Perfekte Passform und Detaillierung

Fliegender Schützenpanzer: Mil Mi-24

Ist es möglich, einen Bausatz des fliegenden Schützenpanzers Mi-24 im Maßstab 1:72 herzustellen, der perfekt passt und einen Detaillierungsgrad besitzt, der sonst nur durch teures Zubehör zu erreichen ist?

Zvezda liefert mit dieser Mi-24 das best detaillierte Modell einer Hind. © Fotos, sofern nicht anders angegeben: Heinz Spat
Zvezda liefert mit dieser Mi-24 das best detaillierte Modell einer Hind.

Die Mi-24 wurde bereits von mehreren Herstellern als Bausatz herausgebracht, doch keiner hat dabei eine solche Qualität und einen so hohen Detaillierungsgrad wie Zvezda erreicht. Bei näherer Betrachtung fällt auf, dass einerseits sehr viele feine Details wie die Triebwerke, die Getriebeeinheit und auch der Innenraum des Transportbereichs zu finden sind, das Cockpit jedoch etwas leer ist.

Da wären erhabene Strukturen der Instrumente wünschenswert gewesen. Stattdessen liegen Decals bei, die allerdings einen sehr guten Eindruck hinterlassen. Inzwischen hat der Zubehörmarkt reagiert und es sind diverse Detaillierungssets erhältlich. Ich hatte mich dazu entschlossen, drei Ätzteilsätze von Part zu erwerben.

Da sie aber für den Hind D von Revell gedacht sind, haben sie nur zu einem sehr geringen Teil Verwendung gefunden. Zu Baubeginn gab es leider nur wenig Passendes für den Zvezda-Kit. Für das lange Pitotrohr gibt es eine recht gute Alternative zum nicht ganz korrekten Bausatzteil von Armory. Um mir die Abklebearbeiten etwas zu erleichtern, besorgte ich mir zudem noch die passenden Masken von eduard.

Dann mal los …

Der Bausatz ist ein typischer Vertreter eines modular angelegten Kits. Das hat den Vorteil, dass man einzelne Baugruppen parallel bauen kann. Nachteil ist, dass es Passprobleme geben kann. Als erstes habe ich mich mit dem Cockpit beschäftigt. Die sehr gut wiedergegebenen Piloten kamen nicht zur Anwendung, dafür aber einige Ätzteile von Part.

Dazu gehören die Sitzpolster, Gurte und Pedale. Eigentlich wollte ich auch die Instrumentenpanels verwenden, aber sie waren leider deutlich zu groß. Also doch nur die Decals!

Dagegen konnten ein paar Teile für den Türverschluss, ein Rückspiegel sowie die beiden kleinen Ventilatoren genutzt werden. In der hinteren Kabine kamen zudem ein paar Kästchen und Leitungen sowie die Halterungen für Abwehrwaffen, die je links und rechts an einem Fenster montiert sind, zum Einsatz.

Die Bemalung gestaltete sich ein wenig aufwendig, da die Innenräume mit mehreren Farben lackiert sind. Das Cockpit wird hauptsächlich schwarz, die Paneele bekommen einen grau-grün-blauen Anstrich, den ich mir selbst aus Smaragdgrün H46, Hellblau H45 und Weiß zusammenmischte.

Je nachdem, welche Fotos des Originals man sich ansieht, wirkt die Farbe mehr Grün oder mehr Blau. Das versuchte ich nachzubilden. Die Mannschaftskabine dagegen ist hellgrau gehalten. Ich verwendete hier FS36320 (H307) und wich damit von der Anleitung ab, was ich noch an mehreren Stellen tat, da die Bemalungsanleitung gegenüber den mir vorliegenden Vorbildfotos einige Unterschiede aufweist.

Schon bei den ersten Teilen konnte ich feststellen, dass diese ausgesprochen gut, nein, sogar perfekt zusammen passten. Das sollte sich aber noch als Nachteil erweisen, da man dadurch sehr genau arbeiten muss, denn durch die nicht vorhandenen Spaltmaße kann man ungenaues Zusammenbauen nicht korrigieren und solche Fehler ziehen sich denn durch den gesamten Bau – so, wie es mir passierte, was aber eben meine Schuld war und nicht die des Bausatzes.

Das lag daran, dass ich die vorgegebene Reihenfolge des Baus nicht einhielt. Konkret: ich klebte das Unterteil E3 schon recht frühzeitig an die Unterseite des Cockpits, aber leicht versetzt, somit passten sämtliche weiteren Komponenten (A1, F6, E1 und E2) nicht mehr genau und ich musste spachteln.

Antrieb und Waffen

Ein großer Pluspunkt des Bausatzes ist die Darstellung der Triebwerke und des Getriebes. So etwas habe ich in dieser Form im Maßstab 1:72 noch nicht gesehen. Trotzdem kann man noch ein wenig zusätzlich detaillieren, indem man einige Kabel, Schläuche und Rohre hinzufügt. Da ich kein Freund von „explodierten“ Modellen bin, habe ich mich dazu entschlossen, nur eine Seite der Hind geöffnet darzustellen.

