Japanischer Edelflieger

Zoukei Muras Ta 152 H-1

Die japanische Edelschmiede Zoukei Mura liefert ein Modell der  Ta 152 H-1 ­mit besonderer Ausstattung und ungewöhnlichem Aufbau. Doch wie „Form vollendet” ist das Modell und wie baut es sich?

Typisch für die Ta 152 H-1 war ihre große Spannweite, ein Merkmal, das auch beim Modell sehr gut wiedergegeben ist © Andreas Dyck
Typisch für die Ta 152 H-1 war ihre große Spannweite, ein Merkmal, das auch beim Modell sehr gut wiedergegeben ist

Schon beim Öffnen des Kartons ist man erstaunt, mit was für neuen Ideen uns der Hersteller verblüfft. Da wäre zunächst die Bauanleitung, die im Stil einer technischen Dokumentation aufgemacht ist. Sie strotzt nur so vor guten Zeichnungen und hilfreichen Baustufenfotos. Der Bausatz kommt mit gut 200 Teilen auf verschiedenfarbigen Spritzlingen und einem reichhaltigen Decalbogen daher.

Der Pilotensitz liegt dem Bausatz in zwei Ausführungen bei, einmal mit aufgeprägten Gurten und einmal ohne. Die benötigten Bauteile sind relativ schnell zusammengesetzt und bekamen zunächst eine Grundlackierung in RLM 66 Schwarzgrau, das etwas aufgehellt wurde. Das Cockpit der Ta 152 ist relativ schlecht einsehbar, gerade was das Instrumentenbrett angeht.

So wäre es schade, wenn man später nur in ein dunkles Loch schauen würde. Die sehr gut geprägten erhabenen Details wurden daher mit einem sehr hellen Grau trockengepinselt, um sie gut sichtbar erscheinen zu lassen. Dem Pilotensitz spendierte ich zudem Gurte von eduard – für mich persönlich die bessere Wahl als die aufgeprägten Gurte.

Für das Instrumentenbrett selbst liegen wahlweise ein komplettes Decal oder die einzelnen Instrumente bei. Da das Brett gut ausgeprägte erhabene Details aufweist, zog ich es vor, hier die einzelnen Instrumente einzusetzen.

„Instrumentenflug” ...

Die Erfahrung zeigt, dass sich ein komplettes Decal mit viel Weichmacher zwar sauber um die Erhebungen legt, aber es dabei gelegentlich doch zu nicht mehr korrigierbaren Verzerrungen und Verschiebungen kommen kann. Nach dem Trocknen der Decals wurden die einzelnen Instrumente mit einem kleinen Tropfen Klarlack versiegelt, um das Glas darzustellen.

Der Bau der Cockpitsektion endet nach dem Montieren der Tanks unter und hinter dem Cockpit. Bis hierhin war alles perfekt, alles passte zur Zufriedenheit, ein wahrer Bastelspaß!

Der Motor vom Typ Jumo 213E

Den Motor kann man wahlweise auch gut einsehbar darstellen. Um die schnittige Form der Ta 152 nicht zu zerstören, entschied ich mich aber dafür, alles geschlossen darzustellen. Die beiden Spritzlinge der Motorteile sind schwarz und silbern. Wer sich dafür entscheidet, den Motor hinter den Abdeckungen verschwinden zu lassen, muss diese Teile also nicht zwingend lackieren, da man später sowieso nichts mehr von ihnen sehen kann.

Trotzdem möchte ich den Lesern Bilder des lackierten Triebwerks zeigen. Sehr schön fand ich auch die genaue Bezeichnung der Einzelteile in der Bauanleitung. So weiß man nach dem Zusammenbau wo sich Anlasser, Turbolader, Kompressor, Generator und das Getriebegehäuse befinden. Die Motorträger lackierte ich in RLM 04 Grau und brachte jeweils drei Ziffern auf.

Nachdem zum Schluss alle Leitungen und Zündkabel montiert waren, wurde die Mk 108 mit den Magazinen eingesetzt. Die Motoreinheit war somit auch geschafft und auch hier zeigte sich wieder eine perfekte Passgenauigkeit!

Rumpf-Flügelpuzzle

Der dritte Bauabschnitt umfasst die Rumpfmontage, bei der ebenfalls jede Menge Innendetails zu verbauen sind. Die Cockpitseitenwände lackierte ich in RLM 66 Schwarzgrau, die hinteren Bereiche mit Alclad II Weißaluminium. Ebenso die beiden Seitenleitwerksteile, dort werden noch die Sauerstoffbehälter und Pressluftflaschen für die Maschinenkanonen eingebaut.

Die Montage des Cockpits auf das Rumpfunterteil und das Ansetzen der Rumpfseitenteile bereitet keine Probleme, obwohl ich mir hier schon allmählich wünschte, dass das Modell etwas konventioneller aufgebaut wäre, sprich zwei normale Rumpfhälften hätten es auch getan.

