Panzer der frühen 30er-Jahre

Bistrochodny Tank: BT-7 Mod. 1935

Vor einigen Monaten erschien dieser brandneue BT-7-Bausatz. Mit ihm bringt uns Tamiya zurück in die frühen 30er-Jahre des letzten Jahrhunderts und bietet einen konzeptionell höchst interessanten Panzer der sowjetischen Armee an – und das
in sehr überzeugender Qualität.

Ein Novum: Der BT-7 konnte sowohl mit als auch ohne Ketten fahren. © Lars Richter
Ein Novum: Der BT-7 konnte sowohl mit als auch ohne Ketten fahren.

Den potentiellen Käufer erwartet ein typisches Tamiya-Produkt im besten Sinne des Wortes: eine klar strukturierte Bauanleitung, ein separates Beiblatt in Hochglanzqualität mit vielen Detailfotos eines Museumsfahrzeugs, ca. 260 extrem sauber gespritzte Teile mit sehr feinen Details (verteilt auf neun Spritzrahmen), eine Ätzteilplatine, eine Abschleppkette, sauber gedruckte Decals und zusätzlich eine brillante Idee der Tamiya-Konstrukteure, dazu später mehr. Alles in allem also ein mehr als erfreulicher erster Blick, der dazu verleitet, möglichst bald mit dem Bau zu beginnen.

Schneiden, schleifen, kleben

Untypisch für aktuelle Bausätze ist, die Unterwanne aus Seitenwänden, Bodenplatte und vorderen beziehungsweise hinteren Wannenseiten zu montieren. Diese Aufteilung dürfte dem charakteristischen doppelwandigen Aufbau des Originals geschuldet sein, stellt den Modellbauer aber vor keinerlei Probleme, da alle Wannenteile perfekt und passgenau sind.

Das "Christie-Fahrwerk" selbst ist nur rudimentär wiedergegeben, sollte jedoch keinen Anlass zu Kritik geben, denn durch den doppelwandigen Aufbau der Wanne ist später sowieso nichts von den interessanten Fahrwerksaufhängungen zu sehen.

Bei der Wiedergabe der Gleisketten hat Tamiya glücklicherweise auf eine Vinylkette verzichtet und bietet stattdessen eine Segmentbauweise aus Plastikteilen an. Wir finden zwei längere Abschnitte (wovon der obere Abschnitt Teil P 9 bereits einen leichten Durchhang aufweist) und kürzere Abschnitte für die Lenk- und Leiträder.

Auf den Innenseiten fallen deutlich die herstellungsbedingten Auswerfermarkierungen auf, die unbedingt verspachtelt werden sollten. Ich empfehle beim Zusammenbau der Gleisketten, peinlich genau der Bauanleitung zu folgen, welche sprichwörtlich die Richtung vorgibt.

Die Biegehilfe – eine brillante Idee

Kommen wir nun zur eingangs angesprochenen und in meinen Augen brillanten Idee der Konstrukteure aus Fernost. Charakteristisches Merkmal der BT-7 ist unter anderem die große Auspuffabdeckung auf dem Motordeck.

Im Bausatz liegt diese Abdeckung als Ätzteil bei. Ohne entsprechendes Hilfsmittel wäre ein Zurechtbiegen ganz sicher ein Albtraum, doch in Baustufe 13 greift Tamiya dem Modellbauer sehr clever unter die Arme und legt eine durchdachte und leicht zu handhabende Biegehilfe bei. Die Fotostrecke dazu zeigt, wie man am Ende zu einer perfekten Abdeckung kommt.

Ebenfalls in Form von Ätzteilen liegen die feinen Gitter für die linken und rechten Kühlereinlässe bei. Die sonstigen Anbauteile wie Lampen, Staukisten und Schutzbleche lassen sie wie von selbst anbringen. Auch wenn ich mich wiederhole – die Passgenauigkeit ist durchgehend erstklassig.

Meine einzigen Ergänzungen/Verbesserungen im Bereich der Wanne beliefen sich auf das Hinzufügen von Nieten im Heckbereich, der Darstellung von Schweißnähten am Bug und der Verkabelung der Lampen und der Hupe.

Der Turm (Bauschritt 21) lässt sich ebenso problemlos und angenehm zusammensetzen wie der Rest des Modells. Hier darf man wählen, ob man gerne eine Variante mit der 71 TK1-Funkantenne oder eine normale Kampfpanzervariante zeigen möchte. Ich entschloss mich, die große Rahmenantenne wegzulassen, da mir eher Fotos des BT-7 geläufig sind, die das Fahrzeug ohne sie zeigen.

