Exotisches Fluggerät im Kit-Vergleich

Bausatzvergleich: Rotodyne von Revell und Airfix

Auch aus uralten Formen sind schöne Modelle eines exotischen Fluggerätes, wie der Rotodyne, baubar. Dabei hat jeder Kit seine besonderen Vorzüge, aber auch einige altersbedingte Macken. Wir haben die Bausätze von Revell und Airfix miteinander verglichen.

Die Fairey Rotodyne war ein Verbund-Hubschrauber mit zwei Napier-Eland-Propellerturbinen und einem mit Blattspitzenantrieb versehenen Hauptrotor. Sie erreichte bei einem Rekordflug 307 km/h. © Jürgen Petersen
Die Fairey Rotodyne war ein Verbund-Hubschrauber mit zwei Napier-Eland-Propellerturbinen und einem mit Blattspitzenantrieb versehenen Hauptrotor. Sie erreichte bei einem Rekordflug 307 km/h.

Der Revell Rotodyne-Kit im etwas krummen Maßstab 1:78 gehört zu den Sondereditionen anlässlich des fünfzigjährigen Firmenjubiläums. Er stellt die Rotodyne in der ursprünglichen Form von 1957-58 mit schrägstehenden Leitwerksflossen dar. Die Decals hingegen zeigen die Ausführung vom Sommer 1959.

Die Modelloberflächen sind flächendeckend mit mächtigen versenkten Nieten versehen. Die rechte Rumpfseite und der Pylon haben ein abnehmbares Panel und geben den Blick auf das Innere frei. Schön gestaltete Figuren und Gepäckstücke ermöglichen den Bau eines Dioramas.

Für Nostalgiker empfohlen

Bei dieser alten, vor allem für Nostalgiker gedachten Wiederauflage von Revell stellt sich die Frage, ob man das Modell verbessern oder aus der Box bauen sollte. Ich fing an es zu verfeinern, wobei einige Dinge unverändert bleiben mussten. Schön ist, dass man das gesamte Innere vollständig zusammensetzen kann, bevor man es in den Rumpf einbaut (1).

Die „Innereien“ zeigen aber wohl eher die damalige Euphorie für die Rotodyne als die Wirklichkeit. Die Passagiersitze habe ich nur eingebaut, um das Modell irgendwann einmal in ein Museums-Diorama integrieren zu können. Parallel dazu verspachtelte ich alle mit dicken Nieten versehenen Oberflächen. Den Einblick in den Rumpf verkleinerte ich so, dass WC und Gepäckraum verschlossen blieben.

Nach dem Verschleifen bemalte ich die Rumpfseiten weiß, setzte danach erst die Fenster ein und baute im Anschluss den gesamten Innenraum in eine Rumpfhälfte. Auf den Einblick in den Rotorpylon verzichtete ich. Nach Einsetzen des Bugfahrwerks und Einwerfen von Bleigewichten im Bug konnte der Rumpf verschlossen werden.

Auf eine bewegliche Anbringung der Hecktore verzichtete ich ebenfalls und baute sie weit offen ein, dito den Einstieg vorne links, denn bewegliche Teile gehen hier stark auf Kosten eines realistischen Aussehens. 

Ein Leitwerk zu viel Am Leitwerk entfällt die mittlere schräge Leitwerksflosse, die es so nie gab. Setzt man das Leitwerk auf den Rumpf, steht die Hinterkante über das Rumpfheck über (2). Diesen „Heckspoiler“ habe ich entfernt, aber das ganze Heck ist falsch dargestellt. Airfix hat hier die Form besser getroffen. Vor der weiteren Montage habe ich alles verspachtelt, verschliffen und nachgraviert, um den Rumpf dann oben weiß und unten mit Humbrol „Polished Aluminium“ zu bemalen.

Die dem Kit beigefügten Decals ließen sich hervorragend verarbeiten, nur die Fensterausschnitte waren etwas zu klein, ich habe sie mit dem Skalpell nachgeschnitten. Für die Darstellung der älteren Bauvariante ließ ich die Streifen an den Motorgondeln weg, strich die Leitwerke entgegen der Bauanleitung in Naturmetall und ließ den Fairey-Schriftzug auf dem Pylon weg.

