Modell in Diorama einbetten

Wasserflugzeug: Arado Ar196 A-3

Der Bausatz der Ar 196 von Revell bietet verschiedene Optionen, die den Autor nicht widerstehen ließen, sein Modell in ein Diorama einzubetten. Wie, das zeigt er Ihnen hier. 

Auch wenn es später im Diorama nur schwer zu sehen ist, erhielten die Schwimmer trotzdem eine entsprechend realistische Patina. © Reimund Schäler
Auch wenn es später im Diorama nur schwer zu sehen ist, erhielten die Schwimmer trotzdem eine entsprechend realistische Patina.

Öffnet man die Schachtel, lässt der Inhalt das Modellbauerherz gleich höher schlagen. 192 Teile, die allesamt unübertrefflich graviert sind, zeigen schön wiedergegebene Bespannung an Rudern und im hinteren Rumpfbereich. Allein der Motor ist schon ein kleiner Bausatz, der sich durch verschiedene offen darstellbare Wartungsklappen gut darstellen lässt und somit auch in Dioramenszenen eine gute Figur macht. Zudem lassen sich die Tragflächen sogar im beigeklappten Zustand darstellen.

Sämtliche Ruder und die Landeklappen sind separat ausgeführt. Es liegen für zwei Maschinen Markierungen bei: Eine Ar 196 der Bordfliegergruppe 196 an Bord des Schlachtschiffs Tirpitz, die anlässlich des 100. Katapultstarts eine Sonderbemalung erhalten hatte und eine auf Kreta stationierte Maschine des KG 100 mit dem farbenfrohen Wikingerschiff im Wappen.

Der Führerraum

Wir starten beim Cockpit, das durch die Größe und die Verglasung einen schönen Einblick gewährt. Das Gittergestell  erinnert an die Swordfish oder die Hurricane – eben typisch für den Flugzeugbau in den 1930er-Jahren. Die Instrumentenkonsolen sind sehr schön dargestellt, lassen aber leider jegliche Decals für die Instrumente vermissen. Ich nutzte deshalb Decals von MDC .

Mittlerweile gibt es von Revell vertriebene eduard-Ätzteile, die dieses Manko beseitigen (Art.-Nr. 00710). Beim Vergleich mit Originalfotos zeigt sich wenig Verbesserungsbedarf im Cockpit, einzig bei der Steuersäule (Teil 46) habe ich noch ein wenig mit Draht und Sheet nachgebessert . Sowohl beim Piloten- wie beim Funkersitz sind Sitzgurte aufgeprägt, allerdings ziemlich dick. Zumindest beim Pilotensitz ist die Korrektur aber wegen der Form des Sitzes alles andere als einfach, so dass ich mich mit den Bausatzteilen zufrieden gab.

Für  die Lackierung des Cockpits und des Gittergestells verwendete ich RLM 02, wobei ich die Rumpfinnenseiten leicht abgedunkelte, was beim späteren Zusammenbau die Gitterkonstruktion deutlicher erscheinen lässt. Nach Akzentuierung der Details mit dunkelbraunem Washing und Detailbemalung konnte das Cockpit zusammengesetzt werden, was problemlos gelang. Davor bemalte ich das Kopfpolster am Pilotensitz, den Beobachtersitz und die Armpolster (Teile 56) mit einer Mischung aus brauner Künstlerölfarbe und Humbrol 62.

Teil 51 soll das MG 17 darstellen, wobei das Rohr fast dreimal so dick ist, wie es maßstäblich wäre. Ich habe das Rohr daher gegen ein MG 15 von CMK ausgetauscht. Beim Zusammenbau der Rumpfhälften ist präzise Arbeit geboten, will man später nicht durch Schleifen und Spachteln die Struktur der Rumpfbespannung beschädigen. An der Rumpfunterseite befinden sich die Aufnahmen für das Katapult sowie ein Bügel, die das Verschleifen nicht leichter machen.

Ich habe diese Teile nicht abgetrennt, würde dies aber beim nächsten Modell machen, um einfacher arbeiten zu können. Spätestens jetzt muss auch die Entscheidung getroffen werden, ob die Tragflächen beigeklappt werden oder nicht, da zu deren Anbau jeweils unterschiedliche Teile benötigt werden. Die Befestigung der Tragflächen am Rumpf klappt dank der Aufnahmezapfen sehr gut. Kleinere Passungenauigkeiten an der Rumpfunterseite beließ ich, da beim Original wegen des Klappmechanismus der Flügel sicher auch nicht bis auf den letzten Millimeter passte.

