Tamiya erweitert die neue Spitfire Serie

Spitfire Mk.XVIe neu aufgelegt

Nach den Modellen der Spitfire Mk.IX und Mk.VIII hat Tamiya auch einen Bausatz der Mk.XVIe aufgelegt. Doch kann er mit seinen Vorgängern hinsichtlich Qualität und innovativer Technik gleichziehen?

Wie hier zu sehen, macht es sich immer gut, ein Modell vor einem ansprechenden Hintergrund zu fotografieren. Die Figur liegt dem Bausatz übrigens bei. © Andreas Dyck
Wie hier zu sehen, macht es sich immer gut, ein Modell vor einem ansprechenden Hintergrund zu fotografieren. Die Figur liegt dem Bausatz übrigens bei.

Präsentiert wird der Spitfire Mk.XVIe Bausatz im praktischen Stülpkarton, bei dem man nach dem Öffnen erst mal nur Staunen kann. Eine dermaßen gute Ausstattung habe ich bis dato noch nicht gesehen. 400 Bauteile mit teilweise feinsten Gravuren und Nietreihen, Vinylreifen, Magnete, Drähte, Stifte, Schrauben, ein Maskensatz für die Klarsichtteile, Ätzteile, zwei Decalbögen mit Markierungen für drei Maschinen und sämtlichen Wartungshinweisen.

Ein DIN-A5-Heftchen, dass sich ausgiebig mit der Geschichte und den einzelnen Versionen beschäftigt und zusätzlich viele Detailfotos vom Motor, Cockpit und anderen Details liefert, ist eine große Hilfe. Weiteres Referenzmaterial ist im Grunde überflüssig. Neben einem kleinen Schraubendreher und einer kleinen Tube Schmierfett für die Schiebehaube finden sich ebenfalls je eine wahlweise im Cockpit sitzende und eine stehende Pilotenfigur. Somit rechtfertigt sich doch recht schnell der hohe Anschaffungspreis.

Frisch ans Werk!

Wegen der großen Anzahl der Bauteile sollte man sich tunlichst an die 72 Bauabschnitte der Anleitung halten und wirklich Schritt für Schritt vorgehen. Andernfalls kann es schon mal leicht zu Verwechslungen kommen, da viele Teile der Vorgängerversionen beiliegen, die nicht benötigt werden. Begonnen wurde mit dem Aufbau der einzelnen Rumpfhälften, wobei als erstes die Cockpitbereiche mit RAF Interior Green von Testors lackiert wurden.

Die davor und dahinterliegenden Bereiche wurden mit Aluminium von Alclad gespritzt. Das Funkgerät und andere Kleinteile werden in die Rumpfseiten geklebt und ebenfalls gleich bemalt. Das eigentliche Cockpitgerüst wird dann Schritt für Schritt zusammengefügt und dabei der Pilotensitz im korrekten rotbraunen Farbton lackiert.

Ein Novum ist die Darstellung des Instrumentenbretts, das wie ein Sandwich zusammengefügt wird. In die Öffnungen des Instrumentenbretts werden von hinten die Glasteile eingeklebt, auf die dann ebenfalls von hinten die Decals mit den einzelnen Instrumenten gesetzt werden. Durch den Lupeneffekt der kleinen Gläser kommen die einzelnen Instrumente sehr schön zur Geltung.

Der weitere Zusammenbau des Cockpits nimmt durch die sehr präzise Detaillierung schon einige Zeit in Anspruch, denn es sind auch einige Ätzteile zu verbauen. Das Ätzteil F48, die Halterung für die Leuchtpistolenmunition, war bei dieser Version nicht mehr am vorderen Rand des Sitzes montiert und kann getrost weggelassen werden.

In Eigenregie wurden zudem noch einige Leitungen und Kabel angebracht. Nachdem das komplette Cockpitsegment mit dem dahinterliegenden Tank fertig gestellt war, wurde es mit den beiden Rumpfhälften zusammengefügt.

Leitwerk, gestutzte Flügel, Fahrwerk

Ein weiteres nicht alltägliches Gimmick sind die beweglichen Ruder, die zudem tadellos funktionieren. Ob Spielerei oder nicht, sei dahingestellt, aber man hat immerhin die Option. Kleine Drahtstifte und Scharniere halten die Ruder später in der gewünschten Position. Die Landeklappen sind wahlweise ausgefahren oder eingefahren darstellbar. Hierbei mit Vorsicht zu genießen sind die Ätzteile für die Struktur der Klappeninnenseite, da sie durch ihre Länge recht schnell verbiegen.

Nachdem alle Ruder fertig gestellt waren, wurden sie erst mal beiseite gelegt, um mit dem Zusammenbau der Tragflächen zu starten. Diese bestehen aus einer durchgehenden Unterseite, auf die dann die linke und rechte Oberseite geklebt wird. Der Einbau der Schächte für das Hauptfahrwerk bereitet keine Probleme. Kleine Muttern werden in die Grundplatte geklebt und bieten später die Option, das Fahrwerk auch in eingezogenem Zustand montieren zu können. Nach dem Anbringen der Kühler werden noch die Abdeckungen für die Waffenschächte angebaut.

