Beliebter Flieger

Spitfire-Serie: Die Spitfire Mk. Vb

Modelle der Spitfire werden von den Herstellern in sämtlichen Maßstäben aufgelegt, sie sind bei Modellbauern sehr beliebt. MODELLFAN würdigt diese Tatsache mit einer neuen Spitfire-Reihe. Den Anfang macht Hobby Boss’ Mk.Vb. 

Am Rumpf sind die mit Lidschatten und einem feinen Pinsel bearbeiteten Blechstöße und Nietreihen zu erkennen. © Andreas Dyck
Am Rumpf sind die mit Lidschatten und einem feinen Pinsel bearbeiteten Blechstöße und Nietreihen zu erkennen.

Nach dem Studium des Bauplans startete der Bau mit dem Cockpit. Nach anfänglicher Skepsis, was die Passgenauigkeit der vielen und vor allem filigranen Teile angeht, wurde ich direkt angenehm überrascht. Da passt alles! Die ganzen kleinen Hebel, Gestänge, Pedale usw. sind vernünftig und stabil konstruiert und super verzapft.

Nachdem alles mit Testors’ RAF Interior Green lackiert war, wurden auch die Kleinteile an der linken und rechten Bordwand montiert.

Die Steuersäule wurde etwas verfeinert, indem die aufgeprägten Leitungen oder Kabel runtergeschliffen und durch dünnen schwarzen 0,3-Millimeter-Draht ersetzt wurden. Für den Pilotensitz ist die Farbangabe in der Anleitung nicht korrekt. Da das Original aus Bakelit gefertigt war, lackierte ich ihn in einem dunklen rotbraunen Farbton, den ich danach noch mit etwas Schwarz trockentupfte.

Für das Instrumentenbrett liegt ein gut gemachtes Decal bei, das ohne weiteres verwendet werden kann. Die Vertiefungen für die Instrumente sind allerdings etwas stark ausgeprägt und wurden mit Zweikomponentenharz aufgefüllt. So besteht keine Gefahr, dass sich das Decal beim Einsatz von Weichmacher zu stark verzerrt und somit ruiniert wäre.

Danach jeweils einen Tropfen Klarlack auf die einzelnen Instrumente und die Sache war „geritzt“. Die beiden Rumpfhälften wurden noch mit farbigen Leitungen aus Kupferlitze und einigen Hinweisschildern verfeinert und die sehr schön gemachten Gurte auf dem Sitz montiert. Nach intensiver Recherche fand ich heraus, dass die Gurte nicht einfach hinter dem Sitz verschwinden, sondern nach hinten in den Rumpf geführt und dort an einer dreieckigen Traverse aufgehängt sind.

Dieses interessante Detail baute ich aus etwas Plastiksheet, Draht und passenden Ätzteilen aus der Restekiste selbst nach. Das Cockpit ist wirklich hervorragend recherchiert und wirkt im Vergleich mit Originalfotos sehr stimmig!

Motorentuning

Sehr gelungen ist auch die Darstellung des Triebwerks. Es besteht die sehr reizvolle Option, den Motor durch abnehmbare Verkleidungsbleche sichtbar darzustellen. Er wurde daher noch etwas verfeinert, wobei ich mich praktisch von innen nach außen arbeitete. Bemalte Kupferlitze, gezogene farbige Gussäste dienten der Nachbildung elektrischer Kabel sowie dickere Drähte für Kühl-, Benzin- und Ölleitungen. Die kleinen Schellen auf den Leitungen wurden aus Decalmaterial hergestellt.

Die Rolls-Royce-Schriftzüge auf den Ventildeckeln fertigte ich am Computer und druckte sie auf Fotopapier aus. Die nach dem Ausschneiden entstanden weißen Kanten wurden mit einem schwarzen Filzstift retuschiert. Anschließend wurde das kleine Logo mit einem Tropfen Sekundenklebstoff aufgebracht.

Die Auspuffteile lackierte ich mit Alclad II Magnesium und brachte danach erst einen leichten Rostfarbton mittels Airbrush auf und abschließend noch einen Beigefarbton an den Enden der Rohre an. Die filigranen Halterungen für die Motorverkleidung sind bereits am Rumpf angegossen. In meinen Augen ist das nicht so günstig, denn beim Hantieren brachen jeweils zwei der dünnen Streben.

