Modellbauerische Kreativität ausleben

Messerschmitt ME 163: Mengs „Kraftei“ im Bautest

Wenn die Bausätze immer besser werden, ist dann überhaupt noch modellbauerische Kreativität gefragt? Andreas Dyck beantwortet diese Frage im Baubericht zu Mengs Messerschmitt ME 163 auf seine ganz eigene Weise.
Wie aus dem Ei gepellt: Mengs „Kraftei“ © Andreas Dyck
Wie aus dem Ei gepellt: Mengs „Kraftei“
Bereits die exklusive Verpackung des Bausatzes der Messerschmitt ME 163 ist klasse gemacht. Die Ausstattung ist enorm großzügig, die farbige Bauanleitung übersichtlich und verständlich. Ätzteile wie Landeklappen und Sitzgurte vervollständigen den sehr guten Gesamteindruck. Wie beim Original, lässt sich auch beim Modell der Rumpf trennen, um so den Blick auf das sehr schön gemachte Walter HWK-109-509 B-Triebwerk freizugeben. Da ich die gedrungene, aber aerodynamische Form nicht unterbrechen wollte, für mich aber keine Option. Der Rumpfaufbau ist recht komplex. Aber Achtung! Hat sich beim komplizierten Innenleben auch nur irgendwo ein minimaler Baufehler von wenigen Zehntelmillimetern eingeschlichen, zieht sich das durch den kompletten weiteren Rumpfaufbau.

Der Arbeitsplatz des Piloten

Nach Durchsicht verschiedener Publikationen war klar, dass es auch bei diesem Bausatz etwas Verbesserungspotenzial im Cockpit gibt. Die Einzelteile habe ich zunächst mit einem leicht aufgehellten RLM 66 lackiert. Zum Einsatz kamen hier die Aqua-Farben von Revell, die sich, mit Wasser verdünnt, hervorragend spritzen lassen. Die Kraftstoffleitungen der T-Stoff-Tanks links und rechts im Cockpit sind nur angedeutet, weshalb ich sie neu aufgebaut habe.

Die Leitungen auf den Tanks habe ich dazu abgeschliffen und durch gebogenen, 0,5 Millimeter starken Bleidraht ersetzt, um sie schließlich durch eine kleine Bohrung durch den Spant hinter dem Pilotensitz zu führen. Beim Einbau des Instrumentenbretts stehen wahlweise Ätzteile oder aber das Spritzgussteil zur Verfügung. Ich wählte Letzteres. Die dafür vorgesehenen Decals der Instrumente sind allerdings wenig realistisch dargestellt. Daher habe ich sie durch andere von Mike Grant ersetzt, was die Cockpitarmaturen viel besser aussehen lässt. Ein kleines Manko ist die vereinfachte Darstellung des Sauerstoffschlauches, dessen typische Rippenstruktur fehlt.

Der kleine Raketenmotor mit seinen wenigen Teilen ist relativ schnell zusammengebaut, aber dennoch überaus gut detailliert dargestellt. Das Triebwerk wird später an den Spant hinter den T-Stoff-Tank geklebt. Hier fing dann aber auch die Fummelarbeit an, denn irgendwann musste man den Rumpf mit seinen Innereien auch mal zusammenkleben. Hier zeigte sich schnell: Es hakt hier und da doch mal etwas. Von einer einfachen Rumpfmontage kann man kaum sprechen. In besonderer Weise traf das für den Einbau des Kastens für die Kufe zu. Das Munitionsmagazin passte dagegen ohne Weiteres und ist ein zusätzlicher schöner Fixpunkt am Modell. Nachdem die Rumpfhälften erst einmal miteinander verklebt waren, war der Anbau der Rumpfspitze wiederum ein Kinderspiel.

Hinten ist die bessere Hälfte

Der hintere Rumpfteil bereitete keine Probleme und wies auch im Inneren schöne Rumpfstrukturen auf. Das Seitenruder ließ sich sogar in ausgeschlagener Position darstellen. Hier kommen wir zum angenehmeren Teil des Zusammenbaus. Bei den Waffen hat man die Wahl. Man kann sich entweder für 20-mm-MG 151/20 oder die Version mit den 30-mm-Maschinenkanonen MK 108, die in der von mir gewählten Variante eingebaut werden mussten, entscheiden. Die Kanonen waren schnell gebaut und passten gut . Man hat hier auch später die Möglichkeit, die Waffen durch die geöffnete Wartungsklappe sichtbar darzustellen.

