Svempas-Facelift für die R-Serie

LKW: Scania R 630 Dark Diamond

Der aktuelle Scania-Bausatz aus der neuen R-Serie von Italeri zeigt sich im Svempas-Facelift. Was gilt es beim Zusammenbau zu beachten? MODELLFAN bringt Licht ins Dunkel und lässt den Diamanten funkeln.

Der Scania R620 Topline New R-series mit einem Facelift von Svempas. © TEXT und FOTOS: Guido Kehder
Der Scania R620 Topline New R-series mit einem Facelift von Svempas.

Das AMG oder Brabus in der PKW-Szene darstellen, ist der schwedische Truck-Tuner und Veredler Svempas (www.svem-pas.se) bei den Truck-Nutzfahrzeugen des ebenfalls schwedischen Unternehmens Scania. Dort richtet man die Fahrzeuge sowohl nach Kundenwunsch als auch nach eigenen Vorstellungen her oder veredelt diese mit exklusiven Materialien wie zum Beispiel Alcantara (oder Amaretta = Ultramikrofasermaterialien (Synthetikmaterialien), welche eine lederähnliche Oberfläche haben) für den Innenraum oder exklusive und aufwendige Lackierungen.

Nicht selten werden diese Fahrzeuge auch nur in limitierter Stückzahl gefertigt. Ein Erkennungsmerkmal sind zum Beispiel die Editions-Schilder im Innenraum mit der angegebenen maximalen Stückzahl, in der dieser Typ jeweils hergestellt wurde. Wenn man auf der Svempas Internet-Seite nachschaut, wird man unter „Limited Editions“ das Vorbild des „Dark Diamond“ wie auch hilfreiche Detailbilder des Fahrzeugs für den Bau des Modells finden.

Nun hat Italeri in der Vergangenheit mehrmals den Scania unverändert mit lediglich neuen Decals auf den Markt gebracht. Unter der Artikel-Nr. 3858 findet man allerdings einen Bausatz, an dem alle äußeren offensichtlichen Details dem Vorbild entsprechend geändert wurden. Das fängt in der Baustufe 8 in der Bauanleitung bereits mit der hinteren Rahmenverkleidung an und geht weiter über die Bauteile BS 9, 13, 17 und 18.

Die Kühlergrill-Schlitze sind dem Vorbild entsprechend eckiger geworden, die Stoßstange wurde überarbeitet und auch die Seitenverkleidungen sind neu. Der Spoiler an der Kabine hat ein zusätzliches Bauteil erhalten und endet nun nicht mehr an der Unterkante der Kabine. Zudem wurde er auch noch mit einer schwarzen Kunststoffleiste verlängert.

Die großen Scheinwerfer in der Sonnenblende erhielten zusätzlich zwei Verkleidungen in einer Rundleuchten-Optik. Der Scania-Schriftzug vorne am Grill unter der Frontscheibe wurde in einer selbstklebenden Chromfolie beigelegt, sodass ein nachträgliches farbliches Gestalten mittels Silber oder einer anderen ähnlich aussehenden Chromfarbe nun entfällt.

Auch der zusätzliche Spiegel an der rechten Fahrzeugfront liegt dem Bausatz bei, ebenso zwei real existierende Decal-Versionen: einmal für den „Dark Diamond“ von Svempas und zum anderen für ein Sondermodell zum 40-jährigen Scania-V8-Jubiläum. Ich wollte das Dark-Diamond-Modell bauen.

Bauteile und Montage

Für den Zusammenbau boten sich für mich nun verschiedene Möglichkeiten. Hier hat sich bewährt, alle Bauteile vom Gießast zu trennen und, nach Baustufen sortiert, in vorbereitete Schalen oder Schachteln zu legen. Das hat zum einen den Vorteil, dass ich mich immer auf die jeweilige Baustufe und die darin zu verbauenden Teilen konzentrieren kann, zum anderen habe ich immer genügend Platz auf dem Basteltisch, und das gestaltet den Zusammenbau entspannter.

Auch macht es Sinn, Bauteile, die aus zwei Hälften zusammengebaut werden müssen, vorab zusammen zu kleben und gegebenenfalls zu verschleifen. Das bringt den Vorteil, dass man, wenn diese Teile verbaut werden müssen, die Baugruppe ohne Wartezeiten weiterverarbeiten kann.

Details beleben das Modell

Schaut man sich das Original an, stellt das trainierte Auge des Modellbauers schnell fest, dass das eine oder andere Detail noch selber hergestellt oder ergänzt werden kann. Auch der Zubehörmarkt bietet noch einiges. Da wären zum einen die Felgen und Reifen für die Vorderachse sowie die Kotflügel-Verbreiterungen. Felgen und Reifen mit Spritzwasser-Lamellen erhält man beim österreichischen Zubehör-Händler Modelltrucks & Parts, ebenso die Kotflügelverbreiterungen.

Die Achsnaben wurden mittels eines CAD-Zeichenprogramms konstruiert und dann mit einer CNC-Fräse hergestellt. Bei der Montage der Radnabe vorne ist zu beachten, dass man hier mindestens auf jeder Seite die Spur um drei Millimeter verbreitert, da sonst der Reifen zu weit innen steht, was nicht zum kräftigen Gesamtbild des Trucks passt. Für die vorbildgerechte Gestaltung der Achsnabe an der Hinterachse bediente ich mich aus dem KFS-Programm der Scania Hinterachs-Nabe Nr. TQ-H4, ebenfalls bei Modelltrucks & Parts erhältlich.

