Out-of-Box-Bau eines erstklassigen Bausatzes

Bristol Sycamore von CMR: Helicopter der ersten Stunde

Welche Hürden gilt es zu meistern, wenn ein erstklassig umgesetzter Resin-Bausatz , hier der Bristol Sycamore Helicopter von CMR, mit Fotoätz- und Vakuteilen aus der Schachtel gebaut werden soll?

Out-of-Box-Bau eines erstklassigen Bausatzes: Bristol Sycamore von CMR © Lutz Degenhardt
Out-of-Box-Bau eines erstklassigen Bausatzes: Bristol Sycamore von CMR

Nach Öffnen des Kartons verwundert zunächst die geringe Teileanzahl: zwei Rumpfhälften und einige Gussblöcke mit weiteren Resin-Teilen, drei kleine Rahmen mit Photoätzteilen sowie die tiefgezogenen Klarsichthauben und verbreiterten Hintertüren. Hinzu kommen zweieinhalb Seiten Bauanleitung, fünf Seiten Bemalungs- und Markierungshinweise sowie sieben Seiten mit Detail- und Gesamtansichten des Originals.

Zu Beginn ist man beim Zusammenbau des Cockpits gleich gefordert. Hier umfasst ein schönes Resin-Teil Bodenplatte, Rückwand, hintere Kopfstützen, Mittelkonsole der Piloten und verschiedene andere Details. Nach Bauanleitung soll das gesamte Cockpit zu diesem Zeitpunkt schon fertiggestellt werden; ich entschied mich aber, zunächst nur die hintere Sitzreihe einzubauen, damit mir das Frontcockpit bei eventuellen gröberen Arbeiten am Rumpf nicht beschädigt wird. Jeder der drei Sitze für die Fondpassagiere besteht inklusive Gurtzeug aus sechs Ätzteilen, die passend gebogen und an der Rückwand positioniert wurden.

Anpassungsschwierigkeiten

Das halbfertige Cockpit beiseite gelegt, widmete ich mich nun den Rumpfhälften. Deren schmale Klebeflächen bestehen fast durchgehend aus gezackten Vergratungen, die eine trockene Passprobe unmöglich machen. Sie wurden daher auf einer ebenen Oberfläche glatt geschliffen. Vorsicht ist hier bei der rechten Hälfte geboten, da die Rotorkopfeinfassung übersteht!

Nach Entfernen der gröbsten Unebenheiten der Klebefläche erkannte ich die Gefahr, dass durch zu viel Schleifen eventuell der Rumpfdurchmesser zu schmal werden würde, um die Klarsichthaube, die praktisch den kompletten Vorderrumpf darstellt, noch passend einbauen zu können. Dieses tiefgezogene Bauteil liegt dem Bausatz zur Sicherheit doppelt bei.

Es folgten zahlreiche Trockenproben und wiederholtes Glattschleifen der Klebeflächen der Rumpfhälften, damit die Haube später nicht zu breit für den Rumpf ausfallen würde. Bei diesen Proben habe ich auch festgestellt, dass die linke Rumpfhälfte am Heckausleger etwas zu kurz geraten ist. Ich trennte den Ausleger der linken Hälfte einfach ab und verklebte ihn passend mit dem oberen Ende der rechten Hälfte.

Mangels Passstiften verklebte ich die Rumpfhälften Abschnitt für Abschnitt, immer auf genaue Passung achtend. Einige Gravuren und andere Details, die beim nachfolgenden Verschleifen verloren gingen, ließen sich am Rohbaurumpf wieder herstellen. Das Cockpitsegment lässt sich problemlos auch nach dem Verkleben der Rumpfhälften einbauen.

Allerdings muss der Rumpf sowohl im Bereich der Rückwand als auch weiter vorn an der Bodengruppe ein wenig unter Druck gesetzt werden, um bestehende Spalten zu beseitigen. Unter dem Cockpitboden ist übrigens ein wenig Platz für Bleigewichte, die benötigt werden, um den Helicopter auf dem Bugrad zu halten.