Die Enden der Triebwerksgondeln, die Abgasöffnungen und die Öffnungen auf der Flügeloberseite für die Kompressoren sind falsch, auch die Propeller können nicht so recht überzeugen. Sehr schön ist aber der Rotor. Die Blätter habe ich mithilfe eines Föns gebogen und die Schubdüsen an den Blattspitzen (Tip Jets) abgetrennt, bearbeitet und in etwas geänderter Position wieder befestigt.

Mit Airfix geht es weiter

Das Airfix-Modell gibt die spätere Form im „richtigen“ Maßstab 1:72 wieder. Schöne Oberflächendetails machen Freude, die aber durch tiefe Sinkstellen und dicke Hinterkanten getrübt wird. Die Scharniere der Heckladetore passen eher für schwere Festungstüren (3). Mit vertikalen Leitwerksflächen, aber noch mit der alten Bemalung, wie bei diesem Bausatz, flog die Rotodyne nur, als sie im Januar 1959 ihren Geschwindigkeitsrekord aufstellte.

Da dieser Kit die Form der Maschine gut wiedergibt, wollte ich es mit der Originaltreue etwas genauer nehmen. Das Cockpit ist gut dargestellt, jedoch fehlt die Einrichtung für die Kabine. Ich setzte einen Kabinenboden aus einem Millimeter Plastic- Sheet ein, im hinteren Teil mit Sitzen versehen – historisch gesehen ein Fehler, da erst im Endstadium der Erprobung in der Kabine circa 20 Sitze eingebaut wurden (4).

Die Form des Hecks ist gut wiedergegeben, und damit man das auch sieht, brachte ich die Ladetore verschlossen an. Die etwas schlierigen ovalen Fenster habe ich alle plangeschliffen und poliert. Bevor sie eingesetzt wurden, strich ich auch hier den Fensterbereich weiß, so ersparte ich mir später beim Lackieren das zeitraubende Abdecken der Fenster.

Die Kabine erhielt vor dem endgültigen Montieren des Rumpfes eine Decke, darauf kam genau unter dem oberen noch ein weiteres Lager für die Rotorwelle, damit der Rotor präziser rotiert und herausnehmbar ist. Nach der Rumpfmontage verschliff und verspachtelte ich die Kle- benaht sowie diverse Sinkstellen.

Alle weggeschliffenen Nieten stellte ich mittels einer Nadel neu dar. Im Anschluss ging es an den filigranen Teil – den Rotorkopf. 

Rotorkopf mit Köpfchen

Den viel zu einfachen und plumpen Rotorkopf (6) baute ich nicht ein. Stattdessen verwendete ich zwei Zwei-Millimeter- Messingrohre, jeweils in der Mitte so eingekerbt, dass sie gekreuzt auf einer Höhe sind. Aus dem vorderen Teil einer Bombe wurde der Spinner angefertigt und das Ganze mit UHU-Plus miteinander verklebt (7). Von unten kam eine dicke Plastikscheibe hinein und in die Rumpföffnung ein Plastikstopfen mit einem Zwei-Millimeter-Loch.

Ein weiteres Zwei- Millimeter-Messingrohr, von unten eingebaut, bildet die Rotorachse. Dessen Länge ist so bemessen, dass das untere Ende im Lager über der Kabinendecke steht und der Spinner oben etwa einen Millimeter über seinem oberen Lager liegt. Der Rotor erhält so eine unglaubliche Leichtgängigkeit. Die Rotorblätter mussten erheblich dünner geschliffen werden und mittels Fön einen „Durchhänger“ verpasst bekommen.

Im Anschluss trennte ich die Blattholme ab. An deren Stelle bohrte ich 1,2-Millimeter-Löcher, in die abgelängte Stahlstifte gesteckt wurden, die später genau in die Messingrohre passten. Die Rotorblatt-Düsen aus dem Bausatz sind vorn zu rund. Die vier Bomben aus dem Airfix-Kit der BAC Strikemaster sind der ideale Ersatz (Danke, Klaus!). In deren Mitte habe ich jeweils ein fünf Millimeter langes Stück herausgetrennt und die End teile wieder zusammengesetzt.

