Baubericht zur Revell-Neuheit

Luftschlachtlegende: Heinkel He 111 P

Das Warten hat ein Ende – die Heinkel He 111 P-1 ist nun im Handel und wurde von unserem Autor Reimund Schäler bereits vorab aus einem Testshot gebaut. Welche Erfahrungen er dabei gemacht hat, zeigt sein Bericht.

Wie hier zu sehen, gibt das Modell die klassischen Linien der He 111 sehr gut wieder. © Raimund Schäler
Wie hier zu sehen, gibt das Modell die klassischen Linien der He 111 sehr gut wieder.

Es gibt Modelle, auf deren Erscheinen man nie zu hoffen wagte, die Heinkel He 111 P von Revell in 1:32 gehört zweifelsohne dazu. Den Modellbauer erwartet ein riesiger Bausatz, feine versenkte Gravuren, alle Ruder und Landeklappen als separate Bauteile, Bombenklappen geöffnet oder geschlossen darstellbar, ein schönes Cockpit sowie hervorragende Decals für drei Maschinen.

Aufgrund der Aufteilung der Bauteile ist nicht ausgeschlossen, dass Revell noch weitere Varianten herausbringen wird. Für den Bau stand uns ein Testshot zur Verfügung, das Serienmodell weicht insofern von ihm ab, dass es an einigen Stellen verbessert wurde.

Einblick garantiert

Durch die Größe der Verglasung wird ein sehr guter Blick in das Cockpit gewährt. Entsprechend detailliert lässt es sich bauen, bietet aber trotzdem noch Freiraum für Eigeninitiativen. So habe ich zum Beispiel die Pedale (Bauteile 207, 208) durch fotogeätzte von HGW ersetzt. Auch empfiehlt es sich, das Cockpit in einzelne Bauabschnitte zu untergliedern und es erst nach der Lackierung zusammenzusetzen.

In Baustufe 4 hat man die Wahl, die Teile 185 und 186 anzubringen. Sie stellen eine Abdeckung für den Navigator/ Bombenschützen dar, der beim Feindflug so das Bug-MG bedienen konnte. Am stehenden Flugzeug waren diese Teile aber zumeist verstaut, weshalb ich auf sie verzichtete.

Die am Pilotensitz aufgeprägten Sitzgurte habe ich abgeschliffen, und in die Rückenlehne dann eine schmale ovale Öffnung geschnitten, durch die ich neue Gurte (ebenfalls von HGW) führte. Der Steuersäule (Teil 195) spendierte ich noch Leitungen aus Kupferdraht. Danach wurde das Cockpit in RLM 66 lackiert und durch die anschließende Detailbemalung und Alterung komplettiert.

Im Rumpfinnenraum und am Platz des Funkers ergänzte ich ein paar Details. Auch verschloss ich die dort vorhandenen Auswerferstellen. Der Innenraum ist in der He 111 geradezu gespickt mit Trommeln für die MG 15. Zudem ergänzte ich aus Sheet und Kupferdraht die deutlich erkennbare Ablage für MG-Trommeln an den beiden rechten Fenstern. Sie ruht auf drei Stützen aus Lochblechen, die ich aus dem Alublech eines Teelichts nachempfand, wobei die Löcher mit dem punch&die-Set entstanden.

Beim Modellvorbild, der He 111 P aus dem Museum Gardemoen in Norwegen, ist erkennbar, dass die Magazintrommelablage der seitlichen MG-Stände im oberen Drittel der Fenster angebracht war. Will man also eine He 111 mit diesen MG-Ständen darstellen, sollte die Ablage über den Fenstern angebracht werden, da der MG-Schütze sonst deutlich behindert gewesen wäre.

Das Gerüst des B-Standes auf dem Rumpf­rücken habe ich aus Kupferdraht neu aufgebaut und aus Bleifolie wurde der Leinensitz dargestellt. Die MG-Halterung ist ein Mix aus Kupferdraht und Testshot-Teil. Im Bauteil 75 brachte ich aus Plastiksheet und Alublech ein paar Verfeinerungen an, unter anderem drei Instrumente für den Schützen.

An der Unterseite des B-Standes sieht man auf Vorbildfotos eine auffallende Versteifung aus Lochblech. Diese stellte ich wieder aus vier passend geschnittenen Blechstreifen eines Teelichtes dar.

