Größenunterschiede im Diorama darstellen

David gegen Goliath: Panzer II vs. KV-II

Der erstklassig umgesetzte KV-II in 1:35 von Trumpeter sollte um einen Panzer II Ausf. C als Gegner für ein Diorama ergänzt werden und den gewaltigen Größenunter­schied zu einem deutschen Standard-Panzer dieser Zeit darstellen.

Der Strommast wurde mit Bleidraht von plusmodel „verkabelt“, so können die Leitungen mühelos in Form gebracht werden. © Frank Schulz
Der Strommast wurde mit Bleidraht von plusmodel „verkabelt“, so können die Leitungen mühelos in Form gebracht werden.

Der Panzer II in der Ausführung A/B/C sollte für das geplante Projekt verwendet werden, auch wenn Tamiya ihn mit dem Zusatz „French Campaign“ versehen hat. Diese Aussage ist auch völlig richtig, denn für den Russlandfeldzug wurden viele der Panzer II dieser Ausführungen mit einer Kommandantenkuppel ausgerüstet.

Der Umbau ist schnell gemacht, vorausgesetzt, man hat solch ein Teil zur Verfügung. Ich hatte das Glück, das ich vor Jahren eine Kuppel der Firma Airwaves gekauft hatte. Die Dragon Modelle des Panzer II sind für den Beginn des Russlandfeldzuges nicht geeignet, denn sie zeigen die Afrika- und späte F-Variante.

Änderungen und Bastelspaß

Der Bau eines neuen Tamiya-Modells ist eigentlich immer mit viel Bastelspaß verbunden, da die Bausätze passgenau und gut detailliert sind. Hinzu kommen eine eindeutige Bauanleitung und eine übersichtliche Anzahl von Bauteilen. Allerdings sind auch immer wieder kleine Detailschwächen vorhanden.

So fehlen beim Panzer II in den Leiträdern zwei kleine Löcher, die es im Original ermöglichen, an die Schmiernippel für das Leitrad zu kommen. Ein großer Pluspunkt des Modells ist seine erstklassig gemachte Einzelglieder- und Segmentkette. Wer vorsichtig mit dem Klebstoff umgeht, kann später dank der Poly Caps das Fahrwerk zur Bemalung einfach wieder auseinander nehmen.

In die Oberwanne müssen in Baustufe 5 diverse Löcher gebohrt werden, um später einige Teile montieren zu können. Aus den Sichtluken-Optionen an der Wanne kamen bei der von mir gewählten Ausf. C die Teile A19 zum Einsatz. Die Abschleppösen am Bug wurden durch je vier kleine Nieten verfeinert. Zusätzlich detailliert wurde ebenfalls das Nebelmittelwurfgerät mit feinen, geätzten Ketten. Zudem wurde ein Nachtmarschgerät am Heck ergänzt und der Notek-Scheinwerfer erhielt eine Zuleitung aus Bleidraht.

Am Turm wurden umfangreiche Änderungen nötig. Hierzu verschloss ich zuerst die Öffnung der Kommandantenluke komplett mit einer Plastikplatte und entfernte die Scharniere der alten Luke. Auch der Abweiser Teil C2 und das Periskop Teil C1 kamen nicht mehr zum Einsatz, die dafür vorgesehene Vertiefung im Turm wurde verschlossen.

Dann wurde die Position der neuen Kommandantenkuppel festgelegt und die neue Öffnung im Turm angezeichnet und aufgebohrt. Die kleine massive Platte vor der Kuppel zum Verschließen der alten Periskopöffnung musste aus Plastik angefertigt werden, ebenso die Halterungen für das Fla-MG rings um die Kuppel. Durch die Montage der Kuppel musste die Hebeöse am Turmheck vom Dach an die Rückwand des Turmes noch versetzt werden.

Das Modell verfügt über ein gut detailliertes Rohr der 2 cm KwK 30. Trotzdem wollte ich es gegen ein noch feineres von Schatton-Modellbau tauschen. Leider erwies sich dieses Teil als sieben Millimeter zu lang. Das Tamiya-Rohr wurde somit vor der ersten großen Verdickung abgesägt und das Schatton-Rohr entsprechend auf die richtige Länge gekürzt und stumpf an das Plastikteil angesetzt. Für die Sichtluken am Turm kamen die Teile A18 zum Einsatz.

Die viel zu kleinen Nieten der Zusatzpanzerung an Oberwanne und Turm wurden kurzerhand entfernt und durch größere ersetzt. Am Heck montierte ich eine kleine Reling, um Stauraum für Zubehör zu schaffen. Der Blecheimer und die neue Antenne stammen von JB Model.

