Short-Run Bausatz mit allen Vorzügen

Focke-Wulf Ta 152 H-1

Bereits mit Einführung der Fw 190 A im Jahr 1941 dachte der Chefentwickler von Focke-Wulf, Professor Kurt Tank, intensiv über die Möglichkeit nach, die Dienstgipfelhöhe zu steigern.

Die fertige Focke-Wulf Ta 152 H-1, Fotos Reimund Schäler, Taufkirchen © Reimund Schäler
Die fertige Focke-Wulf Ta 152 H-1

Auf Basis der Fw 190 A-3 stellte er verschiedene Versuche an, die allesamt nicht zufriedenstellend verliefen. Das veranlasste das Reichsluftfahrtministerium (RLM) im Jahr 1943 zur Forderung nach einer „Schnelllösung auf Basis vorhandener Flugzeuge“, was zur Entstehung der Fw 190 D(-9) führte.

Während Messerschmitt mit seinem Höhenjäger Bf 109 H nicht überzeugen konnte, setzte Kurt Tank seine Forschungen noch weiter fort. Focke-Wulf konzentrierte sich auf den Bau der FW 190 D, weshalb die Ta 152 das Kürzel „Ta“ erhielt. Ende 1944 kamen schließlich die ersten Vorserienmaschinen in die Erprobung. Auf den ersten Blick ist die Verwandtschaft zur Fw 190 D-9 unverkennbar. Deutlich längere Tragflächen, ein größeres Seitenleitwerk und eine neue, längere Motorverkleidung sind die augenfälligsten Unterschiede.

Die Ta 152 H besaß eine Druckkabine, die man aber bei den meisten Einsatzmaschinen aufgrund kurzfristig nicht lösbarer Probleme mit den Kompressoren deaktivierte. Zudem wurde bei der Konzeption der Maschine darauf geachtet, soweit möglich auf strategische Rohstoffe wie Aluminium zu verzichten bzw. Stahl und Holz zu verwenden, was zu weiteren Problemen in der Verarbeitung und zusätzlichem Gewicht führte. Die Kriegswirren sowie chaotische Verhältnisse im RLM führten dazu, dass immer mehr improvisiert werden musste und sich die Produktion weiter verzögerte.

Das Folgemodell Ta 152 H-1 unterscheidet sich von der H-0 im Wesentlichen durch eine größere Tankkapazität.

1945 liefen wenige Ta 152 H-0 und H-1 dem JG 301 zu, dem einzigen Verband, der diesen Typ flog. Die Piloten waren überwältigt von der Wendigkeit der Maschine, die sich wie ein Segelflugzeug flog. Waren die Piloten der Luftwaffe in ihren Bf 109 und den Fw 190 bislang tunlichst darauf bedacht, gegnerische Jagdflugzeuge möglichst in mittlere und niedrige Höhe zu locken, um die Chance zu haben, den Luftkampf zu überleben bzw. zu einem Abschuss zu kommen, stellte dies bei der Ta 152 mit einer Dienstgipfelhöhe von 14.800 m kein Problem mehr dar. Von der Wendigkeit der Maschine zeugt der Bericht von Ofw. Jeschke vom Stab/JG 301, der im Buch „Luftwaffe 45“ (Motorbuch Verlag) eindrucksvoll beschreibt, wie er zu einem Luftsieg über eine Hawker Tempest allein durch Auskurven kam.

Von den wenigen produzierten Maschinen „überlebte“ nur eine einzige, die derzeit eingemottet im National Air & Space Museum in den USA auf ihr weiteres Schicksal wartet.

Das Modell

Bereits für Ende 2008 von Pacific Coast Models (PCM) angekündigt, sollte es doch noch bis April 2009 dauern, bis die lang ersehnte Ta 152 H-1 auf den Markt kam. Als ich den Bausatz öffnete, war meine Freude groß, gepaart mit kleinen Enttäuschungen. Fein gravierte Bauteile, hervorragende Resin-Teile, bedruckte Ätzteile und erstklassige Decals für vier Versionen sind auf der ­„Haben-Seite“ zu verbuchen. Skeptisch ­blicken ließ mich erst einmal die dreigeteilte, untere Tragfläche. Ferner ließ an einigen Bauteilen eine deutliche Gratbildung befürchten, dass diese am besten neu aufgebaut werden sollten.

