Schwedischen J35F und österreichische J35Oe

Saab Draken Oe von Hasegawa

Die Freude vieler Modellbauer hierzulande war groß, als Hasegawa nach der schwedischen J35F und -J die österreichische Version J35Oe nachlegte. Mit ein paar Verfeinerungen erhält man auf dieser Basis einen (fast) optimalen Austria-Draken in Jubiläumslackierung.

Die Draken ist ein äußerst elegantes Flugzeug, auch als Modell, was durch die rot-weiße Sonderlackierung noch unterstrichen wird. © Christian Gerard
Die Draken ist ein äußerst elegantes Flugzeug, auch als Modell, was durch die rot-weiße Sonderlackierung noch unterstrichen wird.

Die Ankündigung einer Draken-Serie im Maßstab 1:48 von Hasegawa löste seinerzeit Begeisterung aus. Die Erwartungen an das Modell wurden im Großen und Ganzen erfüllt, die Detaillierung ist von Haus aus schon sehr gut, was nicht heißen soll, dass es da nichts zu verbessern gäbe. So bieten inzwischen Aires, Eduard und einige andere Hersteller für den Draken Details in Hülle und Fülle wie Cockpits, Fahrwerk und Landeklappen.

Cockpit und erste Zurüstsätze

Eine gute Wahl ist das hervorragend detaillierte Aires-Cockpit Nr. 4381, das aber noch ein paar Kleinigkeiten zusätzlich verträgt. Die Innenfarbe der österreichischen Draken-Cockpits war hellgrau, mit FS 36375 liegt man hier schon sehr nahe am Original. Die anschließende Passung der Cockpitwanne in die obere Rumpfschale verläuft problemlos. Sofern man Landeklappen und Querruder am fertigen Modell in ausgefahrener Position zeigen möchte, ist es von Vorteil, bereits vor dem Einbau der Cockpitwanne diese Sektionen mit einer Feinsäge abzutrennen.

Da bei diesem Modell ebenfalls die hervorragend detaillierten Bug- und Hauptfahrwerkschächte von Aires (Nr. 4376) zum Einsatz kamen, sind die Originaldetails an der unteren beziehungsweise oberen Rumpfhälfte vor dem Einbau des Cockpits entfernt worden. Die Passgenauigkeit des neuen Bugfahrwerksschachts ist sehr gut, was man von den Hauptfahrwerkschächten leider nicht sagen kann. Die Resin-Teile und alle entsprechenden Anschlussstellen an der Rumpfoberschale müssen auf Papierdicke runtergeschliffen werden, damit der Übergang zu den äußeren Flügelteilen exakt fluchtet und nicht zu dick ausfällt. Die Bemalung der Schächte erfolgt in Silbergrau.

Farbe für die Fahrwerkschächte

Die Farbgebung der Leitungen und Details wurde mit verschiedenen Acrylfarben von Valejo und Polly Scale ausgeführt. Sehr effektvoll wirkt hier ein Pinwashing. Das ist ein räumlich sehr begrenztes   Washing, um kleine Details wie Leitungen, Hebel, Nietenköpfe und anderes besser von der Grundfarbe abheben zu lassen beziehungsweise abzugrenzen. Es gibt dabei mehrere Techniken. Sehr verbreitet ist das Washing mit einer Farbbrühe, bestehend aus Ölfarbe und Terpentin oder White Spirit als Verdünnung. In den meisten Anwendungsfällen ist das Farbgemisch Dunkelgrau oder Dunkelbraun.

Anders als beim altbekannten Washing auf einer glänzenden Modelloberfläche, was die Strukturlinien besser zur Geltung kommen lässt, findet Pinwashing bevorzugt auf einer semimatten bis matten Oberfläche statt, was verhindert, dass die Farbbrühe in alle Himmelsrichtungen verläuft. Zuerst wird ein in Terpentin getränkter Feinpinsel der Stärke 3x0 bis 5x0 an dem zu bearbeitenden Detail vorbeigeführt. Unmittelbar danach erfolgt an derselben Stelle das Bestreichen oder je nach Anwendung auch schlichtes Betupfen mit der Farbbrühe. Dabei werden erhaben dargestellte Details von der Farbe umschlossen.

Nach guter Durchtrocknung empfiehlt sich ein Drybrushing oder eine Feinbemalung mit etwas aufgehellter Farbe, was die Details dann in einer Art 3D-Effekt hervorstechen lässt. Sehr gut geeignet zum Pinwashing sind auch Acryl- farben, obwohl diese normalerweise sehr schnell trocknen und somit schlechtere Fließeigenschaften besitzen. Man muss sie mit einem Medium verdünnen, beispielsweise einem Scheibenreiniger wie Nigrin, um die Trocknungszeit zu verlängern. Das Verdünnungsverhältnis dabei hoch wählen (ca. 10:1), der Untergrund sollte seidenmatt oder glänzend sein.

