Kampfflugzeug des Kalten Krieges

Kindheitserinnerungen: Convair F-102A Delta Dagger

Seit früher Kindheit ist Christian Gerard fasziniert von der F-102A Delta Dagger. 35 Jahre später erschafft sich der Autor aus dem Bausatz von Revell in 1:48 sein ganz persön­liches Traummodell und stellt es hier vor. 

Convair F-102A Delta Dagger von Revell im Maßstab 1:48 © Christian Gerard
Convair F-102A Delta Dagger von Revell im Maßstab 1:48

Bis heute ist mir das majestätisch anmutende Flugbild der F-102 Delta Dagger lebhaft in Erinnerung geblieben. Als Kind blickte ich oft in den Himmel, wenn ein Düsenjäger tief über das elterliche Haus flog. Damals waren es nicht gerade wenige und ganz besonders hat mich die F-102 Delta Dagger fasziniert, ja ich glaube sogar sagen zu können, dass meine Affinität zur militärischen Luftfahrt ihren Ursprung in dieser Begegnung mit der F-102 gefunden hat. Sicherlich die Motivation, um sich mehr als 35 Jahre später an ein entsprechendes Modellbauprojekt zu wagen.

Was der Markt bietet

Für den Modellbauer gibt es eigentlich nur zwei Spritzguss-Bausätze, die mit vertretbarem Aufwand den Bau einer F-102A ­zulassen: In 1:72 wäre da der Oldie aus den 1970er-Jahren von Hasegawa, der in ­Sachen Formgebung einen recht stimmigen Eindruck hinterlässt, aber vom Detaillierungsstand seinem Alter Tribut zollen muss. Etwas besser ist der Modellbauer dran, der seine Delta Dagger im Maßstab 1:48 bauen möchte. Er kann auf den vor knapp 20 Jahren erschienen Monogram-Kit zurückgreifen, der vor einigen Jahren von Revell mit einer kleinen, aber wichtigen Änderung wieder in die Läden kam.

Hatte die Erstauflage die späteren „Case XX“ Tragflächen (XX steht für 20), so ­erschien die Wiederauflage von Revell unter der Nr. 04586 mit den früheren “Case X” Flügeln, die man für den Bau einer ­USAFE F-102A benötigt. Für Frühpensionäre und ganz Geduldige gibt es in 1:32 noch einen F-102A Vacu-Kit von Combat Models, für den dann aber doch wohl mindestens 1.000 Baustunden eingeplant ­werden sollten …

Ein nicht ganz einfacher Start

Wir zeigen nachfolgend den Bau und die Verbesserungen am Monogram/Revell F-102A-Kit, der übrigens das letzte Flugzeugmodell von Monogram mit erhabenen Strukturlinien darstellt. Typisch für die ­alten Monogram-Flugzeuge ist jedoch auch die meist perfekte Maßhaltigkeit und Linienführung. So und nicht anders ist es auch bei dem hier besprochenen Bausatz.

Meine erste Tat bestand aus dem Runterschleifen der Panellinien, so weit, dass sie noch gerade sichtbar waren (3+4). Ich gravierte dann die Linien mit einer Reißnadel entlang eines Stahllineals bzw. mittels ­Dymo Bandes neu, was bei den einfachen Strukturen auf der Oberseite kein Problem darstellte. Etwas komplizierter gestalteten sich die Gravuren auf der Unterseite. Mithilfe diverser Gravierschablonen war das aber auch relativ schnell bewerkstelligt.

Nietenreihen sind bei der F-102 kaum vorzufinden, da man beim Original bestrebt war, einen möglichst geringen Luftwiderstand zu erreichen, weshalb man die Nieten zuspachtelte. So wollte man aus der eher schwach motorisierten Delta Dagger noch ein paar Meilen mehr Höchstgeschwindigkeit herauszuholen.

Keine Seltenheit bei diesem Kit sind mehr oder weniger stark verzogene Tragflächenteile und Rumpfhälften, die ich unter laufend heißem Wasser einigermaßen gerade richten konnte. Nach dem Zusammenkleben der Tragflächenhälften, was ich nach der Detaillierung der Fahrwerksschächte anging, bemerkte ich, dass die rechte Flügelhälfte dicker war als die linke. Folglich feilte ich sie mithilfe des Schleifstabsets von Mastercasters dünner.

