Farbspiele: Kleinkampfmittel Seehund, die Zweite

MODELL FAN zeigt Michael Wolffs Seehund ganz anders interpretiert. Vergleichen und staunen Sie, wie unterschiedlich zwei hervorragende Modellbauergebnisse sein können!

Kleine Verfeinerungen und eine komplexe Lackierung heben dieses mehrfach prämierte Modell aus der Masse und machen es zu einem Unikat. © Alexander Glass
Farbspiele: Kleinkampfmittel Seehund

Hui! Was für ein netter kleiner Bausatz eines U-Bootes! So schoss es mir durch den Kopf, als ich zum ersten Mal das Deckelbild von Broncos Kleinst-U-Boot Typ XXVII-B5 in 1/35 sah.

Ich war gerade in ein langwieriges Resin-Projekt verstrickt, welches meine Motivation strapazierte. Auch war mir mal wieder nach Lackieren. So eine kleine »3-D-Leinwand« in Form eines U-Bootes, schnell gebaut und einfach mal wieder Farbe versprühen, danach stand mir der Sinn. Nach einem Blick in die Box wurde ich nicht enttäuscht. Fein!

Konzeption

Ich entschloss mich diesmal, frei zu arbeiten. Ich sah mir alle für mich verfügbaren Bilder an und entschied mich für ein Modell, das eine Art Querschnitt all dessen darstellen sollte. Ich pickte mir also Details, die mir gefielen, heraus, und verdichtete sie quasi in meinem Modell.

Maßgebliche Inspiration lieferte auch das nach dem Kriege von der französischen Marine getestete und in Brest ausgestellte Boot. Ferner ist die Lackierung auch frei erfunden. Manchmal erlaube ich mir das. Zuerst einige Verfeinerungen in den Details.

Bootsbau

Das verwendete Schleppgeschirr entsprach nicht der Serienfertigung, und wer auch immer es montierte, es war die Lösung zu folgendem Problem: Das Boot lag tief im Wasser. Das rundliche Oberdeck war fast immer überspült und somit also permanent nass. Es befanden sich keine Trittbretter oder dergleichen auf dem Deck. Diese hätten sich im Übrigen nur negativ auf die Seefähigkeit bzw. die Leistungsparameter des Bootes ausgewirkt.

Wie also eine Schleppverbindung zum Kleinst-U-Boot herstellen und lösen? Der Schlepper manövriert zum U-Boot, pickt mit einem Bootshaken die Öse des Schleppseiles vom Turm und löst unter leichtem Zug das Seil aus den Klammern. Einzig am beweglichen Haken vor dem Turm bleibt die Verbindung bestehen. Das Schleppseil wird nun auf dem Schleppfahrzeug belegt. Der Schleppvorgang kann beginnen.

Durch das oberhalb des Vorstevens als Führung des Schleppseiles montierte Auge bleibt das zu schleppende Fahrzeug manövrierbar. Zur Beendigung des Schleppvorganges muss die Verbindung auch am Boot und nicht nur am Schlepper gelöst werden. Ein lediglich am U-Boot befestigtes und unkontrolliert taumelndes Schleppseil ist nicht nur gefährlich, sondern auch schlicht unseemännisch.

Die U-Boot-seitige Lösung der Verbindung erfordert eine Bedienung durch Personal und damit ein Betreten des Oberdecks. Aus Sicherheitsgründen kam das aber nicht in Frage. Die Lösung war ein beweglicher Schlepphaken, mit dem man die Verbindung aus dem Inneren des Bootes heraus mittels Gestänge lösen konnte.

Das Schleppseil wurde also von innen gelöst und rauschte nun durch das Auge am Bug und konnte vom Schlepper aufgenommen werden. Das Boot war frei. Eine einmal in dieser Weise gelöste Schleppverbindung konnte nicht ohne weiteres in derselben Art wieder hergestellt werden.

Das war der Nachteil dieser Improvisation. Interessanterweise war man aber zur Lösung des Problems offensichtlich sogar gewillt, eine zusätzliche Öffnung im Druckkörper in Kauf zu nehmen. Wer auch immer auf die Idee kam, schlecht war sie nicht, oder? Der weitere Verlauf des Bootsbaus folgte weitestgehend dem Bauplan und aus der Schachtel.

Lackierung und Tarnung

Mit TAM X-19 Smoke erreichte ich zwei Dinge. Einerseits zeichneten sich durch den Klarlack-Effekt die matten Farben schön weich. Zum zweiten haben wir die Hand bereits wieder schön am Lichtschalter und spielen mit Lichteffekten. Alle Flächen unterhalb der Wasserlinie bekamen eine ordentliche Ladung  X-19 verpasst. Alle der gedachten Mittagssonne zugewandten Flächen sind nun heller als die Unterseiten.

Man nennt diese Technik auch „Zenitales Licht“ oder „Zenital light“. Sie ist in gewisser Weise der Colour-Modulation-Technik entlehnt und begegnete mir zum ersten Mal im Studium der Arbeiten von Javier Soler.

Mir war schon klar, dass ich etwas Ähnliches wie eine Tarnung aufbringen wollte. Ich hatte allerdings keine Ahnung, wie das wohl auszusehen hatte. Auf der Euro Model Expo in Heiden hatte ich 2010 einen 72er Dragon Wagon gesehen, gebaut von  Peter Przybilka von Model Trans,  der als Ladung einen Seehund schleppte.

