Schwerpunkt „Tarnanstrich“

Besser als gut: So tunt man Revells 1:32er-Jäger

Schon wieder eine Bf 109? Ja, vor allem, wenn es sich um das erste korrekte Modell einer G-10 Erla handelt. Wir zeigen, wie man aus einem guten Kit ein Topmodell macht.
 
Modellbau: So tunt man Revells 1:32er-Jäger © Andreas Dyck


Nach dem Öffnen des Kartons fangen die Augen an zu leuchten. Das Modell gehört eindeutig zu den Modellbausätzen der „neuen Generation“ mit fein ver- senkten Gravuren, hochdetailliertem Cockpit, sauberer Verglasung sowie gratfreien Teilen. Als Zubehör sollen dann noch ein Decalbogen, Resin-Propeller und Auspuffrohre von Barracuda sowie Zoom-Ätzteile von eduard und Gurte von HWG hinzukommen.


Gewusst wie

 

1. Einfach, aber effektiv: Der Computer dient hier als kleines Helferlein zum Bestimmen der Nietreihen



2. Die feinen Doppelreihen tragen ein Stück mehr dazu bei, ein möglichst vorbildge- treues Abbild des Originals zu erhalten



3. Die Naht an Ober- und Unterseite hat der Modellbauer nachgraviert, wobei ein Klebeband als Hilfslineal diente



4. Auch für eine sichere Führung des Nietrades am Rumpf sorgt Klebeband als eine Art Hilfslineal 


5. Auch für eine sichere Führung des Nietrades am Rumpf sorgt Klebeband als eine Art Hilfslineal

Die gesamte Modelloberfläche soll mit Nieten- reihen und neuen Gravuren versehen werden. Eine Dreiseitenansicht mit dem genauen Verlauf, angezeigt auf dem iPad und mit Daumen und Zeigefinger passend vergrößert, dient als Vorlage. Die Tragflächen und der Rumpf werden dann vorsichtig auf das Tablet gelegt und die ersten Punkte markiert (1). Selbstverständlich geht das auch mit einer maßstäblich vergrößerten Zeichnung auf Papier. Hier mache ich mir aber die heutige Computertechnik zunutze, weil es einfach schneller geht. Mit einem dünnen, wasserfesten Filzstift lässt sich der Verlauf der Nietreihen gut auf den Tragflächen markieren und anschließend mit dem Nietrad von Trumpeter abfahren (2, 3). Erfahrung zeigt, dass die Zeichenmethode am Rumpf nicht funktioniert, da man auf den starken Wölbungen zu schnell abrutscht. Dort kommt dann etwas dickeres Klebeband zur Anwendung, an dessen Kante man vorsichtig, aber doch mit einem gewissen Druck, die Niet-reihen entlangsetzt (4, 5). Insgesamt ist dieser erste Arbeitsschritt schon im Vorfeld notwendig da man alle Bauteile hier noch einzeln vor sich hat und vernünftig auf der Werkbank oder dem Küchentisch bearbeiten kann. Ein nachträgliches Setzen der Nietreihen am fertigen unlackierten Modell dürfte dagegen unweigerlich zum Misserfolg führen.
 

  1. Das eduard-Zoom-Set verfeinert das Cock- pit, ebenso die bei geöffneter Kabinenhaube gut sichtbaren Stoffgurte von HWG
  2. Das Cockpit aus der rechten Perspektive
  3. Arbeiten direkt am Spritzling erleichtern mit provisorisch angebautem Instrumentenbrett



  1. Die Resin-Teile von Barracuda ersetzen die kleinen Lufthutzen, die beim Bausatz vorn geschlossen dargestellt sind
  2. Der Unterschied zwischen Spritzguss- und Resin-Teilen (vorn) ist hier besonders gut zu erkennen

  1. Die Sinkstellen auf den oberen Tragflächenbeulen lassen sich ohne großen Aufwand ausspachteln
  2. Die zweiteiligen Fahrwerksbeine sind bereits verklebt, fertig verschliffen und rot lackiert


