Materialmix überzeugend darstellen

Ehemalige deutsche Luftwaffe: Heinkel He 162 in 1:48

Standen Sie auch bereits vor der Herausforderung, einen Materialmix aus Naturmetall/Holz überzeugend im Modell der Heinkel He 162 darstellen zu müssen? 

Tamiyas Heinkel He 162 wie man sie nicht häufig sieht. © Alexander Glass
Tamiyas Heinkel He 162 wie man sie nicht häufig sieht.

Schließlich trieben Materialknappheit und Lieferschwierigkeiten im Zweiten Weltkrieg fast alle kriegsführenden Nationen dazu, möglichst viele »nichtkriegsnotwendige« Rohstoffe in die Produktion zu drücken.  Ich wollte ursprünglich eine Art technische Studie im Modell darstellen, ein Modell also ganz ohne Tarnanstrich, welches deutlich die unterschiedlichen verwendeten Baumaterialien wiedergibt.

In einem Modellbaugeschäft fiel mir auf der „Reste-Rampe“ die kleine Box mit Tamiyas He 162 in die Hände. Ich wusste, dass bei dieser späten Maschine aus dem Zweiten Weltkrieg viele Holzteile verbaut wurden. Passt ja! „Auch noch ein netter Preis, warum nicht?“ und ich nahm die Box mit nach Haus.

Eine erste Kartoninspektion förderte wesentlich mehr zu Tage, als ich eigentlich erwartet hatte. Erste Passproben ergaben verblüffende Ergebnisse. Auch die Oberflächenstrukturen waren von herausragender Qualität. Ein Schüttelbausatz! Die Teile fallen wirklich fast von alleine zusammen.

Eine Stahlkugel als „Noseweight“ respektive Nasenballast ist enthalten, die auf später unsichtbaren Teilen im Inneren des Rumpfes gelagert wird und das Modell auf allen drei Rädern hält. Toll! Das ist der Stoff aus dem schöne Projekte gewoben werden können, da die Motivation lange Zeit erhalten bleibt, und man zügig vorankommt.

Zeit für das Triebwerk!

Auf den Referenzfotos ist die Maschine auch mit offener Triebwerksverkleidung abgestellt. Das kann DER Blickfang bei diesem Projekt werden. Somit bedarf es an diesem neuralgischen Punkt besonderer Aufmerksamkeit und Fürsorge. Die eduard-Ätzteile sind hier am besten aufgehoben.

Nun hatte die Maschine schon ihr kleines Sahnehäubchen bekommen, ohne eigentlich fertig zu sein. Ich hatte an dieser Stelle immer noch keinen Schimmer, wie ich eigentlich diese Spachteloptik auf dem Naturmetall hinbekommen sollte. Obwohl ich eine vage Vorstellung hatte, fehlte mir noch das Konzept.

Wenn man sich Zeit lässt, und einfach an dem Projekt weiterarbeitet, wird die rechte Idee schon noch kommen, war meine Überlegung. Ich beschloss daher, mich zunächst um die Tragflächen und dergleichen zu kümmern.

Gut, jetzt wollen wir mal die Lackierung einer Baugruppe, genauer gesagt das Höhenleitwerk, unter die Lupe nehmen. Hier toben wir uns nun mal so richtig aus. Vorab vielleicht einige Antworten auf vielleicht nie gestellte Fragen:

Warum Acryl?

Trocknet schnell, erlaubt zügiges Arbeiten, unkompliziert in Verbindung mit auf Terpentin basierenden Alterungsmischungen und Filtern.

Verdünner, aber welche?

Für Acrylfarben von Tamiya und Gunze nur noch mit Tamiyas „Lacquer Thinner“ (gelbe Kappe) sowie Gunzes „Leveling Thinner“. Diese Verdünner erzeugen nach meiner Meinung die besten Spritzbilder, sofern natürlich das Mischungsverhältnis stimmt. Dieses sollte immer recht dünn gehalten werden.

Ab 70% Farbe und 30% Verdünner wird es interessant. Für lasierende Schichten, Acrylfilter und Einblendungen drehe ich das vorgenannte Mischverhältnis auch gern mal um. Der Leveling Thinner trocknet noch etwas langsamer ab als die Lacquer Thinners. Dies erleichtert ebenfalls weichste Spritzbilder mit Rändern ohne jeden Sprenkel.

Ein paar Tropfen Klarlack sind kein Geheimrezept und tun vielen Mischungen gut. Immer dünn, immer mehrmals schichtweise den Lack aufbauen. Diese Art zu arbeiten sollte man sich wirklich angewöhnen, denn sie ist der Schlüssel zu den feinsten Nuancen und Effekten, die ein Modell erst so richtig ansehnlich werden lassen.

Werden Alclad-Farben versiegelt?

In der Tat. Mit glänzendem Acryl-Klarlack. Leicht und vorsichtig allerdings. Trifft der Klarlack zu nass und zu dick auf die Oberfläche, zerstört er die filigrane Pigmentierung der Alclad-Farben auf dem schwarzen Acryl-Untergrund. Am besten man schleiert zwei bis drei Mal leicht über das Modell mit Pausen von zehn Minuten.

Dann kann man vorsichtig etwas mehr Lack riskieren da wir schon eine Schutzschicht haben. Zwischenzeitlich geht der Glanz verloren weil die noch nicht durchgetrocknete Klarlackschicht für kurze Zeit bisweilen matt aussehen kann. Ist die Versiegelung komplett, dann findet sich wieder ein homogener Auftrag auf der Oberfläche, die nun wieder glänzt, jetzt sogar mit einer gewissen Tiefe.