Den Lufteinläufen widmete ich anschließend eine großzügige Überarbeitung (2) Monogram hat es sich sehr einfach ­ge­macht und lässt innen die Lufteinläufe ins Leere laufen. Aus Plastikprofilen, Magic Sculp (Epoxyd-Spachtel) und Tamiya Putty formte ich in mehrtägiger, mühevoller ­Arbeit die Innenstruktur des Lufteinlaufkanals bis zum Triebwerk. Später kam dann die Ernüchterung: Von dieser Arbeit ist nach dem Zusammenbau der Rumpfhälften praktisch nichts mehr zu sehen, weil die Lufteinläufe  recht klein und von daher nur schwerlich einsehbar sind. ­Gelernt habe ich daraus, dass ich mir bei meiner nächsten F-102 diese Arbeit spare.

Eyecatcher Cockpit und Avionic

Als nächster Schritt folgte der Bau des Cockpits, welches hauptsächlich aus dem Set 48007 der Firma Black Box besteht (1). Das Instrumentenbrett wie auch einige andere Kleinteile entnahm ich dem eduard Ätzteileset 49263. Zudem entschied ich mich für die Darstellung geöffneter Avionikschächte am linken Rumpfvorderteil (5). Alle dafür notwendigen ­Ar­beitsschritte mussten vor dem Zusammenkleben der Rumpfhälften geplant und ausgeführt werden.

Noch vor dem Aussparen der entsprechenden Stellen habe ich 0,2 Millimeter dickes Plastiksheet über einem Toaster erwärmt und an dem Rumpfvorderteil „tiefge-zogen“. ­Daraus erstellte ich dann später die Abdeckungen für die Avionikschächte.

Nachdem ich die Aussparungen am Rumpfteil mit Bohrmaschine, Messer und Schleifpad entsprechend vorgenommen hatte, baute ich die grobe Innenstruktur aus Plastik-sheet auf. Die Module, Schaltkästen und andere Geräte entstanden später aus zugeschnittenen Teilen – und zwar von Hartgummitasten einer ausgedienten Fernsehfernbedienung. Die Feindetail-lierung nahm ich ­anschließend mit zugeschnittenen Teilen aus verschiedenen   Plastikprofilen vor und die Leitungen entstanden aus feinem SMD-Lötzinn.

Für solche Details ist gutes Vorbildmaterial unabdingbar, was aber bei Mustern aus den 1950er- und 60er-Jahren manchmal nicht so einfach zu bekommen ist. Eine F-102A ist leider bei weitem nicht so gut dokumentiert wie beispielsweise die F-16A.

Zum Glück erschien vor 20 Jahren in der amerikanischen Reihe „Detail & ­Scale“ ein Band über die F-102, der viele Detailfotos enthält, allerdings nur in schwarz-weiß. Seit kurzer Zeit ist diese gesuchte Ausgabe in leider begrenzter Stückzahl in den USA als begehrte Wiederauflage erhältlich.

Die Hauptkomponenten

Beim Zusammenkleben der Hauptkomponenten zeigt sich schnell, dass die Passgenauigkeit der Monogram/Revell F-102A nicht gerade zum besten gehört, was der Modellbaumarkt hergibt. Um Passungenauigkeiten auszugleichen und somit den Einsatz von Spachtelmasse zu ­begrenzen, klebte ich den Rumpf stückweise von vorne nach hinten, teilweise unter Spannung, zusammen. Dabei kam punktuell Sekundenkleber zum Einsatz. Später strich ich entlang der Klebefuge noch reichlich dünnflüssigen Plastikklebstoff auf, um die Belastbarkeit der Verbindung zu erhöhen. Trotz dieser Maßnahme musste ich an diesem ­Modell dennoch überdurchschnittlich viel spachteln und schleifen.

Besondere Vorsicht ließ ich in diesem Zusammenhang am Rumpf-Tragflächenübergang walten, um die dort so schön erhaben dargestellten Verstärkungen entlang des Übergangs nicht zu verschandeln. Vor dem Verkleben und Spachteln maskierte ich die kritischen Stellen mit ­Tamiya Klebeband. Nach der Fertigstellung des Rohbaus spritzte ich die erste dünne Schicht Grundierung über das Modell, um die noch vorhandenen Unebenheiten ­erkennen zu können. Als Grundierung nehme ich Mr. Surfacer 1000 von Gunze Sangyo, verdünnt mit 50% Nitro-Universalverdünner aus dem Malergeschäft. Nach einer guten Durchtrocknung spachtelte ich „White Putty” von Squadron über die ­unsauberen Stellen und verschliff anschließend das gesamte Modell nass mit 1.200er Schleifpapier. Dann legte ich nochmals ­eine Lage Grundierung drüber und die ­gesamte Prozedur wiederholte ich so lange, bis die Übergänge makellos waren.