Somit reichte es auch, nur diese Seite zu verfeinern. Dazu wurden ein paar unterschiedlich dicke Drähte benötigt. Auch am Rotor wurden einige Schläuche mithilfe von dünnem Lötzinn nachgebildet. Es waren zwar in einem Part-Ätzteilsatz entsprechende Teile vorhanden, aber zur Darstellung solcher Details sind Ätzteile einfach nicht zu gebrauchen, da sie flach und nicht rund sind.

Damit die Stummelflügel nicht zu leer wirken, hat Zvezda einiges mit in die Schachtel gepackt. Ausgewählt werden kann zwischen zwei 450 Liter-Tanks, zwei B8V20 Raketenbehältern, zwei UPK-23/250 Kanonenbehältern und vier AT-6 Spiral-Raketen – ein durchaus reichhaltiges Angebot. Die B8V20 sind sehr gut wiedergegeben, ihre Abschussrohre weisen aber keine Löcher auf.

Die Frage war nun, wie das zu realisieren wäre. Zuerst versuchte ich, sie vorsichtig aufzubohren, was allerdings nicht gut funktionierte. Deshalb entschloss ich mich, Spritzkanülen mit einem Durchmesser von 1,2 Millimetern zu kaufen und davon die einzelnen Rohre mit der Trennscheibe in meiner Kleinbohrmaschine abzulängen.

Für die beiden Behälter wurden immerhin 40 Stück benötigt, die alle entgratet und in die zuvor in die Pods gebohrten Löcher eingeklebt wurden. Das Ergebnis ist wegen der zu dicken Wandung der Rohre nicht ganz perfekt aber trotzdem besser, als auf diese Löcher zu verzichten.< Anzumerken ist, dass Zvezda in der Bauanleitung ein paar Fehler unterlaufen sind.

In den Baustufen 18, 19 und 20 sind einige Teilenummern vertauscht worden. In Stufe 18 die Nummern B5 und B6. In den Stufen 19 und 20 ist sogar alles verdreht und spiegelverkehrt, daher hier bitte aufpassen! Die Passlöcher sind unterschiedlich positioniert, sodass die Pylone nur an eine Seite angeklebt werden können.

Die Angaben der Decals für die Aufhängungen sind auch unzureichend, da es sich keineswegs nur um zwei, sondern vielmehr um vier verschiedene handelt. Die Decals 30 und 31 müssen so angebracht werden, dass die Nummerierungen N1 – N4 von links nach rechts verlaufen (in Flugrichtung betrachtet).

Bringen wir Farbe ins Spiel

Das Bemalen eines Hubschraubers wie der Mi-24 ist nicht ganz einfach. Das fing schon mit der Auswahl der richtigen Farben an. Ich wollte die Version 2 bauen, eine Mi-24V, die 1988 in Afghanistan eingesetzt wurde. Jedoch irritierten mich die Farbangaben. Waren die Maschinen tatsächlich auch grau und grün getarnt?

Ich kannte bis dahin nur Farbschemata in diversen Braun- und Grüntönen, so wie bei Version 1 angegeben. Nach umfangreicher Recherche stieß ich tatsächlich auf mehrere Maschinen, die wie angegeben getarnt waren, wobei es anscheinend keine wirklich feste Regel gab. Tatsächlich gibt es zahllose Tarnvarianten, die sich teils deutlich, teils nur in Nuancen unterscheiden.

Da ich Gunze Hobby Colors bevorzuge, musste erst mal geprüft werden, ob die richtigen Töne von diesem Hersteller zu bekommen sind. Tatsächlich weist Gunze da einige Lücken auf. Deshalb verwendete ich für die Unterseite die von Zvezda angegebene Farbe von Model Master: USSR pale blue 2130. Für die Oberseite gibt es stimmige Farbtöne von Gunze.

Nach dem sorgfältigen Abkleben der Unterseite wurde zuerst eine Schicht H315 (FS16440) und nach weiteren umfangreichen Abklebearbeiten H320 auflackiert.

Dabei wurden die Klappen und Türen separat behandelt. Die restliche Arbeit verlief nach dem üblichen Schema, wobei ich diesmal nur geringe Abnutzungsspuren aufbrachte. Das Modell wirkt allein schon durch die vielen offenen Klappen und die zahlreichen Details recht unruhig, was ich durch eine zu starke Alterung nicht noch verstärken wollte.

Insgesamt betrachtet handelt es sich bei der Hind E um einen tollen, aber anspruchsvollen Bausatz. Seine Zielgruppen sind sicher nicht Anfänger oder Gelegenheitsbauer. Man sollte schon ein wenig Erfahrung mitbringen. Sind Zubehörteile sinnvoll? Ich würde sagen: bedingt. Spritzmasken sind sicher recht praktisch, Ätzteile für das Cockpit auch zu empfehlen.

Auch sollte man die lange Sonde ersetzen und bei den Turbinen, dem Getriebe und dem Rotor kann man mit einfachen Bordmitteln recht weit kommen. Und bei dem günstigen Preis kommt man eigentlich gar nicht umhin, sich den Bausatz sowieso zu genehmigen. Weiter so, Zvezda! Als Literatur empfehle ich das hervorragende Buch „Hind in detail, Mil Mi-24, all Variants“ von Wings & Wheels Publications, gespickt mit wertvollen Detailaufnahmen.

TEXT und FOTOS: Heinz Spatz
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