Ferner ist das Naturmetall nun stabil und kann intensiv mit Decals und Weathering weiterbearbeitet werden. Nicht jede Alclad-Farbe verträgt allerdings Schutzschichten. Chrome beispielsweise reagiert nicht immer positiv auf solche Versuche. Ich empfehle dringend, die entsprechenden Kombinationen vorher zu probieren.

Welche Airbrushes wurden verwendet?

Ich habe drei Pistolen. Eine davon ist eine alte Revell Masterclass professional. Diese ist gut für größere Flächen wie Rümpfe von Schiffen und dergleichen. Eine Harder und Steenbeck Infinity ist die Pistole die ich am meisten benutze. Sie ist etwas mimosenhaft im Bereich des Luftventils, aber wenn man einmal weiß, wie man mit ihr umzugehen hat, belohnt sie einen.

Sie ist sehr, sehr leichtgängig und das ist wichtig für ermüdungsfreies Arbeiten und ein gutes Gefühl für das, was man gerade tut. Sie liefert sehr feine Spritzbilder.

Dann ist da noch die Iwata CM-B. Diese Pistole ziehe ich hinzu, wenn es wirklich haarig wird. Feine Punkte mit diffusen Rändern, dünne Linien, filigranstes Finish und ähnliches sind ihre besondere Stärke.

Am Schluss muss man aber eines festhalten: Man kann sich Talent, Fingerfertigkeit und Gefühl für Farben nicht kaufen. Für kein Geld der Welt. In den Anwendungsgebieten in denen wir uns bewegen, ist das Ergebnis nicht proportional zu dem Betrag der für eine Pistole ausgegeben wurde.

Ich persönlich würde da lieber Modellbau-Ausstellungen empfehlen. Auf der Euro Model Expo (EME) in Heiden zum Beispiel, auf der KMK Scaleworld, auf der Lier Convention oder der GoModeling werden Workshops zu fast allen Themen angeboten. Hier hat man Gelegenheit, sich genau am praktischen Beispiel zu informieren, wie was genau funktioniert.

Das Geld, auch für weitere Anreisen ist hier wirklich gut investiert. Ferner sollte man an auch daran denken, mal ein Modell nur zu Übungszwecken zu verwenden. Ich habe mehrere Rümpfe von Fliegern als Testobjekte ständig in Benutzung so beispielsweise eine 32er F-86 Sabre von Italeri oder eine 32er Albatros von Roden.

RLM, RAL, FS ein weites Feld ...

Ganz ehrlich, RLM, RAL und FS (siehe Glossar Seite 98!) bedeuten mir nicht allzu viel. Für mich ist die Kenntnis des Farbkreises wichtiger. Basiswissen der historischen Hintergründe des jeweiligen Objekts schadet natürlich nie. Bei RLM 76 Lichtblau zum Beispiel sollte man vielleicht schon wissen, wie diese Farbe im Allgemeinen so beschaffen gewesen sein mag.

Es ist allerdings viel wichtiger, wie überzeugend unsere Darstellung schließlich am Modell wirkt. Die Wirkung muss charakteristisch, annehmbar und logisch sein. Wenn wir zum Zwecke der optischen Aufbrechung nun etwas mehr Weiß beimischen, oder zum Abdunkeln etwas mehr Blau, was hat dann die Farbe noch mit dem „richtigen“ RLM 76 zu tun?

Was wird denn von einem Betrachter als interessant und gefällig befunden? Das richtige Mischungsverhältnis der Farben oder vielleicht doch eher ein ansprechender Effekt? Vielleicht ein leichter blauer Ölfilter oder etwas verdünntes Grau zum Bleichen? Vielleicht auch etwas Buff, um zu verstauben? Ich persönlich glaube, dass sich Forschungen in dieser Richtung schneller auszahlen.

Sicher, ein Grünstich steht einem RLM 76 nicht besonders gut. Das macht keinen Sinn. Alles sollte sich schon innerhalb eines noch vertretbaren Rahmens abspielen. Aber der sklavische Glaube an Farbcodes wird von Preisrichtern und dem größten Teil des Publikums nicht bewertet. Hier sind andere Qualitäten gefragt. Um genau diese wollen wir uns jetzt im Folgenden kümmern.Einer der tragenden Effekte auf diesem Modell sollte den Originalaufnahmen folgend, die Spachtelmasse sein, die deutlich auf den unlackierten Rumpfteilen zu Tage tritt.

Ich hatte eine vage Vorstellung wie dies zu erreichen sei. Man müsste dies natürlich mit einem Pinsel aufmalen, klarer Fall. Ich beschloss noch einen „Sicherheitsmechanismus“ einzubauen, um zur Not wieder alles rückgängig machen zu können. Wenn hier ein Fehler im Finish passiert, ein Patzer, ein unbeabsichtigter Ausrutscher, wird es schwierig sein zu korrigieren.

Ölfarben waren also das Mittel der Wahl. Auf unserem mit Acryl-Klarlack versiegelten Modell kann man diese zur Not problemlos und spurenfrei entfernen. Bei der Wahl der Farbe hielt ich mich an mein Bauchgefühl und ließ mich von Kindheitserinnerungen tragen. In meiner Erinnerung sind solche Spachtelmassen oft hellbraun bis beige gewesen. Grau kann sicher auch eine Option sein. Meine Wahl fiel auf Beige.

TEXT und FOTOS: Alexander Glass
Tags: 
Mehr zum Thema
Das könnte Sie auch interessieren