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Japanisches Kraftpaket: Nissan GT-R 35 aus zwei Kits herstellen

Gleich drei Hersteller widmen sich dem Nissan GT-R 35 und bringen akzeptable Bausätze in den Handel. Wie man aus dem Fujimi-Modell und dem Transkit-Bausatz von Scale Production ein beeindruckendes Modell zeigt Michael Schneider.

Auffällig und doch unscheinbar:der Nissan GT-R 35 Seibon. © Michael Schneider
Auffällig und doch unscheinbar:der Nissan GT-R 35 Seibon.

Kurz nach Erscheinen des Originals brachten Tamiya, Aoshima und Fujimi die entsprechenden Bausätze auf den Markt. Es gab in verschiedenen Zeitschriften und Foren Vergleiche der drei Kits und jeder hat so seine Stärken und Schwächen. Unter dem Strich dürften Tamiya und Fujimi die bessere Wahl sein.

Schaut man in japanischen Foren nach dem Original, findet man eine Unzahl von Umbauten. Ich habe versucht, unter Zuhilfenahme des ScaleProduction Transkits eine abgeänderte Version zu bauen.

Die Arbeiten am Body

Nach Durchsicht des zwischenzeitlich angesammelten Bildmaterials entschloss ich mich, die Resin-Teile aus dem Transkit anzubauen und auch die Kotflügel zu verbreitern. Zunächst begann ich mit den hinteren Kotflügeln. Hier wurde ein Evergreen-Vierkant über eine Kante gezogen, um dem Stab die benötigte Rundung zu verabreichen. Danach verklebte ich die beiden gebogenen Evergreen-Streifen jeweils von außen an den Radläufen der hinteren Kotflügel und modellierte mit Magic Sculp eine Schräge zum Kotflügel (1).

Die vorderen Kotflügel trennte ich nach Originalbildern heraus, wobei ich darauf achtete, die Umrandung der Lampen stehen zu lassen, um deren Passung später zu gewährleisten. An die Schnittstellen klebte ich kleine Sheet-Stückchen und fixierte die herausgetrennten Kotflügelteile wieder an ihrer ursprünglichen Position, wobei diese nun circa drei Millimeter weiter nach außen stehen.

Der entstandene Spalt wurde mit Sheet-Material und Magic Sculp aufgefüllt (2). Anschließend wurden die Schweller an der Stelle der angedeuteten Öffnung auseinandergeschnitten und leicht versetzt wieder angeklebt, sodass eine echte Öffnung im Schweller entstand. Danach wurden beide Schweller durch vorsichtiges Biegen an die entsprechenden Bereiche unter den Türen angepasst.
Der nächste Bauabschnitt war die Anpassung der Resin-Front (3).

Diese passt hervorragend an den Original Kit, war jedoch noch an die Kotflügelverbreiterungen anzupassen, also ebenfalls zu verbreitern. Dazu schnitt ich mit einer Trennscheibe an jedem Radlauf einen Teil ab, wobei die Schnittlinie in Fahrtrichtung erfolgte. Entsprechend der Verbreiterung wurde die Schürze mit Sheet aufgefüttert und das gerade abgetrennte Teil wieder angeklebt.

Nach einigem Spachteln und Schleifen ging die Frontschürze nahtlos in die Kotflügelverbreiterung über. Abschließend wurde an den unteren Rändern der Türen noch etwas Spachtelmasse aufgetragen, um den Übergang vom Kotflügel zum Schweller hin etwas fließender erscheinen zu lassen. An den beiden Radläufen, die an der Unterseite der hinteren Schürze befestigt sind, wurde die Fortsetzung der hinteren Kotflügelverbreiterungen angespachtelt. Einige Grundierungsgänge nach dem Verschleifen zeigten die verbleibenden, noch auszubessernden Stellen (4).