Als ich mir das Original nochmals genauer betrachtete, stellte ich fest, dass die Auspufföffnung an der Seitenverkleidung versetzt werden musste. Hier schloss ich die Lücke und schnitt weiter vorne die Öffnung neu ein. Nebenbei stellte ich dann fest, dass es offensichtlich verschiedene Varianten dieses Details gibt. Es liegt also am Vorbild, was man wiedergeben möchte und handelt sich nicht um einen Bausatzfehler, sondern viel mehr um eine weitere alternative Detailmöglichkeit.

Da die Hinterachse einen Mutternschutzring hat, wurde dieser auch am Modell dargestellt und mittels der CNC-Fräse ausgearbeitet. Für solche Fälle ist es ein Segen, Besitzer einer CNC-Frästechnik zu sein. So hat man die Möglichkeit, Details in einer Maßhaltigkeit auch mehrfach herzustellen, die man mit der Hand nie so präzise hinbekommen würde. Obwohl man später nicht mehr allzu viel davon sieht, habe ich auch noch die Tankhalterungen, die in diesem und in früheren Bausätzen nie enthalten waren, ebenfalls mittels der CNC-Fräse nachgebildet.

Die abschließende Montage

Innenraum und Motor enthalten ebenfalls noch Optimierungspotential. Hier beließ ich es aber bei einem sauberen Zusammenbau und farblich korrekter Gestaltung. Allerdings sollte auf das Positionieren beziehungsweise den exakten Zusammenbau der Kabine und deren Dreh- und Lagerpunkte der Kippmechanik Wert gelegt werden.

Die vorgekippte Kabine gibt dann den Blick auf den Motor frei. Schaut man sich auch hier das Vorbild an, hat diese, ich sage mal, einen „Überbiss“. Die Front steht also gegenüber der Stoßstange vor. Dies kann man ändern, indem man die Bauteile 70A abändert. Dazu reicht es, einen 1-Millimeter-Draht so zu biegen, dass dieser einen zwei Millimeter großen Versatz aufweist und diesen dann alternativ in dem Modellteil 79A einsetzt.

Beim Zusammenbau des Rahmens und der Positionierung des Kühlers sollte ebenfalls nachgearbeitet werden, damit der Kühler auch problemlos und ohne Spannung eingesetzt werden kann.

Welche Farbe bitte?

Die Bauanleitung bietet für den Scania zwei Farbvarianten: einmal „Light Champange Yellow“ (Model Master 1709) für das 40-jährige Scania V8-Jubiläum, zum anderen die „Dark Diamond“ Lackierung, die im Plan mit einem „Artic Blue Metallic“ (Model Master 2702) angegeben ist. Nach der ersten Lackierprobe erschien mir allerdings dieser Farbton im Vergleich zu dem Svempas/Scania-Original nicht passend.

Meine Recherche im Internet ergab dann, dass das Vorbild in einem „Carbon Blau Metallic“ lackiert sein soll, also besorgte mir mein Modellbau-Freund Martin Theiler diese Original-Farbe. Nach erneuter Lackierprobe empfand ich auch diesen Farbton im Vergleich mit dem Svempas-Scania als nicht passend und ich griff schließlich auf die VW-Farbe „Offroad Grey“ zurück, die abschließend allerdings noch mit einem Klarlack versiegelt werden musste.

Nun wurde also endlich grundiert und lackiert, Decals aufgebracht und der erste Klarlack-Auftrag durchgeführt.

Eigentlich sollte man als geübter Modellbauer durch seine gesammelte Erfahrung wissen, dass man Acryllack nicht mit bestimmten Lösungsmittellacken in Verbindung bringt, da diese miteinander reagieren können – so geschehen an der Kabine und den schwarz lackierten Flächen.

Der Schock saß erst mal tief und ich fragte mich, wie ich das wieder hinbekomme? Neue Teile und Decals bestellen und die Kabine komplett neu aufbauen? Nein! Ich stellte das Ganze erst mal bei Seite und ließ den Lack gut durchtrocknen. Schließlich begann ich, diese Schadstellen mit einem sehr feinen Nassschleifpapier der Körnung 800 so weit zu glätten, dass ich sie erneut schwarz lackieren konnte.

Und siehe da, nun klappte es. Nach erneutem intensivem und sorgfältigem Bearbeiten der bereits lackierten Flächen konnte ich die Kabine retten und beließ es dann anstelle einer Hochglanzlackierung hier bei einer matten Oberfläche.

Die Decals für die schmalen LED an der Sonnenblende sind leider um einiges zu groß geraten und man kann sie nicht verwenden. Um den LED-Effekt darzustellen, kann man die Klarsichteile von der Rückseite mittels eines 0,5-mm-Bohrers leicht anbohren und diese mit silberner Farbe auffüllen. Die simulierte LED ist hier umso plastischer, wenn nicht sogar schöner anzusehen als das flache Decal.

Einige Details wurden an diesem Modell selbst hinzugefügt, andere mittels farblicher Gestaltung herausgearbeitet. Auch dieser Bausatz aus dem Hause Italeri ist dem interessierten Modellbauer von Nutzfahrzeugen uneingeschränkt zu empfehlen. Alle Teile, die im Bausatz enthalten sind, können dem kritischen Auge des Betrachters standhalten.

Auch wenn das eine oder andere Detail nicht oder gar falsch wiedergegeben ist, sollte man solche Bausätze als gute Ausgangsbasis sehen, um daraus seine ganz persönlichen Modell-Unikate zu erstellen. Mir macht es immer wieder Freude, zu wissen, dass dieses Modell mit diesen Details einzigartig ist, auch wenn andere Modellbauer das gleiche Vorbild gewählt haben. In der schlussendlichen Ausführung stellen sie sich dann doch immer wieder unterschiedlich dar. Das ist es, was den Modellbau so interessant macht.

Der Scania Dark Diamond in 1:24

Hier ein schönes Modell des Dark Daimond in einer dunklen Farbvariante. Ebenfalls von Italeri im Maßstab 1:24:

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