Weißblaues Kraftpaket

Der Bau des Motors bedeutet Freude pur. Er macht einen hervorragenden Eindruck – auch ohne Ergänzungen. Auf Fotos erkennt man aber bei den beiden Lufteinläufen (Teile 163), dass ein Gitter vorgebaut war. Ich habe mit einem dünnen Drahtgeflecht aus der Restekiste und Sekundenkleber den Einlauf und zusätzlich auch den Ölkühler ein wenig aufgepeppt, was sich spätestens am fertigen Modell angenehm hervorhebt. Schön, dass Revell selbst an das weißblaue BMW-Emblem am Motor dachte, das als Decal beiliegt. Mit entsprechender Bemalung sieht der Motor nahezu perfekt aus. Nahezu deshalb, weil die beiden Auspufföffnungen jegliche Öffnung vermissen lassen. Um zumindest ein wenig die Illusion von Öffnungen darzustellen, habe ich mit dünnem Kupferdraht ein Oval gebogen und aufgeklebt. Danach habe ich mit einer Minibohrmaschine und einem Fräsaufsatz vorsichtig etwas Tiefe hergestellt und diese durch entsprechende Bemalung noch weiter hervorgehoben.

Fahrgestell der anderen Art

Von der Bauanleitung abweichend brachte ich die Schwimmereinheit samt Verstrebung erst nach der Lackierung am Flugzeugrumpf an, was die Handhabung deutlich erleichterte. Aber gleichzeitig zeigte sich auch, dass die Schwimmereinheit nicht ganz einfach zu handhaben war. Das mag daran liegen, dass ein Gewicht von je circa 30 Gramm, in die Schwimmerspitzen einzubauen ist, um die Hecklastigkeit des Modells auszugleichen. Zu beachten ist auch, dass die Ruder an den Schwimmern nur dann im Wasser waren, wenn das Flugzeug manövriert wurde. Bei abgestellten Maschinen und im Flug waren sie nach oben gezogen. Die Ruder erhielten jeweils noch zwei Zugseile und an den Spitzen der Schwimmer fügte ich noch Ösen aus dünnem Draht hinzu. Ein markantes Detail sind auch die beiden Kraftstoffleitungen, die von den Schwimmern zum Motor führen. Ich habe diese mit Kupferdraht und kleinen Plastikröhrchen (unter anderem gezogene Ohrstäbchen) dargestellt.

Durchblick?!

Die Cockpitverglasung muss erst aus Einzelteilen zusammengefügt werden, was nicht unproblematisch ist, da die durch die Haltezapfen bedingten Klebestellen später sichtbar bleiben. Hier hätte ich mir komplette Haubenteile gewünscht. So entschloss ich mich, die Zapfen abzuschleifen und das nun matte Klarsichtteil wieder zu polieren. Ich habe die Klarsichtteile in der Folge nur trocken zusammenfügt und dann erst mal mit Tamiya-Klebeband beidseitig maskiert. Der Arbeitsaufwand ist zwar höher, der Effekt am fertigen Modell rechtfertigt diesen aber.

Die Farbfrage

Jetzt erhielt die Maschine eine Grundierung, wobei sie nochmals auf etwaige verborgene Spalten et cetera überprüft wurde. Ich wollte die auf Kreta eingesetzte D1+CN bauen. Da landgestützte Ar 196 wohl etwas mehr Verschleiß zeigten, musste das bei der Lackierung berücksichtigt werden. Zunächst lackierte ich das Rumpfband und die Unterseite der Motorverkleidung in Weiß und an der Rumpfoberseite die Abdeckung für die Seenotausrüstung in RLM 02. Mit RLM 23 wurden die Propellerhaube und die Spitzen der Schwimmer lackiert, bevor ich der Maschine ein „Preshading“ mit schwarzer Farbe spendierte. Jetzt wurde auch die Unterseite der Motorverkleidung in RLM 04 lackiert, was durch die weiße Grundierung schön zur Geltung kommt.

