Außenarbeiten am Rumpf eines Seglers optimal durchführen

Dampf-Segelschiff U.S.S. Kearsarge im Top-Level-Umbau

Wer verstehen möchte, wie die Außenarbeiten am Rumpf eines Seglers - hier die U.S.S. Kearsarge - optimal durchgeführt werden, der ist bei unserem Top-Level-Umbaus genau richtig.

Revells Bausatzoldie des Dampf-Segelschiff U.S.S. Kearsarge im Top-Level-Umbau © Norbert Mertens
Revells Bausatzoldie des Dampf-Segelschiff U.S.S. Kearsarge im Top-Level-Umbau

So, nun war es also so weit, mit den „Außenarbeiten“ am Rumpf zu beginnen. Zuerst entfernte ich die erhabenen Plankenstöße, welche ich eher als „Schweißnähte“ bezeichnen würde. Also runter damit und nachgraviert.

Anschließend arbeitete ich mit meiner Feile die Holzmaserung nach. Weiter ging es mit einer Konstruktion am Heck, dessen Funktion mir lange unklar war. Ich habe diese nach Plan aus Kupferkabel, Holzkügelchen, Plastikrundstab und zwei Kugelschreiberspitzen (sic!) hergestellt.

Meine Kollegen Lars und Christian von Modellmarine konnten dann Licht ins Dunkel der Aufgabe dieser rätselhaften Objekte geben. Es handelt sich um Bojen, welche in einem Tragegestell am Heck, back- und steuerbords befestigt sind.

Ich klebte beide Konstruktionen an ihren Platz (lackiert wurde das Ganze zusammen mit dem Rumpf) und versuchte forthin, die Teile nicht abzureißen. Obwohl mir das während des weiteren Baufortschritts nicht immer gelang, überlebten sie alle Unbill unbeschadet.

Im Bausatz war merkwürdigerweise nur eine Außentreppe für Steuerbord vorgesehen. Aber auf den Konstruktionsplänen und auf den alten Fotos hat die Kearsarge beidseitig Treppen, was ja auch logisch ist. Da die Originalteile nicht überzeugten, machte ich mich daran, zwei neue Treppen zu bauen.

Für die Gitter der Plattformen verwendete ich zurecht geschnittenes Teesieb, welches ich in einen Rahmen aus Plastiksheet einklebte. Die Treppenseite und die Stufen wurden dann Stück für Stück aufgebaut. Auch deren Farbgebung erfolgte zusammen mit dem Rumpf.

Beim Vergleich mit den Plänen stellte ich fest, dass am Rumpf zwar alle vorhandenen Bullaugen an ihrer richtigen Position sind, aber egal wie oft ich sie zählte, es fehlten deren vier je Seite. Also habe ich mittels eines Punch&Die-Sets Plastik-Sheet-Scheibchen mit drei Millimetern Durchmesser ausgestanzt und an die entsprechenden Positionen geklebt. Darauf bohrte ich sie mit einem Zwei-Millimeter-Bohrer  auf.

Kurz vor Ende der Gesamtbauzeit wurde ich durch den Hinweis eines Modellbaukollegen auf fotogeätzte Bullaugenfassungen aufmerksam gemacht, die auch noch genau den passenden Durchmesser hatten. So habe ich mir 40 Stück bestellt und fertig lackiert eingebaut.

Als abschließende Arbeit waren dann noch die „Scheiben“ mit Window Maker von Model Master einzubauen. Aber dieser Arbeitsschritt kam erst kurz vor Einbettung der Kearsarge in ihren „Liegeplatz“.

Zunächst ging es weiter mit den Halterungen für die Sonnensegel. Diese Planen aus Segeltuch wurden aufgespannt, wenn die Kearsarge in tropischen Gefilden unterwegs war. Die Halterungen waren außen an der Reling im Bereich des Poopdecks und der Back angebracht. Ich habe sie aus Holzleisten gefeilt und geschliffen, anschließend montiert und zusammen mit dem Rumpf lackiert.

„Drei Farben Schwarz ...“

Ich habe als ultimatives „Farbtestfeld“ eine Plastikplatte genau so malträtiert wie zuvor schon den Rumpf, das heißt graviert und Holzmaserung aufgebracht und mehrere Farbmuster angelegt, damit ich am Rumpf keine Experimente starten musste. Nachdem alle Innenteile abgeklebt waren, und die Kearsarge aussah, als hätte Herr Christo sie verpackt, habe ich den Rumpf zunächst mit einem sehr hellen Grauton grundiert.