Markierung nicht von der Stange

Der Panzer II sollte eine interessante Markierungsvariante zeigen. Die Wahl fiel auf ein Fahrzeug des 7. Pz.Rgt. der 10. Panzerdivision. Diese Fahrzeuge zeigen eine Vielzahl von Markierungen und sind gut dokumentiert. Im ersten Schritt wurde das Modell komplett schwarz grundiert, was später als optische Tiefe dient.

Dann folgten mehrere dünne, jeweils aufgehellte Lagen Panzergrau. Die Ketten wurden separat in Dunkelbraun gespritzt. Bevor nun die ganze Prozedur mit Washing, Fading, Trockenmalen, Mikrobemalung, Staub und Pigmenten folgte, wurden sämtliche Abzeichen angebracht. Die Balkenkreuze kamen von Archer, der springende Büffel ist ebenfalls eine Anreibemarkierung von MIG.

Hier mussten allerdings die Ränder hinterher mit Farbe deutlich dünner und unregelmäßiger gestaltet werden. Das gelbe Divisionsabzeichen und die weiße „5“ wurden mithilfe einer Schablone aufgespritzt. Auch die kleine Fahne an der Antenne entstand mittels einer Schablone.

Der Goliath

Zum halben Preis des Panzer II von Tamiya erhält man von Trumpeter die großen KV-II, in diesem Fall einen frühen mit MT-1-Turm. Eigentlich als reines Dioramenzubehör gedacht, hat sich dieses Modell schnell zum großen Spaßfaktor entwickelt. Sehr gut durchdacht und völlig unkompliziert im Zusammenbau ist es absolut taschengeldfreundlich und somit auch ein echtes Anfängermodell. Durch die Beigabe von sehr guten Vinylketten sowie Einzelglieder- und Segmentketten in Plastik ist zudem ein problemloser Zusammenbau der Ketten gewährleistet.

Beim Zusammenbau des Fahrwerks sollte man folgende Kleinigkeiten beachten: Sämtliche Lauf- und Stützrollen werden nur locker aufgesteckt, um das Laufwerk später zum Lackieren wieder demontieren zu können. Die stramm sitzenden Leiträder sollte man mit einer Kugelfräse etwas weiten.

Die Schmutzabstreifer an den Antriebsrädern (A5) sollten erst nach der Bemalung verklebt werden, da sonst die Antriebsräder nicht mehr abgenommen werden können. Trumpeter gibt die Zahl der Einzelkettenglieder am Antriebsrad mit neun an, hier sollte man nur acht wie am Leitrad montieren. Wenn man die Kette vorsichtig aufzieht, kann sie später sehr gut separat lackiert werden. Für die gerissene Kette kam eine alte von Modelkasten zum Einsatz. Für das Antriebsrad mussten die Zähne entfernt und passend zur Kette wieder angesetzt werden.

Am Turm wurden die Handgriffe aus Kupferdraht und das mehrteilige Kanonenrohr durch ein Alurohr von JB Model ersetzt. Einziges kleines Manko der KV-Modelle sind die Kühlergitter, hier hilft nur der Kauf von entsprechenden Ätzteilen, hier von Royal Model. Die Abschleppseile liegen aus Draht bei und wurden auf die entsprechende Länge gebracht und aufgezwirbelt, um den abgerissenen Eindruck zu erreichen.

Russischgrün – das andere Panzergrau

Der KV-II wurde dunkelbraun grundiert, um wiederum Tiefe zu schaffen. Der zweite Durchgang erfolgte nicht ganz deckend mit Bronzegrün, um dann in weiteren Durchgängen mit einer Mischung aus Bronzegrün von Revell und Vallejo 006 das Ganze immer weiter aufzuhellen.

Zum Schluss trug ich eine sehr dünne Schicht helles Sandgelb auf, das wie ein erster Filter wirkt. Es folgten Washings mit MIG-Produkten, Filter, Mikrobemalung und viele Pigmente, die mit Pigmentfixer von MIG verarbeitet wurden. Die in Sütterlin gehaltene deutsche Aufschrift am Turm wurde mit einem Pastellkreidestift angebracht. Damit war der Bau abgeschlossen.

Der Untergrund für das Diorama wurde aus Styrodur grob vorgefertigt und dann mit einer Mischung aus Sand, Wasser und Weißleim bestrichen. In die noch feuchte Masse wurden der in den Straßengraben gerutschte KV-II eingedrückt, der Panzer II platziert und Fahrspuren mit alten Ketten und Rädern angelegt sowie Pigmente aufgebracht und fixiert.

Neben dem Straßenrand pflanzte ich einige wenige getrocknete Pflanzen und Grasbüschel von Mininatur. Der Strommast kommt von MiniArt und wurde mit Leitungen aus Bleidraht bestückt. Die verwendeten Figuren stammen alle von Dragon und erhielten lediglich neue, interessantere Köpfe von Hornet.

TEXT und FOTOS: Frank Schulz
Mehr zum Thema
Das könnte Sie auch interessieren