Modell mit realistischer Lackierung aufwerten

Metallfinish: Ki 44-II in 1:32

Hasegawa baut die Produktlinie im populären Maßstab 1:32 aus und punktet mit einem guten Preis-Leistungsverhältnis. Harald Krumreich zeigt, wie man das Modell aufwertet und mit einem realistischen Metallfinish versieht.

Das Modell besitzt die Markierungen der Shoki von Hauptmann Teiichi Hatano, 3. Chutai der 47. Sentai. © Harald Krumreich
Das Modell besitzt die Markierungen der Shoki von Hauptmann Teiichi Hatano, 3. Chutai der 47. Sentai.

Die Bauteile sind gratfrei und mit sehr schönen Oberflächenstrukturen sowie feinen maßstabsgerechten und versenkten Gravuren versehen. Die Klarsichtteile erscheinen dünnwandig und absolut transparent. Außer den Butterfly-Klappen liegen keine weiteren Ruder als separate Einzelteile bei, es gehören aber noch zwei Zusatztanks und Bombenträger ohne die dazugehörige Anhängelast zum Schachtelinhalt. Die Abziehbilder ermöglichen die Markierung von drei Einsatzmaschinen im Naturmetall Finish. Zwei von der 3rd Squadron des 70th Flight Regiment, geflogen von Makoto Ogawa und Capt. Yoshio. Die dritte Option ist eine Shoki der 3rd Squadron vom 47th Flight Regiment, Capt. Teiichi Hatano.

Das Cockpit

Bei Modellen japanischer Flugzeuge von Hasegawa, ist der Detaillierungsgrad in diesem Bereich sehr hoch, und man könnte das Cockpit ohne weiteres direkt aus der Schachtel bauen. Wer die mitgelieferte Pilotenfigur verwendet, kann sogar auf den Einbau von Sitzgurten verzichten. Die Bemalung beginnt mit den Rumpfinnenseiten und den Cockpiteinzelteilen in Nakajima Interior-Green und einer Alterung mit Ölfarben.

Von den Instrumententrägern und den Gerätekästen wurden die erhabenen Details herunter geschliffen und hier stattdessen Fotoätzteile von eduard mit Sekundenkleber eingesetzt. Da die meisten Modellbauer wohl kaum noch über Aero-Master Farben verfügen dürften, und mein Vorrat sich auch dem Ende zuneigt, muss man rechtzeitig über erhältliche Farbalternativen nachdenken.

Ein Farbvergleich mit dem U.K. Interior Green (BS 283) von Gunze aus dem Interior Color Set (FS34 151, FS33 481 und BS 283) zeigt, dass sich dieser Farbton unter Berücksichtigung der Alterung genauso gut verwenden lässt. An den meisten Geräteboxen an den beiden Cockpitseiten sind die Leitungen bereits mit angegossen.

Zwar wurde die eine oder andere Leitung zusätzlich eingezogen, es zeigte sich aber schnell, dass diese Detaillierungsmaßnahme nach dem Zusammenkleben der beiden Rumpfhälften unsichtbar bleiben würde. Den Spritzgusssitz ersetzte ich durch den fotogeätzten eduard-Pilotensitz, der für mein Empfinden eine realistischere Materialstärke aufweist.

Er erhielt zusätzlich noch die Gurte aus dem eduard Interior-Set. Abweichend von der Bauanleitung wurden die Bauteile F3 und F4 schon in Bauabschnitt 4 und nicht wie vorgesehen in Bauabschnitt 7 an die beiden Rumpfhälften geklebt. Das vorgefertigte Cockpit ließ sich erwartungsgemäß ohne Probleme in den Rumpf einkleben.

Vor dem Zusammenbau der Tragfläche muss man entscheiden, ob die beiden externen Kraftstoffbehälter, die Treibstoffkühler und/oder die beiden Außenlastträger sowie die ausgezogene Einstieghilfe (Bauteil C 14) angebracht werden sollen. Dazu müssen dann die in der Bauanleitung genau bezeichneten Löcher aufgebohrt werden.

