Der meistgebaute WK II LKW

Mercedes-Benz L3000: Italeri gegen Tamiya

Der Mercedes-Benz L3000 war vor dem Opel Blitz mit mehr als 30.000 Fahrzeugen der meistgebaute LKW im Zweiten Weltkrieg. Wie schlägt sich der Italeri-Bausatz, der aus denselben Formen auch von Tamiya angeboten wird?

Das Abschleppseil am vorderen Stoßfänger sowie eine Kette an der Maulkupplung stammen aus der Grabbelkiste. © Özgür Güner
Das Abschleppseil am vorderen Stoßfänger sowie eine Kette an der Maulkupplung stammen aus der Grabbelkiste.

Ein Eyecatcher ist der Mercedes-Benz L3000 in der ausgefallenen Tarnung abseits des grauen Einerleis allemal. Ein fortschrittlicher Formenbau und neue Techniken ermöglichen die Darstellung feinster Details an aktuellen Bausätzen. Zudem profitiert der Modellbau von einer Vielzahl neuer Produkte wie Detail-Sets oder Mittel zum Verwittern und altern.

Früher waren erstklassig gebaute, bemalte und optisch gealterte Modelle eher selten zu finden, heutzutage sehen wir nahezu täglich meisterhaft gebaute Miniaturen. Zugleich werden die Berge älterer ungebauter Bausätze bei den meisten Modellbauern immer höher.

Es gibt Vor- und Nachteile, wenn es um den Bau dieser „alten Schätzchen“ geht. Während der allgemeine Detaillierungsgrad niedriger ist und die meisten Details darüber hinaus auch oft grob wirken, sind sie in der Regel leicht zu bauen, da sie oft mit relativ wenigen Bauteilen daherkommen. Diese Bausätze können auch mit Hilfe von Zurüstsets auf den heutigen Stand gebracht werden, obwohl dadurch zusätzliche Kosten entstehen, die oft den Wert des Bausatzes übersteigen.

Des Weiteren kann man mit neuen Bemalungs- und Alterungstechniken auch an diesen alten Kits ein sehr gutes Ergebnis erzielen, ohne ein Vermögen für teure Zurüstsets auszugeben. Ich entschloss mich, genau das mit dem Mercedes L3000 von Tamiya aus meinem Stapel zu tun.

Obwohl das Produkt in einer Tamiya-Verpackung daher kommt, ist es doch ein Bausatz des L3000 von Italeri unter Zugabe von zwei Figuren und einigen Kleinteilen (Benzinkanister und Ölfässer von Tamiya). Für den Mercedes sind auch einige Zurüstsets erhältlich: Ätzteile von Lion Roar, diverse Beladungssets, Resin-Räder, Resin-Motor und ein Allradchassis sind die Dinge, die mir als erstes einfallen. Es ist also möglich, ein sehr anspruchsvolles Modell mit einigen oder gar allen diesen Sets zu bauen – oder man baut es geradewegs aus der Schachtel!

Schattenseiten als Herausfoderung

Das Deckelbild zeigt ein fertig gebautes Modell und liefert einen ersten Eindruck. Es offenbart aber auch die Schattenseiten: Die Scheibenwischer, die Scheinwerfer sowie das Mercedes-Emblem auf der Haube sind viel zu groß und verderben so etwas den sonst guten Gesamteindruck. Obwohl ich den Mercedes aus der Schachtel bauen wollte, empfehle ich, diese Teile zu ersetzen, um das Modell etwas aufzuwerten.

Der Bausatz verfügt über eine geringe Anzahl an Teilen und lässt sich recht schnell zusammensetzen. Trotzdem verlangen die Vinylreifen und der Vorderbau einigen Zeitaufwand und Mühe beim Bau. Die Vinylreifen weisen eine Mittelnaht auf, die nur schwierig zu entfernen ist, da das Material weich und elastisch ist und somit nicht einfach verschliffen werden kann.

Um dieses Problem zu lösen, hielt ich jeweils einen Reifen dicht an eine Kerze (Vorsicht!), um das Vinyl etwas aufzuweichen, und ihn dann schnell auf einer harten Oberfläche zu reiben. Das aufgeweichte Vinyl konnte so in Form gebracht werden und alle unschönen Gussnähte verschwanden. Diese Methode ist zwar riskant aber auch effizient. Das Vinyl darf nicht anbrennen oder soweit erweichen, dass der Reifen seine Form verliert.

Das Fahrerhaus wurde zügig zusammengebaut, da sein Innenleben später fast nicht sichtbar ist, und mit German Grey (Tamiya XF-63) bemalt. Anschließend deckte ich die Windschutzscheibe und die Seitenscheiben mit Maskierfolie ab. Der Vorbau benötigt etwas Spachtelarbeit, da die Passung hier nicht optimal ist.

Nach dem Verschleifen trug ich eine hellgraue Grundierung auf, um eventuelle Unregelmäßigkeiten feststellen zu können, die noch einer weiteren Bearbeitung bedürfen. Die zu groß geratenen Scheinwerfer wurden durch Teile aus der Grabbelkiste ersetzt, sie stammen von einem Zvezda L4500.

Zudem fanden sich noch fotogeätzte Wischer und auch der übergroße Mercedes-Stern musste weichen. Beim Wühlen in der Grabbelkiste fand ich außerdem noch ein vorderes Nummernschild, einen Notek-Tarnscheinwerfer und zwei Außenspiegel. Keines dieser Teile wurde extra angeschafft, alle sind vielmehr Überbleibsel älterer Bausätze. Ein Grund mehr, sich eine Grabbelkiste anzuschaffen und zu pflegen.

