Toll proportioniert, Schwächen im Detail

Battle of Britain: Heinkel He 111P optimieren

Wie lässt sich ein Bausatz der Heinkel He 111P von Hasegawa, der toll proportioniert ist, aber Schwächen in Details aufweist, mit leicht nachzuvollziehenden Mitteln optimieren? 

So optimieren Sie Hasegawas Heinkel He 111P © Berthold Tacke
So optimieren Sie Hasegawas Heinkel He 111P

Vor sieben Jahrzehnten tobte die Luftschlacht um England. Diese ist untrennbar mit Namen wie Spitfire, Messerschmitt 109 und der Heinkel He 111 verbunden. Die letztgenannte Maschine stach mir bei der Lektüre zum Thema immer wieder ins Auge.

Dafür waren letztlich deren außergewöhnliche Erscheinung (vollverglaste asymmetrische Kanzel) und die daraus resultierende elegante Linienführung verantwortlich. Schnell entschied ich mich daher zum Bau des Hasegawa-Modells.

Da ich noch einen Bausatz der P-Reihe ergattern konnte, entschied ich mich für diesen, da ihm unter anderem Decals für die III./KG 27 Boelcke (sprich: dritte Gruppe des Kampfgeschwaders 27) beiliegen, die von Rennes aus aktiv an der Luftschlacht teilnahm. Der Bausatz ist in Maßen und Proportionen stimmig.

Auch der Aufbau und die gut durchdachte Konstruktion mit je zwei vom Rumpf ausgehenden Holmen, die genau in die vorgesehenen Aufnahmen in den Flügeln passen, machen das genaue Ausrichten der Flügel zum Kinderspiel.

Eine erste Trockenanpassung (siehe Glossar Seite 98!)  zeigt, dass der Bausatz keine großen Passprobleme aufweist. Zwei deutliche Negativpunkte müssen erwähnt werden. Erstens: die Gravurlinien dürften etwas dezenter ausfallen.

Zweitens hat Hasegawa beim Cockpit und der Gestaltung des B-Standes (MG-Stand auf dem Rumpfrücken) dermaßen vereinfacht, dass diese Stellen einiges an Eigeninitiative verlangten, um den ansonsten tollen Bausatz nicht zu entwerten. Schließlich schaut man von oben direkt in den B-Stand. Diese beiden Schauplätze sollten also für einige Arbeit sorgen.

So hätt’ ich’s gern ...

Kurz noch einige Vorüberlegungen angestellt, damit man sich keine Optionen verbaut. Die He 111 soll später in einem Diorama platziert werden. Dafür werden also die Bombenschachtklappen und die Einstiegsluke in der Bodenwanne geöffnet, um Beladeszenen und vorbereitende Tätigkeiten der Crew darstellen zu können. So wird dieses Flugzeug später in einen typischen Kontext gestellt werden.

Ebenso sollte das Schiebefenster über dem Pilotensitz geöffnet dargestellt werden, um einen Blick in das zu verfeinernde Cockpit zu gestatten. Da jetzt aber schon klar war, dass der B-Stand vollkommen neu entstehen müsste, wollte ich auch, dass die Resultate der Mühen später bei weit nach hinten geschobener Haube gut einsehbar wären.

Somit standen folgende Hauptarbeitsschritte an: 1. Cockpit verfeinern, 2. BStand neu aufbauen, 3. Bodenwanne aufsägen und Einstieg gestalten, 4. Klarsichthaube für den Rumpfrücken neu anfertigen.

Haken und Ösen

Das Cockpit bot einen recht mageren Detaillierungsgrad. Gänzlich wurde etwa auf Gurtzeug verzichtet, das fertigte ich nun selbst an. Da aber der spätere Einblick in die Kanzel recht beschränkt ist (nur kleines Dachlukenfenster und ansonsten doch recht dickes Klarsichtmaterial), entschloss ich mich, im Cockpit farblich und in den Dimensionen etwas zu „übertreiben“.

Das Ergebnis wirkt später nach Alterung und von außen sehr stimmig. Für die Gestaltung des Gurtzeugs bedarf es nur zweier Zutaten. Segmente einer 1,5-Millimeter-Schiffszubehörkette und in schmale Riemchen geschnittene Bleifolie. Die Gurtverschlüsse entstanden aus halbierten und zu Dreiecken gebogenen Kettensegmenten.

Die Gurtschnallen fertigte ich aus platt gedrückten ganzen Kettensegmenten. Die Riemchen wurden geknickt und an der Knickstelle von hinten in die Schnallen „eingeführt“ . Mit 0,25-Millimeter- Lötdraht wurden Kabel an der Steuersäule verlegt. Dann entstanden neben dem Hauptarmaturenbrett noch verschiedene Schaltkästen und Verkabelungen aus farbigem Gussast im Cockpit, die diesem Leben verliehen.

Der B-Stand ...

