Berühmtes Jagdflugzeug

Eduards Messerschmitt Bf 109 E-1 in 1:48

Modelle der berühmten Messerschmitt Bf 109 kennen wir alle und haben sie auch schon in zig Versionen gesehen oder gebaut. Doch wie macht man aus der „Massenware“ Bf 109 ein unverwechselbares Modell?

Gerade wegen des offen darstellbaren Motors eignet sich das Modell ganz hervorragend für ein Flugplatzdiorama © Andreas Dyck
Gerade wegen des offen darstellbaren Motors eignet sich das Modell ganz hervorragend für ein Flugplatzdiorama

Wenn man den Stülpkarton öffnet, fällt sofort die große, farbige, 15-seitige Bauanleitung auf. Da es sich hier um den Profipack-Bausatz handelt, liegen außerdem Ätzteile und Maskierfolie für die Kanzel bei. Die Klarsichtteile könnten ruhig etwas dünner ausfallen.

Decals gibt es für drei ­Versionen, zusätzlich erhält man einen kleinen Bogen mit sämtlichen Wartungshinweisen. Die Spritzlinge sind sauber verpackt und allesamt gratfrei. Sinkstellen, Auswurfmarken oder ähn­liche produktionsbedingte Makel gibt es nicht.

Innenarchitektur

Ich begann mit dem Aufbau des Cockpits. Zuerst wurden alle Teile mit RLM 02 Grau lackiert. Die Cockpitseiten und der Boden erhielten ein leichtes Washing mit stark verdünnter Ölfarbe. Nach dem Trocknen wurde alles mit etwas aufgehelltem RLM 02 trockengepinselt. So kommen die feinen Nietreihen an den Spanten sehr schön zur Geltung, und das Ganze lebt schon etwas mehr.

Die Pedale für die Seitenruder wurden abgetrennt und durch die filigranen Ätzteile ersetzt. Zusätzlich ergänzte ich kleine Leitungen aus 0,3 Millimeter starker Kupferlitze. Die farbig bedruckten Sitzgurte machen einen guten Eindruck und wurden auf den lackierten Pilotensitz geklebt. Beim Instrumentenbrett hat man die Wahl zwischen den farbigen Ätzteilen oder den sauber gespritzten Kunststoff­teilen, die weitaus plastischer wirken.

Das mit viel Weichmacher aufgebrachte Decal überzeugte mich dann auch mehr als die Ätzteile, da diese nicht schwarz, sondern eher dunkelblau erschienen. Die kleinen Zeiger und Skalierungen kamen beim Decal ebenfalls besser heraus. Nach der Fertigstellung kann man das Cockpit erst mal beiseitelegen und sich dem Zusammenbau des Motors widmen.

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Bei diesem Modell hat man die Möglichkeit, den Motor mit geschlossener oder geöffneter Motorhaube darzustellen. Baut man das Modell mit geschlossener Haube, ist aber zu beachten, dass man einige Anbauteile, die in der Bauanleitung beschrieben sind, weglässt, da man die Motorhaube sonst nicht bündig aufsetzen kann.

Der Motor besteht aus über 20 Einzelteilen und ist sehr gut detailliert. Nach dem Zusammensetzen wurde der Motorblock komplett schwarz bemalt, die Anbauteile in Aluminium. Nach dem Lackieren der restlichen Kleinteile wurde der Motor an das Brandschott gesetzt. Bis hierhin gab es keine Probleme.

Das Ankleben des Bauteils E41, das wohl den vorderen Ölsammelbehälter darstellen soll, funktionierte jedoch nicht so gut – allerdings auch nur, weil ich die Bauplanberichtigung in Form eines kleinen beiliegenden Zettels nicht beachtete. Der kleine Zettel hat die Aufschrift „Errata“ (Korrekturverzeichnis) und lag irgendwo unbeachtet im Karton. Das Ankleben der zwölf Auspuffkrümmer hätte ich mir sparen können, doch dazu später.

Ich wünsche mir fünf Hände …

Beim Einkleben der Cockpitsektion und des Motors in die Rumpfhälften gab es bei mir doch erhebliche Probleme. Leider hat man zum exakten Positionieren und Ansetzen der Teile kaum Anhaltspunkte. Vielleicht hätte ich vorher auch wesentlich öfter „trocken“ probepassen sollen. Hier war ich eben ganz Optimist.

Das Verkleben des Cockpits und der hinteren Abdeckung ging eigentlich noch ganz gut, beim Einsetzen des Motors gab es aber Probleme. Bei dem Einführen der Auspuffkrümmer in die schmalen Schlitze am Rumpf bröselten schon die ersten Teile ab.  Auch passte der vordere Ölbehälter nicht. Ich bekam die vorderen Rumpfhälften einfach nicht zusammen.

