Special Hobby Mixed-Media-Bausatz

Weltkriegsveteran: Westland Whirlwind FB Mk. I

Im Maßstab 1:72 bot jahrzehntelang nur Airfix ein Modell der zweimotorigen Westland Whirlwind „Crikey“ an. Nun legt nach Pavlas Neuentwicklung Special Hobby einen Mixed-Media-Bausatz nach.

Zweimotorig, elegant und mit den kurzlebigen Markierungen der „Operation Starkey“ versehen, wird die Whirlwind zu einem sehr attraktiven Modell. © Andreas Weber
Zweimotorig, elegant und mit den kurzlebigen Markierungen der „Operation Starkey“ versehen, wird die Whirlwind zu einem sehr attraktiven Modell.

Short-Run-typisch werden versenkte Oberflächendetails wie üblich fein und präzise wiedergegeben, bei erhabenen Strukturen wird es, wie ebenso üblich, grob. Hier treten dann die Resin- und Fotoätzteile auf den Plan. Geboten werden 37 Spritzguss- und 27 Resin-Teile, dazu ein Fotoätzbogen mit Fotofilm und vier Klarsichtteile. Der Decal-Bogen lässt den Bau von vier unterschiedlich zu lackierenden Maschinen zu.

Vor Erhalt von Detailunterlagen war ich mehr für Feng-Shui im Cockpit. Wer Vorlagen zu Rate zieht, erkennt schnell, dass es später gerammelt voll wird. Die Verkabelung short-run-typischer, das heißt mäßig getroffener Einbauteile, entsprach dann meiner Vorlage (1). Von den filigranen Rippen und gelochten Verbindern des Originals sind die wulstigen Strukturen weit entfernt.

Wer sich aber wie ich mehr an den exzellenten Ätzteilen für Konsolen und Instrumentenbrett erfreuen kann, verschmerzt das sicherlich. Den Steuerknüppel ersetzte ich durch eine schlankere Eigenkonstruktion (2). Der Fotofilm FB wurde, rückseitig weiß, mit Klarlack glänzend von Model Master hinter das Instrumententeil L9 geklebt und beides auf L15 (3).

Das sieht klobig aus, passte aber problemlos zwischen die Rumpfhälften. Die Farbangaben der Anleitung können befolgt werden, das Ätzteil L17 sollte aber in Interior Grey-Green lackiert werden und nicht schwarz. Teilweise hapert es an der Positionierung einiger Teile. So muss L17 unter dem Pumpenhebel P3 rechts neben dem Sitz liegen und die Bauchgurte L3/4 waren vorn an der Sitzschale befestigt. Mit der „Hutablage“ A10 konnte ich nicht zufrieden sein.

Die länglichen Strukturen auf A10 wären besser als separate Ätz- oder Resin-Teile ausgeführt worden, da sie als Verstärkung unmittelbar seitlich an die Schiebehaube gehören. Ein Aufsägen der Verglasung wäre ohne erhebliche Neukonstruktion der „Hutablage“ nicht sinnvoll und vom Original zu weit entfernt. Auch befindet sich an dieser Stelle kein ebenes Blech, vielmehr müsste der Blick auf zwei schwarze Kästen in einer Vertiefung fallen. Der Bau war da allerdings schon zu weit fortgeschritten, so blieb nur die Darstellung mit Decal-Attrappen.

Die Verglasung ist einteilig, ein wenig schlierig und etwas zu dick – „Future“ rettete hier den Durchblick. Im hinteren Glasteil ergänzte ich noch eine Versteifung. Das Revi fädelte ich entgegen der Bauanleitung auf einen 0,2-mm-Stahldraht, der, leicht gebogen, die korrekte Position vorgibt.

Damit alles übereinander passt, feilte ich einen Keil in die Unterkante der Frontscheibe, durch den der Revi-Träger läuft (4). Beim Anbau der Leiter waren die Maße vom Leiterfuß L22 zu berücksichtigen, womit der nötige Schlitz breiter ausfiel als seine Gravur. In den Schlitz klebte ich ein Sheetstück, worauf die Leiter geklebt wurde.