PCM aus den USA lässt seine Bausätze international fertigen. Während die Kunststoff- und Resin-Teile in Tschechien entstehen, liefert eduard (ebenfalls Tschechien) die bedruckten PE-Teile und Cartograph aus Italien die Decals. Die Zeichnungen etc. stammen aus Malta bzw. Großbritannien. Meines Wissens findet sich bislang (noch) kein Importeur für die Bausätze, sodass nur die Bestellung in den USA (oder wie in meinem Fall in England) bleibt. Mit einem Preis von ca. 55,- US-Dollar zzgl. Versand ist der Bausatz kein Schnäppchen und liegt preislich im Niveau zwischen Hasegawa und Trumpeter, kleinserienbedingt aber qualitativ leider ein Stückchen davon entfernt.

Der Bau...

...startet mit dem Cockpit, bei dem alle Bauteile aus Resin gegossen sind. Wenn man sich die Teile ansieht, ist die Ähnlichkeit zu Hasegawa (Fw 190 A/D) verblüffend. So gestaltet sich der Zusammenbau dann auch absolut problemlos. Das Instrumentenbrett hat (wie übrigens alle Resin-Teile) einen sehr dicken Anguss, der aber beim weiteren Zusammenbau, insbesondere beim Zusammenfügen der Rumpfteile, nicht stört. An den Cockpitwänden sucht man vergebens nach einer Detaillierung. Ich habe mit Evergreen-Profilen anhand eines Fw 190-Bausatzes von Hasegawa ein paar Spanten nachgebildet. Dabei konnte ich dann auch die genaue Platzierung des Handrades für die Schiebehaube ermitteln. Danach folgte die Lackierung in RLM 66 sowie die Detailbemalung und Alterung. Lackschäden imitierte ich mit dem „Chromos Silver“ Farbstift von Faber Castell.

Ein erster Wehmutstropfen macht sich beim Instrumentenbrett breit, hier liegen keine Decals für die Gestaltung der Instrumente bei. Nach der Grundlackierung in RLM 66 habe ich erst einmal ein Trockenmalen in Hellgrau versucht, was aber nicht das gewünschte Resultat erzielte. Abhilfe brachten einmal mehr die hervorragenden Instrumentendecals von MDC. Die Ätzteile für den Sitz und die Ruderpedale brachte ich an, baute den Sitz wegen der so leichteren Handhabung beim weiteren Zusammenbau jedoch vorerst noch nicht ein.

Die Baustufe 5 widmet sich den hervorragend aus Resin gegossenen Auspuffrohren. Je zwei Plättchen aus Resin sollten beidseitig zwischen die Auspuffrohre eingeklebt werden, wo sich entsprechende Freiräume befanden. Ich vermute mal, dass da der Urmodellbauer zwar Bestes im Sinn hatte, aber dann an der Umsetzung scheiterte. Tatsächlich sitzen an der Motorverkleidung im Original beidseitig zwei Streben, die aber im Bausatz fehlen. Nachdem ich die Resin-Plättchen, wie in der Beschreibung angeführt, eingeklebt und schließlich die Baugruppe in den Rumpfhälften angebracht hatte, ergänzte ich die Streben mit dünnen Sheet-Streifen.

Dabei fiel weiter auf, dass das Abweiserblech oberhalb der rechten Auspuffreihe fehlte, das beim Original das Eindringen von Abgasen in den Lufteinlauf verhindern sollte. Wieder einmal leistete das Hasegawa Modell der Fw 190 D-9 „Erste Hilfe“ beim Nachbau aus Sheet.

Um die H-1 noch etwas lebendiger zu gestalten, schnitt ich vorsichtig beide Seitenruderteile aus und fügte dann den Rumpf mit dem Cockpit zusammen. Wie bei anderen Kleinserienbausätzen sucht man Passstifte dabei vergebens, aber mithilfe von Sekundenkleber ist auch das Zusammenfügen des langen Rumpfes kein Problem. Auch bei den Höhenrudern konnte ich nicht widerstehen, trennte die Teile ab und fügte sie anschließend ausgelenkt wieder zusammen.

Die Fahrwerksschächte sind ebenfalls aus Resin gegossen. Die dicken, über die gesamte Rückseite gehenden Angüsse müssen nun aber vor dem Zusammenfügen der Tragflächenhälften entfernt werden, was sich als etwas knifflig und langwierig erwies. Die beiden MG 151/20 in den Tragflächen fertigte ich aus Plastikröhrchen und Injektionsnadeln neu an, da die Bausatzteile nicht brauchbar waren; gleiches gilt auch für den Staudruckmesser. Die Teile legte ich aber erst einmal zur Seite, um beim Zusammenfügen und Schleifen der Tragflächen keine Probleme zu bekommen.

Zwischen den Fahrwerksschächten ist ein Kästchen aus Resin anzubringen, in dem der Motor nachgebildet ist. Nach dem Zusammenbau ist davon leider nicht mehr allzuviel zu sehen, schade eigentlich.