Das getrennt beiliegende Seitenruder besteht aus zwei Hälften, genau wie die Höhen- und Querruder. Dadurch ergeben sich relativ dicke Endkanten und natürlich Klebenähte, die man dünner schleifen sollte. Eine anschließende Probeanpassung des Motors verlief ohne Probleme und alles hielt auch schon sehr gut ohne Klebstoff.

Die Schwingen des Höhenjägers

Der Aufbau der Tragflächen beginnt wieder mit den inneren Teilen, die aus einem Holm und angedeuteten Rippen bestehen. Der Holm ist sehr schön strukturiert. Nach dem Lackieren mit Aluminium von Alclad wurden die kleinen Strukturbleche und Nieten mit stark verdünnter Ölfarbe behandelt, um einen schönen Kontrast zu erhalten.

Die MGs wurden mit Gun Metal von Testors bemalt und eingebaut, ihre Rohre aber noch nicht montiert. Diese kann man auch ganz zum Schluss von vorne durch die Tragflächen schieben. So läuft man keine Gefahr, sie bei der weiteren Montage des Modells durch unkontrollierte Bewegungen abzureißen. Die komplette Tragfläche besteht aus sage und schreibe sieben Bauteilen.

Die Bauteile F8 und G7, die auf die obere Tragfläche zu kleben sind, sicherte ich zum Aushärten mit Klebeband, um ein Verrutschen zu vermeiden. Leider ergibt sich hierbei eine unschöne Klebenaht auf der Tragflächenoberseite, die man aber durch sehr vorsichtiges Verschleifen beseitigen kann. Das Einkleben der Querruder bereitet keine Probleme. Zudem lassen sich die Landeklappen in aus- oder eingefahrenen Zustand einkleben.

Hochzeit mit Überraschungen

Die Überschrift könnte auch lauten: Was nicht passt wird passend gemacht! Hier kommt man eigentlich zum kompliziertesten und umständlichsten Teil des Zusammenbaus. Zunächst klebt man die Rumpf-Tragflächenverkleidungen an den Rumpf. Das Aufsetzen des Rumpfes erweist sich dann als etwas schwierig, denn irgendwo klemmte und hakte es ständig.

Waren die Tragflächenübergänge einigermaßen bündig, passte es auf der Rumpfunterseite nicht hundertprozentig und umgekehrt. Nach ungefähr gefühlten 100 Trockenanpassproben und leichten Schleifaktionen wurde dann alles verklebt und erst mal 24 Stunden zum Aushärten beiseite gelegt. Dass ich auch hier nicht ohne Spachtel auskommen würde, war mir schon im Vorfeld klar.

Lückenfüller ...

Das ist eigentlich auch nicht weiter tragisch, schließlich sind wir ja Modellbauer. Es wurden auch keine Unmengen an Spachtel benötigt, dass Ärgerliche für mich war aber das zwangsweise vorsichtige Verschleifen, denn man muss dabei doch schon sehr aufpassen, möglichst wenige der schönen Gravuren und aufgeprägten Scharniere der kleinen Wartungsdeckel zu zerstören.

Wie schon angesprochen passte die Motorsektion mit dem Motorträger ganz gut und wurde nun an den Rumpf geklebt. Auch die obere Motorverkleidung mit den Seitenteilen passt einigermaßen. Das Oberteil benötigt aber auch beim ­Verkleben ein starkes Klebeband und viel Anpressdruck zur Fixierung, um ­bündig mit den eitenteilen des Rumpfes abzuschließen. Ebenso verhält es sich mit dem vorderen Windschutz der Cockpithaube.

Beim Lackierer

Von Anfang an war klar, dass ich die „grüne 9“ des Piloten Willy Reschke vom JG 301 nachempfinden wollte. Ich benutze das Wort „nachempfinden“ bewusst, da man sich auch in der Fachwelt bis heute nicht ganz sicher zu sein scheint, ob die Maschine im Tarnschema RLM 81/82 oder RLM 82/83 lackiert war. So hält auch Zoukei Mura in der Bauanleitung zwei Farbvarianten für die „grüne 9“ parat.

Ich hielt mich an die damalige Vorschrift, die RLM 81/82 vorsah. Begonnen wurde mit der Unterseite des Modells. Gemäß der Bauanleitung ist hier ein Großteil der Beplankung nicht mit RLM 76 lackiert und erscheint in Flugzeugaluminium von Alclad 2. Dieser Bereich wurde dann abgedeckt und der Rest der Unterseite und die Rumpfseiten bekamen eine Lackierung mit RLM 76 von XtraColor.