Nach diesem Arbeitsschritt, können der Holm samt Fahrwerkschachtrückwand und die beiden Tragflächenoberschalen miteinander verklebt werden. Die so vorgefertigte Baugruppe lässt sich dann später passgenau mit dem Rumpf verkleben. Danach öffnete ich die oben am Rumpf befindlichen Lüftungsgitter mit einer Minifräse, um die viel realistischeren fotogeätzten Gitter zu verwenden.

Am sehr gut wiedergegebenen Sternmotor wurden noch die Zündkabel mit schwarz gefärbtem Messingdraht ergänzt. Die Ergänzungen an den beiden Federbeinen umfassen fotogeätzte Scheren und Bremsleitungen aus Bleidraht. Um die vielen Auswerferstellen nicht aufwendig entfernen zu müssen bietet es sich zudem bei den Fahrwerkschachtklappen an, die für diesen Zweck im eduard Exterior-Set befindlichen Ätzteile zu verwenden.

Aufwendiges Silberkleid

Die Entscheidung die Maschine von Cap. Teichii Hatano zu bauen, fiel recht schnell und zwar aus rein pragmatischen Gründen. Originalbilder der anderen Maschinen zeigten nämlich, dass Verwitterungen wie sie die auf dem Schachtelbild dargestellte Maschine an den Abschussmarkierungen haben müsste, mit Abziehbildern nicht zu realisieren sind.

Für die Lackierung von naturmetallfarbigen Modellen ist eine extrem saubere Vorarbeit der Modelloberflächen notwendig. Silberfarbtöne verzeihen hier keinen noch so kleinen Kratzer. Als ersten Arbeitsgang habe ich daher die gesamte Modelloberfläche mit einem speziellen Schleifvlies der Marke Abralon mit 500er-Körnung abgeschliffen.

Dann folgte der zweite Durchgang mit Abralon 1000 und abschließend die Oberflächenpolitur mit Abralon 2000. Für die letzte Vorbereitung der nun folgenden Lackierung wurde die Modelloberfläche mit Alkohol und einem fusselfreien Lappen sorgfältig gereinigt. Danach erhielt die gesamte Modelloberfläche eine Grundierung mit Alclad Grey Primer. Dieser Microfiller ist allerdings nicht fürs Grobe, sondern füllt nur kleinste Riefen.

Nach ausreichender Trockenzeit von mindestens einem Tag sollte der Füller mittels Schleifvlies glatt geschliffen werden. Dann wird der erste Farbüberzug mit Alclad White Aluminium aufgetragen. Es empfiehlt sich unbedingt, Alclad in einem gut belüfteten Raum zu verarbeiten.

Denn dieser Lack, bekannt für die wohl realistischste Silberoberfläche auf Plastikmodellen, „stinkt“ höllenmäßig. Am besten trägt man die erste Lackschicht in mehreren dünnen Schichten auf. Dazu eignet sich eine Airbrush mit einer 0,2er-Düse. Durch die extrem schnelle Trocknungszeit kann man kurz darauf mit der weiteren Lackierung fortfahren.

Bevor die Metalloberfläche durch unterschiedliche Alclad-Farbtöne aufgelockert wurde, habe ich die weißen Heimatverteidigungsbänder und den Blendschutz aufgetragen. Um den Blendschutz ein wenig verblasst aussehen zu lassen, wurde die maskierte Fläche erst einheitlich schwarz lackiert. Dann folgte eine Aufhellung der Gravuren und der einzelnen Segmentmittelfelder mit Weiß. Anschließend trug ich verdünntes aufgehelltes Schwarz ungleichmäßig lasierend auf.

Dadurch ergibt sich eine ungleichmäßige verwitterte Blendschutzoberfläche. Die jetzt folgenden Abklebearbeiten der Modellober- und Unterseite sind wesentlich zeitaufwendiger als die Darstellung getarnter Modelle, aber durchaus sinnvoll, um keine langweilige einheitliche Silberoberfläche als Resultat zu erhalten. Neben White Aluminium verwendete ich für diesen Lackierdurchgang Magnesium, Aluminium, Dark Aluminium und Duraluminium. Die Maskierarbeiten mit

Tamiya-Tape wurden nach dem Zufallsprinzip vorgenommen. An der Modellunterseite, deren Fahrwerkschächte und die Klappeninnenseiten mit Aotake (Interior Metallic Blue) lackiert wurden, kann man den Effekt der unterschiedlichen Farbnuancen gut erkennen.

