Lückenschluss: Hasegawas neue 109

Luftwaffenklassiker: Messerschmitt Bf 109-E trop

Hasegawa legt dem lang erwarteten Bausatz der Bf 109 F im Maßstab 1:32 in den Markierungen von H.-J. Marseille gleich auch noch in der ersten Produktionsserie die passende Figur des berühmten Jagdfliegers bei.

Warten auf den nächsten Einsatz – H.-J. Marseille vor seiner Bf 109. © Reimund Schäler
Warten auf den nächsten Einsatz – H.-J. Marseille vor seiner Bf 109.

Hasegawa schließt mit der „Friedrich“ die Lücke in den Versionen der Bf-109-Reihe. Der vorliegende Bausatz ist ein Mix aus bereits bekannten Teilen wie zum Beispiel den Tragflächen und neu gestalteten wie etwa dem Rumpf. Zwar müssen gelegentlich Gravuren verspachtelt oder Nieten entfernt werden, aber damit werden keine Kompromisse bei der Umsetzung des Originals eingegangen. Schön, dass sich die Auspuff­stutzen und die MG-Rohre nun geöffnet präsentieren, das spart den Kauf von Zurüstteilen. Der Bausatz erlaubt die Darstellung aller vier von H.-J. Marseille in Nordafrika geflogenen Bf 109 F-4 trop.

Die unterschiedlichen Bemalungen und Markierungen wurden hervorragend wiedergegeben. Als "limited edition" liegt dem Bausatz noch eine hervorragende Resin-Figur von H.-J. Marseille bei, die dem Vorbild wie aus dem Gesicht geschnitten scheint. Anhand der nicht zu verwendenden Teile ist zu vermuten, dass nicht nur Markierungsvarianten folgen werden. So sind zum Beispiel die Bf 109 F-2 und die F-2/U6 mit verstärkter (Flügel-)Bewaffnung von Galland bereits angekündigt.

Die Planung...

war eigentlich bereits beim Öffnen des Kartons beendet, als ich die Figur sah. So sollte das Modell in ein kleines Diorama eingebettet werden, in dem sowohl die Figur als auch noch der berühmte Kübelwagen des JG 27 ihren Platz finden. Der Bau des Modells startet mit dem Cockpit, das sich problemlos zusammenfügen lässt. Einzig der Sitz bietet Grund zur Kritik, da er aus zwei Hälften besteht und das Verschleifen durch die Formgebung alles andere als einfach war. Es liegen Gurte als Decals bei, auf die ich der realistischen Darstellung wegen verzichtete. Stattdessen habe ich erstmalig Sitzgurte von HGW verwendet.

Sie bestehen aus bedrucktem Papier, was sich ein wenig wie das eines Geldscheins anfühlt. Die Gurte müssen ausgeschnitten und mit beiliegenden Ätzteilen von eduard zusammengesetzt werden. Auch wenn der Zusammenbau etwas mühsamer ist als bei Ätzteilen, so lassen sie sich realistischer in Form bringen, was für mich der entscheidende Vorteil war. Für das Instrumentenbrett finden sich schöne Decals, die ich erstmalig als Ganzes aufbrachte. Mit Weichmacher klappt das relativ problemlos – wichtig ist nur, dass die Decals viel Zeit zum Trocknen erhalten.

Vor dem Zusammenbau der Rumpfhälften habe ich mit einem scharfen Messer die beiden Teile des Seitenruders abgetrennt und separat zusammengeklebt. Und weil ich gerade schon dabei war, trennte ich auch noch die Höhenruder ab und klebte sie ausgelenkt wieder an.

Kleine Flügelkorrekturen

Der Bau der Tragflächen gestaltet sich ohne Probleme, wobei in den Radkästen zwei Beulen (der G-Version) mittels Plastikteilen auszugleichen sind. Das ist nicht so hundertprozentig zufrieden stellend und auch mittels Spachtelmasse nur schwer ohne sichtbare Spalten darzustellen. Es erscheint aber trotzdem akzeptabel, da die Radkästen nicht im Fokus stehen. Mittlerweile hat aber Aires reagiert und bietet hervorragende Radkästen an. Sowohl auf der Ober- als auch auf der Unterseite der Tragflächen sind ein paar falsche Gravuren zu verspachteln. Der weitere Zusammenbau erfolgt dann ohne Probleme.