Der Bombenschacht besteht aus zwei ansprechend umgesetzten Magazinen. Am fertigen Modell sieht man nur dann etwas von deren Schönheit, wenn die Fenster in diesem Bereich nicht lackiert werden. So zeigen frühe He 111 P die seitlichen Fenster im Gegensatz zu den späteren Maschinen meist unlackiert.

Hier gilt es also, Vorbildstudien zu betreiben. Ebenso umfasst der Bausatz auch acht sehr schön gestaltete 250kg-Bomben samt detailgetreuer Decals, auf deren Einbau ich aber verzichtete. Nach der Detailbemalung und dem Einkleben diverser Fenster konnten die Rumpfhälften zusammengeklebt werden, was keinerlei Probleme bereitete.

Das Tragwerk

Bei den Motoren müssen die Teile 13 nach vorne zeigen und sollten aufgebohrt werden. Die Auspuffstutzen werden aus je zwei Teilen fertiggestellt, wobei sie sich bereits offen präsentieren. Trotzdem habe ich hier mit einem scharfen Messer etwas nachgearbeitet. Dem Bausatz liegen die nur eher selten am Original angebrachte Auspuffführungen bei. Für mein Modellvorbild waren diese Auspuffhutzen jedenfalls goldrichtig. 

Bei den Propellerblättern gilt es aufzupassen. Sie weisen an der Wurzel eine Kerbe auf, die bewirkt, dass sie im richtigen Winkel an der Nabe befestigt werden können. Ich habe das übersehen und die Propellerblätter zunächst lackiert und danach die Decals aufgebracht, um so gleiche Positionen auf allen sechs Blättern zu erhalten. Beim Zusammenbau ist mir dann aufgefallen, dass ich ein Decal auf der Rückseite aufgebracht hatte. Mit viel Glück habe ich es noch lösen und auf der Vorderseite anbringen können.

Zunächst wurden die beiden Hauptfahrwerke zusammengebaut und mit Kupferdraht und Bleifolie gesupert. Anschließend setzte ich die Fahrwerke in die Schächte ein und lackierte erst danach die gesamte Baugruppe. Davon versprach ich mir mehr Stabilität und nahm bewusst in Kauf, dass das Lackieren so etwas mühseliger wurde. Nach dem Trocknen der Farbe klebte ich die Bombenschächte und die beiden lackierten Fahrwerke  sorgfältig ab, um zu verhindern, dass Schleifstaub oder Farbnebel auf die bereits lackierten Teile gelangte.

Die Montage von Rumpf und Tragflächen (Stummel) klappte ohne Probleme. Nach ausreichender Trockenzeit kamen die Tragflächenaußenteile an ihren Platz, wobei ich hinsichtlich der Stabilität so meine Bedenken hatte. Nur zwei kleine Nasen sollen hier ausreichend Festigkeit versprechen?

Nachdem ich ja bereits zuvor erwähnt hatte, dass es sich bei diesem Bausatz um einen Test-shot handelte, wo in der Regel bis hin zum Serienmodell noch einige Modifikationen vorgenommen werden, stellte ich kurz vor Drucklegung, nachdem ich mir eines der ersten ausgelieferten Serienmodelle anschauen konnte, fest, dass Revell an dieser Stelle noch einmal deutlich nachgelegt hatte.

Das Staurohr (Teil 55) wurde aus Einwegspritzen unterschiedlicher Stärke komplett neu aufgebaut. Die Verglasung des Landescheinwerfers färbte ich mit durchsichtigem Gelb von Revell ein und klebte sie anschließend an die Tragfläche. Die beiden Positionslichter erhielten an der Innenseite eine kleine Bohrung, in die grüne beziehungsweise rote Farbe eingeträufelt wurde.

Danach brachte ich die Positionsleuchten an und verschliff sie. Mit  feinen Nagelfeilen polierte ich alle Glasteile, bis sie hochglänzend und durchsichtig waren.

Das „Gewächshaus“

Die Instrumentenbretter 189 und 200 erhielten auf der Rückseite eine Verkabelung aus dünnem Kupferdraht mit Schellen aus Bleifolie. Dem Bausatz liegen auch Instrumenten-Decals bei, die sich nach der Lackierung unter Einsatz von ausreichend Weichmacher hervorragend an das Relief des Armaturenbretts anpassten.