Zur Sache

Das bereits gute Cockpit verfeinert das Eduard-Zoom-Set deutlich weiter. Dessen farbig bedruckte Ätzteile sind einfach praktisch, da man sich die zeitraubende Mikrobemalung der feinen Details sparen kann. Die angegossenen Gurte des Kits auf dem Führersitz sind zwar nicht schlecht, können die verwendeten Stoffgurte von HWG aber bei weitem nicht toppen (6). Später gut zu sehen sind auch die feinen Ätzteile für die Seitenruderpedale und kleinen Hebel sowie Hinweisschilder aus dem eduard-Zoom- Set (7). Das Cockpit ist komplett in RLM 66 lackiert, wobei die Seitenteile direkt am Spritzling bemalt und mit Details verfeinert werden (8). Weitere Vorbereitungen zur Rumpfmontage sind das Anbringen der kleinen Lufthutzen an der Motorhaube die bei dem Revell-Modell vorn geschlossen sind (9). Diese werden daher vorsichtig mit dem Skalpell entfernt und durch die feinen Resin-Teile von Barracuda ersetzt.
Das Gleiche gilt bei den Auslässen der Auspuffrohre. Sie muss man zwingend vor dem Zusammensetzen der Rumpfhälften einkleben, was nicht gerade das spätere Lackieren der kleinen Teile erleichtert (10). Nach Montage der Propeller-Aufnahme und des Kühlers lassen sich die Rumpfhälften miteinander verkleben. Das Sporn Rad wird wegen der Bruchgefahr noch nicht eingeklebt, es lässt sich ohne Probleme auch zum Schluss des Baus einsetzen. Der Anbau und das Ansetzen der Tragflächen erscheinen dagegen et- was ungewöhnlich, da man die oberen Trag- flächenhälften geteilt hat. Dadurch entsteht eine Klebenaht, die man sauber verschleifen und nachgravieren muss (11).

Kleinteilorgie

Die Kühlerklappen kann man geöffnet oder geschlossen darstellen. Ebenso sind die Landeklappen in jeder möglichen Position darstellbar. Sie werden nicht verklebt, sondern praktisch in den Spalt eingeklinkt und bleiben beweglich. Das Gleiche gilt bei dem Seiten- und dem Höhenruder, das ich dann allerdings doch in abgesenkter Position verklebe. Die Vorflügel sind vorerst nur in eingefahrener Position angeheftet, um beim Lackieren das typische Wellenmuster an der Tragflächenvorderkante im Stück lackieren zu können. Sie lassen sich danach wieder lösen und ausgefahren darstellen. Die Fahrwerksbeine sind unglücklicherweise zweiteilig, dadurch entsteht eine unschöne Klebenaht, die man sauber verschleifen muss (12). Der 300-Liter-Zusatztank ist schnell montiert, erhält aber noch eine kleine Kanüle an der Spitze.

  1. Der Zusatztank wirkt wie ein Zwischen- ding der Typen D und C. Mit etwas Geduld sollte man ihn in Form schleifen
  2. Nach der Grundlackierung mit RLM 74 hebt man mit Panel Line Washing die feinen Gravuren und Wartungsdeckel hervor


  1. Die lange Trocknungszeit von Washings mit Enamelfarbe ermöglicht die Darstellung von Ablaufspuren mit einem Flachpinsel
  2. Kleine schwarze Ölfarbpunkte, mit dem Zahnstocher aufgetragen und mit einem Flachpinsel und Feuerzeugbenzin verblendet
Nach meinen Recherchen gab es zudem mindestens vier verschiedene Formen des Tanks: Typ B, der sehr selten verwendet wurde, sowie Typ D, C und E. Der bei dem Modell dargestellte Tank ist eher ein Zwischen- ding zwischen Typ D und C (13). Meiner Meinung nach müsste es der Typ C sein, unten korrekt abgeflacht, aber am Ende auf keinen Fall so spitz auslaufend wie am Modell dargestellt. Man könnte den Fehler eigentlich selbst beheben, indem man die Spitze einfach runder schleift. Ich hatte das im Eifer des Gefechts einfach vergessen. Erst beim Schreiben des Artikels stößt mir der Fehler eigentlich doch etwas bitter wieder auf. Hat man dann die vordere Cockpit-Verglasung verklebt, geht es auch schon an die Lackiervorbereitungen. Alle Kleinteile wie Antennen, Fahrwerk usw. werden erst ganz zum Schluss nach der Lackierung ange- bracht. Natürlich unterschieden sich die in Leipzig bei den Erla-Werken gebauten Maschinen farblich nicht von anderen Bf 109. Auch hier kamen die Standardfarben RLM 74/75/76 zum Einsatz.