Abweichend von der Bauanleitung habe ich die MG-Abdeckung C16 noch nicht angebracht, um nach erfolgter Lackierung die MG-Rohre einbauen zu können. Gleiches gilt für den Lufteinlauf samt Luftfilter, die Lande- und Kühlerklappen sowie die Vorflügel. Die Auspuffstutzen gehören zu den neuen Bausatzteilen und sind nun einzeln gefertigt. Gleichzeitig sind die Öffnungen angedeutet, was mit entsprechender Bemalung durchaus überzeugen kann. Den Staudruckmesser fertigte ich aus zwei unterschiedlich großen Spritzenkanülen neu an, die dem Bausatzteil haushoch überlegen sind.

Tipps für die Verglasung

Die Cockpitverglasung wird mit allerhand Innenleben ausgestattet, was beim Zusammenfügen nicht unproblematisch ist. Es empfiehlt sich, sämtliche Teile vor dem Zusammenbau zu bemalen und statt Klebstoff Micro Krystal Klear zu verwenden. Einzig die Frontscheibe habe ich vor der Lackierung eingeklebt, während die beiden übrigen Haubenteile zum einfacheren Lackieren separat blieben.

Farbgebung für die Wüste

Im Internet finden sich wenige Farbaufnahmen der verschiedenen Maschinen von Marseille, die jedoch alle überbelichtet wirken. Neben der klimatisch bedingten starken Beanspruchung der Lackierung wird die Oberseitentarnung als „kalkig“ beschrieben. Diesem Zustand sollte die Modelllackierung Rechnung tragen. Nach einer Grundierung mit H-01 wurden sichtbare Spalten und kleine Macken ausgebessert. Danach erfolgte ein schwarzes Preshading. Rumpfband, Flügelspitzen und die Front des Motors/Spinners erhielten in mehreren Durchgängen eine weiße Lackierung.

Danach spritzte ich die Unterseiten mit RLM 78, wobei ich die Innenseiten der Paneele in mehreren Durchgängen mit aufgehelltem RLM 78 akzentuierte. An den Rumpfseiten lackierte ich großzügig über die spätere Trennlinie zwischen Ober- und Unterseitenfarbe. Mit Tamiya-Klebeband deckte ich nun die Trennlinie der beiden Farben ab, wobei ich das Klebeband einen Millimeter tiefer anbrachte. Danach erfolgte die Oberseitenlackierung in RLM 79, die in mehreren Schritten durch stetige Zugabe von weißer und hellgrauer Farbe aufgehellt wird.

Unmittelbar nach der Lackierung entfernte ich die Klebebänder, um einer Farbkante entgegen zu wirken. Dabei als Farbe unbedingt „Sandgelb“ verwenden, denn RLM 79a „Sandbraun“ wurde erst im weiteren Verlauf des Krieges verwendet und befand sich auf keiner Maschine von Marseille! Nach Trocknung der Oberseitenfarbe habe ich mithilfe einer Werbepostkarte und RLM 78 nochmals die Farbgrenzen nachbearbeitet.

Dabei wird die Postkarte so ans Modell gehalten, dass sie mit geringem Abstand etwas oberhalb der scharfen Trennlinie als „fliegende Maske“ fungiert. RLM 78 wurde danach mit der Spritzpistole und geringem Druck nochmals vorsichtig aufgebracht und schaffte so eine gerade Farbgrenze, die aber nicht „scharf“ ist. Etwaige Lackierfehler wurden in einem letzten Arbeitsschritt noch ausgeglichen, bevor ich die Decals aufbrachte.