Am Mittelstück der unteren Tragfläche sind die Hülsenauswurföffnungen für die drei Maschinenwaffen zwar graviert, sollten aber unbedingt noch geöffnet werden, was aber bei der Materialstärke des Bauteils nicht ganz unproblematisch ist. Wenn man die Tragfläche hier innen dünner schleift, gelingt aber auch dieses Vorhaben relativ leicht. Apropos Hülsenauswurföffnungen: Die mittlere Öffnung der Motorkanone sollte unbedingt von innen mit Leben gefüllt werden, da sonst beim Blick in die Radhäuser gähnende Leere herrscht. Ich hatte das zwar vor (aber keinerlei Vorbildmaterial und hätte improvisiert), es aber beim Zusammenbau schlichtweg übersehen und danach war es zu spät.

Bei der Darstellung des Hauptfahrwerks unterlief PCM dann ein größerer, ins Auge fallender Fehler. Bei der Ta 152 wurde das Fahrwerk hydraulisch betätigt und nicht, wie bislang bei den vorangegangenen Versionen der Fw 190, elektrisch. Mit Sheet, Rundstäben und dem bewährten „punch&die“-Set bildete ich anhand von Originalaufnahmen die Hydraulikzylinder nach. Mittlerweile bietet PCM für 23,- US-Dollar die richtigen Fahrwerksbeine aus Metall an. Die dem Bausatz beiliegenden verfeinerte ich noch mit Sheet und Kupfer-/Lötdraht in verschiedenen Stärken und stellte so die Bremsleitungen dar.

Dem PCM-Bausatz liegen zwei unterschiedlich große Haupträder bei – bitte unbedingt die größeren (Teile E3 und E4) verwenden; diese waren wegen des höheren Gewichts beim Original notwendig. An diesen wurden noch die Schläuche für die Druckluft angebracht.

Mein Puls stieg etwas an, als es dann ans Zusammensetzen der Tragflächen ging. Die Tragflächenunterseite besteht aus drei Teilen, die noch dazu stumpf aneinander geklebt werden sollten. Dies erschien mir wenig vertrauenserweckend, sodass ich mit Sheet-Stücken etwas Stabilität herzustellen versuchte, was sich auch als notwendig erwies. Noch während der Klebstoff trocknete, brachte ich die beiden Tragflächenoberseiten an, was zusätzliche Stabilität ergab.

Die Darstellung der Positionsleuchten ist komplett falsch, sie müssen, wie bei der Fw 190, mit einem Lämpchen an den Außenseiten der Tragflächenseiten dargestellt werden. Das ist aber leicht zu bewerkstelligen (siehe Datailfoto).

Nach ausreichender Trocknung folgte die Hochzeit des Rumpfes mit der Tragfläche, was ohne größere Probleme vonstattenging. Und dann staunte ich nicht schlecht – und zwar über die Größe des Modells und die Spannweite von ca. 45 cm!

Die inneren, kleinen Fahrwerksklappen erhielten an der Innenseite noch eine Detaillierung aus Sheet-Streifen, die dem Original zumindest nahe kommt. Schaut man sich Originalaufnahmen an, so erkennt man die „Trimtabs“ am Höhenruder und den Seitenrudern, für die interessanterweise im Bausatz auch die Warnhinweise beiliegen. Bei der Ta 152 fehlen diese nicht an den Rudern der Tragfläche, sondern nur am Leitwerk, was komplett von den späten Fw 190 D-9 übernommen wurde! Am ­Modell fehlen diese Kleinteile leider komplett, sie wurden daher aus dünnen Evergreen-Profilen nachgebildet.

An der Vorderkante der linken Tragfläche wurde aus Draht noch die Optik der Schießkamera nachgebildet, ebenso die beiden Anzeigestäbe für das ausgefahrene Fahrwerk an beiden Tragflächenoberseiten.

Die Kühlerklappen liegen zweigeteilt und leider nur geschlossen bei. Ich konnte nicht widerstehen und fertigte die Klappen aus Sheet neu an und stellte sie leicht geöffnet dar. Die nun entstandenen Spalten „verschloss“ ich auf der Innenseite mit weiteren Sheet-Stücken. Noch schnell die Gravuren überprüft und gegebenenfalls nachgezogen beziehungsweise neu angebracht, dann ging es zu meinem Lieblingsabschnitt beim Modellbau – der ­Lackierung.

Jetzt wird es bunt

Mir hatte es die „grüne 4“ angetan, eine Ta 152 H-0. Nach vorangegangener Grun­dierung lackierte ich den Rumpf dort, wo das gelb-rote Rumpfband des JG 301 angebracht werden soll, zunächst weiß, damit die Farben besser zur Geltung kommen.

