Schwerpunkt »Wehrmachtsfahrzeuge«

Freund der Infanterie: die Sturmhaubitze 42

Für Modellbauer mit Schwerpunkt »Wehrmachtsfahrzeuge« sind die deutschen Sturmgeschütze immer einen Blick wert. In jedem gängigen Maßstab sind die Fahrzeuge gut vertreten. Was bietet das 1:48er-Modell von Tamiya? 

Die StuH 42 von Tamiya, ein gelungenes Modell in 1:48. © Von Lars Richter
Die StuH 42 von Tamiya, ein gelungenes Modell in 1:48.

Das hier gezeigte Modell im Maßstab 1:48 basiert auf dem StuG III Ausf. G (early) von Tamiya. Allein durch den Einbau einer anderen Hauptwaffe – eben dem Haubitzenrohr – lässt sich dieser Bausatz zu einer „StuH“ umwandeln. Insofern handelt es sich dann eigentlich auch nicht um einen Umbau im eigentlichen Sinne, sondern um eine leicht zu bewerkstelligende Änderung eines Spritzgussmodells.

Die Qualität des Tamiya-Bausatzes ist wie üblich sehr hochwertig und ich kann mich immer nur wiederholen: Hat man einen 1:48-Bausatz von Tamiya vor sich, glaubt man kaum, dass man gerade eine Klasse kleiner baut als 1:35. Details: Unterwanne aus Metall mit angegossenen Schwingarmen, Oberwanne aus Plastik, Kettenglieder in Segmentbauweise.

Dazu lassen sich alle Luken der Kasematte wahlweise geöffnet oder geschlossen darstellen. Um dem ganzen Projekt „StuH 42“ noch einen Tick mehr Realismus zu verleihen, habe ich auf dem Zubehörmarkt recht umfangreich zugelangt und mehrere Detailsets beschafft, nachzulesen in „Auf einen Blick“.

Der Zusammenbau des Modells geht sehr zügig vonstatten, man kann sich getrost auf die Bauanleitung verlassen und dieser folgen. Zunächst wurden die Unterwanne komplettiert und die Laufrollen versäubert. Da von Anfang an feststand, dass die Luken in geöffneter Position gezeigt werden und somit ein Einblick in den Innenraum möglich ist, erhielt die Oberwanne im Bereich der Kasematte eine weiße Lackierung, die dezent gealtert wurde.

Ober- und Unterwanne lassen sich mittels zweier Schrauben fest miteinander verbinden. Die Passgenauigkeit ist dabei derart perfekt, dass sich die Oberwanne separat weiter bearbeiten lässt und erst nach vollständiger Detaillierung mit der Unterwanne verschraubt werden kann.

An der Oberwanne wurden von mir einige typische Schweißnähte ergänzt. Hierfür wurden alte Spritzgussäste erwärmt, gezogen, passend zurecht geschnitten und auf der Oberwanne aufgebracht. Mit Hilfe von Flüssigkleber und einem Pinsel können die so erzeugten Linien erweicht werden.

Durch eindrücken einer Skalpellklinge lassen sich dann typische Schweißraupen einkerben. Weniger ausgeprägt detaillierte Bereiche des Modells wurden mit Hilfe des ABER-Sets 48042 verfeinert. Entschließt man sich für dessen Verwendung, wird der Bau des Fahrzeugs deutlich zeitintensiver, jedoch lohnt der betriebene Aufwand durchaus, wenn am Ende das fertige Modell vor einem steht. Insbesondere die Teile für die Lüftergitter, Werkzeughalterungen und das Dach-MG-Schutzschild werten das Modell damit deutlich auf.

Die mit Abstand teuerste Investition in das StuH-Projekt war die Verwendung von Einzelgliederketten der Marke Friul Model. Ich wählte die Variante mit geschlossenen Zähnen, die ab 1943 verwendet wurde. Sicherlich sind die Bausatzketten als wirklich gut gemacht zu bezeichnen, jedoch sind die Friul-Ketten in meinen Augen immer überlegen, da sie beweglich sind, ein natürliches Durchhängen simulieren und nicht zuletzt immer eine separate Bemalung und Alterung erlauben.

Nach einem alles in allem unspektakulären Zusammenbau, der an keiner Stelle Frust oder Unklarheiten aufkommen ließ, stand ein erstaunlich fein detailliertes Modell auf dem Tisch, welches sich hinsichtlich überzeugender Darstellung nicht hinter seinen „großen“ Brüdern verstecken muss. Und damit stellte sich bereits die Frage nach einer passenden Tarnung, ein immer wieder spannendes Thema.