Leipziger (Farb-)Allerlei

Am Ende des Krieges kam es aufgrund der Dezentralisierung von Baugruppen und de- ren späterer Zusammenführung zur End- montage aber zu Abweichungen. So entstan- den auch Maschinen, an denen teilweise Baugruppen unlackiert waren. Ein Beispiel ist die zweite Farbvariante des Modells mit teilweise blanken Tragflächenunterseiten. An meinem Modell waren Unter- und Rumpfseiten jedoch im üblichen RLM 76 la- ckiert. Mit einem Panelline-Wash von MIG habe ich alle Gravuren und Wartungsdeckel ausgelegt (14). Zusätzlich werden einige schwarze Punkt mit Ölfarbe und Zahnsto- cher aufgetragen und anschließend mit ei- nem in Feuerzeugbenzin getränkten Flach- pinsel verblendet (15, 16).

  1. Das Tarnmuster wurde freihändig auflackiert. Einzelne Felder sind bereits mit der aufgehellten Grundfarbe gespritzt.
  2. Das Lackieren des Wellenmusters an der Flächenvorderkante mit freihändig wellig geschnitten Post-its (s. S. 80 f.)
  3. Das Ergebnis wirkt recht realistisch. Farbe mit etwa 0,5 Bar Druck auftragen, um Sprühnebel zu vermeiden!
Ergebnis ist eine leicht verschmutzte Tragflächenunterseite. Das Tarnmuster auf der Flugzeugoberseite lackiere ich freihändig. Mit etwa einem Bar Druck hat man kaum Sprühnebel und kann auf schwebende Masken verzichten, sofern man einigermaßen geübt ist und die Air- brush immer schön 90 Grad zur Modelloberfläche hält. Genauso, aber mit noch et- was weniger Druck, lackiere ich dann die Tarnflecken an den Rumpfseiten (17) (siehe Beihefter „Tarnschemen und Farben der Luftwaffe“ in diesem Heft). Etwas kniffliger wird es bei dem Wellenmuster an den Tragflächenvorderkanten. Hier kann man auf Post-it-Zettel zurückgreifen (18). Mit dem Skalpell werden auf der Klebeseite leichte Wellen ausgeschnitten (siehe S. 80 f.). Diese müssen nicht 100-prozentig gleich aus- sehen, da sie am Original auch eher ungleichmäßig erscheinen. Das vorsichtige Lackieren mit RLM 76 bildet dann den Abschluss (19). Kleinteile wie Propeller und Spinner werden ebenfalls farblich fertig- gestellt, die Propellerblätter lackiere ich in RLM 70 Schwarzgrün. Auf Originalfotos kann man an den Rückseiten der Blattspitzen oft eine Abnutzung erkennen. Die Blatt- spitzen werden dazu mit Alclad Weißaluminium lackiert, als Lage darauf folgt die rötliche Grundierung und schließlich RLM 70 (20).



20. Barracuda-Teile ersetzen auch den Propeller. Wichtig! „Abgeschmirgelte“ Blattrückseiten wie auf Originalfotos
21. Das sieht (noch) nicht gut aus. Aber ein starker Weichmacher lässt die Spirale später akkurat und sauber anliegen
22. Nach dem Abkleben mit Tamiya-Band wird die komplette Fläche zunächst weiß lackiert.


23. Nach dem Weißauftrag wird das Mittel- band maskiert, bevor (wie hier zu sehen) die hellblaue Farbe aufgetragen wird
24. Nach dem Demaskieren erscheint das Rumpfband in voller Pracht. Das Decal des Bausatz wäre dagegen zu grell.



25. Hellgraue Pigmente lassen sich mit dem Pinsel in die Nietreihen „einmassieren“ und bleiben dezent sichtbar.
26. Mit Panel Line Wash simuliert man mit dem Luftstrom der Airbrush Verschmutzungen und Treibstoffspuren