Schaut man sich zeitgenössische Aufnahmen an, so erscheint das RLM 76 relativ hell. Ich versuchte durch Aufhellen mit Weiß, diesem Eindruck gerecht zu werden. Die Oberseitenlackierung stellte ich entgegen der Bauanleitung mit RLM 82 und RLM 83 dar. Das markante Wellenmuster an der Tragflächenvorderkante reproduzierte ich freihändig mit dem Airbrush. Die Decals ließen sich problemlos auftragen und nach entsprechender Trockenzeit färbte ich die Gravuren mit stark verdünnter, dunkelbrauner Farbe ein.

Leider weist die farbige Bemalungs-/Decalanleitung nicht auf alle Wartungshinweise hin. Aber wer eine Fw 190 von Hasegawa hat, findet in deren Bauanleitung Antworten auf diese Fragen. Dem Bausatz liegen keine „Walkways“ bei, was mich aber nicht weiter stört. Ich vermute mal, dass man im Frühjahr 1945 froh war, ein Flugzeug ausliefern zu können, unabhängig davon, ob alle Markierungen nach Technischer Dienstvorschrift angebracht waren oder nicht.

Auf Fotos der Schiebehaube zeigen sich beidseitig je drei kleine, durchsichtige „Scheiben“, die wohl der Befestigung einer zweiten Plexiglasscheibe dienten, die notwendig war, um das Beschlagen der Haube in großen Höhen zu verhindern. Diese „Scheiben“ sind bereits auf der Innenseite der Haube wiedergegeben, die weißen Decals bitte entgegen der Anleitung nicht aufbringen! Bei dem bekannten Farbfoto der (erbeuteten) „grünen 4“ zeigt sich auf der rechten Seite des Kopfpanzers eine runde silberne Platte, deren Sinn/Funktion mir verborgen bleibt. Und da ich nicht ausschließen will, dass sie erst angebracht wurde, nachdem die Ta 152 Beutemaschine wurde, habe ich auf die Darstellung bewusst verzichtet.

Die Fahrwerksverkleidungen waren im Original unlackiert und erhielten folglich einen Lackauftrag in Aluminium von Model Master, der nach Trocknen und Polieren eine Versiegelung bekam. Der Bereich um die Auspuffrohre wurde schwarz lackiert, worauf schließlich die Detailbemalung erfolgte. Mit stark verdünnter, dunkelgrauer Farbe stellte ich noch vorsichtig ein post-shading dar und brachte mit verschiedenen ausreichend verdünnten Braun-, Grau- und Schwarztönen die Abgasfahnen auf.

Der Bereich um den Motor, der sich ebenso wie die Trittbereiche auf den Tragflächenoberseiten trotz der kurzen Einsatzzeit schon mitgenommen zeigte, erhielt noch besondere Aufmerksamkeit. Eine abschließende Lackierung in seidenmatt und noch die Kleinteile angebracht ... dann stand sie vor mir, meine Ta 152 H-0.

Fazit

Über eines sollte man sich vor dem Kauf des Modells im Klaren sein, es handelt sich um einen „short-run“ Bausatz mit all seinen Vorzügen, aber auch manchen Unzulänglichkeiten. Und diesen Gedanken sollte man auch während des Baus und insbesondere im Rückblick nicht vergessen.

Mein Herz schlug höher, als ich die Ankündigung von PCM vernahm, dass die Ta 152 H-1 im großen Maßstab kommen sollte. Und da die Ta 152 zu meinen Wunschmodellen zählt, bin ich womöglich auch eher geneigt, über den einen oder anderen Fehler hinweg zu sehen. Das Modell ist zweifellos schön, aber verlangt in etlichen Momenten nach Modellbauerfahrung und Vorbildmaterial. Gerade das Vorbildmaterial ist dann vonnöten, wenn Fehler erkannt und ausgemerzt werden sollen.

Hätte ich mir mehr gewünscht? Ja! Sicher ständen separate Ruder und Landeklappen noch auf meiner Liste, aber letztlich lässt sich auch das für den ambitionierten Ta 152 Liebhaber bewerkstelligen. Für den geübten Modellbauer und/oder als Einstieg in einen "mixed-media-short-run"-Bausatz ist das Modell empfehlenswert! Und seinen Preis ist es allemal wert, spart man sich doch so manches Zurüstset.

Danke an all die kleinen Firmen wie PCM, die solche Modelle ermöglichen, an die sich die großen Hersteller nicht heranwagen!

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