Anschließend trug ich dann ein Ölfarbengemisch aus Schwarz, Preußischblau und Pariserblau auf. Übrigens habe ich mir von diesem Gemisch einen ganzen Vorrat in einem alten Fotorollendöschen angemischt, um bei den sicher anstehenden Nachbesserungsarbeiten genug Originalfarbe vorrätig zu haben.

Dieses Gemisch trug ich also mit einem Pinsel auf. Hektik kommt bei Ölfarben keine auf, da sie ja eine lange Trockenzeit haben. Es dauerte schon eine ganze Weile, bis ich alles bemalt hatte. Am nächsten Tag begann ich damit, mit einem härteren Borstenpinsel über die (immer noch) frische Farbe drüber zu streichen und Farbe ab zutragen.

Durch Variation des Pinseldrucks entstand so eine ungleichmäßige Farbschicht, welche einen „lebendigeren“ Eindruck macht als eine homogene.

Den Wasserpass und die weißen Streifen an den Barkhölzern lackierte ich erst nach dem völligen Durchtrocknen der vorhergehenden Farbschicht.

Ein Wort noch zum Wasserpass. Nicht wundern, dass er blau ist und nicht rot wie im Revellbauplan gefordert. Im Bericht eines amerikanischen Modellbaukollegen, welcher die Kearsarge im Bürgerkriegszustand gebaut hat, weißt dieser darauf hin, das nach seinen Recherchen, niemals vom Zahlmeister der Kearsarge rote Farbe angefordert wurde, dafür aber blaue. Daher habe ich den Wasserpass der Kearsarge blau lackiert.

Zum Abschluss der (vorläufigen) „Malerarbeiten“ wurde das schiffsähnliche Gebilde wieder ausgepackt.

Mast und Schotbruch ...

Die Rüsten bedürfen besonderer Aufmerksamkeit. Da an ihnen die Untermarswanten befestigt werden, worauf sich dann alles andere aufbaut, musste ich sichergehen, dass sie auch halten, wenn die Wanten später richtig gespannt werden. Die Bausatzteile waren nicht geeignet. Also, hinweg mit den dünnen Bausatzteilen und das ganze stabiler aufgebaut.

Ich hatte noch Jungfern von meinen vorherigen Schiffen übrig. Also habe ich mir mit einem bisschen guten Willen die Püttingseisen aus Kupferdraht gebogen, die Jungfer mit eingearbeitet und beide Enden unterhalb der Jungfer verlötet. Danach habe ich das Ganze flach gefeilt.  

Als ich schließlich alle benötigten Teile angefertigt hatte, setzte ich das Einpassen aller Teile in die montierten und vorbereiteten Rüsten fort. Jedes einzelne Püttingseisen wurde angepasst und danach mit Sekundenklebergel an der Bordwand befestigt.

Aber Sekundenkleber allein, erschien mir zu unsicher, also habe ich hinterher alle Eisen, relativ vorbildgerecht noch mit je zwei Messingnägelchen am Rumpf gesichert.

Die nächste Baustelle war der Bug, oder genauer gesagt die Krulle am Ende des Vorderstevens. Obwohl schon alles lackiert war, fiel mir erst zu diesem Zeitpunkt auf, dass sie nicht mit den Konstruktionsplänen übereinstimmte. Also habe ich mal wieder die Säge hervorgeholt und das Bauteil abgetrennt.

Dann nahm ich ein Stück geschäumte Polystyrolplatte und klebte es ein. Sobald es trocken war, fing ich an, die Krulle zu schnitzen, wozu sich dieses Material gut eignet. Nachdem ich mit Magic Sculp die Übergänge bearbeitet hatte, sah das Endergebnis vorbildgerechter aus, und ich konnte nach weiteren Schleifarbeiten das Ganze lackieren.

Im weiteren Verlauf wurden dann auch gleich die Rüsten, Püttingseisen und der noch hinzugekommene Kranbalken in der gleichen Vorgehensweise behandelt wie vorher der Rumpf. Ich bin sicher, dass ich noch was vergessen habe, aber insgesamt waren damit die Arbeiten am Außenrumpf beendet. 

TEXT und FOTOS: Norbert Mertens
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