Das zur Gestaltung des B-Standes gedachte Bausatzteil  ist dermaßen vereinfacht dargestellt, dass ich gerne auf dessen Verwendung verzichtete. Was tun? Das Bausatzteil wurde bis an den senkrechten Rand ausgefräst , so dass nur noch ein leichter kreisförmiger Rand als Fundamentring und die Nasen zur Aufnahme des Schwenkbügels stehen blieben.

Denn die Außenform des Bausatzteils musste unbedingt erhalten bleiben, da sie zur Einpassung in die Rumpfschalen unerlässlich war. Um den Drehring zu lagern, wurde eine quadratische Struktur aus Sheetmaterial unten am Fundamentring befestigt. Der Drehring entstand aus einem Häagen-Dazs-Löffelchen, welches den Vorteil bietet, bei der Schneidearbeit gut handhabbar zu sein, da die hintere Griffverdickung guten Halt gewährt . Schließlich war der gebogene Sitzbügel eine besondere Herausforderung.

Nach Bildern bog ich dünnes Plastikrundmaterial in Form, was mehrere Versuche erforderte, und bildete Sitz und Gurte wiederum durch Bleifolie nach. Bemalt habe ich den Sitz mit Agama 30 M Leather und washte diesen dann mit MIG P221. Im kleinen Maßstab ergibt das schöne „Ledereffekte“. Abschließend erstellte ich noch die gelochte Aluminiumunterstruktur und die Armaturen des Abwehrstandes. Jetzt galt es, die wie Panzerglas aussehende Schiebehaube des Rückenabwehrstandes zu ersetzten.

Ich entschied mich, diese selbst in ganz rustikaler Manier tief zu ziehen. Als Klarsichtmaterial kam dabei der Deckel einer Frischkäsepackung (natürlich Magerstufe!) zum Einsatz. Im dritten Anlauf war das Ergebnis dann endlich überzeugend. Es ist wichtig, das Klarsichtmaterial gleichmäßig zu erhitzen und die Folie dann mit möglichst gleichmäßigem Kraftaufwand über den Stempel zu ziehen. Dazu klebte ich die Folie mit Sekundenkleber auf den gezeigten Alurahmen.

Dieser ermöglichte eine gute Handhabbarkeit und gleichmäßiges Arbeiten. Dann wurde nach abschließender Kontrolle, ob die Form und Konturen scharf abgebildet sind, die Kanzel mit Trennscheibe (bitte Schutzbrille aufsetzen!!!), Skalpell und Feilen aus dem Rohling herausgearbeitet.

Als Bewaffnung dienten nach abschließender Bemalung des Standes die fantastisch feinen MG 15 von Steelwork Aircraft. Diese erhalten eine Trockenbemalung mit Agama Gun Metal auf Basis einer hauchdünnen schwarzen Grundierung, die eigentlich bei dem matt schwarzen Plastikkorpus der MGs überflüssig war.

„Eingängig“?!

Für die spätere Verwendung in Dioramenszenen wollte ich mir so viele Optionen wie nur möglich offen halten. Daher stellte ich die Bombenschachtklappen geöffnet dar. Dazu mussten die Bauteile C7 und C8 zunächst längs zersägt und anschließend jeweils die außen gelegene Klappenreihe in ihre einzelnen Klappen zerlegt werden.

Das war aufgrund der hasegawatypisch tiefen Gravuren kein Problem. Die so erhaltenen Bauteile wurden auf der Innenseite, wie die Bombenschächte auch in RLM 02 von Lifecolor lackiert und mit einem weichen Bleistift (3B) „verschrammt“.

Die Außenseite wurde in RLM 65 gespritzt und mit Gunze Soot verdreckt. Die Bombenschachtklappenmontage fand dann ganz am Schluss nach den weiteren Lackierarbeiten statt. Auch sollte die geöffnete Einstiegsluke für die Besatzung dargestellt werden. Dabei musste die Luke nun zunächst aus der Bauchgondel herausgesägt werden.

Auf der Innenseite der Einstiegsluke modellierte ich mit leder für den Bauchgondelschützen. Hasegawa stattete trotz aller Vereinfachungen seine Heinkel mit einem sehr ordentlich und gut durchdachten Fahrwerk aus. Die Fahrwerkschächte sind dabei zwar sehr nüchtern dargestellt. Doch auch beim Vorbild gab es hier nicht viel zu sehen.

Mit einigen Leitungen, hergestellt aus 0,25-Millimeter-Lötdraht, erhielten die Fahrwerksbeine die nötige Aufwertung. Dann nahm ich eine erste Probemontage der Fahrwerksbeine vor, um einer eventuellen Schieflage vorzubeugen. Die Räder des Bausatzes sind nach Vergleich mit Maßstabszeichnungen zu groß, und so entschied ich mich, die schön gemachten und bereits ein wenig abgeplatteten Räder von Steelwork Aircraft zu verwenden.  

