Ein Pfeil über den Wolken - Dornier Do 335

Das Grundkonzept der Dornier Do 335 entstand als Projekt bereits Anfang 1940, wurde jedoch zugunsten der einmotorigen Bf 109 und Fw 190 abgelehnt. Dornier hielt aber daran fest. Bis Mitte 1941 entstand als Versuchsträger eine um den Faktor 2,5 verkleinerte Do 17 mit Heckantrieb, die Göppingen Gö 9.
 

Ein Pfeil über den Wolken: Wir haben die Dornier Do 335 gebaut © Heinz Spatz
Ein Pfeil über den Wolken: Wir haben die Dornier Do 335 gebaut

Dabei zeigte die Maschine sehr gute Flugleistungen. Doch erst 1942 begann aufgrund der Kriegsereignisse ein Umdenken, woraufhin eine Ausschreibung für einen Abfangjäger/Jagdbomber mit einer Höchstgeschwindigkeit von 750 km/h, einer Bombenlast von 500 kg und einer Reichweite von 2.000 km ausgegeben wurde.

An dieser Ausschreibung beteiligten sich Arado, Heinkel, Junkers, Messerschmitt und Dornier. Letztlich setzte sich Dornier durch, woraufhin die Do 335 V1 am  26. Oktober 1943 ihren Erstflug absolvierte. Bei weiteren Testflügen wurde immer deutlicher, dass Dornier mit diesem Flugzeug ein großer Wurf gelungen war und ihre Flugleistungen alle Erwartungen übertrafen.

Nach neun Versuchsmustern baute Dornier im Spätsommer 1944 die Vorserie A-0 mit zehn Maschinen. Im November 1944 startete dann die erste Serienversion A-1, wo-bei viele Versuchsträger zu anderen Versionen umgeändert wurden. Letztendlich wurden nur wenige einsatzreife Exemplare gebaut und es gibt auch keine gesicherten Angaben darüber, ob die Do 335 noch bei Gefechten eingesetzt wurde.

Der Bausatz

Es handelt sich hier um den Bausatz der Dornier Do 335 von Dragon in 1:72. Dragon bezeichnet das Modell als Do 335 A-1, was aufgrund der beigelegten Decals falsch ist. Mit diesen kann entweder die „102“ oder „107“ nachgebaut werden. Beides sind Vorserienmaschinen und somit als A-0 zubezeichnen. Die Markierungen der „102“ sind zudem falsch, da die Kennung korrekt VG+PH lauten muss und nicht VC+PH.

Ansonsten handelt es sich um einen sehr schönen Bausatz, aus dem man aus dem Kasten heraus schon etwas Ordentliches bauen kann. Nebenden vielen feinen Details sind auch beide Motoren und ein kleiner Ätzsatz dabei. Ich entschloss mich allerdings, einen Zoom-Ätzsatz von Eduard und ein „DB 603“-Triebwerk von ExtraTech mit zu verbauen.

Das Innenleben

Wie üblich begann ich mit dem Cockpit. Dabei gab es keinerlei Probleme. Somit konnte ich mich auf die Zusatzdetaillierung mithilfe der Fotoätzteile und die Bemalung konzentrieren. Schwieriger war da schon der Zusammenbau des Motors.

Dieser bestand immerhin aus acht Resin-Teilen und zwei Platinen mit Fotoätzteilen, was zusammengenommen stolze 48 Einzelteile ergab. Die mühevolle Montage lohnt sich aber, da man damit einen deutlich feiner detaillierten Motor erhält. Problematisch wurde allerdings der Einbau in den Rumpf, da die Halterungen nicht so recht passen wollten. Da half nur gutes Zureden ...

Der übrige Zusammenbau

Nachdem der Rumpf zusammengeklebt ist, sollte man erst mal im vorderen Motorraum eine ordentliche Portion Gewicht einkleben. Ich verwendete hierfür sogenannte Rundkugeln aus Blei (Schrotkugeln) mit 4,55 mm Durchmesser. Davon klebte ich etwa 20Stück ein, musste aber am Ende feststellen, dass die fast nicht reichten. Fünf mehr hätten auch nicht geschadet.

