Mit einfachen Tunings zum eindrucksvollen Ergebnis

Halbkette: L 4500 R Maultier wird getunte

Mit einfach nachzuvollziehenden Tunings zum eindrucksvollen Ergebnis. Zvezdas : L 4500 R Maultier-Variante erfährt verdiente Modifikationen. 

Mit einfachen Tunings zum eindrucksvollen Ergebnis: L 4500 R Maultier von Zvezda in 1:35 © Axel Ackens
Mit einfachen Tunings zum eindrucksvollen Ergebnis: L 4500 R Maultier von Zvezda in 1:35

Die Basis des neuen Maultiers von Zvezda bildet nicht die A-Ausführung (Allrad) des LKW, sondern die S-Ausführung (Hinterradantrieb). Das bedeutet nicht einfach eine Änderung des Grundbausatzes bei der Hinterachse, sondern zudem eine andere Vorderachse und eine geänderte Getriebekonfiguration. Damit hat Zvezda auch gleich die Voraussetzungen geschaffen, den Bausatz auch noch als S-Variante herausbringen zu können.

Der vorliegende Bausatz spielt im Gegensatz zu älteren Modellen ganz locker in der Bausatzoberliga! Die Bauteile sind fein ausgeführt, ohne Sinkstellen, mit ganz geringen Nahtstellen und nicht übermäßig großen Angüssen, wie es heute üblich sein sollte. Ein paar kleine Stellen, an denen es hapert, sind zwar vorhanden, aber sicher nichts, was man als grobe Schnitzer bezeichnen kann.

Die Bauteile verteilen sich auf neun hellbraune Spritzrahmen und einen runden mit Klarsichteilen für Fenster und Scheinwerfergläser. Die Rahmen H, D, G und K sind speziell für die Maultier-Version dazugekommen und ergänzen den LKW-Bausatz; wer möchte, kann im Prinzip auch eine S-Version daraus bauen (LKW mit Hinterradantrieb), alle Bauteile sind dafür vorhanden.

Es wäre also anzuraten, die Maultier-Version zu kaufen, wenn man den LKW bauen möchte, denn einer der Spritzlinge ist zum Bau einer Ladeflächenplane gedacht, die zum Besten gehört, was ich bisher in Sachen Spritzgussplanen gesehen habe. Sie liegt dem normalen LKW-Bausatz nicht bei.

Punktabzug bei den Decals

Punkte muss man dem Bausatz allerdings für die glänzenden Decals abziehen. Die sind mehr als sparsam, lediglich eine Nummerschild-Variante ist vorhanden. Etwas großzügiger war man beim Verladeklassenschild, davon liegen zwei bei, zudem gibt es noch zwei Aufschriften für den Reifenluftdruck an den beiden Kotflügeln.

Auf die Beigabe von Ätzteilen wurde verzichtet, wobei man auch nur bei wenigen Bauteilen eine geätzte Alternative wünschen würde. Diese beschränken sich fast ausschließlich auf den Kühlerbereich, dort auf den MB-Stern (Kühlerfigur), den MB-Stern auf dem Kühler selbst und auf das eigentliche Kühlergitter. Man könnte sich auch noch die Scheibenwischer als Ätzteile wünschen, das ist aber nicht zwingend notwendig, da die gespritzten Bausatzteile B15 sehr filigran ausfallen.

Kleine Fehler werden beseitigt

Kommen wir zu den beiden Fehlern des Bausatzes: als erstes sind hier die Reifen anzumerken, beim Profil hat man sich an Reifen mit zivilem Nachkriegsprofil orientiert und dieses auch etwas flach ausgearbeitet. Auf dem Zubehörmarkt bieten zum Beispiel Hussar (Art.-Nr.: 35089) und plusmodel (Art.-Nr.: 343) Alternativen an, bei letzterem behält man dann allerdings die Hinterräder übrig. Beim zweiten handelt es sich wohl um einen Flüchtigkeitsfehler: bei der Anhängerkupplung hat man schlicht und einfach den Bolzen für das Deichselauge und den Bedienungshebel dazu vergessen.

Ausgerüstet waren diese Fahrzeuge mit halbautomatischen Anhängerkupplungen ähnlich denen, die heute noch an LKW Verwendung finden wie Typen der Marke Rockinger oder Ringfeder (4). Um die Fehlteile zu ergänzen, kann man auf 0,8-Millimeter-Kupferdraht zurückgreifen, davon benötigt man dann ein 5-Millimeter-Stück für den Bolzen und ein L-förmig gebogenes Stück als Betätigungshebel, mit dem an der Originalkupplung der Bolzen angehoben wird.