Zusammenfassend muss ich feststellen, dass der reine Bau des Modells in der Tat ohne Klippen durchführbar ist, recht zügig vonstatten geht und somit der Weg für den kreativen Teil frei ist – die aufwändige Lackierung.

Grün – aber mit Variationen

Wer die angesagten Trends in der Modellbauszene ein wenig mitverfolgt, wird bemerkt haben, dass eines der ganz großen Themen nach wie vor die „Haarspray-Methode“ ist. In der MODELL FAN-Ausgabe Mai 2011 hatte sich Kollege Özgür Güner zuletzt mit eben dieser Methode anhand seines T-28 eingehend beschäftigt.

Auch ich hatte diesbezüglich bereits einige Versuche hinter mir, aber bei der Frage, wie ich meinen BT-7 darstellen will, kam mir augenblicklich das Bild einer verwaschenen Wintertarnung vor mein geistiges Auge. Also gut, warum nicht noch ein Russe in diesem ausgefallenen Look, auch wenn’s langsam etwas inflationär wird?

Als Vorbereitung für die Lackierung wurde das Modell zunächst gründlich in warmem Seifenwasser gespült. Die Grundierung, also die erste Trägerschicht Farbe, sprühte ich mit XF-20 medium grey auf. Da man generell von dunkel nach hell arbeiten sollte, mischte ich mir zunächst aus den Tönen XF-58 olive green und XF-67 NATO green einen schlüssig erscheinenden grünen Farbton zusammen.

Die Zugabe von etwas Klarlack sorgt dabei für ein seidenmattes Oberflächenfinish, welches zu empfehlen ist, da genau dieses bei späteren Alterungsarbeiten benötigt wird. Daher unbedingt matte oder hochglänzende Lackierungen vermeiden. Um die Basislackierung nun optisch abwechslungsreicher zu gestalten, wurde die anfangs verwendete Grün-Mischung durch Zugabe von XF-3 flat yellow und XF-21 sky aufgehellt.

Aufhellungen sind extrem wichtig, will man später ein „plattes“ Erscheinungsbild vermeiden, das menschliche Auge nimmt dann selbst ein filigranes Modell lediglich als einheitliche Masse dar. Die erwähnten Aufhellungen sollten immer nach oben hin durchgeführt und in den Mittelbereichen von Paneelen gesetzt werden, sodass wir dunklere Ränder beziehungsweise dunklere Unterseiten erzielen.

Bild 11 gibt einen guten Eindruck vom Effekt, den wir erzielen wollen, denn erst wenn das ohnehin plastische Modell durch die Lackierung noch mehr Tiefe zeigt, haben wir unser Ziel erreicht – die Grundlackierung steht.

Drei dünne Lagen Haarspray

Auf das Hervorheben von Details durch Pinselbemalung einer nochmals weiter aufgehellten Farbe habe ich verzichtet, da ich aus Erfahrung wusste, dass derartige Effekte später samt und sonders unsichtbar bleiben würden. Daher konnte das berühmte Haarspray jetzt zum Einsatz kommen. Ich habe mir angewöhnt, das Spray aus der Dose in einen Becher zu sprühen, damit das flüssige Material gezielt und dosiert mit einer Spritzpistole aufgetragen werden kann.

Hierfür verwende ich eine billige, einfache Airbrush. Das Haarspray wird ganz einfach in mehreren dünnen Lagen – drei Lagen waren es in diesen Fall – aufgetragen. Während das Haarspray langsam antrocknete, nutzte ich diese Zeit und mischte XF-2 white mit Wasser an, bis eine milchartige Konsistenz erreicht war.

Diese Mischung wurde nun unter leichtem Kompressordruck auf ausgewählte Bereiche aufgetragen, eine flächendeckende Bearbeitung sollte vermieden werden, schließlich soll ja ein abgenutzter, nur noch in Teilen erkennbarer Rest Wintertarnung vorhanden sein. Das ganze habe ich dann ca. 20 Minuten ruhen lassen.

Fängt man vorher an, die Farbe zu entfernen, bringt das keine guten Ergebnisse, da sich die Farbe nicht optimal abkratzen lässt. Zum Entfernen verwendete ich einen Pinsel mit relativ harten Borsten. Diese gewährleisten mit einiger Sicherheit, dass die Farbe mehr kratzerförmig abgetragen wird.

