Ende der 1950er-Jahre mehr und mehr Tanksammelwagen zur Verwendung. In der Publikation über die Geschichte des Milchtransports stieß ich auf Fotos von Büssing-NAG 500 bei der Starkenburger Molkerei aus Darmstadt, die Milchkannen auf der Pritsche anliefern. Dies war die Anregung, den IBG-Bausatz einmal anders zu gestalten.

Einfach gestalteter Zusammenbau

Die ausführliche Bauanleitung mit ihrer dreidimensionalen PC-Grafik bedarf des genauen Hinsehens, um die Bauteile stets richtig positionieren zu können. Sowohl die Pritsche mit höheren oder niederen Seitenwänden, die fein gestaltete Metallbänder, aber keine Holzmaserungen aufweist, als auch die in Scheibenmethode gefertigten Räder fügen sich zweifelsfrei zusammen.

Eine schiere Wonne ist die gute Passgenauigkeit des Führerhauses. Das hätte mit Armaturen-Decals hinzugewonnen, zumindest dachte IBG aber an die Kennzeichnung mit den Angaben zur Verladeklasse. Hier helfen also nur die eigene Grabbelkisten-Sammlung oder Trocken-Decals von Archer. Die Scheiben sind schlieren- und kratzerfrei gefertigt und verpackt.

Allerdings liegen keine Scheibenwischer bei. Die Frontscheibe ist geteilt, was in der Bauanleitung unterschlagen wird, und die Montage des Warndreiecks auf dem Dach des Fahrerhauses erfolgt nur dann aufrecht, wenn ein Anhänger gezogen wird. Sonst nach vorne umklappen oder weglassen.

Den Fahrzeugrahmen mit beiden Längsund Verbindungsträgern verzugsfrei montiert ausrichten, anschließend erst mit den weiteren Anbauteilen wie Dieseltank, Drucklufttank und Auspuffanlage verfeinern. Motor und Getriebe dieser Standardausführung fügen sich aus 25 Bauteilen zusammen, sind jedoch anschließend nicht mehr sichtbar.

Da die Scheinwerfer aus einem Komplettguss bestehen, ersetzte ich diese durch solche mit eingesetzten Scheiben aus meiner Restekiste. Die Verbindungsklammern der Träger zur Pritsche sind zu knapp bemessen und wären zu ersetzen. Auch die seitlichen Begrenzungsstangen lassen sich leicht durch Aftermarket-Produkte oder schlankere Stecknadeln austauschen.

Mangel an Figuren und Beladung

Fahrerfigur und Zuladung gibt es leider nicht. Dem musste abgeholfen werden. Für die Zuladung kamen nur Milchkannen infrage. Obschon maßstäbliche Milchkannen im Zubehörprogramm mancher Hersteller enthalten sind, waren es entweder keine typisch deutschen oder das Set war nicht erhältlich.

Für die Darstellung konnte somit nur auf die etwas zu großen Kannen aus dem Eisenbahn- pur-I-Sortiment zurückgegriffen werden, mit Metallfarbe und schwarzem Wash gealtert. Und kein Milch-LWK ohne seinen „Tevje“! Der Lokführer aus dem Eisenbahner-Figurenset von CMK hatte die bestmögliche Gestaltung mit Jacke, Hose, Schirmmütze und Auftreten; er musste daher nicht nur von schwarzer in weiße Bekleidung, sondern auch den Beruf wechseln.

So wurde es stimmig umbemalt. Dass mein Büssing einen weißen Farbanstrich wie jene LWK der Starkenburger Molkerei mit schwarzem Chassis und Kotflügeln erhielt, war selbstredend (6). Beschriftungen waren nicht nur für den LWK, sondern auch für die ZulassungenLder Nachkriegszeit wichtig.

Für Letztere hatte ich noch passende Zulassungsschilder eines ehemaligen Spur-I-Her stellers im Fundus. Jetzt musste ich noch Schriftzüge für eine Molkerei kreieren. Um jegliche Urheberrechte zu achten, entstanden die fiktiven Bezeichnungen einer Milchversorgung in Frankfurt a. M. mit der damals üblichen Telefonangabe „Ruf“, gefolgt von einer vierstelligen Nummer.

Konstruieren am Computer

Ebenso entstand der Schriftzug „Milch“ mittels Computer. Die Größe ermittelt man dabei anhand der im Programm angegebenen Größen in Zentimeter, druckt diese probeweise auf Papier aus und korrigiert gegebenenfalls nach. Für den Druck eignet sich die Spezialfolie etwa von ACT. Näheres hierzu in der Modellbau- Akademie in den „Basics“ Seite 70.

TEXT und FOTOS: Lothar Limprecht
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