Spritzmasken statt Decals

Die Abziehbilder von Hasegawa wiesen für mein Empfinden einen zu dicken Trägerfilm auf. Eine Alternative ließ sich leider ad hoc nicht organisieren, anstelle geeigneter Decals fiel mir aber ein Satz Montex-Masken in die Hände. Anfänglich war ich von dieser Lösung nicht wirklich überzeugt, weil sich Decals während der Verarbeitung punktgenau ausrichten lassen und sich eine Fehlplatzierung und sei sie noch so klein, von Masken erst zeigt, wenn das Kind bereits in den Brunnen gefallen ist.

Allerdings hat mich die Verarbeitungsqualität der Montex-Masken absolut überzeugt. Die Halbtransparenz des Materials sorgt dafür, dass sich die Masken optisch sehr gut ausrichten lassen, und erfreulicherweise haften sie nicht sofort unverrückbar auf der Oberfläche, sondern erst wirklich optimal, wenn man sie fest andrückt.

Bis zu diesem Zeitpunkt ist deren Position noch korrigierbar. Ein Farbunterlaufen der Masken ist beim richtigen Umgang mit der Airbrush kaum möglich. Diese sollte dabei nicht mit einem zu hohen Luftdruck betrieben werden. 1,5 bis 2,0 bar sind völlig ausreichend. Auch sollte man immer vom Maskenrand zur Mitte und nicht umgekehrt lackieren.

Dabei wird die Farbe in mehreren dünnen Schichten aufgetragen. Das Endergebnis spricht jedenfalls für sich, und lackierte Hoheitsabzeichen und Kennziffern sehen wesentlich realistischer aus und lassen sich auch effektiver verwittern. Außer den Kennziffern und den Geschwader-Kennungen am Seitenruder wurde das komplette Modell mit der Airbrush lackiert.

Die Bausatzdecals ließen sich unter Verwendung eines Weichmachers und ein wenig zusätzlicher Nachhilfe mit einem Spatel einwandfrei verarbeitenden und passten sich den Gravuren perfekt an. Für das anschließende Ölfarbenwashing habe ich das komplette Modell mit unverdünntem Future überzogen.

Das Endfinish erreichte ich mit mattem Klarlack von Gunze, die Abgas- und Schmauchspuren wurden mit Smoke auflackiert und mit Pastellkreiden zusätzlich betont. Weil ein Vorschattieren beim Silberlook nicht gut funktioniert, habe ich stattdessen nachschattiert. Dazu wurden mit mattiertem und stark verdünntem Tamiya-Smoke einige Gravuren unregelmäßig nachlackiert.

Es ist wichtig, diesen Arbeitsschritt unter tageslichtähnlichen Bedingungen durchzuführen, denn unter Kunstlicht kann es beim Nachschattieren schnell zur Überbetonung kommen.

Schlussspurt

Es für das Handling des Modells während der Bauphase besser, bestimmte besonders gefährdete Bauteile erst am Schluss zu montieren. Daher wurden das komplette Fahrwerk inklusive Spornrad, die Schachtklappen, der Propeller sowie die Landeklappen und der Antennenmast erst nach der Bemalung und Alterung angebaut. Der Antennendraht besteht aus durchsichtigem Nähgarn, mit den beiden Isolatoren aus Crystal Clear. Das Pitotrohr entstand aus zwei unterschiedlichen ineinander geschobenen Spritzenkanülen.

Hasegawa hat mit der Ki 44 einen weiteren tollen Bausatz eines japanischen Jagdflugzeugs auf den Markt gebracht. Er ist wegen seines durchdachten Aufbaus und der sehr übersichtlich gestalteten Bauanleitung sowohl dem Anfänger als auch dem fortgeschrittenen Modellbauer zu empfehlen.

Quellen: Sakaida, Henry: Japanese Army Air Force Aces 1937-45, Osprey Aircraft of the Aces 13, ISBN 1-85532-529-2

TEXT und FOTOS: Harald Krumreich
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