Luftwaffe des 2. Weltkriegs

WK2 Großflugzeug: Junkers Ju 290 A-7 im Maßstab 1:72

Wie lässt sich ein schon von Haus aus guter Bausatz der  Junkers Ju 290 A-7 mit geringen Mitteln noch perfektionieren? Zum Beispiel mit ein paar Ätzteilen und einem detaillierten Motor!

Das fertige Modell zeigt die damalige Standardtarnung für deutsche Seeaufklärer in RLM 72/73/65 © Heinz Spatz
Das fertige Modell zeigt die damalige Standardtarnung für deutsche Seeaufklärer in RLM 72/73/65

Bereits Ende 2003 brachte Revell die Ju 290 A-5 heraus. Ende 2009 wurde erfreulicherweise eine zweite Variante realisiert. Beim vorliegenden Bausatz hat sich der Hersteller der Ju 290 der Version A-7 angenommen, allerdings mit ein paar kleinen Schönheitsfehlern. So sollte man auf eine offene Trapo-Klappe, wie auf der Verpackung und im Bauplan angegeben, verzichten, da die A-7, wie die meisten Varianten, über keine funktionstüchtige Klappe verfügte.

Um den Bau nicht zu einfach werden zu lassen, entschied ich zudem, mir ein wenig Zubehör zuzulegen, so den Ätzteilesatz von Extratech, eigentlich für die A-5 gedacht, jedoch mit Abstrichen tauglich auch für die A-7. Als besonderes Schmankerl besorgte ich mir weiterhin einen BMW 801D von Aires. Dieser besteht aus 61 Resin-Teilen und einer Ätzplatine mit nochmals 33 Teilen.

Das Cockpit wurde mit den diversen Ätzteilen bestückt. Die Gurte stammen aus dem eduard-Satz 72307, da sie deutlich besser sind, als die von Extratech. Revell bietet die Option an, das Dach abnehmbar zu belassen. Wer dies möchte, sollte auf jeden Fall deutlich mehr in den Innenraum investieren.

Für mich kam aber ein abnehmbares Dach nicht in Frage, da es mit Sicherheit das äußere Gesamtbild beeinträchtigt hätte. Somit legte ich mein Augenmerk auf die später noch sichtbaren Bereiche. Entgegen der Anleitung entschied ich mich, den gesamten Innenraum in RLM 66 (Gunze H416) zu lackieren.

Für die Lafetten der beiden MG151/20 im B1- und B2-Stand waren auch etliche Ätzteile vorhanden, jedoch stellte ich fest, dass diese besser für den Drehring 30 (He 111) passen. Somit wurden für die Drehlafetten 151/2 die Revell-Bauteile verwendet und lediglich die Visiere hinzugefügt.

Die Detaillierung des Heckstandes war sicherlich das Kniffligste, da die Ätzteile hier in die Verglasung geklebt werden mussten. Das MG 131 im C2-Stand erhielt auch noch ein Visier. Anschließend wurden an den A-, den Heck- und den beiden C-Ständen mit Magic Sculp die Verkleidungen um die MGs dargestellt.

Die beiden MG 131 an den D-Ständen montierte ich in gesicherter Position, wodurch die Fenster geschlossen blieben. Die beiden Windabweiser an den D-Ständen sollten später aus durchsichtiger Folie selbst angefertigt werden. Auf Fotos ist zu erkennen, dass sie anscheinend aus Plexiglas oder Ähnlichem bestanden.

Parallel zu diesen Arbeiten kümmerte ich mich um das Fahrwerk. Die erhabenen Linien auf den Reifen konnte ich auf keinem Foto wiederfinden, weshalb ich sie kurzerhand abschliff. Die Fahrwerksschächte waren wieder beim Ätzteilesatz dabei und wurden verbaut.

Damit sie richtig positioniert werden konnten, mussten sie aufgeteilt werden. Das Fahrwerk selbst montierte ich erst nach der Lackierung des Modells. Das vereinfacht das Maskieren, da so nur die offenen Schächte mit einem Stück Schwamm geschlossen werden müssen.

Die Rumpfhälften benötigten ein wenig Nachhilfe, sie wurden schrittweise zusammengeklebt. Das Tragflächenmittelstück (Nr. 37) war bei meinem Bausatz etwas verzogen und da die Tragflächen aufgrund ihrer Größe doch recht schwer sind, benutzte ich beim Ankleben zum Fixieren einige Streifen Klebeband.

143 Teile für einen Motor!

Dass der Zusammenbau des BMW 801D so aufwendig wird, hatte ich mir nicht vorgestellt. Wenn man die vielen kleinen Drahtstücke dazuzählt, die man zuvor aus den mitgelieferten Drähten schneiden muss, kommen am Ende fast 150 Teile zusammen (6). Der Bau machte sicher etwa ein Viertel der Bauzeit des gesamten Modells aus. Zur Montage selbst sei nur gesagt, dass man viel Geduld und Nervenstärke benötigt. Am Ende wird man aber mit einer sehr schönen Replik belohnt.

Zwecks Einpassung des Motors in die Motorgondel musste diese noch entsprechend umgearbeitet werden. Dazu schnitt ich zuerst den Zapfen für den Bausatzmotor ab und arbeitete mit Bohrer und Fräser ein Loch in die Gondel, sodass der Motor etwas versenkt werden konnte. Auch der Motor selbst musste etwas angepasst werden.