Ich ließ dabei bewusst sämtliche Wartungshinweise weg, da diese am Original auch nicht vorhanden waren. Die restlichen Decals ließen sich einwandfrei verarbeiten. Die Gravuren betonte ich mit mittelbrauner Kreide, weil dunklere Farbtöne oder gar Schwarz nicht homogen zur ausgeblichenen Farbe wirken würden. Es folgte eine Lackierung in einer Mischung aus Mattlack und Seidenmattlack.

Zum Schluss wurden noch die Abgasspuren mit stark verdünnter dunkelbrauner Farbe dargestellt und insbesondere an der Unterseite noch reichlich Ölschlieren angebracht. Lackschäden imitierte ich einmal mehr mit dem Farbstift „silver cromos“ von Faber, weitere Lackschäden entstanden mit der Klingenspitze des Modellbaumessers und durch Trockenmalen.  Abschließen erfolgte der Anbau der noch verbliebenen Teile. Der Antennendraht entstand aus gezogenem Gussast, die Isolatoren aus Micro Krystal Klear.

H.-J. Marseille aus Resin

Die Resin-Figur von H.-J. Marseille war schnell zusammengebaut. Im Absatz der linken Sohle brachte ich einen Drahtstift an, der die Figur später im Diorama fixieren soll. Die Lackierung der Uniform erfolgte mit Humbrol-Farben, die Hautpartien mit einem Mix aus Humbrol- und Ölfarben. Von Peddinghaus stammen die Schulterklappen sowie die Ordenszeichen.

Ein Kübel für die Wüste

Der Kübelwagen in 1:35 kommt von Tamiya und stellt die Tropenversion mit den Ballonreifen dar. Der maßstabsbedingt im Verhältnis zur Bf 109 etwas zu klein geratene Wagen wurde komplett nach Bauanleitung montiert. Lediglich die Fahrertür ist geöffnet dargestellt, während ich am linken Kotflügel noch einen aus Ätzteilresten gebauten kleinen Stander nach Originalfoto anbrachte.

Die Lackierung erfolgte mit Farben von Model Master. Dabei achtete ich darauf, dass die braunen Streifen nur sehr dezent wiedergegeben werden. Von Peddinghaus stammen die Decals mit der typischen, auffälligen Aufschrift „OTTO“ auf beiden Seiten. Diese fügen sich problemlos in die Ecken und Kanten der Seitenwände, wobei ich unterstützend Weichmacher verwendete.

Ein rundes Schneidebrett aus dem Baumarkt bildet die Dioramenbasis. Sein Rand wurde zwei Zentimeter breit abgeklebt und der Innenbereich mit grobkörnigem Schleifpapier aufgeraut. Darauf brachte ich eine dünne Schicht Weißleim auf. Das Klebeband wurde sofort im Anschluss zügig entfernt und ein Mix aus Vogelsand, kleinsten Steinchen und Schweißsand aufgestreut. Nach einer Stunde Trockenzeit entfernte ich überschüssiges Material durch vorsichtiges Abklopfen.

Die Sandstruktur akzentuierte ich noch mit verschiedenen Sandtönen, die ich mit wenig Druck mit der Spritzpistole aufbrachte und abschließend vorsichtig trockenmalte. Nachdem der Stellplatz der Bf 109 ermittelt war, bohrte ich dort, wo die Figur eingesetzt werden sollte, ein Loch. Sowohl die Reifen der Bf 109 und des Kübels wie auch die Schuhe der Figur erhielten abschließend einen Überzug mit hellen Pigmenten zur Staubdarstellung.

Endlich ist die „Friedrich“ auf dem Markt! Die Umsetzung ist, typisch für Hasegawa, insgesamt sehr gut gelungen. Dass aus Kostengründen auf bereits vorhandene Komponenten zurückgegriffen wird, was gelegentlich mit etwas Nacharbeit verbunden ist, stellt kein Manko dar. Einzig die Gurte sind ein Kritikpunkt, der aber nicht weiter negativ ins Gewicht fällt.

Ein Schüttelbausatz? Ja, auch wenn der Detailreichtum noch zugenommen hat und das Schütteln länger dauert.

TEXT und FOTOS, sofern nicht anders angegeben: Reimund Schäler
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