Modell-Umbau

Wie das Rennflugzeug Savoia Marchetti S.79T aus einem militärischen Bausatz entsteht

Öfter mal Lust auf was Außergewöhnliches? Dann lesen Sie, wie MODELLFAN mit dem Umbausatz von Pavla im Maßstab 1:72 das Italeri-Modell der militärischen Sparviero in ein ziviles Rennflugzeug, der Savoia Marchetti S.79T, verwandelt.

Die I-BISE wurde von den Piloten Biseo und Paradisi geflogen. © Jürgen Petersen
Die I-BISE wurde von den Piloten Biseo und Paradisi geflogen.

Seit einiger Zeit ist der Bausatz der S.79T Sparviero erhältlich, womit sich durchaus ein sehr schönes Modell bauen lässt. Mit Hilfe des Umbausatzes von Pavla kann man daraus aber auch ein schmuckes Langstrecken-Rennflugzeug schaffen, entweder die I-11, die berühmt wurde durch das Luftrennen Istres – Damaskus, oder die I-5 (I-BISE), mit der die Piloten Biseo und Paradisi zusammen mit zwei anderen Maschinen den Transatlantik-Flug nach Rio de Janeiro durchführten.

Der Umbausatz besteht aus Resin-Teilen, zwei tiefgezogenen Klarsichtteilen für  die obere Rumpfabdeckung inklusive der Kanzel sowie Decals für die zuvor angegebenen Flugzeuge.

Chirurgische Operationen

Erster Arbeitsschritt des Umbaus ist  das Abtrennen des Buckels für den MG-Schützen auf der Rumpfoberseite der S.79.T Die am Ausgangsbausatz vorhandenen Fenster und Türen an den Rumpfseiten wurden mit dafür vorgesehenen Teilen geschlossen und von innen dunkel bemalt. Die verschlossenen Rumpföffnungen haben aber leider keine Struktur der Stoffbespannung.

Diese mit Feilen oder ähnlichem Werkzeug nachzuarbeiten, wäre sehr mühsam und hätte nur wenig Erfolgsaussichten. Daher habe ich den gesamten stoffbespannten Bereich etwas heruntergeschliffen und mit zuvor bearbeitetem 0,1 Millimeter-Plasticart-Material beklebt.

Nun kann man sich dem Rumpfinneren widmen. Der Umbausatz enthält dafür Cockpitboden, Instrumentenbrett, zwei Sitze und Ruderpedale. Den Boden habe ich vom Italeri-Kit verwendet, die Resin-Sitze mit aufgeprägten Gurten waren aber sehr zu begrüßen. Die Seitenwände des Cockpits wurden rasch noch etwas nachdetailliert.

Die Cockpit-Rückwand muss oben etwas gekürzt werden, damit später das tiefgezogene Teil darauf passt. Nachdem das Spornrad eingesetzt ist, kann der Rumpf zusammengefügt werden. Anstelle der Bodenwanne wird von unten ein ein Millimeter Plasticart-Teil eingesetzt.

Es gibt zwar ein entsprechendes Resin-Teil im Umbausatz, aber mit Polystyrol arbeitet es sich doch einfacher.

Tiefzieh-Abenteuer

Das vakuumgeformte Klarsichtteil, das die obere Rumpfabdeckung bildet, wurde zunächst vorsichtig soweit ausgeschnitten, dass es genau in die Aussparung passte. Bevor es aber eingesetzt wurde, strich ich alle später nicht durchsichtigen Bereiche von innen erst hellgrau, danach dunkel, um durchscheinendes Licht zu verhindern.

Eingeklebt wurde das Teil danach mit UHU-plus. Nur vorn im Bereich der Cockpitfenster wurde Weißleim verwendet, um Klebstoffunfälle zu verhindern.

Tragflächen und Motoren

Die durchgehende untere Tragflächenhälfte weist in der Mitte einen Buckel auf, den ich mit Schleifmitteln entfernte. Um später ein Loch in diesem Bereich zu verhindern, habe ich an dieser Stelle von innen Milliput aufgetragen. Die Bombenschächte wurden mit den beiliegenden Klappen verschlossen.

Das Fahrwerk habe ich danach in die Schächte und das Ganze komplett von oben in die Tragfläche eingesetzt. Nun konnte diese Unterhälfte mit dem Rumpf vereint werden. Mir war es wichtig, schon jetzt auf die korrekte V-Form zu achten. Sie ist bei diesem Flugzeug sehr gering, sodass die Oberseite der stark verjüngten Tragflächen von vorn gesehen genau gerade ist.

Ich habe S.79-Modelle schon mit negativer V-Form der Tragflächen gesehen, das wollte ich auf jeden Fall verhindern. Bevor die Flügeloberseiten an ihren Platz kamen, habe ich an deren Kanten zum Rumpf hin ganz wenig Material weggeschliffen. Gummibänder fixierten die Tragflächen in der richtigen Position.

