Attraktives Erscheinungsbild mit der Dreifarben­tarnung

Jetklassiker: die MiG-23 MS Flogger

Das beeindruckende Modell der MiG-23 MS Flogger im großen Maßstab 1:32 kommt in einem prall gefüllten Karton und garantiert reichlich Bastelspaß. 

Attraktives Erscheinungsbild: die Dreifarben­tarnung zusammen mit den grünen Hoheitszeichen libyscher Militärflugzeuge: Die MiG-23 MS Flogger © Reimund Schäler
Attraktives Erscheinungsbild: die Dreifarben­tarnung zusammen mit den grünen Hoheitszeichen libyscher Militärflugzeuge: Die MiG-23 MS Flogger

Die MiG-23MF Flogger B war eine der 1:32er-Trumpeter-Neuheiten des letzten Jahres. Mit 565 Teilen, einigen sinnvollen Ätzteilen sowie ein paar Zinnteilen zur Verstärkung des Fahrwerks ist reichlich Bastelspaß garantiert. Allein 14 Spritzlinge sind für die Bewaffnung mit Raketen, ungelenkten Bomben, Waffenbehältern und Zusatztanks vorgesehen!

Das Modell lässt sich in drei Bauabschnitte einteilen: Cockpit, Mittelrumpf mit Schwenkflügeln und Heck. Das Triebwerk ist schön dargestellt und separat auf einem Arbeitsgestell zeigbar. Bis auf die Höhenruder sind sämtliche Ruder sowie die Vorflügel ausgelenkt darstellbar.

Auf den Tragflächen finden sich Spoiler, die ebenfalls geöffnet werden können, wie auch die vier Luftbremsen am Heck. Als Markierungsoptionen bietet Trumpeter die Darstellung einer tschechischen und einer NVA-Maschine, letztere in Diensten des JG 9 aus Peenemünde. Ein separates Decal-Sheet beinhaltet die Stencils für die Waffen.

Vorbildmaterial dringend gesucht

Ich muss gestehen, dass ich über die MiG-23 bislang wenig wusste und auch kaum Unterlagen darüber besaß. Daher besorgte ich mir zunächst noch etwas Literatur. Liest man sich intensiver in die Materie ein, so verwirrt die Bezeichnung der Varianten, die bei russischen Kampfflugzeugen so komplett anders sind. Die Bezeichnungen S, M, MF, ML, MLD, MS, BN und UB verwirren mehr, als dass sie klar nachvollziehbar sind.

Schlimmer wird es noch, wenn man versucht, die Nato-Codenamen Flogger B bis Flogger G mit den russischen Bezeichnungen in Einklang zu bringen. Schließlich fand ich aber heraus, dass unter der Bezeichnung MiG-23MS Flogger E Maschinen als Exportver­sion gebaut und an Drittwelt-Staaten verkauft worden sind, auch an den Irak und Libyen.

Diese Flugzeuge waren eine Abart der MF-Variante, mit deutlich schwächerer Elektronik und dem Radar der MiG-21 bis. Äußerlich waren die MS von den MF nur durch die kleinere Radarnase und das nicht vorhandene IR-Gehäuse zu unterscheiden. Und da sich libysche Modelle in allen Maßstäben doch eher selten gebaut finden, war meine Wahl getroffen.

Cockpit und Schwenkflügel

Statt des Bausatz-Schleudersitzes verwendete ich den KM-1 von True Details, der eine deutliche Aufwertung des Cockpits bringt. Die Klarsichtteile für die Armaturen können getrost im hier typischen Grünblau mitlackiert werden, um danach mit den beiliegenden Decals und reichlich Weichmacher beklebt zu werden.

Beim Studieren von Vorbildfotos fallen die vielen Kippschalter auf, die so filigran natürlich nicht im Bausatz umgesetzt sind. Ich habe sie daher mit dünnem Kupferdraht nachgebildet, was später aber leider kaum auffällt. Das Cockpit erfuhr zudem noch eine ausgiebige Alterung. Die Decals erwiesen sich als sehr dünn und rissen leicht. Um Probleme mit den Kanzel-Decals zu vermeiden, habe ich sie daher in mehrere Teile geschnitten und dann aufgebracht. Die Kanzel selbst wurde zudem noch ein wenig nachdetailliert.

Die Bugsektion ist anders als bei anderen Modellen lediglich aus den beiden Cockpithälften zu bauen, eine separat beiliegende und geöffnet darstellbare Radarnase findet sich leider nicht. Die Fahrwerksschächte erhielten aus Kupfer- und Lötdraht in verschiedenen Stärken noch Hydraulikleitungen. Gleiches galt auch für die Fahrwerke selbst. Die Bordkanonen erfuhren noch eine Aufwertung durch Aufbohren der seitlichen Löcher der Mündungsbremsen (Teile H5, 6).