Die Haube passte nun in der Breite recht gut, dafür aber in der Länge noch nicht so recht. Da der Korrekturspielraum an der Haube selbst sehr gering ist, musste der Rumpf dran glauben: Am vorderen Abschluss habe ich die Klebekante ein wenig aufgefüttert und an der oberen Hinterkante etwa einen Millimeter Material für eine zufriedenstellende Passung entfernt.

Danach muss wohl oder übel die vordere Cockpiteinrichtung komplett eingebaut werden, da dies nach dem Anbau der Klarsichthaube nicht mehr möglich ist. Extreme Vorsicht ist beim Entfernen der Steuerelemente aus dem Resin-Block geboten, sie sind extrem zerbrechlich. Die Ruderpedale bestehen aus je zwei Ätzteilen, die unbedingt sicher verklebt werden sollten, da man später kaum noch an sie herankommt.

Fensterputzen mal anders

Dann benalte ich die Dachfenster von innen mit Tamiya Clear Orange, klebte mit den beiliegenden Canopy Masks die Glasflächen von außen ab und das Instrumentenbrett von innen an die Haube. Mit möglichst wenig Sekundenkleber wurde die Haube zunächst an den schmalen Anschluss am Rumpfbug geklebt und für gute Belüftung gesorgt, damit sich nur ja keine Ausdünstungen des Sekundenklebers an den Innenflächen ablagerten.

Nach dem Trocknen trug ich von außen noch etwas mehr Kleber per Zahnstocher auf, um die Stabilität zu erhöhen. Wenig Spachtel und viel vorsichtige Schleifarbeit waren nötig, um die Übergänge dann anzugleichen und zu glätten. Diese Schleifarbeiten empfehle ich trocken durchzuführen und zusätzlich auch die vier Türen abzudecken, da sich sonst unweigerlich Schleifstaub auf der Innenseite der Bugkanzel absetzt.

Wer die Türen geschlossen einbauen möchte, muss sich spätestens jetzt darum kümmern, sie an ihre Öffnungen anzupassen. Ich ersparte mir das und baute die vorderen Türen geöffnet und die hinteren gar nicht ein. Letzteres war bei der Sycamore gar nicht so unüblich, auch wenn ich keine Beweisfotos für diese Praxis bei der australischen Marine habe.

Für die vorderen, aus klarem Resin gegossenen Türen liegen kleine Scharniere bei, die ich im rechten Winkel bog und dann an die Türen klebte, um diese später geöffnet darstellen zu können. Leider ist es mir trotz diverser Schleif- und Polierversuche nicht gelungen, die Türfenster wirklich durchsichtig hinzubekommen. Die geöffnete und die weggelassenen Türen erlauben aber auch so einen optimalen Blick in den fein detaillierten Innenraum.

Fahrwerks- und Rotorfragen

Durch den Einbau der aus jeweils drei Streben bestehenden Hauptfahrwerke ergibt sich die Standhöhe automatisch. Für das Bugfahrwerk sollte man unbedingt eine passende Aufnahme, in die man das Fahrwerksbein dann mindestens einen Millimeter einsteckt, an der vorgesehenen Stelle bohren. Ansonsten hängt die Sycamore hinten so tief, dass Notsporn und Heckrotor Bodenberührung bekommen.

Ich habe außerdem das Bugrad belastet, um diesen Effekt zusätzlich abzuschwächen. Noch ohne Räder, aber bereits mit einigen der nicht ganz so winzigen Anbauteile versehen, war die Sycamore damit lackierfertig, musste aber noch warten, bis ich die Rotoren zusammengebaut hatte.

Der Heckrotor ist ein derart filigranes Resin-Teil, dass mir schon beim Entfernen vom Gießblock sofort ein Rotorblatt abbrach. Repariert und ein paar minimale Vergratungen entfernt, war der Heckrotor bereit für die Lackierung in den Farben Rot, Weiß, Schwarz und Silber. Äußerst vorsichtiges Abkleben ist hier Voraussetzung, zumindest, wenn man so wie ich alles mit der Spritzpistole lackieren will.