Herausforderung Kabinendach

Die nächste Herausforderung des Bausatzes stellte das Kabinendach dar, dessen ­Zusammenbau sich als schwieriges Unterfangen entpuppte. Ich kann bis heute nicht verstehen, warum so viele Hersteller Kanzeln dermaßen unvorteilhaft aufteilen, wobei das durchsichtige Teil stumpf auf einen Rahmen aus Polystyrol geklebt werden muss. Solche Übergänge passen leider nie 100-prozentig zusammen und eine Nacharbeit, zu der in erster Linie das Spachteln und schleifen gehört, ist ­besonders an den Glasteilen nicht einfach zu bewerkstelligen.

Leider ist die Passung bei der F-102A in diesem Bereich besonders schlecht. Vor dem Zusammenfügen der Teile 61 (Kanzel) und 17 (Rahmen) entfernte ich zuerst einmal die vertikalen Streben an der Vorderkante des Rahmens (Teil 17), damit die Kabinenhaube in der Vorderansicht später nicht zu plump aussieht. Diese Teile klebte ich natürlich mit besonderer Sorgfalt zusammen, indem ich sehr dünnflüssigen Plastikkleber von PWMP mit einem Pinsel der Stärke 000 in die Fuge strich. Nach ­guter Durchtrocknung spachtelte und verschliff ich den Übergang mehrmals mit ­äußerster Vorsicht, bis er passabel aussah. Abschließend polierte ich die fertig gestellte Kabinenhaube zuerst mit einem Micromesh Pad und nachfolgend mit Displex ­Politur. Anschließend begann ich mit der Innendetaillierung des Haubenrahmens, indem ich die Struktur und ein paar Leitungen andeutete, soweit die eher seltenen Fotos darüber Aufschluss gaben.

Beachtliches Fahrwerk

Eine besondere Stärke dieses Monogram-Modells liegt ohne Zweifel in der Detaillierung der Fahrwerke und des Waffenschachtes. Ich entschloss mich, letzteren in der geöffneten Option darzustellen. Einige Leitungen verlegte ich hier zusätzlich aus Lötzinn verschiedener Stärken. Da sich die Fahrwerksteile bereits in einer sehr feinen Detaillierung präsentieren, benötigen sie nur wenig Nacharbeit. Die Räder an meinem Modell entstammen übrigens dem Programm von Royale Resin, einem neuen amerikanischen Kleinserienhersteller. ­Be­sonders die Laufflächen der Reifen können hier überzeugen.

Alclad, ADC Grey und Markierungen

Bei der Bemalung begann ich mit den ­metallfarbenen Flächen im Heckbereich und den Lufteinläufen. Diese Bereiche grundiere ich immer zweistufig. Dabei ­besteht die erste Phase aus dem Auftrag von verdünntem Mr. Surfacer 1000, um ­etwaige Fehler in der Oberfläche aufgezeigt zu bekommen, die sich jetzt noch mit Spachtel und vorsichtigem Feinschliff ausmerzen lassen.

Ist die Oberfläche perfekt, folgt die 2. Stufe, die aus verdünntem Tamiya X1 Glanzschwarz besteht, welches mit dem Airbrush in mehreren dünnen Schichten aufgetragen wird. Tamiya Glanzschwarz ist eine ideale Grundlage für die Alclad Metallfarben, sofern man ihr eine großzügige Trocknungszeit von mindestens drei Tagen einräumt. Die besten Ergebnisse erziele ich stets mit Alclad ALC-105 „Polished Aluminium“, was sich problemlos mit den ­Tönen „Chrome“ oder „Steel“ mischen lässt, um verschiedene Abstufungen zu erzielen. Mir sehen nämlich die Alclad Aluminium A-, B- und C-Farben einfach zu spielzeugmäßig aus.

Ein zu starker Glanz von Alclad Polished Aluminium lässt sich stufenweise durch wiederholtes „Drübernebeln“ graduell vermindern. Als Faustregel gilt: je mehr Schichten, desto weniger Glanz. Die Haftung von Alclad Polished Aluminium auf Tamiya Glanzschwarz ist übrigens ausgezeichnet. Beim Abkleben mit Tamiya ­Klebeband oder KIP308 Spezialpapier hatte ich noch nie Probleme. Vorsichtshalber vermindere ich die Adhäsion ­jedoch dadurch, dass ich das Klebebandstück zwei- bis dreimal auf der Hand auf- und abziehe. Mit dieser Vorgehensweise konnte ich verschiedene Metallschattierungen im Triebwerksbereich simulieren. Für den vorderen Bereich der Lufteinläufe wählte ich pures Alclad Polished Aluminium, welches ich in drei Sessions fein nebelte. Generell gilt bei der Anwendung von Alclad Metallfarben, dass die besten Ergebnisse durch mehrmaliges Übernebeln mit wenig Druck erzielt werden.