Außerdem muss man den Motor vor dem Zusammenfügen der Rumpfhälften mit dem Rumpfspant einkleben und danach die Auspuffkrümmer von außen einfügen. So hat man zwar die komplette Rumpfeinheit fertig, muss aber beim weiteren Zusammenbau des Modells höllisch aufpassen, dass man nirgends aneckt und den vorderen Teil beschädigt.

Wenn man etwas Vorsicht walten lässt, funktioniert es aber ganz gut. Der Versuch die Verkleidungsbleche am fertigen Modell wahlweise auch an- und abzubauen, scheiterte leider, da zumindest die Seitenbleche nicht hundertprozentig passten.

Höhenleitwerk

Die Tragflächen beinhalten die komplette Waffenanlage, wobei die Waffenschächte geöffnet dargestellt werden können. Die Abdeckungen liegen separat als Klarsichtteile bei. Möchte man die Waffenschächte geschlossen darstellen, passen die Abdeckungen zwar ganz gut, liegen aber teilweise nicht hundertprozentig bündig auf und müssen mit der Tragfläche plangeschliffen werden.

Das Höhenleitwerk ist auf der Unterseite korrekt mit Gravuren und Nieten dargestellt, die Oberseite erscheint dagegen leicht gewellt ohne Gravuren und Nieten. Da das Leitwerk auch oben mit Aluminiumblech beplankt war, ist das falsch. Mit 600er-Nassschleifpapier wurde die Oberseite daher plan geschliffen und danach graviert und genietet. Alles in allem zwar keine große Aktion, aber im Grunde auch unnötig.

Sind die Tragflächenteile miteinander verklebt, kann man diese Einheit mit dem Rumpf verbinden. Hierbei ist alles sehr passgenau und verläuft ohne Nacharbeiten, was auch auf den immer etwas heiklen Tragflächen-Rumpfübergang zutrifft. Ebenso gut passen die Höhenleitwerke. Hier sei erwähnt, dass Seiten- und die Höhenleitwerke eine Hohlkehle besitzen, so dass die Ruder in jeder denkbaren Position befestigt werden können.

Lackiervorbereitungen

Die Kanzelteile wurden mit Tamiya Maskierband abgedeckt und mit dem Rumpf verklebt. Auch hier passt alles. Das Cockpit selbst wurde mit leicht angefeuchteten Küchentüchern abgedeckt, um beim Lackieren keinen Farbnebel eindringen zu lassen. Die Schiebehaube wurde ebenfalls abgedeckt und bis zum Lackieren beiseite gelegt. Die Reifen des Hauptfahrwerks bestehen aus Gummi und wurden mit einem Skalpell etwas abgeflacht.

Zudem entfernte ich vorsichtig die kleine Naht auf der Lauffläche mit 400er-Schleifpapier. Die zweiteiligen Felgen lackierte ich mit Alclad Aluminium. Bremsleitungen ergänzte ich dabei aus gebogenem Kupferdraht. Das Heckfahrwerk besteht aus einer Strebe, die vor dem Zusammenbau des Rumpfes eingeklebt wird.

So kann das Rad dann mit einer kleinen Steckachse montiert werden. Eine tolle Lösung, denn so kann man das kleine Rädchen vorher sauber lackieren und ganz am Schluss einbauen.

Standardlackierung mit Pfiff

Von den zur Auswahl stehenden Versionen entschied ich mich für die EN 951/RF-D der 303 Squadron vom September 1942, die von Jan Zumbach, einem polnischen Jagdflieger in der Royal Air Force geflogen wurde. Das grau-grüne Tarnschema ist im Grunde nichts Aufregendes und eher unproblematisch. Lackiert wurde mit glänzenden Xtra-Color-Farben.

Zuerst die Unterseite mit Medium Sea Grey und nach dem Trocknen zunächst die Oberseite komplett mit Ocean Grey. Das anschließende Tarnmuster aus Dark Green trug ich freihändig auf. Mit etwa 1 bar Druck und entsprechend verdünnter Farbe gelingt das ganz gut.