Beim Hauptrotor erschien mir die vorgesehene Verbindung Blätter-Rotorkopf zu schwach, deshalb bohrte ich mit einem 0,3-mm-Bohrer Löcher in beide und klebte dünnen Draht ein. Das stärkt die Verbindung deutlich und hat den positiven Nebeneffekt, die Rotorblätter notfalls noch etwas justieren zu können, sobald die Rotorkonstruktion endgültig an den Hubschrauber geklebt ist.

Der Rotorkopf erhielt noch seine Feindetaillierung durch drei Resin- und sechs Ätzteile. Hier ist zu bemerken, dass die Teile PE23 nur angebaut werden können, wenn die Rotorblätter bereits mit dem Rotorkopf fest verklebt sind.

Oxford Blue

Ich hatte mich schon frühzeitig für eine im Bausatz angebotene australische Marine- Sycamore entschieden. Ebenso möglich sind drei britische und eine deutsche Maschine. Vor der Lackierung schützte ich den Innenraum vor eindringendem Sprühnebel. Dazu klebte ich einen Rahmen aus Tamiya-Tape in die Türrahmen, schnitt einige Stücke Schaumstoff grob zu und schob diese vorsichtig so weit wie möglich in die Türöffnungen.

Die Lackierung begann mit dem Grauton der Innenraumfarbe als gleichzeitige Grundierung, um noch vorhandene Schwachstellen sichtbar zu machen und um den in der Bugkanzel integrierten Rahmenflächen die korrekte Innenraumfarbe zu geben. Ganz in Grau, mit ein paar Schleifstellen hier und dort, folgte danach die erste Lackierung in Revell Aqua Color Glanzweiß für die Oberseiten von Hubschrauber und Hauptrotorblättern.

Das sehr weiße, schnell trocknende Weiß lässt ein baldiges Abkleben zu. Nach ein paar Versuchen hatte ich die Höhe und den spitzen Zulauf des Farbübergangs hin - bekommen und lackierte anschließend die Rotorblätter auf der Unterseite schwarz, bevor der gesamte restliche Hubschrauberrumpf eine satte, glänzende Schicht Xtracolor Oxford Blue erhielt. Mit den Decals ging es flott voran, da nicht übermäßig viele aufzubringen sind.

Die hauptsächlich weißen Markierungen auf dieser Maschine decken gut auf dem Dunkelblau und legen sich mit etwas Unterstützung durch Weichmacher sehr schön in die filigranen Gravuren. Dem folgte ein Komplettüberzug mit Model Master Semi Gloss Klarlack. Eigentlich waren diese Sycamores hochglanzlackiert, aber das wäre zumindest für dieses kleine Modell eine Art Überdosis gewesen.

Beware of Rotor Blades

Nun endlich konnte ich die Anbauteile, unter anderem die Einstiegshilfen und das Gestänge unter der rechten hinteren Tür, montieren. Ein paar Antennen, Handgriffe, die Winde und einiges mehr folgten. Zuletzt baute ich beide Rotoren im richtigen Winkel an. Ich hatte eigentlich darauf gehofft, den Hauptrotor frei beweglich einsetzen zu können, aber damit er richtig sitzt, musste ich ihn unter leichter Spannung verkleben.

Das fertige Modell ist mit all seinen Details schön anzusehen, aber auch sehr empfindlich, sodass Vorsicht beim Hantieren geboten ist. Mit ein wenig Fleiß und wenn man dem Anpassen und Zusammenfügen der Rumpf- und Haubenteile entschlossen zu Leibe rückt, geht der Zusammenbau flott voran. Für Anfänger ist der Bausatz aber definitiv nicht geeignet.

TEXT: Ingo Degenhardt, FOTOS: Lutz Degenhardt
Fotos: 
Lutz Degenhardt
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