Der Grundanstrich der F-102 bestand bis circa Mitte der 1960er-Jahre aus ADC Grey (FS16473). Nach der Auslieferung präsentierten sich die Maschinen glänzend. Aufgrund von Witterungseinflüssen veränderte sich das Erscheinungsbild mehr und mehr über seidenmatt zu fast matt. Damals fehlten auf den Flugplätzen der USAFE noch die Schutzbauten für jede einzelne Maschine, sie waren somit der Witterung permanent ausgesetzt. Trotzdem machten die Flugzeuge einen sehr gepflegten Eindruck. Größere Abnutzungserscheinungen oder Verwitterungen waren an Flugzeugen der Century Series in ADC Grey absolute Ausnahmen und somit praktisch nicht vorzufinden.

Für mein Modell wählte ich das ADC Grey aus dem Programm von Testors (Model Master Enamel), da diese Farbe den Originalton sehr gut trifft. Nach ­einem leichten Preshading mit Dunkelgrau über die Panellinien trug ich das ADC Grey im Mischungsverhältnis von 60% Farbe mit 40% Revell Verdünnung mittels der H&S Evolution Spritzpistole auf. Die Verarbeitung war tadellos und das Finish hat mich sehr überzeugt.

Nachfolgend habe ich den mattschwarzen Blendschutz sowie das Radom in Glanzschwarz lackiert. Eine besondere Beachtung verdienen bei allen F-102 die äußeren Grenzschichtzäune auf der Tragflächenoberseite, die bei vielen Maschinen ganz oder teilweise orange gehalten waren, so wie bei meinem Vorbild, der „61130“ der 525. FIS.

Decals zum Abschluss

Das Thema Decals (Nassschiebebilder) ist mal wieder so ein Kapitel für sich. Revell liefert(e) mit dem Bausatz Nr. 04586 ­bereits die Markierungen für die Kommandeurmaschine der 525. FIS mit. Von Super Scale gab es zudem einen Satz für die 61120 und von Aeromaster für die 61130. Allen Bögen gemeinsam ist die Darstellung des blau-weißen Seitenleitwerks als komplettes Decal, was mich jedoch nicht so recht überzeugte. Deshalb entschied ich mich dazu, das blau-weiße Muster zu maskieren und zu lackieren. Die Bulldogge, das Wappentier der 525. FIS, entnahm ich dem Super-Scale-Bogen, da es dort im Gegensatz zu Revell und ­Aeromaster stimmig wiedergegeben ist. Alle anderen Decals entstammten allen drei Bögen. Den „US-Air-Force“-Schriftzug samt Nummer nahm ich von Aeromaster, da diese ­Abzeichen von der Schriftform und Größe her stimmiger sind als die vom Super- Scale-Bogen.

Nach dem abschließenden Finish mit Klarlack, bestehend aus 50% Clear Flat und Clear Satin von Polly Scale, trat ein gehöriges Problem auf, was das Erscheinungsbild des Modells nachhaltig beeinträchtigte. Es war nicht das allseits ­ge­fürchtetes „silvering“, sondern die ­Dicke des Trägerfilms, wodurch die ­Decal-­Rän­der nach dem Auftragen des abschließenden Mattfinish unschön in Erscheinung traten. Zur Ausbesserung spritzte ich fast unverdünnte klare Acrylfarbe satt entlang der Decal-Ränder auf und ließ das Ganze durchtrocknen.

Dann verschliff und polierte ich die Übergänge ganz vorsichtig mit Micromesh 4000 und 8000. Diesen Vorgang wiederholte ich noch zweimal, bis die Übergänge weitestgehend „sauber“ ­wa­ren. Dann noch mal ein klares Mattfinish drüber und fertig! Trotzdem, das nächste Mal werde ich jeden Buchstaben bzw. jede Ziffer einzeln ausschneiden und anbringen.

Ein Resümee

Die Monogram/Revell F-102A ist insgesamt ein sehr lohnendes Modellbauprojekt. Der Bausatz verlangt ohne Zweifel eine intensivere Anwendung der Grundlagen im Plastikmodellbau: sauberes kleben, spachteln, gravieren und schleifen ist unabdingbar. Zudem macht es Sinn, noch einige zusätzliche Details einzubauen, der Aftermarket bietet hier erfreulicherweise Einiges an.

Als Lohn erhält man dafür ein Modell ­abseits des Mainstreams der Tamiya und Hasegawa Fw 190, Phantom oder F-16, welches sicher nicht in jeder Sammlung steht.

TEXT und FOTOS, sofern nicht anders angegeben: Christian Gerard
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