Alles Weitere ging recht einfach vonstatten. Einzig das Zusammenfügen des Rumpfes mit den Tragflächen machte Probleme. Da musste vor allem auf der Unterseite gespachtelt werden. Etwas kritisch war auch die Luftschraubenmontage, da die einzelnen Blätter im richtigen Winkel zueinander angeklebt werden müssen.

Dabei hilft eine Schablone (in Form dreier Striche auf einem Karton), die im Winkel von 120° zueinander von einem gemeinsamen Mittelpunkt aus gezeichnet werden. Wenn man nun die Propellernabe auf das Zentrum hält, kann man mühelos die drei Blätter ausrichten. 

Die Bemalung

Anschließend ging es daran, dem Modell seine Farbe zu geben. Wie üblich lackierte ich das Fahrwerk und alle dazugehörigen Komponenten sowie die Propeller separat. Letztere erhielten einen Anstrich in Schwarzgrün RLM70 (Gunze H65). Bezüglich des Farbschemas kann man sich recht gut auf die Vorgaben in der Anleitung verlassen.

Mir fielen keine großen Fehler auf. Man sollte aber darauf achten, dass die heller abgedruckten Flächen tatsächlich dunkelgrün werden. Die Farbangaben in der Anleitung sind allerdingsnicht korrekt, vielleicht gab es zur Zeit der Drucklegung noch nicht die 400er-Farbreihe von Gunze. Außerdem soll RLM 65 mit einem dunklen Grau gemischt werden.

Dies ist auch falsch. Laut Dornier Werkszeichnung wurde die Unterseite in RLM 65 (H67) und die Oberseite in RLM 81 (H421) und RLM 82 (H422) lackiert. Diese Farben dürften wohl auch verwendet worden sein, auch wenn dies ungewöhnlich ist, da zu RLM 81/82 die Unterseite eigentlich in RLM 76 gehört.

Das Finish

Zu bedenken ist, dass die Do 335 nur noch zu Versuchszwecken eingesetzt wurde. Selbst wenn sie noch zum Einsatz kam, so hatten die fertiggestellten Maschinen sicher nur wenige Flugstunden hinter sich, als derrieg beendet wurde. Deshalb beließ ich es bei leichten Gebrauchsspuren: Ölfarbe zum Hervorheben der Gravuren und ein wenig Pastellkreide zum Schattieren und für die Abgasspuren.

Danach wurden das Fahrwerk mit seinen Klappen und die beiden Propeller angeklebt. Die hintere Motorabdeckung ließ ich lose, so dass die Maschine geschlossen oder mit Blick auf den hinteren Motor präsentiert werden kann. 

Zum Schluss

Alles in allem ein sehr schöner Bausatz eines der interessantesten Flugzeuge, die es bis dato giebt. Wenn man sich die fertige Maschine so ansieht, dann fällt vor allem ihre Größe auf. Eine Bf 109 daneben gestellt wirkt, als ob es unterschiedliche Maßstäbe wären. Trotzdem war die Do 335 extrem schnell und auch recht wendig.

Zum Bausatz selbst kann man sagen, dass er die Möglichkeit bietet, mit wenig Aufwand ein schön detailliertes Modell zu bauen. Somit ist er sicherlich auch gut für den Ungeübten geeignet. Und der Fortgeschrittene hat die Möglichkeit, das eine oder andere noch mithilfe von Detaillierungssets zu verbessern, was aber nicht wirklich nötig ist.

Quellen

www.airwar.ru
- Vom Original zum Modell: Dornier Do 335, Bernard & Graefe Verlag
 
TEXT und FOTOS: Heinz Spatz, Schwabmünchen (PMV Augsburg)
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