Out-of-Box

Iveco Stralis: Hochinteressante Formen

Nach vier Jahren Vorankündigung und vielen Vermutungen in der Szene liefert Italeri aktuell den neuen Iveco Stralis aus. Was gibt es bei Bau und Bemalung der hochinteressanten Formenneuheit Out-of-Box zu beachten?

Formneuheit, die überzeugt: der Iveco Stralis von Italeri © Guido Kehder
ormneuheit, die überzeugt: der Iveco Stralis von Italeri

Das Schlagwort „New Concept“ ­bedeutet: einteiliger einfacher Rahmen mit angegossenen Kotflügeln und Tankhälfte, keine Motornachbildung, im Innenraum fehlen Seitenwände, Rückwand und Himmel. Grund dieser Einsparung waren seinerzeit die Formenkosten, die gesenkt werden sollten, was bei eingefleischten Modellbauern nicht gerade auf Zustimmung stößt.

Mit dem IVECO Stralis weicht Italeri von diesem Konzept wieder ab und liefert dem ambitionierten Modellbauer nun einen Bausatz mit allen wichtigen Details wie Motor und komplettem Innenleben. Die Kabine lässt sich kippen und gibt den Blick auf das Triebwerk frei.#

Beim Farbdesign hat man die Wahl zwischen der realen rot-weißen MONJEAN-Firmenbeschriftung und der attraktiven schwarzen Werkslackierung mit dem Tattoo-Decal. Für den Bau standen Testshot-Teile zur Verfügung, dazu kam ein noch unvollständiger Bauplan. Daher ergaben sich einige einfache Nacharbeiten, die im Serienbausatz nicht mehr nötig sind.

Die Basis: Rahmen und Motor

Der Zusammenbau begann wie üblich mit Rahmen, Achsen und Nebenaggregaten. Zu Beginn klebte ich alle Teile, die aus zwei Hälften bestehen, zusammen und ließ sie ausreichend trocknen. Die Lenkstange an der Vorderachse sitzt, wenn man die Achsen mit den Lenkschenkeln montiert hat, sehr dicht an der Achse. Dies kann man mit dem Unterlegen von 0,5 Millimeter dickem Material beheben.

Der Bau des Motors, der aus 18 Teilen besteht, geht recht schnell von der Hand. Er lässt sich mit entsprechendem Vorbildmaterial noch weiter detaillieren, macht aber auch ohne solche Verfeinerungen später im Rahmen eine gute Figur. Nach der farblichen Gestaltung wurde bereits der Motor im Rahmen montiert.

Viele Details – die Kabine

Die detaillierte Kabine wurde nach Plan zusammengebaut. Am Unterboden im Bereich vorne links und rechts sollte etwas Material entfernt werden, damit man den Boden mit Sitzen und Rückwand von unten einschieben kann. Das Armaturenbrett sowie die Türverkleidungen sollten ebenfalls noch nicht eingeklebt werden.

Sie werden später durch die noch offene Frontscheibe eingesetzt. Gleiches gilt für die Türverkleidungen. Diese Methode erfordert zwar etwas Geschick, funktioniert aber sehr gut. Die Frontscheibe lässt sich später sogar ohne Kleber passgenau einsetzen und fällt auch nicht wieder heraus.

Ich empfehle bei der Bemalung, keine zu dunklen Farbtöne zu verwenden. Die schlucken viele Details, die man von außen später kaum noch sieht. Glanzfarben sind tabu. Ich sehe oft Modelle, bei denen Innendetails unnatürlich glänzen und so das Gesamtbild stören.

Farbvorschläge

Hier gibt der Bausatz bereits zwei Mög-­lichkeiten vor: die Werkslackierung „All Blacks“ mit Tattoo und das real existierende Fahrzeug des Transportunternehmens MONJEAN aus NRW in Düren mit rot-weißer Lackierung und unübersehbarem Firmennamen. Auf dem Decal-Bogen finden sich die markanten Schriftzüge plus passende EU-Nummernschilder.

Für die farbliche Gestaltung im MONJEAN-Design sind etwas Übung und einige Abklebearbeiten erforderlich, die sorgfältig ausgeführt werden müssen. Nach der Entfettung von Kabine und Stoßstange mit handwarmem Wasser und Spülmittel ist es ratsam, eine Grundierung aufzutragen. Im Anschluss lackierte ich die Teile in Mattweiß XF2 von Tamiya.

Nach ausreichender Trocknung folgte der rote Farbauftrag, für den alles sauber und gewissenhaft abgeklebt wurde. Hier habe ich mit Maler-Klebeband von TESA („Precision Mask“) sehr gute Erfahrungen gemacht (gibt es in 30 und 50 Millimeter Breite). Die Seiten werden im Bereich der Fenster 37 Millimeter von der Unterkante des Daches aus abgeklebt.

Penibel darauf achten, dass das Klebeband überall gut anliegt, da hier beim nächsten Farbauftrag die Farbe leicht unterlaufen kann und man dann nacharbeiten muss. Damit der weiße Streifen auch auf den Seitenspoilern genau in einer Flucht liegt, sollten diese an der Kabine mittels Klebeband fixiert und das Maß für den Streifen genau abgenommen werden.

Als Rot verwendete ich XF7 von Tamiya. Die Farben lassen sich sehr gut mit handelsüblichem Spiritus verdünnen, wenn sie zu dickflüssig für die Airbrush sind. Da ich den Bausatz zu einem sehr frühen Zeitpunkt bekam, fertigte ich die Schriftzüge nach Vorlage selber an.

Als Klarlack verwende ich üblicherweise einen 2-Komponenten-Autolack von Glasurit, der sich sehr gut verarbeiten lässt und sehr schnell hochglänzend trocknet. Nach der ersten Klarlackschicht brachte ich die Decals auf. Es folgte eine zweite Schicht Klarlack und eine Trockenzeit von 24 Stunden.

Danach lassen sich die Teile bereits fester in die Hand nehmen, ohne Gefahr von Fingerabdrücken. Wartet man noch etwas länger, lässt sich der Klarlack auch mit sehr feinem Schleifleinen anschleifen und aufpolieren. Etwas schwieriger gestaltete sich das Lackieren des Frontgrills. Hier muss aufwendig maskiert werden. Ich fertigte diese Maske dank CNC als Folienschnitt an.

Unübliche Montageschritte

Wie schon erwähnt, sollte am Unterboden im vorderen linken und rechten Bereich Material weggenommen werden. Auch wurde das Armaturenbrett noch nicht auf der Grundplatte befestigt und die Türverkleidungen sollten noch nicht eingesetzt werden.

Montagereihenfolge: Zuerst das Glasteil des Oberlichts einsetzen, dann den „Himmel“ für das Hochdach und danach den Unterboden mit Sitzen, Seitenverkleidung und Rückwand. Die Türverkleidungen und das Armaturenbrett werden anschließend über die noch offene Frontscheibe eingepasst. Abschließend kann die Frontscheibe ohne Klebstoff eingesetzt werden (von oben einschieben und über die offenen Seitenfenster vorsichtig nach unten drücken). Letztendlich erfolgte noch die Kleinteilebemalung.

Mit dem Iveco Stralis bekommt der Modellbauer endlich wieder genau das auf den Basteltisch, was er sich lange gewünscht hat. Der Bausatz zeigt sich mit über 300 Bauteilen deutlich detaillierter als die Vorgänger und überzeugt durch Details und Passgenauigkeit.

TEXT und FOTOS: Guido Kehder
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