Anspruchsvoll, aber machbar

Torpedobomber: Die Swordfish Mk. I von Trumpeter/Faller in 1:32

Geht das gut? Ich habe noch nie einen Doppel­decker gebaut. Das sollte sich ändern. An der Swordfish Mk.I von Trumpeter/Faller habe ich festgestellt: anspruchsvoll, aber machbar!

Das Ergebnis entschädigt für jede Herausforderung, der man sich beim Bau der Fairey Swordfish stellen muss .Fotos, sofern nicht anders angegeben: Raimund Schäler © Reimund Schäler
Das Ergebnis entschädigt für jede Herausforderung, der man sich beim Bau der Fairey Swordfish stellen muss.

Seit Spätsommer 2009 wird die Fairey Swordfish Mk. I von Trumpeter ausgeliefert. Die Rumpfteile liegen alternativ wieder als Klarsichtteile bei, wodurch man alle Innendetails wie bei einem Museumsmodell sichtbar machen kann. Mit übersichtlichen 190 Teilen ist trotzdem alles dabei, was auch beim Original zu finden war. Alles? Nun, leider nicht ganz: Als Außenlast bietet Trumpeter lediglich einen gelungenen Torpedo.

Perfekt wäre eine Alternativ- und Zusatzbewaffnung in Form von Rauch- und Wasserbomben sowie Minen. Als Plus liegen Ätzteile für die Verspannung der Tragflächen bei. Letztere lassen sich alternativ auch beigeklappt darstellen, Höhen- und Seitenruder sind (mit einfacher Nacharbeit) beweglich darstellbar, lediglich die Ruder an den Tragflächen sind angegossen.

Die Anleitung lässt keine Fragen aufkommen. Leider schafft es Trumpeter aber immer noch nicht, in der Bauanleitung Farbangaben für die Details hinzuzufügen, hier ist man auf entsprechende Unterlagen angewiesen. Decals liegen für zwei Maschinen (Angriff auf die „Bismarck” bzw. „Unternehmen Cerberus“) bei, wobei die roten Felder der Hoheitsabzeichen deutlich zu hell ausfallen beziehungsweise einen orangefarbenen Stich zeigen.

Neue Details im Rumpf

Der Zusammenbau beginnt mit dem Cockpit, wobei ich aussagekräftige Fotos aus dem Internet zu Rate zog. Los ging’s mit den Seitenruderpedalen (E19), denen ich Schlaufen aus Bleifolie spendierte. Der Steuerknüppel ist gut wiedergegeben und wurde mit zwei Drähten an der Rückseite verfeinert.

Der Pilotensitz (E8) wird im Bereich der „Sitzmulde“ an den Wänden deutlich dünner geschliffen. Seitlich waren zwei Verstärkungen angenietet, die mit zurechtgeschnittener Bleifolie dargestellt wurden. Die Rückenlehne erhielt aus Evergreen-Profilen einen „Rand“.

Trumpeter legt einen Sitzgurt bei, der nur ein Fragment des Schultergurtes ist. Einen Beckengurt und Gurte für die übrige Besatzung sucht man vergebens. Recherchen und ein Hinweis von einem Modellbaukollegen ergaben, dass natürlich alle Besatzungsmitglieder Gurte hatten, die genaue Art und Weise der Darstellung blieb aber im Dunkeln.

Ich verwendete die hervorragenden MDC-Ätzteile für FAA-Gurte und stattete damit alle Sitze aus. Die Beckengurte des Beobachters und des Heckschützen verzurrte ich am Cockpitboden (E1), in dem entsprechende Ösen eingeprägt sind. Dazu verwendete ich zurechtgeschnittene Bleifolie.

Das Cockpit ist seitlich in eine Gitterkonstruktion eingefasst, die noch ein paar Leitungen aus Kupferdraht erhielt, ebenso wie das „Cockpitoberdeck“ (E18). Beim Heck-MG wurde nachbessert, indem ich die Mündung entfernte und durch eine schräge (Einwegkanülen-) Nadelspitze ersetzte. Dem Bausatz liegen noch Kimme und Korn als Ätzteile bei, die das MG enorm aufwerten.

