Schwachstellen ausmärzen

Versuchsobjekt: Bf 110 C4-B

Als Airfix ankündigte, eine Bf 110 C4-B aus neuer Form bringen zu wollen, sorgte das für Aufsehen. Bietet der Bausatz das, was man sich von ihm erhofft? MODELLFAN klärt auf und zeigt, wo die Stärken und Schwächen des Kits liegen.

Das Bombenschloss von Quickboost ist eine gute Alternative zum Bausatzteil. Eine einfache Möglichkeit, das Modell ein wenig aufzuwerten. © Heinz Spatz
Das Bombenschloss von Quickboost ist eine gute Alternative zum Bausatzteil. Eine einfache Möglichkeit, das Modell ein wenig aufzuwerten.

Nachdem der Bausatz auf dem Markt war, stellte sich schnell heraus, dass er leider einige Schwächen besitzt. Insgesamt scheint Airfix ein möglichst einfaches und leicht zu bauendes Modell im Sinn gehabt zu haben. Das würde erklären, dass es kaum Details gibt. So ist das Cockpit sehr einfach gehalten und auch Kleinigkeiten wie die Ausgleichsgewichte an den Querrudern fehlen.

Die Gravuren sind reichlich grob, was für eine Pinselbemalung mit „dicker“ Farbe noch akzeptabel ist, für die Bemalung mit der Spritzpistole aber nicht. Letztlich gab es für mich nur zwei Möglichkeiten: entweder, ich versuche möglichst alle Fehler zu beseitigen und das Modell dementsprechend aufzuwerten oder ich nutze die Gelegenheit und verwende das Modell als Plattform für diverse Bemalungstechniken. Ich entschied mich für letzteres, da mich insbesondere die ausgefallene, verwaschene Wintertarnung nach Originalfotos reizte.

Das Gröbste zuerst

Als Erstes kümmerte ich mich um die Gravuren und die völlig falsche Motorverkleidung auf der Oberseite der Tragflächen. Um die Gravuren abzumildern, verwendete ich Spachtelmasse, die großzügig in sämtliche Rillen eingebracht wurde. Nach einer Trocknungszeit von zwei Tagen wurde der überschüssige Spachtel mit Mr. Color Thinner und einem Tuch wieder abgewischt.

Dabei wurde auch wieder ein wenig aus den Gravuren abgetragen, wodurch diese nach dem Lackieren leicht erkennbar sind. Wollte man es richtig machen, müsste man alles sauber und ebenmäßig verspachteln und dann neu gravieren. Da ich aber mein Augenmerk auf die Lackierung richten wollte, war diese Vorgehensweise für mich ausreichend. Ein deutlich sichtbares Problem sind die Motorverkleidungen, deren Auslauf völlig falsch über die Landeklappen läuft. Um dies abzuändern, wurde der Bereich entsprechend abgeschliffen.

Das Cockpit wurde im Anschluss mit wenigen Ätzteilen aus einem Zoom-Set von eduard für die Bf 110 von Italeri aufgewertet. Mittlerweile gibt es aber auch umfangreiche Sätze passend für Airfix. Die Fahrwerksschächte sind recht ordentlich wiedergegeben und passen ganz gut.

Auch sonst fügt sich alles gut zusammen, nur die Tragflächen wollten auf der Rumpfunterseite nicht so ganz passen, da musste ein wenig gespachtelt werden. Das MG 15 ersetzte ich durch eines von CMK, da mir das Bausatzteil nicht gefiel. Auch das Bombenschloss wurde durch eines von Quickboost ersetzt, da ich keine Bomben unterhängen wollte und somit das Schloss sehr gut sichtbar bleibt.

Der restliche Bau ging relativ problemlos vonstatten. Was sollte ich aber mit den fehlenden Ausgleichsgewichten und weiteren Details machen? Gut, ich hatte mich zwar dazu entschlossen, bei diesem Projekt die Bemalung in den Vordergrund zu stellen, doch deshalb solch markante Details unberücksichtigt lassen? Natürlich nicht!

In meinem Fundus fand sich noch ein alter Matchbox-Bausatz der Bf 110, aus dem ich die Ausgleichsgewichte verwendete. Für das Pitotrohr und die Messsonde unter der Tragfläche kamen Rundstabprofile aus Kunststoff zur Anwendung.