Selbst unter stärkerem Zusammenpressen, wobei man sich dann am liebsten fünf Hände wünscht, passierte gar nichts, außer dass die kleinen, filigranen Motorträger und Leitungen abbrachen, ebenso das besagte Teil E41. Also wurden Motorträger und Leitungen wieder angeklebt und Teil E41 sowie die kleinen Krümmer erst mal weggelassen … und siehe da, es passte schon mal ganz gut.

Nachdem das Spornrad eingesetzt war, verklebte ich die Rumpfhälften, und alles passte exakt. Da das Original in Halbschalenbauweise entstand, sind auch die oberen und unteren Rumpfnähte sichtbar. Also wurden sie nur leicht verschliffen und die verloren gegangenen Nietreihen mit einem kleinen Nieträdchen rekonstruiert.

Mit einem kleinen Kunstgriff setzte ich auch das Teil E41 nachträglich von oben ein, nachdem ich es in zwei Hälften geteilt hatte. Zum Glück fällt es nicht auf, da der untere Bereich nicht einsehbar ist. Dem Motor hauchte ich noch etwas Leben ein, indem ich einige Leitungen aus Kupferlitze und heiß gezogenen Gussästen ergänzte.

Die MG wurden entgegen der Bauanleitung noch nicht montiert, da der komplette Motor zum Lackieren des Modells noch abgedeckt werden musste und ich nicht Gefahr laufen wollte, die kleinen Teile beim späteren Demaskieren mit abzureißen.

Tragwerk und Endmontage

Das Zusammensetzen der Tragflächenhälften inklusive der Fahrwerkschächte verlief absolut problemlos. Die Innenstruktur der Schächte wurde im Vorfeld mit RLM 02 Grau lackiert, erhielt ein leichtes Washing mit stark verdünnter Ölfarbe und wurde nach dem Trocknen noch einmal mit aufgehelltem Grau trockengepinselt.

So erhält man einen schönen Kontrast, und auch die feinen Niet­reihen stechen hervor. Das Verkleben der Tragflächen ist einfach, allerdings hätte ich mir auch hier etwas stärkere Passzapfen gewünscht.

Die Hochzeit

Die Montage des Rumpfs mit den Tragflächen gab hingegen wieder Rätsel auf. Es passte zwar soweit alles, aber die Tragfläche besaß keine V-Form und sah so höchst eigenartig aus. Die V-Stellung des Originals dürfte bei 15 Grad liegen, beim Modell hingegen ging sie gegen null.

Wie es zu diesem Fehler kam, kann ich mir eigentlich nicht erklären. Der Rumpf passte ja einwandfrei und die Tragflächen waren auch exakt verklebt. So blieb mir nichts weiter übrig, als an den Tragflächenwurzeln vorsichtig mit einer Feile etwas Material abzutragen. Es war nicht viel, verhalf aber schlussendlich zu der gewünschten V-Stellung der Tragflächen.

Der Tragflächen-Rumpfübergang passt so exakt, dass nicht ein Gramm Spachtel zum Einsatz kam. Zum Verkleben benutzte ich einen Tropfen Nitroverdünnung, der sich durch die Kapillarwirkung sauber durch den kleinen Spalt zieht, das Material anlöst und beim Austrocknen alles miteinander verschweißt. Sauberer geht es nicht.

Die Streben unter den Höhenleitwerken wurden erst nach dem Lackieren angebaut, da sie sonst beim Lackieren im Wege sind. Vor dem Lackieren wurde noch der rechte Handeingriff am Rumpf hinter der Kanzel verspachtelt, er war erst bei späteren 109er-Versionen vorhanden.

Ein wenig Geschichte

Im Vorfeld stand eigentlich schon fest, dass das Model die im Bausatz beiliegenden Markierungen der komplett in RLM 70/71 lackierten Maschine von Hannes Trautloft erhalten sollte. Durch Zufall fand ich allerdings in meinem Decalfundus eine für mich interessantere Version.

Es war die Maschine von Winfried Schmidt, ebenfalls eine „Rote 1“ mit einem schönen Zylinder samt Aufschrift „Kölle Alaaf“ sowie einem Geschwaderwappen. Außerdem ist die Maschine geschichtlich gesehen auch sehr interessant, da Alfred Held genau diese „Rote 1“ wohl leihweise bei der ersten großen Luftschlacht über der Deutschen Bucht flog und ihm der erste Abschuss eines RAF-Flugzeuges vom Typ Wellington im Zweiten Weltkrieg gelang.

Nachdem das Modell noch einmal gereinigt wurde, ging es ans Maskieren des Motorblocks mit Klebeband von Tamiya und der Kanzel mit der beiliegenden Maskierfolie. Die Fahrwerksschächte wurden mit angefeuchtetem Papiertaschentuch abgedeckt. Die Grundlackierung ist bei diesem Modell relativ einfach.