Es war ein kleines Diorama und nannte sich »Gotcha! Look the fish i caught!« [sic!] Das war die Inspiration zu diesem Anstrich. Diejenigen, die sehr, sehr großen Wert auf Authentizität legen, müssen jetzt ganz stark sein. Ich habe nicht ein einziges Foto gefunden, auf dem man die von mir gezeigte Tarnung deutlich erkennen konnte.

Die Punkte auf dem Sehrohr hingegen sind wieder belegt, genau wie die stromlinienförmige Verkleidung. Es ist eben ein wilder Mix, ein Querschnitt mit viel Freiheit. Vielleicht sollte ich das Boot irgendwann einmal in einem kleinen Diorama in flachem Wasser auf Grund liegend darstellen. Da würde die Tarnung der aufgemalten Lichtreflexe sicher Sinn machen.

Die weißen Wasser-Lichtreflexe trug ich mit Gunze H21 Off White freihändig mit der Airbrush auf (SH017). Der untere Rand des Tarnmusters ist nun mit etwas TAM-XF-54 zu einem weichen Übergang mit der Rumpffarbe verblendet worden. Wieder wurde mit helleren Grautönen und zum ersten Mal auch etwas Tamiya Buff ein Effekt mit senkrechten Streifen hinzugefügt.

Reduzieren kann man immer noch mit weiteren Schleiern, wenn man sich mal verrannt hat. Zum Abschluss versah ich das Ganze mit einem blauen Filter (SIN Industries P240) und lackierte eine Schicht glänzenden Klarlack.

Markierungen und Washes

Die Bilder liefern interessante Detailstudien. Sie zeigen sehr schön das Zusammenspiel der verschiedenen Effekte. Unsere Filter brechen das Grau und geben einen schönen Blaustich. Die zurückhaltende senkrechte Streifentextur entstammt dem Auftrag von hochverdünnten Ölfarben (Weiss, Grau, Schwarz, Blau, Khaki). Diese Farben werden in vielen kleinen Punkten aufgebracht und dann mit Terpentinersatz senkrecht verstrichen, ein so genanntes Fading.

Die Pin-Washes betonen die Details recht ansprechend. Roststreifen wurden, wie beim Fading, nur etwas exakter, aus Punkten brauner Ölfarbe gezogen. Mit senkrechten schwarzen Streifen wurde genauso verfahren. Das Stahlseil ist mit Rostpigmenten behandelt. Machen Sie sich doch mal den Spaß, und versuchen Sie, die einzelnen Effekte zu erkennen. Wenn Sie das beherrschen, entlocken Sie vielen Modellen ihren Zauber.

Senkrechte Striche mit verdünnten Ölfarben machen hier viel aus und harmonieren mit den Airbrush-Effekten, bei denen wir ja auch bereits senkrechte Linien sprühten. Diese Komplexität, die Harmonie der verschiedenen Techniken, bewirkt ein ansprechendes Gesamtbild. An der vorderen Turmverkleidung sehen Sie ein halbrundes Blech.

Darauf finden Sie viele kleine braune Punkte. Wenn Ihnen das zusagt, können Sie folgendes probieren: Verstreichen Sie etwas braune Ölfarbe auf einer kleinen Unterlage. Verwenden Sie nun einen Küchenschwamm und zerteilen diesen in kleine Stückchen. Mit dem Schwammstückchen nehmen Sie etwas Ölfarbe auf.

Tupfen Sie diese Farbe nun vorsichtig mit wenig Druck auf die gewünschte Stelle. Nicht reiben! Wir wollen Punkte und keine Streifen. Einfach nur tupfen. So leicht ist das Erstellen von kleinen Lackabplatzern (Chipping) mittels der Schwamm-Technik!

Bau und Lackierung der Torpedos:

Für das Weathering der Torpedos verwendete ich von MIG die Oil and Grease Stain Mixture. Die Torpedos sind vor dem Auftrag der Mixtur zur Sicherheit mit Acryl-Klarlack versiegelt worden. Ich habe nun ein wenig dieser Mixtur mit dem Pinsel aufgetragen. Während der Mix abtrocknete, habe ich mit dem Pinsel darauf herumgetupft. Ich kam auf die Idee, da Torpedos innerhalb von U-Booten oft dick eingefettet wurden.

Ich habe mich in der Darstellung von diesem Gedanken leiten lassen. Das Gestell auf dem Bild ist eigentlich eine Helling aus dem Flugzeugmodellbau. Ich habe sie zuerst eng gestellt, so dass der Torpedo in der Mitte gelagert wurde. Nun habe ich Kopf und Endstück in der beschriebenen Weise lackiert. Während der Arbeit wurde der Torpedo immer um die Längsachse gedreht.

Als Kopf und Endstück trocken waren, habe ich die Helling verstellt und den Torpedo auf den Enden gelagert, siehe Bild. Nun konnte ich ihn wieder drehen, während ich das Mittelstück bearbeitete. Jetzt noch hübsch anrichten und fertig war mein Lackiergericht für zwischendurch.

XXVII B/B5 »Seehund« I Maßstab 1:35 TEXT und FOTOS: Alexander Glass
Tags: 
Mehr zum Thema
Das könnte Sie auch interessieren