Die Tragflächen bestehen, wie üblich, aus zwei Hälften und hatten ebenfalls eine sehr gute Passung. Auch beim Anbau der starren Vorflügel gab es keine Probleme. Höhen- und Querruder liegen getrennt bei und könnten deshalb auch mit Ruderauschlag dargestellt werden. Die Landeklappe entstand aus Ätzteilen, sollte aber erst nach der Lackierung montiert werden. Die Abdeckklappen der Waffenschächte weisen ebenfalls eine hervorragende Passung auf.

Viel Mühe hat sich Meng zudem bei der Darstellung des Radgestells gegeben. Dessen Reifen bestehen aus Gummi und können problemlos auf die Felge gezogen werden. Die Kunststoffteile habe ich zunächst mit Alclad 2 Weißaluminium grundiert, dann mattschwarz lackiert und mithilfe eines kleinen, in Aluminium getauchten Schwamms vorsichtig abgetupft, sodass der Eindruck kleiner Schrammen entstand; mit einer kleinen Nadel wurden zudem kleine Kratzer eingeritzt.

Das Zusammenfügen der Tragflächen mit dem Rumpf war im Grunde nicht schwer. Dennoch entstand ein kleiner Spalt an den Übergängen, der leicht verspachtelt werden musste. Auch nicht einfach: Der anschließende Anbau des hinteren Rumpfteils. Im Bauplan ist angedacht, das Ganze abnehmbar zu machen, aber erfahrungsgemäß funktioniert das nicht immer. Und wer baut das Modell in der Vitrine schon regelmäßig um? Rumpf ab, Rumpf ran? Nein, kaum vorstellbar, denn zu schnell brechen meist irgendwelche anderen Teile ab. So entstand dann beim Verkleben der Rumpfteile eine unschöne Kante, die leicht verspachtelt und verschliffen werden musste. Eine Arbeit, die Sorgfalt erfordert und auch Zeit kostet.

Keine „Wundermittel“

Im Wandel der Zeit sind immer wieder neue Techniken entstanden, um ein Modell zu altern. Diverse Hilfsmittelchen gibt es in Hülle und Fülle. Aber Vorsicht: Kaum eines hält was es verspricht! Begonnen habe ich an der Unterseite. Diese lackierte ich zunächst mit Hellblau RLM 76 von Xtracrylix. Derselbe Farbton, mit etwas Weiß aufgehellt und leicht wolkig aufgetragen, war der erste Schritt, um die Homogenität und somit aufkommende Langeweile auf der gerade entstandenen Farbfläche zu verhindern. Danach trug ich mit einem Zahnstocher kleine, unterschiedliche Ölfarbenkleckse auf, die ich dann mit einem Flachpinsel und etwas Feuerzeugbenzin verblendete.

Schicht für Schicht

Sollten die Ablaufspuren für den eigenen Geschmack zu stark geraten sein, können sie durch wiederholtes Verblenden abgemildert werden. Ein nachträgliches Übernebeln mit RLM 76 homogenisiert das Ganze dann wieder. Zuerst war bei der Lackierung der Rumpfoberseite das helle RLM 82 Hellgrün an der Reihe, womit ich die gesamte Flugzeugoberseite airbrushte. So folgte nach dem Abkleben ein Auftrag des dunkleren Farbtons RLM 81 Braunviolett von Xtracrylix. Die Farben von Xtracrylix haben den Vorteil, dass sie bereits glänzend auftrocknen und ein weiterer Auftrag mit Glanzlack oder Future nicht nötig wird. So können die Decals später sofort aufgebracht werden und die Gefahr des Silverings ist gebannt. Die Oberfläche des Modells habe ich dann mit den leicht aufgehellten Grundfarben wolkig überlackiert.

Kann sich sehen lassen

Zu guter Letzt werden die wenigen Decals aufgebracht, die sich mit einem milden Weichmacher, gut an die Oberfläche schmiegen. Die Endmontage besteht darin, Staurohr, Fahrwerk, Antenne sowie die Haube anzukleben und fertig ist die Messerschmitt ME 163. Der Bausatz kann sich sehen lassen und enttäuscht auf keinen Fall. In puncto Detaillierung und Modelldarstellung hat man alle Möglichkeiten. Die beschriebenen Passungenauigkeiten und Spachtelarbeiten sind im Grunde „Jammern auf hohem Niveau“ und könnten auch durch eigene Ungenauigkeiten beim Bau entstanden sein. Also, absolut exakt bauen. Nicht unbedingt gefallen haben mir die Decals der Instrumente und die getrennte Haube mit Rahmen. Das sind aber auch schon meine beiden einzigen Kritikpunkte.
 
TEXT und FOTOS: Andreas Dyck
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