Bereits jetzt machte der Anbau des Kamerabehälters A12 Sinn, der eine 0,4-Millimeter-Bohrung für die Optik erhielt. Das Klarsichtteil C3 ist keine Positionsleuchte, hier wird „nur“ der Antennenfaden durchgeführt.

Dass C3 zu breit ist, macht nichts. Einkleben, zurechtschleifen, polieren und aufbohren machte mir auch nichts. Es stört mich aber, dass Maskol irgendwie auf die Klebestelle drang und dort seine grünen Pigmente verteilte. Keine Ahnung, wie das passieren konnte.

2-3-4 gravieren wir

So fein die meisten Gravuren auch ausfallen (5), so wenig gelingt fertigungstechnisch eine stärkere Hinterschneidung an den Rudern. Die Spalten zum Querruder vertiefte ich vorsichtig, um nicht die schönen Oberflächendetails der Außenflügel zu beschädigen. Da ich die Säge gerade zur Hand hatte, sägte ich noch die Querruder seitlich ein.

Abweichend von Schritt 4 der Bauanleitung schien mir die Montage der Abgasanlagen jetzt sinnvoller, weil von allen Seiten frei zugänglich. Positionsmarkierungen oder ähnliches fehlen leider, da bleibt nur das Ausrichten nach Fotos (6). Für die vorgesehene Montage der Spinner auf den Teilen A4 hielt ich die künftigen Paare zusammen, um den Übergang dieser Teile bündig zu schleifen. Da ich sie separat lackierte, wollte ich nach dem Einkleben der Propeller schließlich keine Störungen am schönen Linienverlauf der Motorgondeln erleben.

Wir verleihen Flügel und Fahrwerk

Sind Vorder- und Oberteil (B6, A7) der Radschächte fixiert, dient die Trockenmontage gleichzeitig der Ausrichtung von B8 (7). Die Einsätze für die Flächenkühler A14/15 sind zum Rumpf hin zu kurz und sollten verlängert/ausgetauscht werden. Ansonsten geht nämlich der Blick knapp an der schönen Kühlerstruktur innen vorbei ins Dunkel. Hilfsholme schienen bei der kurzen Spannweite nicht erforderlich; die Montagezapfen des Tragwerks kürzte ich zur besseren Ausrichtung etwas.

Dabei sollte der rumpfseitige Anschluss zum Lufteinlauf ohne Versatz zustande kommen. Die Kühlerklappen B9 hatte ich nach einem ersten Anbau aus guten Gründen wieder entfernt: zum einen ist eine feste Klebeverbindung nur am vorderen Tragflügelausschnitt möglich, ein Unterfüttern dieser Kante mit einem Sheetstreifen hilft weiter. Zum anderen erhält die innere Klappenstruktur bessere Kanten, wenn sie durch Sheetstreifen dargestellt werden.

Bei abgestellten Whirlwind waren die Klappen manchmal geöffnet und zeigen seitlich Bleche, wodurch ein ordentlicher Luftkanal entsteht. Diese interessante Konstruktion wurde von mir im zweiten Anlauf ebenfalls umgesetzt. Selten hatte ich so lange und genervt mit so wenigen Teilen hantieren müssen, wie bei der Ausrichtung von Hauptfahrgestell und Einziehstrebe. Beide Teile richtete ich zunächst trocken aus und fixierte die Einziehstrebe nach sorgfältigem Anpassen im hinteren Fahrwerksschacht mit Weißleim.

Mit einigem Glück lagen dann die vorderen Strebenenden an den richtigen Punkten am Hauptfahrgestell, wo ich sie schließlich stumpf verleimte.

Fotos legen ein dunkles Scharnier am Fahrwerksbein für den Anschlag der Einziehstrebe nahe, der obere Teil des Fahrgestells dürfte schwarz lackiert gewesen sein. Gut behandelt, passen die Fahrgestelle später als Komplettmontagen sogar heil in die Fahrwerksschächte (8).