Sämtliche Trommelmagazine wurden verfeinert, indem der Gurt mittels Bleifolie dargestellt wurde. Die Cockpitinnenseiten erhielten noch ein paar Leitungen spendiert, insbesondere beim Piloten.

Beim Bug-MG war ich zunächst unschlüssig, ob die Darstellung maßstabsgerecht ist, zu „klobig“ präsentiert sich der Lauf. Aber Originalaufnahmen bestätigen die Darstellung! Also nur noch die Mündung aufgebohrt und zum Lackieren beiseite gelegt.

Das Armaturenbrett liegt als Klarsichtteil bei und soll nach schwarzem Farbauftrag mit vier Decals komplett beklebt werden, auf denen die Instrumente prima wiedergegeben werden. Aber warum dann ein Klarsichtteil? Also die Decals von hinten anbringen und die Vorderseite bis auf die Instrumentengläser lackieren?

Ich entschied mich für den von der Bauanleitung empfohlenen Weg. Mit Weichmacher fügen sich die Decals schön ein und nach ausreichender Trocknung erhielten die Instrumente noch „Gläser“ aus einem Tropfen Klarlack.

Die offenen Cockpitplätze hatten Lederpolster, die Trumpeter nur zaghaft und wenig überzeugend an den Außenseiten dargestellt hatte. Ich habe mit Bleifolie diese Polster nachgebildet und anschließend innen und außen Nieten aus dünnem Plastik-Sheet („punch&die“) angebracht. Nachträglich betrachtet ist mir diese Darstellung aber wohl etwas zu deutlich „gelungen“.

Eine Lackierung wie im Original

Dem Pilot spendierte ich noch ein Kopfpolster aus Sheet. Bei der Lackierung orientierte ich mich an einem restaurierten Original aus dem Internet und den Anleitungen von Trumpeter und Tamiya. Zunächst erhielten beide Rumpfhälften im hinteren Bereich einen sehr hellgrauen Lackauftrag, dem ein Hauch violett beigemischt wurde. Die Innenseiten der Bespannung waren je nach Foto rosa, sandgelb oder eben hellviolett.

Nach Trocknung wurden die Bereiche abgeklebt und dann die komplette Cockpitsektion in „cockpit green“ (HU 78) lackiert. Das Funkgerät sowie Schalter und Details wurden schwarz bemalt. Anschließend nahm ich ein dunkelbraunes washing vor, Trockenmalen mit aufgehellten Grundfarben sowie die Detailbemalung.

Der Motor wurde nach Anleitung zusammengesetzt und erhielt nur noch ein Kabel pro Zylinder. In sämtlichen Bemalungsanleitungen soll die Front der Kühlerhaube kupferfarben lackiert werden, was in dieser Form falsch ist. Bei der Swordfish wurden dort die Abgase des Motors „gesammelt“ und über das rechts angebrachte Auspuffrohr abgeleitet. Folglich ist der Ring wie das Auspuffrohr metallfarben zu lackieren. Die bräunliche Färbung ergibt sich aus der Hitzeeinwirkung. Mit Metallizer-Farben von Testors imitierte ich diesen Effekt.

Beim Zusammenbau der Rumpfhälften verzichtete ich auf den Einbau der Gitterkonstruktionen (Teile E10 und E12), von denen man später ohnehin nichts sieht. Der weitere Bau wird durch die sehr starren Ätzteile erschwert. Die v-förmigen Streben zwischen Höhen- und Seitenruder sind zu lang und bogen sich folglich durch.

Zudem sind die Befestigungen an den Höhenrudern zweiteilig und somit falsch dargestellt. Mit Evergreen-Streifen erstellte ich die Verstrebungen anhand von Vorbildfotos neu.

Die Höhen- und das Seitenruder wurden mittels Steuerseilen bedient, die zum Teil außen am Rumpf verlaufen. Interessanterweise ist das auf dem Deckelbild so auch eingezeichnet und kann als Anhalt dienen, denn die Bauanleitung schweigt sich hierzu leider komplett aus. An den Rudern fertigte ich aus Evergreen-Profilen u-förmige Klammern, an denen beim Original die Steuerseile angebracht waren.