Die Tragflächen lassen sich beweglich darstellen und haben deswegen auch relativ starke Aufnahmezapfen, um jegliches Durchhängen auszuschließen. Obwohl ich nicht vorhatte, die Tragflächen am fertigen Modell zu bewegen, klebte ich sich doch nicht an, weil ich mir davon für die Lackierung Vorteile versprach.

An beiden Tragflächen ist jeweils an einer Ecke ein Stück Klarsichtmaterial anzubringen, das die Positionsleuchte enthält. Obwohl Trumpeter da sicher Gutes wollte, wurden hier nicht ganz einfach auszuführende Spachtel- und Schleifarbeiten erforderlich. Sinnvoller wäre gewesen, die Positionsleuchten wie bisher mittels klarem Rundmaterial darzustellen.

Die auf den Flügeln befindlichen Spoiler sind bei geparkten Maschinen durchweg geschlossen, was so auch am Modell nachempfunden wurde. Bei kleinerer Tragflächenfeilung fällt auf, dass die Aufnahmeöffnung im Rumpf beim Original verschlossen ist. Ich vermute, dass es sich um eine Art Klappe handelt, die beim Zurückschwenken einfach weggedrückt oder weggeschwenkt wird. Mit Sheet habe ich sie nachgebildet.

Rumpf und separates Triebwerk

Das Heck ist so aufgebaut, dass das Triebwerk auch separat auf einem Transportgestell dargestellt werden kann. Ich verzichtete jedoch darauf und montierte das Heck gemäß Bauanleitung. Achtung bei der Finne unterhalb des Triebwerks! Diese ist beim Original so groß dimensioniert, dass sie am Boden nach rechts zur Seite geklappt wird. Leider findet sich in der Bauanleitung kein Hinweis darauf.

Während der Zusammenbau der vorderen Baugruppe mit dem Mittelteil fast hervorragend passte, sah das beim Heck etwas mühseliger aus. Bedingt durch die optionale Darstellung des Triebwerks wollten die Teile hier nicht so recht zusammenpassen. Mit Sekundenkleber und etwas Nachdruck kam aber zusammen, was zusammen gehören soll.

Nach den Spachtel- und Schleifarbeiten mussten etliche Gravuren neu erstellt werden. Beim Anbringen des Seitenleitwerks offenbarte sich fast über die gesamte Länge ein etwa ein Millimeter großer Spalt, der verspachtelt wurde. Die vier Luftbremsen sind bei vielen geparkten Maschinen offenstehend.

Diese Darstellung bietet sich beim Modell an, zumal hier die Innenseiten sehr schön detailliert wiedergegeben sind. An jeder Luftbremse wurden pro Zylinder je zwei Hydraulikleitungen nach Vorbildfotos nachgebildet. Ein etwas mühseliger Vorgang, der aber den Aufwand am fertigen Modell rechtfertigt.

Eigentlich bietet sich der Umbau in eine Flogger E förmlich an, weil die Umbauarbeiten überschaubar und relativ einfach darzustellen sind. Im Bugbereich wurden verschiedene Gravuren dargestellt, um das kleinere Radom in Szene zu setzen. Der Sensor (Teil H 29) wurde mittig weiter nach vorne verlegt.

Im Bereich unmittelbar vor dem Bugfahrwerkschacht waren die Erhebungen (Aufnahme des IR-Sensors – Teil W 2) mit dem Rumpf bündig zu schleifen. Die Bugfahrwerksklappen (Teile A 1, 2) mussten dabei ebenfalls überar­beitet werden. Am Seitenruder ent­fielen die beiden Teile R 3 und R 8, die dazu gehörigen Öffnungen wurden geschlossen und verschliffen.

Die Farbgebung

Ich wollte eine der libyschen MiG-23 darstellen, wie sie in den späten 1980er-Jahren sehr oft von den F-14A der 6. US-Flotte gesichtet wurden. Der gravierendste Vorfall ereignete sich am 4. Januar 1989, als zwei MiG-23MS von F-14A abgeschossen wurden, nachdem sie sich bis auf 35 Meilen dem Trägerverband genähert hatten und trotz Warnung nicht abdrehten. Die Firma Linden Hill hat inzwischen einen Bogen unter anderem mit libyschen Markierungen herausgebracht, den ich mir sofort nach Erscheinen besorgte.