Ein Lob verdient die Gestaltung der Flügelhinterkanten, deren Oberhälfte um circa einen Millimeter über die Hinterkanten der unteren Hälfte hinausragt. Dadurch ist das Nachschärfen der Kanten einfacher.

Die Motoren sind im Modell etwas einfach nachgebildet. Zunächst machte mich stutzig, dass die Zylinder jeweils nur einen Ventilstößel haben. Recherchen ergaben aber, dass alles seine Richtigkeit hat, denn die Alfa Romeo 125 beziehungsweise 126 sind Lizenznachbauten der Bristol Jupiter oder Hercules-Sternmotoren.

Der vordere Teil der Motorverkleidung ist gleichzeitig der Auspuff-Sammelring. Dieser Bereich sollte daher auch wie ein Auspuff bemalt werden. Die Motoren selbst habe ich mit je zwei Ansaugrohren und sechs dünnen Streben, die wohl als Träger der Motorverkleidung dienen sollten, aufgepeppt. Bevor die Motoren jedoch installiert wurden, kam die Bemalung des Modells an die Reihe.

Buntes Farbkleid

Erst bemalte ich die weißen Bereiche, vor allem die Flügelvorderkanten, danach kamen die grünen Flächen dran. Hierbei sind anhand von Zeichnungen und der weißen Decal-Streifen die späteren Farbgrenzen zum Weiß und zum Rot festzulegen. Die rote Lackierung nahm ich als letztes vor, weil die zeitaufwendige Abklebearbeit nach meiner Einschätzung so noch am einfachsten absolviert werden konnte.

Das Grün besteht aus zwei Teilen Revell Mittelgrün und einem Teil Revell Dunkelgrün. Das Rot mischte ich aus 80 Prozent Humbrol Rot 19 und 20 Prozent Humbrol Ferrarirot 220. Ob diese Farben so dem Original entsprechen mögen oder auch nicht – Quellen darüber waren nicht aufzutreiben, ich habe mich hier nach Zeichnungen und meinem Geschmack orientiert.

Fraglich bleibt auch, ob die Kanzelstreben des Cockpits nun rot oder grün waren; ich entschied mich für grün, da der größte Teil der Kanzel an grün lackierte Flächen grenzt.

Die Schiebebilder sind hervorragend, lassen sich gut verarbeiten und die weißen Decals decken recht gut, auch auf dunklem Untergrund. Schade nur, die drei grünen Mäuse am Rumpf sind leider viel zu dunkel gedruckt, auf den Originalfotos sehen sie immer viel heller als die Rumpfbemalung aus.

Als Versiegelung und für einen realistischeren Glanzwert erhielt das Modell zwei Lagen Marabu-Seidenmattlack, bevor die Motoren und Propeller eingebaut wurden.

Abschließendes

An die Motorverkleidungen baute ich noch die Resin-Auspuffe aus dem Umbausatz. Jetzt endlich konnte die Motorenmontage beginnen. Die Motorverkleidungen sind mit Humbrol 27002 Polished Aluminium, deren vordere Teile mitsamt der Auspuffe mit einer Mischung aus Kupfer, Burnt Iron und Mattschwarz bemalt. Fehlen noch die oberen Ab­strebungen für die Höhenleitwerke, die weder im Kit noch im Umbausatz enthalten waren.

Im Gegensatz zur Serienversion sind die Befestigungen dieser Streben (oder Verspannungen?) mit Verkleidungen versehen, die vor allem an den Leitwerksoberseiten recht augenfällig sind. Um das darzustellen, habe ich eine Plastikstrebe der Firma Contrail über einer Kerzenflamme erhitzt und dünn ausgezogen.

Die Übergangsbereiche vom „kalten“ zum „heißen“ Bereich dieser Teile stellen die Enden am Höhenleitwerk dar und sind mit Weißleim am Modell positioniert und befestigt.

Die meisten Bauchschmerzen bereitet mir der Zusammenbau der Resin-Propeller. Zunächst bohrte ich je eine Öffnung in die Spinner-Rückseiten, hier hinein kam ein 1,5-Millimeter-Messingdraht als Achse. Eine selbstgebaute Helling erleichterte das Anbringen der Propellerblätter, die stumpf an die Spinner zu kleben sind.

Allerdings musste ich die Propeller in verkehrter Drehrichtung bauen, denn sonst hätten die Blätter (genau umgekehrt wie im Original) eine von innen nach außen zunehmende Steigung, was merkwürdig aussehen und im Original auch nicht gut funktionieren würde. Übrigens weisen die Propeller des Basis-Kits zwar die richtige Drehrichtung auf, aber die Blätter sind genauso falsch geformt wie das Resin-Pendant.

Nach dem abschließenden Anbau der Dipol-Antenne, Staurohren und Positionslichtern konnte ich mich zurücklehnen und mich endlich mal wieder über ein Modell freuen, dessen Bau von Anfang bis Ende Spaß gebracht hat und das dazu noch toll aussieht.

TEXT und FOTOS: Jürgen Petersen
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