Fairerweise muss ich sagen, dass man das Endergebnis nie hundertprozentig genau vorbestimmen kann, lediglich die grobe Richtung lässt sich erreichen. Ist die Lage und Form der einstmaligen Wintertarnung festgelegt, kann es an das Altern gehen. eduard bietet flexible Masken an, mit denen vorher die auffälligen roten Turmnummern entstanden.

Das Weiß sticht extrem von der grünen Lackierung ab. Dieser Effekt muss abgemildert werden, hierzu lassen sich hervorragend so genannte Filter verwenden. Bei dieser Technik, die mit extrem verdünnten Farben arbeitet, wird erreicht, dass sich heftige Kontraste abschwächen lassen und ein einheitlicheres Bild ergeben.

Ich habe hier fertige, gelblich-bräunliche Filtermischungen verwendet, genauso gut lassen sich aber auch Humbrol-Farben im Mischungsverhältnis 10:90 mit Verdünner anmischen. Auch hier wurde erneut in mehreren dünnen Lagen gearbeitet. Sind die Filter komplett getrocknet, kann das Modell mit Hilfe von Ölfarben weiter akzentuiert werden. Diesen Schritt nennt man „Fading“ oder übersetzt: verblenden.

Kleine Punkte der verschiedenen Ölfarben werden dabei auf die Oberfläche gesetzt, mit einem in Verdünnung angefeuchteten Pinsel in die Oberfläche eingearbeitet und gewissermaßen am Modell miteinander vermischt. Der dabei entstehende Effekt bewirkt eine Abdunklung der Grundlackierung und zugleich eine abwechslungsreichere Wirkung der Lackierung.

Auf Bild 14 sieht man anschaulich, wie auffällig der Unterschied zwischen einer behandelten und unbehandelten Fläche ist. Dazu ein kleiner Tipp aus der Praxis: Wenn die Ölfarben vor dem Fading auf einem saugfähigen Stück Karton auftragen werden, wird das in der Farbe befindliche Öl aufgesogen und die eingedickte Farbe trocknet am Modell wesentlich schneller und vor allem auch glanzfrei auf!

Details, Schweißnähte und tiefer liegende Bereiche betonte ich anschließend mit einem „Detail-Washing“ (Ölfarben-Mix). Wichtig ist nach meiner Erfahrung, dass man das Modell vorher mit Verdünnung benetz. Ob per Pinsel oder mittels Airbrush ist egal, es kommt nur darauf an, dass die Oberfläche feucht ist und die verdünnte Ölfarbe nicht unkontrolliert verlaufen kann, sondern sich schön sauber um die zu bearbeitenden Details legt. Eventuelle Unsauberheiten können dank der langen Trockenzeit von Ölfarbe dann noch immer beseitigt werden.

Schmutzablagerungen für das Finish

Die letzten Schritte der Alterung bestanden im Zufügen von Schmutzablagerungen. Die dunkleren und  feuchten Ablagerungen wurden mit dunklen Pigmenten dargestellt. Dazu vermischte ich farblich passende Pigmente mit dem MIG-Pigment-Fixierer und trug sie feucht auf. Für Glanz sorgt die Zugabe von Klarlack.

In die feuchte Masse wurden dann umgehend noch hellere Pigmente eingearbeitet, die angetrockneten Schmutz darstellen sollen. Diese Pigmente wurden mit einem alten Pinsel aufgenommen und gewissermaßen auf das Modell „geschnippt“.

Mit allerletzten Feinarbeiten ging der BT-7 seiner Vollendung entgegen, hier und da noch etwas ausgelaufenes Öl/Schmierfett dargestellt, einige Gräser und Blätter aufgebracht und vor mir stand ein Modell, genau wie ich es mir vorgstellt hatte. Tamiya ist und bleibt Tamiya. Abgesehen vielleicht vom Kanonenrohr, besteht hier absolut keine Veranlassung, irgendwelches Zubehör zusätzlich zu erwerben.

Der BT-7 ist bereits aus der Schachtel heraus als Schmuckstück zu werten. Meine Meinung lautet daher: uneingeschränkt empfehlenswert für reine Bastelfreude. Der BT-7 wird vor allem auch einen Einsteiger sicher nicht auf halber Strecke im Stich lassen. In diesem Sinne: »Happy modelling«!

TEXT und FOTOS: Lars Richter
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