Damit war der weitgehend gescratchte Rotor fertig (9). Die Triebwerksgondeln sind gut gelungen. Das Fahrwerk muss vor dem Zusammenbau der Gondeln eingesetzt werden. Genial: es ist einzieh- und verriegelbar. Leider fehlt dafür die schräge Einziehstrebe, und die viel zu dicken Fahrwerkklappen sind nicht beweglich.

Die Rotodyne flog teilweise auch ohne Klappen, sie können also am Modell auch entfallen. Ich schliff alle Klappen erheblich dünner beziehungsweise fertigte sie zum Teil neu.  

Propeller leben gefährlich

Der Ansaugbereich der Triebwerke ist beim Airfix-Modell recht gut dargestellt, aber die Lagerung der Propeller wollte ich verbessern. Ein Zwei-Millimeter-Plastikrohr, hinten mit einem Ein-Millimeter-Stahldraht verlängert, dient als Achse und ein Stück Plastic-Sheet als hinteres Lager (5). So „hängt“ der Propeller nicht schräg am Triebwerk und ist leichtgängiger. Nachteil: Schon vor dem Montieren der Gondeln müssen die Props eingebaut werden, und es kam, wie es kommen musste: Beim Bearbeiten der Motorgondeln gab es mehrmals Blattverluste.

So nahm ich die Quirle wieder ab, um sie zu reparieren und erst am Ende fest am Modell zu befestigen. Nachdem die Hinterkanten der Tragflächen dünner geschliffen, die Bereiche neu graviert und genietet waren, konnten die Triebwerkgondeln darunter gesetzt werden. Fast zu spät bemerkte ich einen Fehler: Eine der vielen Änderungen an dieser Maschine im Laufe der Erprobung betraf die Querruder, die sowohl in der Spannweite als auch Tiefe erheblich vergrößert wurden.

Das Gravieren der Ruderspalten am fast fertigen Modell war zwar gefährlich, hat aber mit entsprechender Vorsicht geklappt. Die Abgasrohre sind im Original gebogen, haben einen stark ovalen Querschnitt und ragen seitlich aus den Motorgondeln. Die Bausatzteile lassen sich durch Aufdicken mit Zwei-Millimeter-Sheet erheblich verbessern, nur sind dadurch die Mündungen nicht aufgebohrt (8).

Die aus einem Stück bestehende Cockpitkanzel sieht trotz des etwas zu dicken Materials gut aus, die Seitenfenster sind jedoch plan geschliffen und poliert. Die Bemalung der Rumpfoberseite erfolgte ebenfalls in Weiß glänzend, die naturmetallene Unterseite ist mit Humbrol „Polished Aluminium“ nachgebildet. 

Decals einmal neu, bitte!

Die Airfix-Decals waren schon zu alt. Ich schickte den Originalbogen daher an Peddinghaus- Decals, die mir auf durchgehendem Trägerfilm gute Duplikate schuf. Beide Modelle erhielten zum Abschluss noch eine lange Messsonde am Bug. Sie ist auf allen Fotos, aber auf keiner Zeichnung zu sehen, daher ist die Länge nur geschätzt.

Die grauen Streifen auf den Tragflächen (vermutlich Antirutsch-Beschichtungen) entstanden aus einem Stück Tamiya Masking-Tape, das ich auf eine glatte Kunststofffläche geklebt, dann in schmale Streifen geschnitten und im Anschluss mit Aqua Color Grau von Revell bemalt habe. Nach Trocknung der Farbe löste ich die passend geschnittenen Streifen ab und klebte sie auf die Nietenreihen der Tragflächen.

In dieser Art entstanden auch einige Fensterstreben der Cockpitkanzel. Beide Modelle stammen aus sehr alten Formen und repräsentieren den technischen Stand ihrer Zeit. Wer auf ein originalgetreues Modell wert legt, wird den Airfix-Kit bevorzugen, der aktuell leider nicht im Sortiment ist, aber gelegentlich im „Second- Hand“-Bereich gehandelt wird.

Das Revell-Modell wirkt jedoch dank der Inneneinrichtung und der schönen Figuren lebendiger, es verströmt durchaus den Charme historischen Spielzeugs und ist darüber hinaus auch leichter zu bauen. 

TEXT und FOTOS, sofern nicht anders angegeben: Jürgen Petersen
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