Bei den Höhenrudern wird der obere Seilzug über eine Umlenkrolle geführt, die am Bausatz auch berücksichtigt ist. Ich habe diese lediglich mit einer dünnen Säge etwas eingeschnitten, um das „Steuerseil“ dann dort entlang zu führen. Die Aufnahmen der Seile befinden sich an beiden Rumpfseiten am Ende der MG-Halterung und müssen nur noch aufgebohrt werden.

Der Verriegelungsmechanismus an den vorderen Tragflächen wird leider nicht 100%ig dargestellt, er war rot lackiert und fällt so unweigerlich ins Auge. Am Bausatz befindet sich eine ovalen „Platte“, die aber entfernt und stattdessen mit Rundmaterial und Draht jeweils ein Handgriff gefertigt und angebracht wurde.

Abweichend von der Bauanleitung baute ich die obere Tragfläche komplett (inklusive der äußeren Streben samt Ätzteilen) sowie die beiden unteren (klappbaren) Tragflächen und legte sie zum einfacheren Lackieren beiseite. An der Vorderseite der Stützstrebe B3 brachte ich noch zwei Leitungen zum Staudruckmesser an, weitere Leitungen führten vom Cockpit an die obere Tragfläche.

Hauptsache platt

An den Hauptfahrwerksbeinen wurden die Fußtritte abgeschliffen und durch realistischere aus Rundmaterial und Kupferdraht ersetzt. Räder verwendete ich in Form von Resin-Teilen von MasterCasters, die abgeflacht sind, was für mich letztlich ausschlaggebend gegenüber den prima wiedergegebenen Bausatz(Gummi)reifen war.

Der u-förmiger Haken am Heck, den Trumpeter nur ansatzweise wiedergibt, wurde abschließend durch Draht ersetzt.

Vor der eigentlichen Lackierung wird zuerst in Hellgrau grundiert, um die unterschiedlichen Materialen anzugleichen und eventuell übersehene Fehler erkennbar zu machen. Zwei Überlegungen dazu vorab: Die „Schwertfische“ waren stark salzhaltiger Luft ausgesetzt, was die Lackierung enorm beanspruchte (Ausbleichen, Verfärbungen und abgeplatzter Lack), das sollte bei der Alterung Berücksichtigung finden.

Zudem sollte bedacht werden, dass die Swordfish in Mischbauweise (Metallbeplankung und Leinenüberzug) hergestellt war. An den Tragflächen sowie im hinteren Bereich des Rumpfes finden sich kaum Metallteile, also darf dort kaum Aluminiumfarbe zu sehen sein.

Ich wandte eine Methode an, die ich in MODELLFAN gesehen hatte. Die Grundfarbe wurde etwas aufgehellt und lackiert, danach einzelne Partien vorsichtig mit Maskol bedeckt und anschließend mit der unverfälschten Farbe überlackiert. So erfolgte erst ein Lackauftrag in Aluminium (ModelMaster), der nach der Politur versiegelt wurde.

Einzelne Flecken benetzte ich mit Maskol. Dann wurden einzelne Bereiche mit Sky, Extra Dark Sea Grey und Dark Slate Grey lackiert und nach ausreichendem Durchtrocknen mit Maskol betupft. Erst danach folgt der eigentliche Lackauftrag.

Bei den metallbeplankten Stellen wurde abermals mit aufgehellter Farbe die Paneele mittig nachlackiert. Die mit Leinwand überzogenen Flächen wurden mit aufgehellter Farbe „trocken gemalt“. So brachte ich zunächst Sky auf und klebte im Bereich des Motors die Farbgrenze mit Tamiya-Tape ab. Die Darstellung der Farbgrenze am Rumpf stellte ich mit einer „fliegenden Maske“ dar.

