Fernsprechbetriebskraftwagen

Der IBG Einheitsdiesel der Wehrmacht

Langsam kommen sie, die Lkw der Wehrmacht! Nun reiht sich auch der kleine polnische Hersteller IBG-Models mit in die Riege der Produzenten ein. Der Einheitsdiesel zeigt den Versuch der deutschen Heeresführung, die Produktion von Militärfahrzeugen zu vereinheitlichen.

Einheitsdiesel-Fernsprechbetriebskraftwagen | Maßstab 1:35 © Frank Schulz
Fernsprechbetriebskraftwagen: Der IBG Einheitsdiesel der Wehrmacht

Die auf der Nürnberger Spielwarenmesse 2010 vorab gezeigten Spritzlinge und die Mustermodelle ließen erahnen, das es einiges an Detailarbeit erfordern würde, damit die Einheitsdiesel wirklich gut aussehen. Teils etwas grobe Kleinteile und die mageren Räder bestimmten diesen Eindruck.

Kurz darauf brachte die Firma Nico-Model Zurüstsätze auf den Markt, mit denen sich einige der Fehler und Ungenauigkeiten ändern lassen. Mit dem Set des Fernsprechbetriebskraftwagens kann man den kompletten Kofferaufbau mit einer Inneneinrichtung ausstatten. Es enthält sauber gegossene Resin-Teile, zwei Platinen mit Ätzteilen und ein lasergeschnittenes Stück Holzfurnier für den Fußboden des Kofferaufbaus.

Auf die Räder gestellt

Im Gegensatz zur Bauanleitung begann ich den Bau mit der Baustufe 3, dem Zusammenbau des Fahrgestells. Rahmen und Hilfsrahmen für die Hinterachse sind ein komplexes Gebilde aus vielen einzelnen Teilen, die ein sauberes Arbeiten verlangen. Danach folgen 14 Baustufen (!), um Fahrgestell, Motor und Räder zu komplettieren.

Der Bau erfolgte recht reibungslos. Lediglich das Entgraten der vielen Teile mit teils dicken Angüssen war recht zeitaufwendig. Baugruppen wie Motorblock und Druckbehälter der Bremse müssen mangels Passstiften genau ausgerichtet und verklebt werden. Der Motorblock ist einfach gehalten, besitzt alle wichtigen Anbauteile und müsste, wenn man ihn offen präsentieren will, noch mit weiteren Details versehen werden (1).

Die Räder sind schlecht umgesetzt und zerstören den ansonsten guten Gesamteindruck. Leider enthalten die beiden Zubehörsets keine neuen Räder und zur Zeit, als mein Modell und dieser Artikel entstanden, hatte auch noch kein Hersteller neue Räder für den Einheitsdiesel angekündigt. Hier kommt dem Modellbauer nun die Vereinheitlichung der Fahrzeuge aus dem Schell-Programm zugute.

So hatten der Einheitsdiesel, der schwere Einheits-Pkw und die 4-Rad-Spähwagen fast identische Felgen und Räder. Letztere Fahrzeuge gibt es im Maßstab 1:35. Meine Ersatzteilkiste enthielt noch gut detaillierte Räder, ich wäre ansonsten in der Lage gewesen, mir entsprechende Abgüsse anzufertigen. So stammen die Hinterräder vom Sd.Kfz. 221 von Bronco und die Vorderräder sowie das Ersatzrad vom Sd.Kfz. 222 von Tamiya.

Bei der Montage muss etwas getrickst werden, zumal die alternativen Räder einen größeren Durchmesser haben als die von IBG. Die Bremstrommeln (Teile X6) wurden nicht verwendet und zudem müssen die neuen Räder anders ausgerichtet und somit nicht ganz mittig auf die Achsen geklebt werden. Ich habe mir daher zur Montage und Ausrichtung ein passendes Arbeitsgestell gebaut.

Der am Rahmen befestigte Tank (X35 und X36) muss in der Form geändert werden, da sonst später die Fahrerkabine nicht passt. Hierzu wird an der äußeren vorderen Ecke ein Stück abgeschrägt und mit einem Stück Plastik verschlossen.

Der „Kasten“ wird aufgesetzt

Bei der Fahrerkabine wurde die grobe Struktur des Bodens abgeschliffen und durch ein Ätzteil aus dem Zubehörset ersetzt. Weitere Ätz- und Resin-Teile ergänzen das Fahrerhaus sinnvoll. Leider enthalten weder IBG-Bausatz noch Zubehörsatz Sitzpolster. Ich habe daher Sitz- und Rückenpolster der Kabine aus Magic Sculp modelliert (2).

An der Frontscheibe wurde der Mittelsteg entfernt, da dieser nur bei Fahrzeugen mit Pritschenaufbau vorhanden war. Der Scheibenrahmen wurde nicht festgeklebt, da er aufgeklappt dargestellt werden sollte. Auch wurden jetzt noch keine Scheiben eingesetzt. Vor dem Anbau der Motorhaube wurde das Kühlergitter entfernt und durch ein geätztes Teil ersetzt.

Um die Türen offen darzustellen und die Einbauschränke am Heck platzieren zu können, wurden erstere vorsichtig herausgetrennt. Auch an der Bodenplatte musste in der Mitte der Kotflügel je ein kleines Stück herausgenommen werden, da hier später die Staukästen für die Schneeketten montiert wurden.

Die Teile A8 und X40 (Trennwand zwischen Koffer und Fahrerkabine) sind zu hoch und müssen entsprechend den Seitenteilen eingekürzt werden. Sämtliche Einbauteile für den Koffer wurden in Baugruppen montiert, sodass man sie auch später noch ins Modell einbauen konnte (3). Lediglich die Jalousien an den Fenstern wurden zusätzlich aus Bleifolie angefertigt und ergänzt. Die geätzten inneren Scheibenrahmen wurden noch nicht montiert, da die Scheiben wegen der anstehenden Lackierung noch nicht eingeklebt werden sollten.