Nachdem die Karosserie makellos war, wurde Farbe aufgetragen, in diesem Fall ein Mica-Orange aus dem Automobilbereich. In etlichen arbeitsintensiven Schritten wurden die Carbon-Decals mittels schwach haftendem Klebeband als Maske in Form geschnitten und anschließend an der Front, auf der Fronthaube (5), den Seitenschwellern (6), einem Teil der Spiegel sowie an der Heckschürze angebracht.

Auch das Emblem auf den vorderen Kotflügeln oberhalb der Radkastenentlüftungsschächte und die Türgriffe blieben nicht verschont. In diesem Fall griff ich wieder auf die neuen Decals von ScaleProduction zurück, die sich in Verbindung mit etwas Weichmacher hervorragend an sämtliche Rundungen anlegten (7).

Als Heckspoiler wollte ich kein „Leitwerk“ aufsetzen, sondern einen soliden Heckabschluss herstellen. Dieser wurde aus zwei aufeinander geklebten Sheetstreifen in Form geschliffen. An einigen Stellen wurde gespachtelt und zum Schluss die Aussparung für die dritte Bremsleuchte wieder ausgefräst (8). Auch dieses Bauteil wurde komplett mit KA-Carbon-Decals beklebt. Nach diesen Arbeiten konnten der Body und seine Anbauteile abschließend mit 2-K-Klarlack versiegelt werden.

Arbeiten am Innenraum

Die Änderungen am Innenraum hielten sich im Vergleich zum Body in Grenzen (9). Alles wurde aus der Schachtel verbaut, lediglich die Vordersitze durch Sportsitze namens „R“ von ScaleProduction ersetzt. Der Boden erhielt ein standesgemäßes Flocking und auf die Lüftungsaustritte im Armaturenbrett klebte ich fotogeätzte Ringe von Mr. Model.

Die Armaturenabdeckung wurde noch mit Kohlefaser-Decals detailliert, die mit Tamiya „Smoke“ etwas abgedunkelt wurden. Die übrige Lackierung erfolgte mit seidenmattem Schwarz. Die Sitzflächen und Mittelteile der Rückenlehnen wurden abgeklebt, grau lackiert und mit Schwarz aus der Airbrush aus größerer Entfernung übernebelt.

Chassis und Räder

Das Chassis wurde mit der Aufhängung ebenfalls aus der Schachtel zusammengebaut. Ein weiteres Highlight am Modell sind die neuen Räder von ScaleProduction, die auch einen wunderbaren Blick auf die Bremsanlage freigeben.

Die Felgen bestehen aus einem Aluring mit Resin-Einsatz. An diesem ist keine nennenswerte Nacharbeit erforderlich (10). Ich grundierte Aluring und Resin-Teil und lackierte anschließend in Mattschwarz. Gleich nach dem Antrocknen der Farbe entfernte ich vorsichtig mit einem weichen Tuch die Farbe vom äußersten Felgenrad wieder, sodass zwischen dem Schwarz auf der Felge und dem Reifen ein „Alu“-Rand verbleibt. Die Felgen erhielten noch eine Schicht Klarlack seidenmatt (11).

Die Bremsen aus dem Kit wurden mit den geätzten Bremsscheiben des Transkits gesupert. Durch den beiliegenden inneren, separaten Befestigungsring der Scheibe an der Radaufnahme wird die Bemalung der Teile gravierend erleichtert (12).

Das abschließende Finish

Nun konnte der Zusammenbau der einzelnen Baugruppen erfolgen. Zunächst wurde der Body mit Scheiben, Lampen und Gittern an den vorderen Einlässen komplettiert. Die Sitzwanne wurde an das Chassis geklebt und sodann fand die sogenannte „Hochzeit“ statt (die Verbindung von Chassis und Body) und nach dem Ausrichten und Verkleben der Räder stand das Modell erstmals auf den eigenen Reifen. Abschließend wurden noch der Heckspoiler, die Schweller, die Spiegel und die Ätzteile am Heck montiert.

TEXT und FOTOS, sofern nicht anders angegeben: Michael Schneider
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