Ich benutzte wie immer die Farben der Marke Xtracolor, die schön glänzend auftrocknen und eine Zwischenlackierung mit Future oder Klarlack überflüssig machen. Die Unterseite bekam RLM 65 und die obere Seite RLM 70/71 mit der vereinfachten Splintertarnung. Nachdem alles getrocknet war, rieb ich zuerst schwarze Ölfarbe in die feinen Gravuren und Nietreihen.

Da das Modell mit der RLM-70/71-Lackierung relativ dunkel erschien, legte ich die Gravuren und Nietreihen der Oberseite mit hellgrauer Ölfarbe aus. Auf den ersten Blick wirkte das allerdings etwas unrealistisch. Doch derartig starke Kontraste werden nach dem Schlussfinish mit Mattlack bzw. seidenmattem Klarlack abgemildert.

Decals vom Propeller bis zum Heck

Nachdem die Decals und sämtliche Wartungshinweise aufgebracht waren, ging es zunächst an das Vervollständigen des Modells mit sämtlichen Kleinteilen, sprich Antennenmast, Streben der Höhenruder etc. Der Propeller wurde ebenfalls zusammengebaut und lackiert. Die VDM-Dreiecke für die einzelnen Blätter liegen dem Decalbogen löblicherweise bei.

Danach wurde die kleine Messerschmitt endlich auf die „Beine“ gestellt. Das vorher fertiggestellte Fahrwerk erhielt allerdings neue Bremsleitungen, da die aus dem Bausatz etwas dick erschienen. Die Felgen und Reifen sind sehr schön detailliert, auf den Reifen ist selbst der Schriftzug des Reifenherstellers Metzeler zu erkennen.

Das Finish

Das Modell erhielt dann zunächst eine Komplettlackierung mit seidenmattem Klarlack von Testors. Damit das Modell nicht in seinen dunklen Farben „absäuft“, wurde es anschließend mit hellgrauen und sandfarbenen Pigmenten von Vallejo überarbeitet. Einzelne Felder wurden damit eingestaubt und anschließend in Flugrichtung verrieben.

So erhält man interessante Farbvariationen, die das Modell etwas lebendiger aussehen lassen. Die angesprochenen Gravuren, die ich mit hellgrauer Ölfarbe ausgelegt hatte, waren allerdings immer noch etwas krass und wurden mit schwarzem Lidschatten aus dem Kosmetikbereich und einem feinen Pinsel leicht überstrichen. So entstand ein weiterer interessanter Effekt.

Zu guter Letzt wurden noch die Begeh­felder und die Rumpfseite am Cockpit mit etwas Aluminiumfarbe und einem kleinen Schwamm betupft, um leichte Schrammen und Lackabplatzer darzustellen. Zusätzlich kamen erdfarbene Pigmente zum Einsatz. Das Ganze war allerdings zu viel des Guten. Die Messerschmitt ist ja schließlich kein Panzer.

So wurde mit einem kleinen Pinsel wieder etwas RLM 70 aufgetupft. Das Ergebnis war einigermaßen zufriedenstellend, aber an Flugzeugen gilt eigentlich doch eher das Motto: „Weniger ist mehr.“ Nach dem Entfernen der Maskierfolie wurden noch eine Antenne aus 0,1 Millimeter starker Angelschnur vom Antennenmast zum Seitenleitwerk gezogen und zwei eigens gefertigte Verzurrösen aus dünner Kupferlitze unter den Trag­flächen montiert.

Meine Meinung ...

Die Qualität und Ausstattung des Bausatzes lässt für den angemessenen Preis keine Wünsche offen. Ganz problemlos ging es, zumindest bei mir, allerdings nicht vonstatten, und man sollte von Anfang an mit höchster Sorgfalt arbeiten.

Ob die angesprochenen Passungenauigkeiten nun hausgemacht waren oder ein Manko des Bausatzes sind, wird sich vielleicht später herausstellen, wenn die Modellbaukollegen das ein oder andere Problem beim Bau des Modells wiedererkennen und bestätigen können.

Es sei aber auch gesagt, dass alles im leicht korrigierbaren Bereich liegt. Für den Anfänger würde ich das Modell jedoch nicht unbedingt empfehlen. Dennoch hat eduard die Messlatte bezüglich Oberflächenstruktur und Detaillierung um einiges höher gelegt.

Quellen:

  • Musciano, Walter A.: Die berühmten Me 109 und ihre Piloten, Weltbild
  • Radinger/Schick: Messerschmitt Me 109, Aviatik Verlag
  • Held, W.: Die deutsche Tagjagd, Aviatik Verlag

 

TEXT und FOTOS: Andreas Dyck
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