Nach einer Grundierung wurden mit Metalizer Farben von Model Master die blanken Metallteile am Triebwerksauslass dargestellt. Nach mehreren Farbaufträgen mit clear blue, clear yellow und stark verdünntem Braun erfolgte die abschließende Versiegelung. Danach wurden die dielekt­rischen Flächen (Radarkonus, Seitenleitwerk) mit dunklem Grau lackiert.

An sehr vielen MiG-23 finden sich an der Unterseite zwei unterschiedliche Farbtöne, wobei die Farbgrenze scharf hinter dem Hauptfahrwerk verläuft. Die Farbe im Heckbereich kann dabei sowohl dunkler als auch heller als die der restlichen Maschine sein, hier heißt es Vorbildstudium betreiben.

Da ich eine mitgenommene Maschine darstellen wollte, habe ich die Unterseite in Hellblau (RLM 65) im vorderen Bereich und RLM 76 im Triebwerksbereich lackiert. Dabei hellte ich die Farbe zunächst auf und brachte mit einem harten Schwamm und Maskol ein paar markante „Lackabplatzer“ auf.

Anschließend wurde die entsprechende Grundfarbe unverfälscht auf die gesamte Unterseite aufgesprüht, um danach wieder mit Maskol hier und da betupft zu werden. Abschließend akzentuierte ich die Innenseiten der Paneele mit aufgehellter Grundfarbe.

Nach dieser Prozedur wurden auch die Farben der Oberseite aufgebracht, wobei ich den Tarnverlauf freihändig auftrug. Ich verwendete dazu RAF dark earth, RAF dark green sowie H 89 Sand von Humbrol.

Decals und Bewaffnung

Von den Bausatz-Decals nahm ich nur einige Wartungshinweise, alles andere stammt vom hervorragenden Linden-Hill-Bogen. Vorsicht bei den ockerfarbenen Decal-Kanzelrändern! Auf Fotos belegt sind diese Einfassungen in unterschiedlichen Brauntönen, die wohl beim Original die Dichtigkeit der Klarsichtteile verbessern sollen.

Trumpeter bietet zwar zwei separate Decals an, die sich aber beim Auftragen sehr störrisch verhielten. Mit viel Geduld und Weichmacher legten sie sich dann auch an, waren aber hochglänzend, was mit der Realität leider nichts gemein hat. Also griff ich zum Pinsel und brachte dort vorsichtig matten Klarlack auf.

Nachdem alle Decals vollständig getrocknet und die Masken und Maskolflecken wieder entfernt waren, übernebelte ich das ganze Modell vorsichtig mit stark verdünntem „buff“, um allem ein ausgeblichenes Aussehen zu verleihen. Ein Postshading mit verdünnter, dunkelbrauner Farbe und die Akzentuierung der feinen Gravuren mit brauner Kreide vervollständigten den Alterungsprozess.

Abschließend erfolgte ein Finish mit seidenmattem Klarlack. Ein bekanntes Foto der U.S. Navy zeigt eine libysche MiG-23 mit vier AA-2 Atoll Luft-Luft-Raketen. Diese liegen dem Bausatz leider nicht bei, weshalb ich sie samt den dazugehörigen Abschussschienen aus zwei MiG-21-Bausätzen des selben Herstellers entnahm. Auf eine weitere Beladung in Form von Zusatztanks habe ich bewusst verzichtet , da man dies kaum auf Originalfotos sieht.

Die letzten Teile (Antennen/Sensoren) waren schnell angebracht, wobei ich bei den Teilen A 8, H 26 und 29 die Spitze durch die Kanüle einer Einwegspritze ersetzte. Vorsicht bei der Anbringung der Teile H 16. Diese sind in der Bauanleitung entgegen (!) der Flugrichtung dargestellt – einfach um 180° gedreht anbringen.

Ein ungewöhnliches Flugzeug

Trumpeter hat sich im Maßstab 1:32 zu einer festen Größe entwickelt und stellt dies mit jedem neuen Modell unter Beweis – so auch mit dieser MiG-23. Der Bau war trotz des dreigeteilten Rumpfes und den damit verbundenen Anpassungs- und Schleifarbeiten am Heck eher unproblematisch. Mit ein wenig zusätzlichem Aufwand lässt sich eine wunderschöne Replik des Originals bauen.

Zudem ist die separate Darstellung des Triebwerks eine interessante Option zum Beispiel in einem Diorama. Trumpeter hat bereits weitere Varianten der MiG-23 und der weiterentwickelten MiG-27 angekündigt, freuen wir uns darauf!

TEXT und FOTOS: Reimund Schäler
Mehr zum Thema
Das könnte Sie auch interessieren