Die rückwärtig angegossenen Steuergeräte und anderes wurden abgesägt, man sieht sie am fertigen Modell ohnehin nicht. Die Auspuffrohre müssen selbst angefertigt werden, da die beigelegten eher für eine Fw 190 passen.

Ich verwendete dafür Lötzinn. Nach der Bemalung mit Stahl (H213), Silber (H211), Grau (H75) und Schwarz (H1 und H11) wurde der Motor mit einem kleinen Klumpen Magic Sculp in die Motorgondel gesetzt. Das Flugzeug selbst erhielt noch einige Verfeinerungen.

Antennen (das FuG 216 und FuG 200) wurden durch Ätzteile und Borsten einer Zahnbürste ersetzt, was eine originalgetreuere Darstellung ergibt. Zudem sind die Borsten deutlich resistenter gegen Verbiegen. Die Antennenstäbe der Ätzteile des FuG 216 und FuG 101 ersetzte ich ebenfalls durch Borsten.

Der Bausatz enthält auch drei Hs 293 Gleitbomben, die ich anbringen wollte. Ich fand zwar keine gesicherten Angaben, dass die Ju 290 A-7 jemals mit diesen Gleitbomben Einsätze flog, doch war die Maschine neben der Rolle als Aufklärer auch für Kampfeinsätze gedacht.

Endlich Farbe! Aber welche?

Noch ohne FuG 200, Fahrwerk, Visiere und Bomben konnte mit dem Lackieren begonnen werden. Zuerst wurden alle Klarsichtteile, die Streben aufweisen, mit RLM66 lackiert. Revell bietet fünf Markierungsvarianten an, wobei es letztlich eigentlich nur zwei unterschiedliche Maschinen sind. Die „Alles Kaputt" ist die von den Amerikanern erbeutete Werknummer 0165, Verbands-kennzeichen A3+HB, Stammkennzeichen PI+PS.

Bei einem Spezialeinsatz wurde sie mit PJ+PS markiert. Ursprünglich war die 0165 eine A-4. Die 0186 wurde von vornherein als A-7 gebaut. Sie hatte auch die volle Ausrüstung für Kampfeinsätze. Diese Maschine kann man mit den Decals von Revell in zwei Varianten bauen: einmal mit dem Stammkennzeichen KR+LQ oder alternativ dazu mit dem Verbandskennzeichen 9V+FH.

Hier findet sich ein korrigierbarer Decal-Fehler: die Buchstaben auf der Unterseite müssen natürlich auch in der Reihenfolge K+R/L+Q aufgebracht werden. Ich entschied mich für die 9V+FH. Revell schlägt als Farben RLM 74/75/65 vor, bei der 9V+FH zusätzlich Flecken in RLM 74.

Das kam mir etwas merkwürdig vor. Standard für Seeaufklärer ist eigentlich RLM 72/73/65. Letztendlich entschied ich mich für die Standardfarbgebung. Ob das nun stimmt und auch die Flecken so richtig sind, sei dahingestellt. Allerdings finde ich, dass es dem Modell recht gut steht.

Realistische Farbnuancen

Nach dem Versuch an der SM.81 (MODELLFAN 6/2010), mit dunklen unregelmäßigen Flecken eine einheitliche Lackierung aufzulockern, ging ich hier wieder einen anderen Weg, der mir auch recht vielversprechend erscheint. Zuerst lackierte ich die Unterseite unregelmäßig deckend in RLM 76 (H417).

Darüber kam eine Schicht RLM 65 (H67) in gleicher Weise. Für die Oberseite kam erst RLM 73 (H48) zum Einsatz – zwei ungleichmäßige Schichten mit dazwischenliegender Trockenzeit.

Die Trennlinien zwischen der Ober- und Unterseiten- tarnung wurden nicht abgeklebt, jedoch die Tarngrenzen zwischen den beiden Oberseitenfarben. Nach vollbrachter Abdeckung konnte RLM 72 (H309), wiederum ungleichmäßig deckend, aufgebracht werden.

Damit war die Grundlackierung beendet. Nach Auftrag und Trocknung von Mr. Metal Primer brachte ich die Decals auf, was sich aufgrund der Menge über mehrere Tage zog. Die restliche Alterung nahm den gewohnten Gang.

Einzig bei den Rußfahnen versuchte ich etwas anderes. Auf vielen Bildern sind sehr ausgeprägte Abgasspuren zu erkennen, weshalb ich mit der Airbrush vorarbeitete. Damit lackierte ich die Fahnen zuerst mit Ruß-Schwarz (H452) und anschließend mit Schwarzbraun (H462) vor und erst danach kam Pastellkreide zum Einsatz. Das Endergebnis ist eine deutlich kräftigere Ablagerungsspur.

Nacharbeit am Fahrwerk

Baut man die Fahrwerkteile unverändert zusammen, steht es schräg nach vorn. Auf historischen Aufnahmen besitzt das Fahrwerk jedoch einen 90°-Winkel zur Tragfläche. Daher kürzte ich die nach hinten führenden Stützstreben um etwa ein bis zwei Millimeter. So passt alles.

Alles in Allem kann man mit diesem Bausatz sehr zufrieden sein. Der Zusammenbau ist zwar aufgrund der Modellgröße mit einigem Aufwand verbunden, doch wird man am Ende mit einem echten Hingucker belohnt. Die Verwendung des Ätzsatzes von Extratech und des Motors von Aires sowie die kleinen Verbesserungen in Eigenregie werten das Modell nochmals auf.

TEXT und FOTOS, sofern nicht anders angegeben: Heinz Spatz
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