Um genügend Inspirationen/Anregungen zu erhalten, ist es empfehlenswert, auf historische Quellen zurückzugreifen. In meiner Bibliothek fand ich eine Abhandlung über den Einsatz der Panzerdivision „Hermann Göring“ auf der italienischen Insel Sizilien im Juni 1943. Diese Luftwaffeneinheit hatte unter anderem auch StuH 42 im Bestand gelistet.

Die insgesamt neun Fahrzeuge wiesen allesamt ein leicht unterschiedliches Tarnmuster auf. Für mich am interessantesten war eine Variante, bei der nur der vordere Teil des Fahrzeugs mit grünen Streifen abgetarnt war, während das Heck einfarbig gelb blieb. Ein entsprechend originelles Vorbild war somit gefunden und die Arbeit beziehungsweise das Vergnügen konnte beginnen.

Alle meine Modelle lackiere ich nach Möglichkeit aufgeteilt in Baugruppen, um möglichst sauber lackieren zu können und jeden Bereich und jedes Detail zu erreichen. Dazu wurde die StuH 42 wieder in ihre einzelnen Bestandteile zerlegt.   Bei Multi-Media Bausätzen habe ich gerne eine einheitliche Grundierung, bevor die eigentliche Lackierung beginnt.

Daher wurde das Modell mit mehreren sehr feinen Lagen Mr. Base White 1000 grundiert. Darauf folgten einige dünne Lagen Mattschwarz (XF-1), versehen mit etwas Glanzlack (X-22). Diese Schicht dient mir als eine Art Vorschattierung.

Die eigentliche Basislackierung erfolgte mit einer Mischung aus XF-60 Dark Yellow und XF-52 Flat Earth, wobei das Mischungsverhältnis bei 3:1 lag. Um schon hier erste Effekte zu setzen, war die schwarze Grundlackierung hilfreich. Lackiert man die gelbe Tarnung nämlich derart auf, dass an den Randbereichen noch leicht schwarze Stellen durchscheinen, tritt bereits ein Eindruck von Tiefe auf. Die gelbe Basislackierung wirkte dennoch etwas langweilig und eintönig.

Um Abhilfe zu schaffen, bedient man sich einer weiteren Technik: dem stufenweisen Aufhellen. Dazu verwendete ich eine Mischung aus XF-60 Dark Yellow und XF-57 Buff, die gezielt auf obere Bereiche aufgesprüht wurde. Das Modell sollte an diesem Punkt bereits deutlich plastischer erscheinen. Die grünen Tarnflecken wurden aus XF-58 Olive Green und XF-21 Sky ermischt und im vorderen Bereich des Fahrzeuges aufgetragen.

Das Kanonenrohr erhielt aus rein optischen Gründen eine kontrastreiche dunklere Farbe. An diesem Punkt sieht man deutlich, dass die Lackierung zwar fertig aufgetragen ist, der Gesamteindruck jedoch, gelinde gesagt, noch sehr flach und leblos wirkt. Der Schlüssel für mehr Realismus heißt also: Alterung!

Aus Neu wird Alt

Bevor die Alterung beginnen konnte, wurden noch die Markierungen (Balkenkreuze und Fahrzeugnummern) angebracht, schließlich sollten sie in den Alterungsprozess mit einbezogen werden. Die Hoheitszeichen sind Abreibemarkierungen von Archer, die ich aufgrund des fehlenden Trägerfilmes inzwischen der Verwendung von Nassdecals vorziehe.

Das Modell benötigt jetzt diverse Filter, um die Lackierung ineinander „verschmelzen“ zu lassen, Washings um Details zu betonen sowie Verlaufsspuren und Kratzer. Auch wenn die StuH im Maßstab 1:48 ein recht kleines Modell ist – diese Arbeiten sind sehr zeitintensiv, will man einen guten Effekt erzielen.

Für den Arbeitsschritt des Filterns habe ich der Einfachheit halber auf ein fertig angemischtes Produkt von SIN Industries zurückgegriffen und die Mischung für Dreifarbtarnungen aufgetragen. Insgesamt wurden drei dünne Filterschichten auf das Modell gebracht, wobei der subtile Effekt erst nach ausreichender Durchtrocknung sichtbar wird.