Die gestutzten Flügelspitzen werden jeweils durch ein Klarsichtteil vervollständigt. Eine saubere Sache, denn so braucht man später bei der Lackierung nur das Positionslicht mit der beiliegenden Maske abzukleben und erspart sich das Einkleben der fummeligen kleinen Positionslichter. Die mittlerweile fertig gestellten Landeklappen wurden in ausgefahrenem Zustand gebaut, aber erst ganz am Ende montiert. Die Querruder wurden mit einem Tropfen Sekundenkleber mit einem leichten Linksausschlag fixiert. Die Faustregel ist hier 1/3 nach unten und 2/3 nach oben.

„Erdverbunden” ...

Die Fahrwerkskonstruktion ist ein kleiner Kritikpunkt meinerseits, da die Fahrwerksbeine aus zwei Hälften bestehen, in die jeweils ein Draht zur Verstärkung eingeklebt wird. Das bewirkt, dass man zwei relativ unschöne Klebenähte erhält, die auch durch vorsichtiges Verschleifen nicht ganz verschwinden.

Die beiliegenden Vinylreifen mit den zweiteiligen Felgen sind soweit in Ordnung, wurden aber mittels Skalpell vorsichtig abgeflacht. Die Bremsleitungen aus Vinyl lassen sich gut anbauen. Jedoch habe ich das Fahrwerk entgegen der Bauanleitung erst zum Schluss angeschraubt.

Nachdem nun der Rumpf und die Tragflächen soweit fertig gestellt waren, wurde alles zusammengefügt. Vorheriges „Trockenanpassen“ zeigte, dass gerade der immer etwas heikle Tragflächen-RumpfÜbergang perfekt passte, ebenso wie die Höhenleitwerke.

Das Herzstück

Die Nachbildung des Motors ist wirklich ein Modell im Modell. Die komplette Konstruktion kann am Schluss an das Modell gesteckt und verklebt werden. Wieder ein gelungenes konstruktives Detail, welches einem später beim Lackieren des Modells das aufwendige Abdecken des Motors erspart. Im Zwischenkühler wird übrigens der erste Magnet eingebaut, der später die obere Motorabdeckung halten soll.

Der komplette Motorblock wurde nach der Fertigstellung zur Gänze schwarzgrau lackiert. Danach malte ich sämtliche Schraubenköpfe und andere Bereiche mit einem feinen Pinsel teilweise silber trocken. Der Motor kann dann an das vorher bemalte Brandschott geschraubt und der Motorrahmen befestigt werden. Kleine Leitungen und Kabel sowie Befestigungsschellen aus dünnen Decalstreifen wurden noch ergänzt.

Ergänzt wurden nun noch der untere Öltank in den wieder zwei der kleinen Magnete geklebt werden, sowie der untere abnehmbare Luftfilter, der durch zwei Stifte und einen Magnet gehalten wird. Baut man wahlweise die untere Motorverkleidung an, wird der Luftfilter einfach abgezogen. Beim Anbau des sehr filigranen Rahmens für die Abdeckbleche ist etwas Vorsicht geboten.

An die Rahmen werden jeweils links und rechts die sechs Auspuffkrümmer geklebt und mit einer Mischung aus Testors Alumium, Schwarz und etwas Braun lackiert, um einen leichten Rosteffekt zu erzielen. Der Propeller nebst Spinner wurde ebenfalls komplettiert und nach Bauanleitung lackiert.

Farbgebung mal anders

Da ich vor dieser Spitfire, das Modell der Spitfire Mk.V von Hobbyboss in Standardtarnung gebaut hatte (siehe MODELLFAN 1/2012), fiel meine Wahl diesmal auf eine silberne Nachkriegsversion aus dem Jahr 1949. Dabei handelt es sich um eine Maschine der Refresher Unit, Finningley im Vereinigten Königreich. Die Lackierung ist denkbar einfach, da das Modell komplett aluminiumfarben gehalten ist.

Dazu wurden sämtliche Klebenähte zunächst mit 2.500er-Nassschleifpapier gesäubert und poliert. Bei einem Modell mit Metallfinish sollte man da schon etwas Zeit investieren, denn Kratzer und Klebstoffreste an den Klebenähten fallen hier später besonders auf. Nachdem das vordere Cockpitteil mit den beiliegenden Masken abgedeckt war, wurde noch das Cockpit soweit mit feuchtem Küchentuch abgedeckt, dass kein Farbnebel in das Rumpfinnere gelangen konnte.

Um das Modell vernünftig während des Lackierens festhalten zu können, wurden zwei Schaschlikspieße von vorne in den Rumpf gesteckt. Tamiya gibt für die Lackierung in der Bauanleitung „Baremetal“ – also Naturmetall an. Wahrscheinlicher ist aber, dass die Maschine im sogenannten „Highspeed Silver” lackiert war. Das war ein aluminiumfarbendes Silber, das mit Klarlack versiegelt wurde, was mir schlussendlich auch am plausibelsten erschien.