Jetzt wird es ernst ...

Nachdem alle Fensterflächen und die bereits zuvor in RLM 02 vorlackierten Öffnungen mit Montex Masken, Tamiya-Tape und Spülschwämmchen maskiert beziehungsweise verschlossen waren, ging es an die Lackierung der Außenhaut. Ich bin kein Freund von dogmatischen Diskussionen à la „so und nicht anders war der Farbton ganz genau ...“

Natürlich stellt sich die Frage, welche Farben verwendet werden sollen. Da ich sehr gerne mit Lifecolor- und Agamafarben arbeite und von beiden Farbsystemen jeweils RLM 65, 70 und 71 vorrätig hatte, wollte ich diese einmal im direkten Vergleich auf mich wirken lassen, um dann eine Auswahl vorzunehmen.

Da die „gleichen“ Farbtöne offensichtlich von verschiedenen Herstellern unterschiedlich interpretiert werden, entschied ich nach eigenem Farbempfinden. So verwendete ich RLM 65 von Lifecolor auf der Unterseite nach einem schwarzen Preshading und hellte in der Mitte großer Farbflächen mit RLM 65 von Agama auf.

Dann wurde die so lackierte Flugzeugunterseite exakt und scharfkantig abgeklebt und die Lackierung der Oberseite konnte in Angriff genommen werden. Zunächst wurde die Oberseite mit Lifecolor RLM 71 lackiert. Dann wurden die in RLM 71 verbleibenden Flächen des Tarnschemas abgeklebt, um die dunkleren Tarnschemaflächen mit Agama RLM 70 zu sprühen.

Die Papierschablonenmethode (exakt auf Modelgröße hochskalierte und zerschnittene Tarnfleckenmasken der Bemalungsanleitung) war bei der Übertragung des Tarnschemas auf das Modell sehr hilfreich. Dann endlich kam der Moment, der so manchen auch noch so erfahrenen Modellbauer erzittern lässt.

Die Abklebematerialien (außer die der Glasflächen) mussten entfernt werden. Dabei stellt sich immer die bange Frage, ob das Masking-Tape auch nicht die Farbe vom Modell abreißt. Um die Haftkraft des schon fast optimalen Tamiya-Masking-Tapes weiter zu verringern, empfiehlt es sich, dieses vor dem Einsatz am Modell ein bis zweimal auf der Handinnenfläche abzuziehen. Damit verringert sich die Haftkraft soweit, dass nicht mehr mit Beschädigungen zu rechnen ist.

Am Modell der He 111 verlief die erste Demaskierung absolut problemlos. Das Ergebnis waren die gewünschten scharfen und exakten Farbgrenzen zwischen RLM 70 und 71 . Das war die Basis der Heinkellackierung, die es zu beleben galt. So bereitete ich alle weiteren Arbeitsgänge und Farbnuancierungen mit einer Versiegelung durch verdünnten glänzenden Klarlack vor.

Auf dieser Basis brachte ich die Decals auf. Dabei waren sowohl die Revell- wie auch die Hasegawadecals recht störrisch, so dass ich mehrfach den Decalweichmacher von Daco (strong!) einsetzen musste.

Erst nach dem vierten Einsatz des Weichmachers war das Ergebnis zufrieden stellend. Jetzt versiegelte ich wiederum mit einer Lage glänzenden Klarlacks. Dann mattierte ich das Ergebnis mit mit Alkohol verdünntem Revell Mattlack. Jetzt setzte ich das Neutral Wash von MIG Productions flächendeckend ein.

Dabei wurden jeweils etwa zwei Zentimeter breite Segmente behandelt, indem ich sie mit dem Wash kräftig einpinselte, um sie nach circa zehn Sekunden mit einem fusging selfreien Tuch wieder abzuwischen. Da ich den letztgenannten Vorgang jeweils leicht variiere, entstehen belebte nicht langweilige Farbflächen.

Von der He 111 gibt es Vorbildfotos, die sie als richtigen „Dreckspatz“ zeigen. Die extrem starke Verrußung wollte ich unbedingt darstellen. Schließlich sollte meine Maschine doch nicht fabrikneu daher kommen.

Die Hauptrußspuren sprühte ich mit Gunze „Soot“. Wichtig ist dabei immer, diese Arbeitsschritte am Flugzeug in Flugrichtung und nicht quer zu ihr vorzunehmen. Die verbrannten Abgasspuren brachte ich mit der Airbrush mit dem Lifecolor Tensocrom- Farbton „White Oxide“ auf.

Abschließend wurden Ölspuren und Kerosinspuren aufgetragen. Zu guter Letzt wurden dann die Fenster demaskiert, die Fahrwerke, Bombenschachtklappen, die B-Stand-Haube und Antennen et cetera montiert. Dann endlich „wiehert“ das Arbeitspferd der Luftwaffe. 

TEXT und FOTOS: Berthold Tacke
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