Mein Modellvorbild hatte seine wohl ursprünglich bis über die Seitenwände reichende, grün/graue Lackierung offensichtlich aufgehellt, indem Sky deutlich höher nachlackiert wurde. Die Oberseitentarnung stellte ich freihändig dar, wobei ich darauf achtete, die Spritzpistole nah am Modell zu halten, um einen relativ scharfen Farbverlauf zu erhalten. Die Maskol-Tupfer wurden im Anschluss mit dem Finger abgerubbelt und es zeigte sich ein verblüffendes Ergebnis.

Die hervorragenden Decals stammen von Xtra-Decal und stellen eine am Angriff auf die „Bismarck“ beteiligte Maschine dar. Nach Aufbringen folgte ein „postshading“ der Paneele mit stark verdünnter, dunkelbrauner Farbe, wobei ich in der Nähe des Motors etwas großzügiger bzw. intensiver arbeitete. Interessanterweise finden sich auf zeitgenössischen Fotos kaum Abgasfahnen, also wurde das auch am Modell entsprechend sparsam nachempfunden.

Trotzdem stellte ich vor Anbringen des Motors diverse Ölschlieren etc. mit feinsten Punkten von schwarzer und dunkelbrauner Ölfarbe dar, die mit dem Finger nach hinten verwischt wurden. Nach dem Versiegeln mit seidenmattem Lack wurden weitere Lackschäden mit einem „Silver-Chromos“-Farbstift von Faber angebracht.

Ein Torpedo als Eyecatcher

Der Torpedo soll laut Anleitung komplett schwarz lackiert werden, was mir zu eintönig erschien. Also bemalte ich die Spitze in glänzendem Schwarz und das Heckteil in Mattschwarz. Das Mittelstück wurde in gun metal von Humbrol lackiert und nach dem Polieren mit Klarlack versiegelt. Ein paar Decals von Xtra-Decal brachten etwas Farbe ins Spiel, der selbst gefertigte Zünder wurde in Messing bemalt und schon war aus dem eintönigen schwarzen „Aal“ ein Eyecatcher entstanden.

Beim Zusammenbau der Tragflächen sowie der Anbringung der Kleinteile ist Vorsicht angesagt: Die Ätzteile, die an die äußeren Streben angebracht werden sollten, passten nicht in die Aufnahme der  unteren Tragflächen. Die mussten umständlich geschliffen, verspachtelt und nachlackiert werden.

Das Material der beiliegenden Ätzteile ist maßstabsgerecht dünn. Schon beim Trennen der einzelnen Teile aus dem Bogen gestaltete sich allerdings das Säubern der Angüsse als Fieselarbeit. Richtig problematisch wurde die Montage, weil alle Ätzteile durch die Bank zu lang waren und sich ähnlich wie am Heck durchbogen.

Also kürzte ich in mühevoller Arbeit jede einzelne Verzurrung, nachdem ich zuvor erst Stück für Stück die genaue Länge ermitteln musste. Da ich die Ätzteile bereits am Bogen lackiert hatte, musste ich danach „nur“ noch mit dem Pinsel so manchen Lackschaden beseitigen. Sämtliche Positionsleuchten ersetzte ich durch selbstgefertigte aus klarem Gießast, die mit Trans­- parentfarbe eingefärbt wurden. Abschließend wurden die Steuerseile und die Antenne aus gezogenen Gießästen angebracht.

Mein Fazit

Die Swordfish war mein erster Doppeldecker, entsprechend respektvoll ging ich den Bau an. Besonderes Augenmerk sollte man auf das Cockpit legen, die offene Bauweise lädt zum Blick ins Innere ein. Der Zusammenbau der Tragflächen samt Verspannung war die eigentliche Herausforderung, weil es etwas unübersichtlich wurde, aber mit Geduld bedeutete auch das kein wirkliches Hindernis.

Einen Hinweis, wie diese Hürde besser zu meistern wäre, habe ich leider nicht. Die Passgenauigkeit insgesamt ist auf hohem Niveau, was sich besonders beim Zusammenfügen der beiden je dreiteilig dargestellten Tragflächen positiv zeigte. Weitere Stolperfallen gab es nicht.

TEXT und FOTOS: Reimund Schäler
Mehr zum Thema
Das könnte Sie auch interessieren