Die Farbe trocknet hochglänzend auf, ein weiteres Zwischenfinish mit Klarlack oder Future entfällt somit. So ist auch bereits gewährleistet, dass der Trägerfilm der Decals nach dem abschließenden Finish mit Matt- oder Seidenmattlack nicht mehr sichtbar ist. Das weitere Aufbringen des Tarnmusters ergab keine großen Herausforderungen.

Fabrikneu oder gealtert?

Die Frage stellt sich immer wieder aufs Neue und ist natürlich mitunter auch eine Geschmacksfrage. Hinzu kommen die Faktoren: In welcher Jahreszeit und wo ist die Maschine geflogen? Wie lange stand sie schon im Einsatz und unter welchen Bedingungen wurde sie gewartet?

Das Modell der hier vorgestellten Ta 152 H-1 flog in den letzten Kriegsmonaten. Das heißt Winter und Frühjahr 1945, was wahrscheinlich, Regen, Schnee, Matsch, Dreck, Kälte, aber natürlich auch Sonneneinstrahlung bedeutete. Also alles Faktoren, die das Flugzeug schon etwas mitgenommen aussehen ließen. Markant war gerade der Abgasbereich am Rumpf, der eigentlich auf allen Originalfotos schon sehr verschmutzt erscheint.

Nachdem die Farbe am Modell endlich trocken war, erhielten alle Gravuren zunächst ein Washing mit stark verdünnter schwarzer Ölfarbe und Terpentin. Nach dem Aufbringen der wenigen Decals, die sich übrigens sehr gut verarbeiten lassen, wurde gealtert. Alle Felder auf der Tragfläche wurden mit der entsprechenden Farbe wolkig und freihändig mit der Airbrushpistole aufgehellt.

Danach wurden alle Blechstöße mit einer lasierenden Mischung aus Klarlack und Schwarz übernebelt. Die noch nicht ganz ausgetrockneten Farben wurden zudem teilweise mit einem gröberen Borstenpinsel, der leicht in Terpentin getaucht wurde, vorsichtig in Flugrichtung gestrichen. Doch Vorsicht, der Pinsel sollte vorher auf einer Küchenrolle ausgestrichen werden, so dass er fast trocken ist.

So entsteht ein interessanter Nachzieheffekt, der streifige Fahneneffekte entstehen lässt. Im Modellbau wird dieser Effekt häufig bei Militärfahrzeugen eingesetzt und ist auch unter der englischen Bezeichnung „Streaking“ bekannt. Die schwarze Abgasfahne entstand mit lasierender schwarzer Farbe, wobei ihre oberen Bereiche noch leicht mit Hot Sepia von Alclad übernebelt wurden.

Restarbeiten und Finish

Bleibt noch die Montage der vorher lackierten Bauteile von Hauptfahrwerk und Spornrad. Ersteres ist sehr detailliert dargestellt, selbst die Bremsleitungen hat man nicht vergessen, auch die Konstruktion des Spornrades ist wohl überlegt konstruiert und sehr stabil.

Das einzige Problem bei der Montage des Fahrwerks war, dass es sich nicht wie im Bauplan vorgesehen einsetzen und dann um 90 Grad eindrehen ließ. Die Idee ist im Grunde nicht schlecht, aber die Kunststoffzapfen waren zu dick, die Öffnung zu schmal. Um McMurphy nicht zu wecken, oder das Modell am Ende durch einen unkontrollierten Kraftakt noch zu ruinieren, entschied ich, die Zapfen abzutrennen und das Fahrwerk „normal“ einzubauen.

Auch dann ist immer noch genug Klebefläche vorhanden, um eine stabile Verbindung zu garantieren. Die Antenne aus 0,1 Millimeter starker Angelschnur vom Rumpf zum Seitenleitwerk hing wie beim Vorbild bei geöffneter Haube durch, da die Ta 152 keinen Aufrollmechanismus in der Haube besaß.

Kein Otto-Normal-Bausatz

Abschließend bleibt anzumerken, dass hier auf jeden Fall ein Bausatz der Sonderklasse vorliegt. Ob die ganzen Kleinteile im Inneren des Modells sinnvoll sind, mag dahingestellt sein, da man sie am fertigen Modell ja nicht mehr sieht. Ein Bastelspaß ist es auf alle Fälle.

Für ungünstig halte ich aber die größere Passprobleme verursachende mehrteilige Tragfläche und den achtteiligen Rumpf, wobei hier die mehrteilige Motorabdeckung noch nicht mitgerechnet ist. Ist das Modell allerdings fertig gestellt sind diese Unzulänglichkeiten auch schnell wieder vergessen. Anfänger sollten von diesem Modell aber besser die Finger lassen, denn selbst Fortgeschrittene werden hier und da schon mal etwas mehr gefordert als bei einem „Otto-Normal-Bausatz“.

TEXT und FOTOS: Andreas Dyck
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