Als Freund der Metalizer von Alclad mischte ich mir diesen Farbton mit etwa 1/3 Weißaluminium und 2/3 Flugzeugaluminium an. Diese Mischung wurde in mehreren dünnen Lagen mit der Airbrush aufgebracht. Eine Grundierung wurde nicht verwendet. Nach einer Trockenzeit von etwa 30 Minuten wurde der Blendschutz auf dem Vorderteil des Rumpfes und der Trittschutz auf der Tragfläche mit Revell Mattschwarz lackiert. Kleine Wartungsklappen und markante Gravuren legte ich mit stark verdünnter Ölfarbe aus.

Nicht zu erweichen ...

Das Aufbringen der Decals war dann wieder so eine Sache. Während die zahlreichen kleinen Wartungshinweise und die Buchstaben am Rumpf hervorragend dünn und gut zu verarbeiten waren, gab es bei den Kokarden und dem Rumpfband Probleme. Selbst der stärkste Weichmacher der Marke Daco Strong ließ die dicken Dinger nicht erweichen. Also runter damit und Ersatz suchen. Die Kokarden entnahm ich dem 1:32er Hunter-Modell von Revell, die im Durchmesser genau passten.

Das Rumpfband wurde einfach auflackiert. Somit war das Modell bis auf die Kleinteile und den Motor erst mal fertig. Auf großartige Alterungen wurde verzichtet, da es sich beim Vorbild um eine Nachkriegs-Trainingsmaschine handelt, die keinen Kampfhandlungen ausgesetzt war. Lediglich der Trittschutz wurde mit Pigmenten verschmutzt und einzelne Nietreihen dezent mit etwas Lidschatten und einem dünnen Pinsel gealtert.

„Am Ende ...“

Abschließend musste noch die kleine geblasene Haube vom herstellerbedingten Grat befreit werden. Mit 2.500er-Schleifpapier und anschließendem Polieren mit Rot-Weiß (eine silikonfreie Schleif- und Polierpaste aus dem Autozubehör) war das aber kein Problem (16). Danach mit der Maskierfolie abdecken, mit RAF Interior Green vor- und dann mit der Alclad-Eigenmischung überlackieren.

So entsteht der Eindruck, dass auch die Innenseiten lackiert sind. Die Fahrwerke wurden mit dem kleinen beigelegten Schraubendreher befestigt. Ob man das Modell auf dem Ständer mit eingezogenem Fahrwerk darstellen möchte, oder eben ganz „normal“, sollte man sich vorher überlegen. Denn, wie die Erfahrung zeigt, gehen die Schrauben doch recht stramm und die Gefahr das Fahrwerk oder andere Kleinteile durch unkontrolliertes „Abrutschen“ mit dem kleinen Schraubenzieher abzureißen, erscheint recht groß.

Auch die kleinen mit Magneten gehaltenen Abdeckungen für die Schrauben sind doch recht fummelig und waren bereits nach dem ersten Versuch der Rückmontage verkratzt. Die Landeklappen wurden im Innenbereich mit RAF Interior Green lackiert und montiert. Weiterhin wurde noch die kleine Antenne aus gezogenem Gießast auf den Rumpf geklebt.

Der kleine Rückspiegel auf dem vorderen Cockpitteil war übrigens bei dieser Version nicht montiert. Die komplett fertig gestellte Motoreinheit konnte nun auch an den Rumpf gesteckt werden. Dann wurden die Abdeckbleche mit den kleinen Magneten aufgesetzt und siehe da, sie passten doch nicht so hundertprozentig, wie ich mir das eigentlich vorgestellt hatte.

Das bezieht sich allerdings nur auf die Seitenbleche, der Rest passt und hält ganz vernünftig. Der Slippertank unter dem Rumpf wurde ebenfalls einmal zur Probe angesteckt. Baut man die untere Kühlerverkleidung an, muss man vorher den an den Motor gesteckten unteren Kühler abziehen. Wie auch schon beim Fahrwerk angesprochen, habe ich auch hier weitere An- und Abbauversuche unterlassen.

„Prädikatsexamen”

Ein wahrlich toller Bausatz mit allem Drum und Dran, der einen Sonderplatz in der Vitrine bekommt. Die Ausstattung, Qualität und Passgenauigkeit dieses Kits lassen wirklich keine Wünsche beim Modellbauer offen.

Nicht ganz gefallen haben mir die zweiteiligen Fahrwerksbeine und die teilweise zu dicken Decals, die Probleme bereiteten. Fest steht aber, dass Tamiya hier die Qualität eines Modellbausatzes wieder einmal neu definiert und für jede Menge Bastelspaß gesorgt hat.

TEXT und FOTOS: Andreas Dyck
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