Ein neuer Triebwerksauslass

Ein markanter Bereich ist der Triebwerksauslass, den es alternativ ebenfalls von Aires mit der Nr. 4378 in sehr schöner Ausführung gibt. Am Original ist dieser Bereich in einem dunklen und glänzend schimmernden Metallton zu sehen. Erreichen kann man ihn sehr einfach mit Tamiya X1 Glanzschwarz und Alclad Airframe Aluminium. Tamiya X1 dient als Grundierung und nach einer gründlichen Durchtrocknung von zwei bis drei Tagen  erfolgt ein sehr vorsichtig ausgeführtes Übernebeln mit Airframe Aluminium. Bereits nach zwei Durchgängen zeigt sich  der Effekt dem Vorbild entsprechend.

Nun ist der Zeitpunkt gekommen, wo alle Details in die Rumpfschalen eingesetzt sein müssen, damit die beiden Halbschalen zusammengeklebt werden können. Dabei sind Nacharbeiten an den Stellen der MG-Abdeckungen und die Anpassung des Heckteils an den Hauptrumpf erforderlich. Beim Original verläuft dieser Übergang wesentlich gleichmäßiger als am Modell, wo er abgestuft dargestellt ist. Hier sollte man sich unbedingt bemühen, mit Spachtelmasse einen harmonischen Übergang hinzubekommen, der dem Aussehen des Modells ungemein gut tut.

Auch das Seitenleitwerk bietet Raum für Verbesserungen. An der Vorderkante befindet sich ein Hilfslufteinlauf, den Hasegawa nur geschlossen darstellt. Er wird aufgebohrt und mit einer Miniaturfeile sauber bearbeitet. Die einzubauenden fünf horizontalen Lamellen werden aus 0,1 Millimeter dickem Evergreen-Plastiksheet ausgeschnitten und unter Zugabe von wenig Flüssigkleber sauber eingeklebt.

Was nun noch fehlt, sind die ausgefahren dargestellten Landeklappen und Querruder. Auch hier kann wieder Aires zum Einsatz kommen, was allerdings nicht „so ganz ohne“ ist. Hier passt leider überhaupt nichts zusammen! Erst nach unzähligen Passproben kann man die notwendigen Maße empirisch ermitteln und entsprechend angepasste Plastikprofile selbst erstellen, die dann mit Sekundenkleber an die Aires-Teile geklebt werden. Im Anschluss erfolgen dann mehrere Schleif-, Spachtel- und Grundiervorgänge, bis die optimale Passung erreicht ist.

Ein anderes, gar nicht so unwichtiges Detail hat Hasegawa leider vergessen. Die österreichischen Draken, die ursprünglich nur als Abfangjäger mit Kanonenbewaffnung angeschafft wurden, erhielten eine Nachrüstung für das Mitführen der AIM-9P Sidewinder. Hasegawa hat vergessen, die korrekten Pylone darzustellen. Sie wurden durch Selbstbauten ergänzt.

Österreichische Nationalfarben

Für die Bemalung der österreichischen Draken bietet Hasegawa zwei Optionen: eine Maschine im grau-grauen Einsatzanstrich und die Sonderlackierung zum 1000. Namenstag Österreichs mit einem großen „Ostarrichi“-Schriftzug auf der Oberseite. Ich entschied mich für den auffälligen Sonderanstrich. Gerade bei den „Bunten“, wo man mit Verwitterungseffekten nicht wuchern kann, um das Modell zum Leben zu erwecken, ist Sauberkeit und das Herausarbeiten der Ober- flächendetails allerhöchstes Gebot!

Aber der Reihe nach: Die Bemalung in Weiß und Rot hält einige Tücken bereit, die aber recht einfach umschifft werden können. Bekanntermaßen decken gerade Weiß und Rot sehr schlecht, was den fein herausgearbeiteten Details und Oberflächenstrukturen schnell zum Verhängnis werden kann. Eine saubere, am besten weiße Grundierung des kompletten Modells ist daher eigentlich unerlässlich.

Nach einigen Versuchsreihen hat sich als das am besten deckende Weiß für eine Airbrush-Lackierung die Grundierung „Mr. Surfacer 1000 White“, unter Zugabe von etwa 50 bis 60 Prozent Nitro-Universalverdünnung, herauskristallisiert. Nach vier bis fünf dünn (!) aufgetragenen Schichten erhält man eine glatte und zugleich knochenharte Oberfläche, bei der alle Details in ihrer vollen Pracht erhalten bleiben. Am besten überzieht man, wie geschrieben, gleich das gesamte Modell damit, um der roten Farbe anschließend den unbedingt notwendigen gleichfarbenen Untergrund zu bieten.