Ein kleineres Manko sind die strukturlosen Trittbretter, leider stand kein Foto mit deren detaillierter Ansicht zur Verfügung, aber auch zu damaliger Zeit waren Trittbretter bestimmt nicht glatt, sondern mit Struktur versehen, um beim Betreten nicht abzurutschen. Also wäre hier entweder geriffeltes Blech, mit Rautenstruktur versehen oder als Tränenblech ausgeführt angebracht. Beim Bau stand mir nur geätztes Tränenblech von ABER (PP05) zur Verfügung (1).

Unklarheiten im Bauplan

Neun der zwölf Seiten Bauanleitung sind dem Zusammenbau vorbehalten und zeigen sich an diversen Stellen etwas unklar die genaue Position einiger Bauteile betreffend. Der Spritzrahmen „C“ ist übrigens in der Mitte geteilt und hat seine Bezeichnung nur auf einem der beiden Rahmenteile, das sorgte anfangs etwas für Konfusion.

Die Montage der beiden Rahmen in den Baustufen 7-9 bitte sorgfältig durchführen und die Klebungen gut durchtrocknen lassen; wenn da etwas schief ist, wirkt sich das in der weiteren Montage negativ aus! Wichtig ist auch der Zusammenbau der Traversen in den Baustufen 9-c/b, hier hat man schnell etwas verwechselt und später in Baustufe 30 kann man die Kettenspanner aus den Baustufen 30-a/b nicht korrekt montieren.

Kombination von Klebstoffen

Der weitere Zusammenbau ist zwar streckenweise nicht einfach, zeigt aber auch keine großen Probleme. Wenn man nicht jedes Mal eine länger Pause für das Durchtrocknen der Klebestellen einlegen möchte, empfehle ich eine kombinierte Klebung mit Plastik- und Sekundenkleber. Letzterer, punktuell aufgetragen, fixiert die Bauteile sofort, der Plastikklebstoff, zwischen diesen Klebungen aufgetragen, verschweißt den Kunststoff dauerhaft und kann quasi nebenbei weitertrocknen.

Zu beachten ist, die beiden Sorten nicht auf derselben Stelle aufzutragen – das funktioniert nicht. Die Klebestelle würde nicht korrekt aushärten. Bei sehr kleinen Bauteilen bevorzuge ich nur noch Sekundenkleber oder diesen in der Gel-Variante. Die hat den Vorteil, dass sie etwas mehr Zeit zum Antrocknen benötigt und die Bauteile somit in Ruhe ausgerichtet werden können.

Der Motor kommt zum Zug

Ein Punkt, der recht umsichtig angegangen werden sollte, ist der Einbau des Motors (3). Die Halter C73/74 erst am Motor verkleben, wenn dieser im Rahmen montiert wird. Sitzen diese durch das Spiel in den Verbindungen nicht optimal, kann der Motor zu hoch im Rahmen stehen.

Die Auflagepunkte des Motors im Bauteil C29 sollten auch tiefer ausgeschnitten werden; wenn man diese Punkte nicht entsprechend anpasst, sitzt der Motor circa einen Millimeter zu hoch im Rahmen und das Führerhaus passt dann nicht auf die Auflagepunkte, da es auf dem Getriebe aufliegt. Die Teile H5 zur Aufnahme des Leitrades sollten nicht verklebt werden, sonst gibt es Schwierigkeiten bei der Montage der Ketten; später kann man diese dann noch fixieren.

In Baustufe 15 kommt eine weitere Problemstelle, die Position der Baugruppe aus 15-a ist an der auf dem Rahmen markierten Stelle wohl nicht ganz so optimal, daher musste die Baugruppe bei der Montage der Kühlerhaube wieder gelöst und neu positioniert werden, sodass es empfehlenswert ist, diese Baugruppe erst in Baustufe 28 zu montieren.

Ketten für den Grip

Ich bevorzuge statt der gut gestalteten und passenden, beiliegenden Segmentkette (Baustufe 17) eine reine Einzelgliederkette, man hat damit einfach mehr Freiheit. Die Segmentkette muss hundertprozentig genau montiert werden, sonst passt sie nicht.