Alternative Wege der Bemalung

Wie erwähnt, wollte ich diesmal ein wenig mit der Wintertarnung experimentieren. Somit stand fest, dass es die vorgeschlagene Bf 110C-4/B aus dem Kit werden sollte. Als Vorbereitung wurde das Modell auf die übliche Weise mit der Grundtarnung versehen. Dabei stieß ich auf ein paar Ungereimtheiten in der Bemalungsanleitung von Airfix.

Vor allem, dass die beiden Rumpfseiten ein identisches Schema erhalten sollten, konnte nicht sein. Auch die restliche Aufteilung von RLM 70 und RLM 71 erschien nicht richtig – also erst einmal Unterlagen wälzen. Dabei stellte sich heraus, dass es durchaus unterschiedliche Varianten gab, wobei die von Airfix angegebene eher einer späteren Version ähnelt.

Und dass der Rumpf auf beiden Seiten gleich sein sollte, ist definitiv falsch. Letztlich habe ich ein wenig spekuliert, da die Fotos, welche mir zur Verfügung standen, die Oberseite nicht zeigen.

Nachdem die Grundlackierung stand, stellte sich die Frage, wie es weitergeht. Sicherlich könnte man mit der Haarspraymethode ein ordentliches Ergebnis erzielen. Allerdings kann man auf den Vorbildfotos recht gut erkennen, dass die weiße Farbe streifig erscheint, mit feinen Linien und unregelmäßig. Das lässt sich mit der Haarspraymethode so nicht realisieren, da müsste noch einiges nachgearbeitet werden.

Aber wie dann? Vielleicht so, wie es auch die Mechaniker damals an den Originalen umsetzten? Einfach weiße Farbe aus dem Eimer nehmen und mit einem großen Pinsel oder notfalls mit einem Besen auftragen? Warum nicht. Also machte ich ein paar Versuche mit Pastellkreide, Modellbaufarbe, Ölfarbe und Acrylfarbe. Letztere sah am besten aus, also wurde damit experimentiert.

Wie kann man den Effekt des Verwaschenen darstellen? Ich verwendete einen älteren kleinen Flachpinsel mit schon recht kurzen Borsten. Damit tupfte ich die direkt aus der Tube entnommene Farbe auf das Modell. Stellenweise noch etwas verreiben, fertig. Für die größeren Flächen kam ein guter Flachpinsel zum Einsatz.

Mit dem Ergebnis bin ich recht zufrieden, auch wenn es noch nicht perfekt ist. Die Optik kommt aber dem Original sehr nahe, und das war mein Ziel.

Das Filigrane zum Schluss

Nach ein paar Tagen Trocknungszeit wurden das Fahrwerk angebaut und die Propeller zusammengesetzt. Anschließend erhielten alle Teile eine Schicht Mattlack von Model Master. Jetzt war es soweit, mit der Alterung zu beginnen. Als Erstes kamen die Rußfahnen dran. Dafür wurden schwarze, dunkelgraue und dunkelbraune Pastellkreiden verwendet.

Daneben wurde das gesamte Modell mit hellgrauer und sandfarbener Pastellkreide bearbeitet. Je nachdem, welche Kreiden man benutzt (es gibt weiche, harte und ölige), kann man unterschiedliche Effekte erzielen. Für die Rußfahnen nehme ich sehr weiche Kreiden.

An verschiedenen Stellen wurden noch Lackabplatzer mit Silber von Revell dargestellt, besonders die Propellerblätter behandelte ich so. Und zum Abschluss tupfte ich mit kleinen Schwammstückchen dunkelgraue beziehungsweise auf der Unterseite hellgraue Pünktchen auf (neudeutsch „Chipping“). Dabei wurden besonders die Flügelvorderkanten und die gesamte Unterseite behandelt.

Airfix hat mit diesem Modell leider eine Chance verpasst. Das ist umso bedauerlicher, da der Hersteller in letzter Zeit auch hervorragende Modelle herausbrachte, die gänzlich auf der Höhe der Zeit liegen. Bei diesem Modell der Bf 110 handelt es sich wohl ganz bewusst um einen einfachen, für den Anfänger konzipierten und somit noch sinnvollen Bausatz.

Wer das entsprechende Durchhaltevermögen besitzt, kann aus dem Modell sicher auch eine korrekte Bf 110 erschaffen, wer etwas Unkompliziertes für schnell mal zwischendurch sucht, ist damit auch gut bedient.

TEXT und FOTOS: Heinz Spatz
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