Anschließend lackierte ich die Unterseiten der Schwimmer unregelmäßig aber deckend mit RLM 76 (!). Mit der harten Seite eines Schwamms und Maskol wurden nun vorsichtig an besonders abgenutzten Stellen Tupfen aufgebracht, bevor eine weitere Lackschicht aus etwas mit Weiß aufgehelltem RLM 65 auflackiert wurde. Dabei wurde nun auch die Unterseite der Maschine mit einbezogen. Abermals wurden Maskol-Tupfen dort aufgebracht, wo beim Original mehr Verschleiß zu erwarten war. Es folgte eine weitere Lackschicht mit reinem RLM 65. Dann wurden abschließend mit abermals ein oder zwei Tropfen Weiß aufgehellter Farbe die Paneele mittig wolkig lackiert. Jetzt konnten die Maskol-Tupfen entfernt werden und erstes Staunen belohnte den Aufwand. Zu „harte Effekte“ milderte ich ab, indem ich mit RLM 65 hier einfach nochmals übernebelte.

Nach ausreichender Trockenzeit klebte ich mit Tamiya-Tape die Farbgrenze zwischen Ober- und Unterseite ab. Dabei ist zu beachten, dass das Grün an den Flügelvorderkanten bis an die Unterseite reichte. Für die Lackierung der Oberseite verwendete ich RLM 72/73, wobei ich die Darstellung der Alterung etwas variierte. Zunächst lackierte ich mit RLM 72 die Stellen, an denen Abnutzung und Verschleiß zu erwarten waren, diesmal aber mit einem Tropfen Schwarz etwas abgedunkelt. War die Farbe trocken, benetzte ich das Modell mit Wasser, brachte vorsichtig Salz (Tafelsalz und aus der Salzmühle) auf und ließ dieses trocknen.

Es folgte eine Schicht reines RLM 72 und danach wurden Maskol-Tupfen zusätzlich an manchen Stellen angebracht. Unter Zugabe von wenigen Tropfen Hellgrau trug ich RLM 72 wolkig auf, wobei ich mich auf die Paneelinnenseiten konzentrierte. Nach dem Trocknen der Farbe wurden die Maskol-Tupfen wie auch das Salz (mit warmem Wasser) entfernt. Nach dem Waschen finden sich so häufig Salzschlieren am Modell, die sich mit  Verdünnung beseitigen lassen.

Die Lackierung mit RLM 73 nahm ich in gleicher Weise vor, nachdem die Splittertarnung mittels Klebeband dargestellt wurde. Bei den Lackierungsarbeiten mit den Oberflächenfarben wurde nun auch die Cockpitverglasung mit einbezogen, wobei die Innenseiten zuerst mit RLM 02 lackiert wurden.

Ziel in Sicht?

Die Decals brachte ich nach einem Überzug mit Future unter Verwendung von Gunzes Mr. Mark Softer auf. Eine nochmalige Lackierung mit Future machten die Decals unempfindlich für die weitere Bearbeitung. Um die „neuwertigen“ Decals an das arg mitgenommene Flugzeug anzupassen, lackierte ich nochmals mit stark verdünntem RLM 76 unten und RLM 72 oben. Hier sind Vorsicht und Augenmaß geboten! Ein Washing mit dunkelbrauner Farbe hob die Gravuren hervor, bevor abschließend klarer Mattlack aufgetragen wurde.

Jetzt erst verklebte ich die Einzelteile der Cockpitverglasung mit Micro Kristal Klear und brachte sie am Modell an. Das zunächst milchige Kristal Klear trocknet durchsichtig auf und hinterlässt keine hässlichen Klebestellen. Mit Künstlerölfarbe stellte ich um den Motor Ölspritzer und -schlieren dar, während die Schwimmer eine Art „Wasserlinie“ nach Vorbildfotos erhielten. Diese stellte ich mit verschiedenen mittelbraunen Farben dar, die stark verdünnt und mit geringem Kompressordruck vorsichtig mit Hilfe einer „fliegenden Maske“ auflackiert wurden.

Abschließend wurden letzte Kleinteile sowie die Antenne aus gezogenem Gießast angebracht und noch ein paar Farbschäden mit dem „silver cromos“-Farbstift von Faber Castell dargestellt.
Jetzt kann die Maschine auf dem beiliegendem Ständer präsentiert oder wie in meinem Fall in ein Diorama eingebettet werden. 

TEXT und FOTOS: Reimund Schäler
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