Spezielle Wintertarnung

Vor der Bemalung stand erst mal die Recherche im Internet nach Farbprofilen an und ich fand dabei ein Foto eines L3000 in Russland aus dem Jahr 1942. Dieses Schwarz-Weiß-Foto verrät nicht wirklich viel über die Farbgebung, aber es lässt eine Wintertarnung über dem Dunkelgrau erkennen.

Alle anderen Möglichkeiten außer Acht lassend, entschloss ich mich, dieses Tarnmuster anzuwenden. Die Plane über der Ladefläche, die auch auf dem Vorbildfoto zu sehen ist, liegt dem Bausatz in mäßiger Qualität bei.

Das Modell wurde zunächst mit Tamiya XF-63 German Grey bemalt. Um verschiedene Schattierungen zu erzeugen, sprühte ich auf manche Bereiche eine mit XF-66 Light Grey aufgehellte Mischung der Grundfarbe. Anschließend sprühte ich einige Highlights mit einem hellen Grauton (XF-66) auf das Fahrzeug, bemalte weitere Details wie die Räder und entfernte zum Abschluss die Masken der Scheiben.

Mein Vorbildfahrzeug verfügte über keinerlei Markierungen, sondern hatte lediglich ein Nummernschild. Um dies darzustellen, verwendete ich die Decals aus dem Bausatz. Die einteilige Plane der Ladefläche wurde mit XF-58 lackiert und mit dem Fahrzeug verklebt.

Alter vor Schönheit

Die aufgemalten weißen Streifen der Wintertarnung wurden von der Truppe aufgebracht, weshalb ich mich dazu entschloss, diese erst nach den ersten Schritten der Alterung aufzubringen. Als erstes überzog ich für die folgenden Schritte das ganze Modell mit Mattlack von Vallejo (Art.-Nr.: 26.518), trug anschließend einige Filter, die mit dunklen Ölfarben erzeugt wurden, auf und führte danach ein Detailwashing mit Dark Wash von MIG productions durch. Im Anschluss wurden mit Chromfarbe noch der Mercedes-Stern auf dem Kühlergrill sowie das Innere der beiden Scheinwerfer bemalt.

Nun war es an der Zeit, die auffälligen weißen Streifen mit einem Flachpinsel mittlerer Größe und Mattweiß von LifeColor auf das Fahrzeug zu malen. Alle Streifen wurden nach und nach, ohne den Pinsel abzusetzen, aufgemalt. So dürfte die Farbe auch am Original aufgebracht worden sein. Schmale Streifen wurden mit einem dünneren Pinsel gemalt.

Nachdem alle Streifen aufgemalt waren, überzog ich die Flächen mit einigen helleren Filtern und einem weiteren Detailwashing mit Dark Wash von MIG productions. Um die Farbe zusätzlich etwas auszubleichen, wurden kleine Punkte der Ölfarbe German Grey Highlight von 502 Abteilung (# 170) aufgebracht und anschließend mit einem weichen Rundpinsel mit der Grundfarbe verblendet.

Diese Technik verleiht dem Fahrzeug mehr Leben durch unterschiedlichste Schattierungen, aber man sollte immer nur kleine Mengen der Ölfarbe auftragen. Gleiches erfolgte mit hellen Grüntönen auf der Plane.

Schlamm für das Fahrgestell

Nun wandte ich mich dem Fahrgestell zu, das nahezu ausschließlich mit Produkten von AK interactive behandelt wurde. Um das Fahrzeug vor den lösungsmittelhaltigen Farben zu schützen, überzog ich diesen Bereich mit einer weiteren Lage Mattlack. Für den Schmutz/Schlamm rührte ich Dark Mud, Earth effects sowie Dust effects mit einer kleinen Menge Gips in einem Becher an, bis eine leicht zähe und nicht zu flüssige Konsistenz erreicht war.

Die Mischung wurde mit einem Pinsel aufgenommen, der Überschuss auf einem Stück Küchenpapier abgewischt und dann vor das Modell gehalten. Mit der Airbrush wurde nun Luft durch den Pinsel gepustet und der Schlamm somit gegen das Modell geschleudert. Ich empfehle, erst ein wenig zu üben, bevor man sein Modell auf diese Weise bearbeitet.

Im Anschluss wurde die aufgesprühte Farbe noch mit AK interactive White Spirit verblendet. Diese Technik wiederholte ich unter Veränderung der Konsistenz sowie der Farbgebung mehrmals. Der letzte Schritt in diesem Abschnitt war die Darstellung von „frischem Schlamm“ auf einem bereits schmutzigen Fahrzeug.

Dazu wurde mit einem dünnen Pinsel etwas Fresh Mud von AK Interactive aufgenommen und wie zuvor beschrieben mittels Spritzpistole vor allem auf die Heckpartie des LKW geschleudert.

Die Produkte von AK interactive trocknen sehr schnell, aber durch den Gips in der Mischung haften sie nicht besonders gut an der Modelloberfläche und fallen häufig wieder herab. Um diesen Effekt zu vermeiden und die Schlammmischung auf Dauer sicher am Modell zu „befestigen“, sprühte ich eine letzte Lage Vallejo Mattlack darüber.

Da ich den Mattlack immer in einem Verhältnis von 1:1 mit Wasser mische, ist es möglich, mehrere dünne Schichten aufzutragen, ohne die vorhergehende Arbeit zunichte zu machen. Als letzte Details fügte ich gemäß Vorbildfoto ein Abschleppseil am vorderen Stoßfänger sowie eine Kette an der Maulkupplung aus meiner Grabbelkiste hinzu. Mit nur kleinen Veränderungen, die das Aussehen des Fahrzeugs doch erheblich verändert haben, wurde der Mercedes-Benz L3000 schließlich vollendet.

TEXT und FOTOS: Özgür Güner
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