Details (es sind zugegebenermaßen nicht viele) wurden durch das Unterlegen mit einem Washing aus Ölfarben gewissermaßen herausgehoben. Ich gehe dabei so vor, dass jeweils nur Teilbereiche abgearbeitet werden und dazu das Modell mittels Pinsel mit Verdünnung benetzt und mit einem weiteren dünnen Pinsel dunkle Ölfarbe eingelassen wird. Diese fließt dann sofort um die Details herum und setzt sich an tieferen Stellen ab, sodass ein weiterer Eindruck von Tiefe auffällig wird.

Bei der Auswahl der Ölfarben sollte darauf geachtet werden, dass kein reines Schwarz verwendet wird; dies wirkt zu kontrastreich. Einzelne Verlaufsspuren wurden ebenfalls mit Ölfarbe aufgetragen: einfach einen Klecks Farbe setzen und mit einem angefeuchteten Pinsel verstreichen, idealerweise senkrecht nach unten beziehungsweise in der Richtung, in der ablaufendes Schmutzwasser auch laufen würde.

Kommen wir zum „Chipping“ – der Darstellung abgeplatzter Farbe. Mancher mag diesen Schritt, andere Modellbauer lehnen ihn ab. Für mich ist und bleibt es eines der heikelsten Kapitel beim Altern. Warum? „Chippt“ man sich in einen Rausch, wirkt das Modell schnell extrem abgenutzt, was wiederum nicht mehr wirklich authentisch ist, bedenkt man die durchschnittliche Einsatzdauer eines Gefechtsfahrzeugs.

Verzichtet man auf das Chipping, fehlt wiederum ein wichtiger Schritt in der Alterung. Es mag abgedroschen klingen, aber der Grundsatz ist allgemein gültig: Ziel beim Chippen muss sein, ein ausgewogenes Verhältnis zu erzielen. Ich habe das Chipping mit einem feinen Pinsel (10/0) sowie Acrylfarben von Vallejo durchgeführt. Zunächst wurden helle (= nicht so tiefe) Farbabsplitterungen simuliert. Hier wählte ich die Farbe 847 Dark Sand. Tiefere Kratzer wurden mit einer Mischung aus 984 Flat Brown und 862 Black Grey simuliert.

Um Staub/Dreckablagerungen darzustellen, empfehlen sich Farbpigmente. Im Fall der StuH habe ich auf diverse sand-/erdfarbige Pigmente von CMK zurückgegriffen. Zunächst wurde die Unterwanne mit dem Fixierer für Pigmente von MIG benetzt und sofort danach die Pigmentmischung mit einem alten Pinsel und „schnippenden“ Bewegungen wahllos aufgetragen. Die Laufrollen wurden nach dem gleichen Muster bearbeitet, ebenso die Ketten.

Den Abschluss der Arbeiten bildete letztlich noch das Bemalen und Verkleben des Gepäcksets von Black Dog. Dieses ist hervorragend gegossen, passt ideal auf das Heck des Modells und gibt einen realistischen Eindruck über die Transportmöglichkeiten allerlei Gerödels auf einem StuG / einer StuH.

Ich habe dieses Set separat bemalt und als erstes eine Schicht XF-1 Black auflackiert. Um später leichter arbeiten zu können, wurde ein Trockenmalen mit Weiß durchgeführt. Dies vereinfachte die nachfolgenden Bemalungen deutlich, da immer klar war, welche Bereiche aufgehellt werden mussten und wo dunklere Stellen liegen.

Die Bemalung erfolgte ausschließlich mit einer ganzen Palette von Acrylfarben von Vallejo und zog sich locker über mehrere Abende hin. Das Anbringen des Gepäcksets auf dem Heck beendete den Bau der StuH 42.

Finanziell ohne Zweifel eine erhebliche Investition in ein relativ kleines Modell, aber: Auch aus der Schachtel heraus gebaut bekommt man eine Menge Bastelspaß geliefert und Qualität noch obendrein. Der Zukauf der Sets ist nicht zwingend notwendig.

Entschließt man sich dennoch zu einer umfangreichen Detaillierung, erhält man am Ende ein sehr feines, schön detailliertes und realistisch wirkendes Abbild des Originals – nur eben 48-mal kleiner. Für mein Empfinden ist der Grundbausatz gerade auch Einsteigern sehr zu empfehlen. Aber Achtung: Suchtgefahr! Modelle im „kleinen“ Maßstab ziehen mich immer wieder magisch an.

TEXT und Fotos: Lars Richter
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