Die Cockpitverglasung wurde für den besseren Durchblick zunächst mit Future behandelt. Auch empfiehlt es sich, die Abklebearbeiten zu erledigen, bevor die einzelnen Teile zusammengesetzt werden. Aus der dünnen Alufolie einer Margarineverpackung faltete ich nun ein paar Vorhänge, lackierte sie in einem hellen Sandton und klebte sie dann vorsichtig in die Cockpitverglasung ein.

Fertigungsbedingt besteht die Cockpitverglasung aus mehreren Teilen, deren Zusammenbau recht aufwendig war. Im Nachhinein wäre es wohl einfacher gewesen, zunächst fast die gesamte Cockpitverglasung separat zu verkleben und erst dann am Rumpf anzubringen.

Die Buglafette habe ich ebenso wie die Lafette des C-Standes am Bauch einzeln lackiert, um hier die MG 15 später leichter einbauen zu können. Beim C-Stand sind mir noch zwei Dinge aufgefallen: Das Klarsichtteil 112 weist zwei schwach geprägt Fenster auf. Am Original gab es unterschiedliche Varianten mit oder ohne Fenster, hier empfiehlt sich wieder ein Vorbildstudium.

Da ich auf Vorbildfotos bezüglich des Bodenfensters des C-Standes erkannt zu haben glaube, dass die Rundung am Rumpf abgeschrägt war, habe ich diesbezüglich eine einfache Änderung vorgenommen. Ich brach mit der harten Seite einer Nagelfeile die Kante und schuf so einen neuen Winkel von zirka 45 Grad, was mir persönlich besser gefiel.

Lediglich die MG schienen mir deutlich unterproportioniert, sodass ich auf Quickboost-Läufe zurückgriff. Aber Revell bietet ja selbst in der JU 88 sehr schöne MG im 32er Riesenmaßstab an, die hier natürlich auch verwendbar wären.

Genug Farbe da?

Zunächst erhielt das Modell eine Grundierung, die schnell verrät, wo man noch einmal nachbessern bzw. nachschleifen sollte. Aufgrund der Größe der He 111 ist der Farbverbrauch schon beachtlich. Es folgte ein schwarzes Preshading der Paneellinien.

Die Unterseite erhielt einen dünnen Farbauftrag in RLM 65, sodass das Preshading noch zu erkennen war. Anschließend hellte ich die Paneele mittig mit Weiß eingemischtem RLM 65 auf. Beim Abkleben der Unterseite fanden insbesondere die Flügelvorderkanten Beachtung. Hier findet man am Original verschiedene Farbgrenzen wie fließende oder scharfe mittige Farbkanten und über die Flügelunterkanten gezogene Oberseitenfarbe. Ich habe mich für die letzte Alternative entschieden, die bei frühen He 111 wohl am verbreitesten war.

Für die Lackierung der Oberseite verwendete ich RLM 70/71, wobei die Paneele in deren Mitte wieder unter Zugabe von etwas weißer Farbe aufgehellt wurden. Die Decals brachte ich nach einem Überzug mit Future und etwas Hilfe von Mr. Mark Softer von Gunze auf. Eine nochmalige Lackierung mit Future machte sie unempfindlich für die weitere Bearbeitung.

Ein Washing mit dunkelbrauner Farbe hob die Gravuren hervor, bevor die Kleinteile angebracht wurden. Nach der abschließenden Lackierung mit mattem Klarlack erhielt das Modell Abnutzungsspuren in Form von Abgasfahnen, Öl- und Kraftstoffspuren und Lackschäden mit Faber „silver chromos‘“. Der Antennendraht entstand aus gezogenem Gießast, während die Isolatoren aus winzig kleinen Tropfen Kristal Klear nachempfunden und weiß gestrichen wurden.

Als ich den Bausatz in Händen hielt, war ich überwältigt  von der enormen Größe und der wunderschönen Oberflächengestaltung der He 111. Für mich ist dieser Bausatz jedenfalls schon jetzt ein ganz heißer Anwärter für das „Modell des Jahres“.

TEXT und FOTOS: Raimund Schäler
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