Zwischen Landescheinwerfern und Tanks bohrte ich zwei Löcher für die Aufnahme der beiden kurzen Zapfen am Bombenträger, die ich erst kurz vor dem Lackieren der schwarzen Markierungen der Außenflügel klebte. Hilfreich bei der Montage  ist, dass sich die geätzten Halteklauen L20 und L21 deutlich unterscheiden.

Die Qual der Farbwahl

Die Whirlwind lockt mit sehr unterschiedlichen Anstrichen, je nach Einsatzzeitraum. Der „Whirlibomber“ kommt in Grau-Grün daher, wobei die HE-Z der No. 263 Sq. für mich den Vogel abschoss. Wenn schon klein, dann wenigstens als Eyecatcher. Über Farbdetails waren sich die von mir aufgesuchten Internettreffer allerdings nicht einig: Rumpfband umlaufend oder Untersegment überlackiert; Ocean Grey oder Graumischung sowie  Variationen der Tragflügelmarkierung für die „Operation Starkey“.

Mich überzeugte die Quelle zur umlaufenden Lackierung mit schwarzen Außenflügeln und weißen Bändern. XtraColor lieferte die Farben der Oberseitentarnung, deren Sky zum Glück kaum von den Decals der Kennung abwich. Das Rumpfband in Sky war schnell lackiert und circa sechs Millimeter breit abgedeckt (9). Es folgte Ocean Grey, dessen Grenze ich zum Dark Green nach Fotos etwas dunkler hielt. Das Grau hellte ich dann fleckig mit eingemischtem Medium Sea Grey auf.

Auftritt UHU-Tac und Premiere: Der Verneblungseffekt an den Farbübergängen sollte nur sehr gering ausfallen. Die UHU-Tac-Schlangen drückte ich etwas an (10), was nach der Lackierung mit Dark Green zufällig zum überzeugenden Ergebnis führte. Das Entfernen des UHU-Tac glich dann leider mehr dem Versuch, Mozzarella von der tischfertigen Pizza zu holen.

Schwarz-Weiß-Kontrast

Die Schwarz-Weiß-Markierung begann beim Original fünf Fuß ab dem Randbogen, hier also nach 2,116 Zentimetern. Die Streifen sind umgerechnet je 8,4 Millimeter breit (11). Für die Außenflügel wählte ich als Schwarz Anthrazit von Revell. Die Roundels wurden am Original offensichtlich überlackiert.

Mein Ziel war somit die Darstellung des Kontrastes zwischen der frisch aufgebrachten Sondermarkierung und der nutzungsbedingten Patina des Grundanstrichs. Mit dem Ergebnis der Bamalungsaktion bin ich zufrieden.

Zum Abschluss volles Rohr

Ich verstehe die Bastelkollegen nicht, die die Rohrbewaffnung P14/15 so gelungen finden. Deren Darstellung wirkt filigran, wenn MG-Rohre montiert wären … MG-Rohre?  Im Bug waren vier 20-mm-Hispano-Suiza-Kanonen untergebracht! Der Außendurchmesser der Mündung einer 20-mm-MK ohne Mündungsfeuerdämpfer beträgt in 1:72 immerhin 0,55 Millimeter (12).

Eine andere Lösung musste her. Die RAF verwendete mehrere Rohrtypen, die sich in Außendetails wie den Spiralfedern unterschieden. Ich entschied mich mangels Whirlwind-Zubehör für das Rohr Typ B von Quickboost – die beste Alternative. Viel Arbeit also an einem kleinen Zweimotjabo aus einem durchaus empfehlenswerten Bausatz. Wenn ich aber das moderne, rasante Design mit den fast zu großen Triebwerken in dieser markanten Lackierung sehe, höre ich sie schon fast an mir vorbeibrausen und denke: Crikey!

TEXT und FOTOS, sofern nicht anders angegeben: Andreas Weber
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