Etwas im Dunklen lässt einen die Bauanleitung bei der Menge der Einzelglieder vorne an den Treibrädern und hinten an den Leiträdern, vorne sind je zehn nötig und hinten neun. Hier kann man dann genau mit den bisher noch nicht verklebten Leitradachsen anpassen (7).

Führerhaus und Plane entstehen

Ein weiterer, leicht problematischer Montageteil ist das Führerhaus. An der Naht über der Frontscheibe zwischen B12 und B13 muss doch eine geringe Menge Spachtelmasse zum Einsatz kommen. Das ist aber auch die einzige Stelle. Natürlich sollte innen das Farbfinish des Führerhauses vor der kompletten Montage erledigt sein. Die Sitzpolster wurden in der Bonbonpapiermethode in Braun bezogen (2).

Der Zusammenbau der Kotflügel und der Kühlerhaube ist etwas fummelig, hier sollte man exakt arbeiten und gegebenenfalls G19 und B42 etwas nacharbeiten, wenn’s nicht ganz passt. Ebenfalls ist es zu empfehlen, die Oberteile von G19 und B42 zu entfernen, da man sonst nicht mehr viel von dem sehr schönen Motor sieht.

Hier wurden lediglich noch die Spritleitungen von der Einspritzpumpe zu den Zylindern mit 0,5-Millimeter-Draht ergänzt. Der Verzicht auf die Bleche war in der warmen Jahreszeit gängige Praxis, um dem Motor mehr Kühlung zu verschaffen (5+6).

Beim Zusammenbau der Scheinwerfer wurde auf die Montage der Tarnabdeckungen verzichtet, nachdem mir auf Originalbildern das Fehlen derselben auf einigen der Aufnahmen ins Auge fiel. Zudem sind die sehr schönen Lampengläser einfach zu schade, um sie nicht zu zeigen.

Der Zusammenbau der Plane gestaltet sich recht einfach, die Teile zeigen zudem eine sehr gute Passgenauigkeit. Zur Wahl steht eine hinten offene oder geschlossene Plane. Streicht man die Klebenähte der Bauteile an beiden Seiten satt mit Plastikklebstoff ein, lässt ihn etwas anziehen und drückt die Teile dann zusammen, ist eine Nachbearbeitung mit Spachtel nicht nötig, es reicht nach dem Durchtrocknen ein leichtes Überschaben des herausgequollenen Materials zum Beispiel mit einer Klinge und Schleifen  mit feinem Schleifleinen. Abschließend noch die verbliebenen Details ankleben und das Maultier ist fertig montiert.

Tarnfarbe für den Einsatz

Die Wahl und Verarbeitung der korrekten Farbtöne für den Dreiton-Anstrich dürfte klar sein. Für die Arbeiten wurde eine „Evolution 2in1“ mit 0,4-Millimeter-Düse für die flächige Grundlackierung verwendet; die zweifarbige Mäandertarnung wurde dann mit einer 0,2-Millimeter-Düse darüber aufgetragen.

Wichtig ist zum Abschluss nur noch, die farblichen Arbeiten mit einem matten Klarlacküberzug zu beenden, und abschließend noch Details, die ein glänzendes Finish erfordern, zu ergänzen.

Mit diesem Bausatz etabliert sich Zvezda im Premiumbereich der Spritzgussmodelle, es gibt nur wenige Punkte, die einer Verbesserung bedürfen. Der Bausatz ist ein Muss für alle WW-II-Modellbauer mit Schwerpunkt Wehrmacht oder für Halbkettenfans. Spätestens, wenn eine Version mit Einheitsführerhaus verfügbar ist, sollten auch Freunde alliierter Fahrzeuge zuschlagen, denn es existiert ein Foto eines Maultiers mit alliierter Markierung.

Der Bau selbst beinhaltet keine unüberwindlichen Probleme, er ist nur im hinteren Fahrwerksbereich und bei der Montage der Kotflügel und der Kühlerhaube etwas kniffelig. Auch die beiliegenden Ketten sind an sich gut gelungen und sehen nach sorfältiger Montage gut aus. Als Bewertung kann ich nur sagen: „ein sehr empfehlenswerter Bausatz“.

Literatur: Spielberger, W.J.: Die Halbketten-Fahrzeuge des deutschen Heeres 1909-1945

Halbkette: Maultier
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