Die Montage der Resin-Teile ging ohne Probleme vonstatten. Nachdem das Dachteil im Bereich der hinteren Tür und der Einbauschränke nachgearbeitet war, erfolgte die Lackierung des Innenraums. Neben der dunkelgrauen Fahrerkabine erhielt der Kofferaufbau eine geteilte Farbgebung in Dunkelgrau (untere Hälfte) und Elfenbeinweiß (obere Teile und Decke). Die separat lackierten Scheibenrahmen wurden mit Kraftkleber auf die Scheiben geklebt und mit diesen von innen eingebaut.

Der Fußboden aus lasergeschnittenem Furnierholz erforderte etwas Nacharbeit und wurde mit Beize dunkler gefärbt. Der Einbau der fertig bemalten Inneneinrichtung erfolgte erst, nachdem das Modell komplett fertig gebaut war (4-6).

Auch außenrum angehübscht

Außen am Fahrzeug wurden nun noch diverse Details verbessert. Zum Teil stammen diese aus dem Umbausatz, zum Teil aus dem eigenen Fundus. An der Fahrzeugfront kamen neue Scheinwerfer, ein besserer Notek-Scheinwerfer und Peilstangen zum Einsatz. Unter diesen wurden auf den Kotflügeln je drei Nieten ergänzt.

Der Wagenheber stammt aus dem Umbausatz, ebenso die geätzten Winker und deren Halter. Die amerikanische Schaufel wurde durch eine neue deutsche ersetzt und mit Halterungen versehen (7). Die Erdungspfähle erhielten neue Gewinde aus dem Umbausatz, die Halterungen wurden wiederum mit Bordmitteln verfeinert (8). Am Heck wurden die Teile der Beleuchtung durch bessere aus der Grabbelkiste ersetzt (9). Der Kanister aus dem Bausatz hat eine derart falsche Form, dass nur ein neuer Abhilfe schaffen konnte, auch die Spitzhacke wurde ersetzt (10).

Die Halterung mit den vielen Stäben auf der Fahrerseite wurde beim Abtrennen vom Gießast beschädigt und neu aufgebaut. Alle Handgriffe an den Türen sowie die Aufstiege auf das Dach wurden alternativ zu den flachen Ätzteilen aus Messingdraht neu gebogen. Die beiden fehlenden Staukästen für die Schneeketten wurden dann zwischen den Hinterrädern unten am Kotflügel befestigt.

Die Front- und Heckteile der Reling (B4) sind zu kurz und müssen entweder neu aufgebaut werden oder man kaschiert das Ganze mit einer Plane. Ich habe den Dachgepäckträger mit Ausrüstungsgegenständen voll gepackt und teils eine Plane aus Magic Sculp darüber drapiert (11). An der Dachfront wurde das Anhängerdreieck in abgeklappter Position angebracht und der Rahmen der Frontscheibe in aufgeklappter Position daran befestigt.

Schotten dicht, es wird lackiert

Vor der Lackierung wurden alle Öffnungen verschlossen und die Fenster abgeklebt. Das Dach bleibt abnehmbar. Das Fahrzeug wurde zuerst schwarz lackiert und dann in mehreren Durchgängen mit Panzergrau in verschiedenen Abtönungen aufgehellt. Danach wurden Nummernschilder und Einheitssymbole von Truckline Decals aufgebracht (12).

Anschließend erfolgte ein Washing mit Dunkelbraun von MIG, gefolgt von einem leichten Trockenmalen und Chipping. Der untere Bereich wurde leicht mit heller Erdfarbe aus der Spritzpistole „verstaubt“. Das endgültige Einstauben des Fahrzeuges erfolgte dann zum Schluss mit Pigmenten von MIG (13). Vorher wurde die komplette, farblich gestaltete Inneneinrichtung in den Kofferaufbau eingebaut, die Einbauschränke mit den Ausrüstungsgegenständen bestückt und die Türen montiert (14).

Natürlich Natur

Der Baum dominiert das einfach gehaltene Diorama, er entstand im Eigenbau fast zum Nulltarif. Der Stamm und die Begrünung aus Moos fanden sich während eines Waldspaziergangs. Der Stamm wurde kreuzförmig durchbohrt und mit Kupferdraht gespickt. Die Drähte, die nach dem Trocknen farblich dem Stamm angepasst wurden, nahmen später die Begrünung auf. Das Moos kann mit Kraft- oder Heißkleber angebracht werden.

Der Untergrund entstand im Grundaufbau aus Styrodur und wurde mit einer Mischung aus Sand, Wasser und Weißleim bestrichen. In die noch nasse Mischung wurden kleine Steinchen sowie Spuren des Fahrzeuges eingearbeitet und auch die Figuren und das Fahrzeug wurden in den nassen Untergrund eingedrückt. Nach dem Trocknen wurde der Boden farblich mit verschiedenen Brauntönen behandelt.

Es folgte das Aufbringen der verschiedenen Pflanzen. Es wurden Grasbüschel von MiniNatur als Grunddeckung verwendet. Bei den höheren Pflanzen handelt es sind wieder um getrocknete Naturprodukte aus Garten und Wald. Getrocknete Brennnesselblätter und Birkensamen stellen trockenes Laub dar. Der sandige Untergrund wurde mit Pigmenten behandelt.

Die Figuren stammen von MiniArt, nur der Soldat der sich seine Jacke anzieht, ist von Dragon. Alle Figuren erhielten neue Köpfe von verschiedenen Herstellern.

TEXT und FOTOS: Frank Schulz
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