Alle Farben wurden übrigens ein wenig mit weißer Farbe aufgehellt, da sie mir selbst für diesen Maßstab recht dunkel erschienen. Nachdem alles 24 Stunden lang getrocknet war, stand das Modell nun in seinem Tarnkleid da. So wirkte es noch ein wenig glatt und irgendwie leblos. Am Modell sollte man, ohne dabei zu übertreiben, erkennen, dass es sich beim Original um eine Einsatzmaschine gehandelt hat.

Somit wurde die jeweiligen Farben nochmals aufgehellt und wolkig auf die entsprechenden Farbfelder genebelt. Nach ausreichender Trockenzeit ging es an das Auslegen der Gravuren mit schwarzer unverdünnter Ölfarbe. Eine nicht unbedingt saubere Arbeit, aber dafür sitzt die Ölfarbe später fest in den Gravuren.

„Angeschmiert“

Das Aufbringen der Decals ist mit Hilfe von etwas Weichmacher ein Kinderspiel. Einem Modellbau Akademie-Tipp folgend kam danach zum ersten Mal Frauenschminke zum Einsatz. Schwarzer Lidschatten in einer leicht cremigen Substanz wurde mit einem schmalen Pinsel dünn auf die Blechstöße an Rumpf und Tragflächen aufgebracht. Ein toller Effekt! Ich bin der Meinung, dass das wohl die feinsten Pigmente sein dürften, die es so gibt und zudem sehr günstig in der Anschaffung sind.

Außerdem gibt es auch hier verschiedene Farbtöne. Zum Abschluss wurden noch einige Lackkratzer auf der Begehfläche der Tragfläche mit Metalizer von Testors und einen alten kleinen Pinsel aufgebracht sowie die Gummireifen mit „normalen“ sandfarbigen Pigmenten verstaubt.

Es kommt zusammen was ...

Das Fahrwerk wurde montiert und ist sehr stabil. Es folgten die Kleinteile wie, Rückspiegel, der Antennenmast und das Pitotrohr unter der linken Tragfläche. Bei dem Pitotrohr muss allerdings das lange Teil des Rohres nach vorn zeigen. Das ist in der Bauanleitung falsch dargestellt. Nachdem das Modell komplett mit seidenmattem Klarlack von Testors lackiert war, wurden noch neue Positionslichter aus Klarsichtmaterial an den Tragflächenenden montiert.

Der Bausatz sieht leider nur das farbige Lackieren der Lichter vor. So wurden diese im Vorfeld schon mit einer Feile entfernt und durch zufällig passende aus der Grabbelkiste ersetzt. Im Eigenbau entstand noch der Verriegelungsmechanismus der Schiebehaube. Das Ansetzen der kleinen Einstiegsluke setzte dann den den Schlusspunkt.

Das kleine Brecheisen ist allerdings etwas seltsam aufgeprägt  und da die kleine Tür im geöffneten Zustand auch eine Art „Aushängeschild“ ist, wurde sie überarbeitet: Zuerst das Innenleben ausfräsen und anschließend so ausfeilen, dass nur noch der Rahmen steht.

Danach hauchdünnes Plastiksheet hinter den Rahmen setzen, gefolgt von zwei in den Rahmen geklebten dünnen Blechverstärkungen aus dickerem Sheet. Das Brecheisen wurde aus gezogenem Gussast geformt und aufgeklebt. Den Verriegelungsmechanismus schliff ich herunter und ersetzte ihn durch einen dünnen Draht und zwei selbstgewickelte Minifedern. So sieht das Ganze schon etwas realistischer aus.

Überwiegend heiter ...

HobbyBoss ist mit diesem Bausatz ein großer Wurf gelungen. Seine Ausstattung ist gehobener Standard und die Passgenauigkeit der Bauteile erstklassig. Kleine Unzulänglichkeiten wie das falsch dargestellte Höhenleitwerk, sollten nicht überbewertet werden. Vor allem das Preisleistungsverhältnis stimmt. So dürfte die „Spit“ auch dem weniger erfahrenen Modellbauer viel Spaß machen.

TEXT und FOTOS: Andreas Dyck
Mehr zum Thema
Das könnte Sie auch interessieren