Rot ist nicht gleich Rot

Nach dem Studium von Vorbildfotos reifte auch schnell die Erkenntnis, dass Rot nicht gleich Rot ist. Beim „Ostarrichi 996“-Sonderanstrich ist der Farbton an sich sehr kräftig gehalten mit einem ganz leichten Hauch von Braun. Zu beachten ist zudem, dass das Rot der Hoheitsabzeichen deutlich heller ausfällt und sich somit wahrnehmbar vom Grundanstrich abhebt. Als gute Wahl hat sich H327 von GSI (ehemals Gunze) erwiesen, dem circa ein Drittel Tamiya XF-7 und 50 Prozent Acrylverdünnung X-20A beigemischt wird.

Wichtig ist auch das korrekte und saubere Abkleben der weißen Fläche. Das „Ostarrichi 996“-Decal muss nämlich genau dort hinein passen und damit man später keine böse Überraschung erlebt, kopiert man am besten den Schriftzug erst mal auf ein weißes Blatt Papier. Nach dem Ausschneiden legt man ihn auf das Modell und ermittelt so den zu maskierenden Bereich. Wichtig beim Airbrushen der roten Farbe ist der Auftrag von fünf bis sechs hauchdünnen Farbschichten mit den entsprechenden Trocknungspausen.

Viel Arbeit – die Decals

Nach einem Überzug mit Agama Acryl Gloss Clear, verdünnt mit 50 Prozent Revell Aqua Thinner, ist das Modell bereit für das Auftragen der von Cartograf gedruckten Decals. Leider waren die Hoheitsabzeichen, zumindest bei dem hier vorliegenden Kit, leicht verdruckt und wurden kurzerhand durch glücklicherweise vorhandene Alternativen aus dem Decal-Fundus ersetzt. Generell ist bei den Cartograf-Decals ein leichtes Einstreichen mit DACO Decal Setting Strong zu empfehlen, was den Trägerfilm praktisch verschwinden lässt.

Das Anbringen des „Ostarichi“-Schriftzugs stellt sich ebenfalls als kleine Herausforderung dar. Das Bekleben in einem Stück ist praktisch unmöglich, da das Decal immer an irgendeiner Stelle Falten wirft oder gar droht umzuschlagen. Um kein Risiko einzugehen, ist daher von vornherein eine Aufteilung in mehrere Stücke anzuraten. Eventuelle Retuschen an den Stoßstellen können später leicht mit mattschwarzer Farbe vorgenommen werden und fallen unter dem Strich nicht auf. Ein abschließendes Hervorheben der Gravuren erfolgt sehr vorsichtig und dezent mit einem Washing aus mittelgrauer Ölfarbbrühe beim weißen sowie Dunkelgrau auf dem roten Untergrund.

Bei nahezu jedem Jet-Modell ist es sicherer, das Bugstaurohr so spät wie möglich anzubringen. Von Fine Molds gibt es ein hervorragendes aus Messing gedrehtes Staurohr, das sehr authentisch aussieht. Es lässt sich dauerhaft mit UHU Plus Endfest an den Radom kleben und nach 24 Stunden Trocknungszeit verschleifen. Nun kann auch dieser Abschnitt lackiert werden. Bleiben die letzten Kleinteile wie Fahrwerke, Räder, Antennen, sowie die Kabinenhaube, die nun angeklebt werden. Den krönenden Abschluss bildet das Auflackieren des Schlussfinishs.

Auf den meisten Referenzfotos sieht der „Ostarrichi“-Draken eher matt bis seidenmatt aus, auf keinen Fall hochglänzend! Überhaupt sehen Modelle in Sonderlackierung nicht selten scheußlich aus, wenn jegliche Details unter einer glänzenden Soße verschwimmen. Bei solchen Vorbildern empfiehlt sich ein seidenmattes Schlussfinish. Hier verwenden wir eine Mischung aus 70 Prozent Matt und 30 Prozent Seidenmatt von Marabu, der mit normaler Revell Color Mix-Verdünnung angemischt wird. Abschließend möchte ich mich bei meinem österreichischen Modellbaukollegen Walter Bauer für die Überlassung vieler toller Detailfotos vom Original bedanken, die eine große Hilfe beim Bau waren.

Was man noch alles für Modelle aus dem Hasegawa Kit machen kann, erfahren Sie in diesem ausführlichen Baubericht:

TEXT und FOTOS: Christian Gerard
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