Der schwarze Spinner erhält ein Decal für seine weiße Spirale. Hierbei ist ein starker Weichmacher recht hilfreich. Anfängliches Faltenschlagen lässt Böses erahnen und man packt das Bauteil am besten außer Sichtweite, da man ständig versucht ist, Fal- ten und Bläschen mit dem Pinsel wegzudrücken. Um Beschädigungen zu vermeiden, sollte man das aber auf keinen Fall machen (21), denn die Falten sind nach einigen Stunden Trockenzeit von selbst wieder verschwunden. Das beigelegte weiß-blaue De- cal für das Rumpfband in den Farben des JG 300 habe ich nicht verwendet, da mir sein Blauton etwas grell erschien. In relativ wenigen Arbeitsschritten ist das Rumpfband aber schnell selbst lackiert (22 bis 24). Momentan sehen viele Modelle recht verrostet, vergammelt und abgewetzt aus, gerade bei Militärfahrzeugen ist dieser Trend sehr stark ausgeprägt. An Flugzeugen hat das aber kaum etwas zu suchen, es sei denn, sie liegen seit Jahrzehnten in irgendwelchen Wäldern oder auf Schrottplätzen herum. Dass Flugzeuge natürlich Wind und Wetter ausgesetzt waren und sind, ist kein Geheimnis, und so altere ich dezent. Die beiden Grundfarben RLM 74 und 75 werden mit einem Grauton aufgehellt und punktuell auf die Oberfläche lackiert. Ein Auftragen hell- grauer Pigmente auf die nachträglich angebrachten Nietreihen beendet den ersten Alterungsvorgang (25). Danach bringe ich die Decals mit einem leichten Weichmacher auf. Der Zusatztank erhält noch eine Spe- zialbehandlung mit Line Wash von MIG. Das Washing wird einfach mit dem Pinsel aufgetragen und mit der Airbrush-Pistole in Flugrichtung angeblasen. So entstehen sehr feine „Spinnenbeine“ und Schlieren, die ausgelaufenen Kraftstoff simulieren (26).

  1. Die Ringantenne des Bausatzes ist relativ klobig und wird durch eine aus Ätzteilresten selbst gebogene Antenne ersetzt
  2. Nicht alltäglich sind die roten Fahrwerke, die einen schönen farbigen Kontrast bieten

  1. Leichte Kratzer kann man gut mit Scotch-Brite oder auch Haushaltsschwämmen darstellen
  2. Den Unterschied zwischen normaler und Erlahaube zeigen die Pfeile. Links die Erlahaube, rechts die normale Haube.
  3. Sogar die Rutschmarkierung und kleine Wartungsmarkierungen auf der Felge sind auf dem Decalbogen vorhanden
 Ist das Modell dann komplettiert, folgt das Lackieren und Versiegeln mit einem seidenmatten Klarlack. Den Abschluss bildet die Montage bruchgefährdeter Teile wie Antennen und Heckfahrwerk (27). Vorbild des Modells ist übrigens die Bf 109 G-10 von Leutnant Friedrich-Wilhelm Schenk (JG 300) mit dem ungewöhnlichen Spitznamen „Timo-Schenko“ an der linken Rumpfseite. BarracudaCals hat dafür Decals in hervorragender Qualität auf den Markt gebracht. Besonders interessant finde ich die roten Fahrwerksbeine, die man an Bf- 109-Modellen nicht so oft findet (28). Sie signalisierten dem Bodenpersonal, dass die- se Maschine nur C3 (100 ROZ) Treibstoff erhalten durfte. Laut Anleitung des Decal-Bo- gens war diese Maschine auch nicht sehr abgenutzt (Lackabplatzer etc.), da aus tech- nischen Gründen oft nicht einsatzbereit. So habe ich nur ganz dezent kleine Schram-men auf der Rumpfseite und dem Begehfeld der Tragfläche mit einem Schleifpad und etwas Revell Aqua Aluminium aufgetupft (29).



Zubehör: Decals von BarracudaCals (BC32144), Barracuda Studios: Bf-109 G-10 Intake and Exhaust Set, Bf-109 Prop and Spinner; eduard: zoom Bf-109 G-10 Interior (33136); HGW: Seatbelts Sitz - gurte Jäger (Standardversion) (32501) Farben: Xtracrylics: RLM 74, 75, 76 und Seidenmattlack; Lukas: Ölfarben Weiß und Schwarz; MIG: Panel Line Wash Deep Brown

Mehr über den Bausatz erfahren Sie hier.





Fazit

Der Kit ist ein weiterer 1:32er-Höhepunkt von Revell. Es finden sich alle typischen Merkmale einer Erla Bf-109 G-10 (30, 31). Ist also ein Leben ohne die neue Me 109 möglich? Ja sicher, gewiss! Doch ist es dann noch sinnvoll? Ich glaube, nein!





 
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