Panzer geländetauglich umgebaut

Moderne Militärfahrzeuge: Leopard 2A4

Vom Leopard 2 gibt es zahlreiche Bausätze. Die Version 2A4 ist eine der meistgebauten im Original. Was kann man aus dem 35er-Bausatz von HobbyBoss mit Zubehörteilen machen? 

Der Leopard 2A4 im Geländeeinsatz. Die 1:35er-Basis stammt von HobbyBoss, der Umbausatz von Perfect Scale Modellbau. © Chris Jerrett
Der Leopard 2A4 im Geländeeinsatz. Die 1:35er-Basis stammt von HobbyBoss, der Umbausatz von Perfect Scale Modellbau.

Meine Modellbauprojekte starten oft mit einem Foto, das mich sofort fesselt und den Wunsch aufkommen lässt, die dargestellten Szene dreidimensional und maßstabsgetreu im Modell nachzubilden. Ein gutes Foto kann manchmal eine Geschichte sehr viel besser erzählen, als jedes geschriebene oder gesprochene Wort.

Einer meiner bevorzugten Fotografen ist Ralph Zwilling. Auf seiner Homepage „Tank Masters“ gibt es viele tolle Fotos vom Leopard 2. Eins davon hat mich besonders angesprochen: es zeigt einen Leopard der Bundeswehr in einem NATO-Manöver.

Bei näherer Betrachtung stellte ich fest, dass der abgebildete Leopard 2 einzigartig ist: Es handelt sich eindeutig um einen Leopard 2 des 7. Bauloses mit demontierten Seitenschürzen. Hier stimmen die sichtbaren Halterungen der Kettenschürzen nicht mit den typischen Halterungen der früheren Leoparden überein.

Die ab dem 7. Baulos modernisierten Kettenschürzen entsprechen in der Auslegung denen der an den heutigen Leopard 2A6 verwendeten. Es gibt aktuell bei der Bundeswehr keine Leopard2 mehr, die noch der damals gebauten Konfiguration des 7. Bauloses entsprechen.

Alle Fahrgestelle des 7. und 8. Bauloses wurden auf den späteren 2A5- und später 2A6-Standard umgerüstet. Dazu nutzte man ältere Türme, die mit der typischen Turmzusatzpanzerung der späteren Leoparden umgerüstet wurden.

Der Leopard im Gelände

Ich habe bislang nur „statische“ Modelle gebaut, also Panzer, die auf einer ebenen Oberfläche stehen und nicht mit Besatzungsfiguren ausgerüstet sind, also reine Vitrinenmodelle.

Das besagte Vorbildfoto brachte mich auf die Idee, erstmals ein kleines Diorama mit einem Panzer in Bewegung im nachgebildeten Gelände und mit Besatzungsfiguren zu bauen. Für mein Projekt wählte ich den HobbyBoss-Bausatz des Leopard 2A4, ein recht gutes Modell bereits direkt aus dem Kasten gebaut.

Der geübte Modellbauer kann aber sehr viele Details ergänzen, um das Modell interessanter und detailgetreuer zu gestalten. Ich begann mit dem Zusammenbau von Panzerwanne und Turm, allerdings ohne gleich die feinen Details anzubringen.

Nachdem ich die Sinkstellen verspachtelt und verschliffen hatte, bildete ich alle am Modell nicht vorhandenen Schweißnähte mit Hilfe von gezogenen Gießästen nach. Selbst an den besten mir bekannten Modellbausätzen fehlt oft die korrekte und komplette Darstellung der Schweißnähte. Es ist aber recht einfach, diese am Modell darzustellen.

Die gezogenen Gießäste tränkte ich in Flüssigkleber von Tamiya, richtete sie aus und formte die vom Klebstoff aufgeweichten Gießäste mit einen Metallwerkzeug nach. Einige Verbesserungen am HobbyBoss-Bausatz stellte ich mit Hilfe des Leopard2A4 Upgrade-Sets von Perfect Scale und einigen Teilen eines Leopard 2A6 von Tamiya dar.

Diese kamen überalldort zum Einsatz, wo die entsprechenden Teile des HobbyBoss-Modells etwas vereinfacht dargestellt sind. Der Leopard 2 des 7. Bauloses hatte im Vergleich zu den vorherigen Baulosen, wie schon gesagt, verbesserte Kettenschürzen, sehr ähnlich denen der an den heutigen Leopard 2A6 verwendeten.

Da an meinem Modell fast alle Kettenschürzen entfernt wurden, musste ich die Halterungen für die Schürzen komplett neu aufbauen. Die im Perfect-Scale-Umbausatz enthaltenen konnten nicht verwendet werden, da diese denen der früheren Baulose des Leopard entsprechen.

Wie auch auf dem Originalfoto zu sehen, habe ich nur eine der hinteren, leichten Seitenschürzen pro Seite angebracht, die am Original der Besatzung das Aufsteigen erleichtern. Das Vorbildfoto zeigt den Leopard, wie er gerade eine Senke durchfährt. Um dieses auch im Modell glaubhaft darzustellen, musste ich die Schwingarme des Fahrwerks beweglich gestalten.

Ich bohrte dafür die Aufnahmen für die Schwingarme mittels eines 5-mm-Bohrers vorsichtig au, danach konnten die Schwingarme dem Untergrund entsprechend angepasst werden. Ich habe dann Fotos studiert und Freunde um Rat gebeten, um die Bewegung des Fahrwerks möglichst realistisch darzustellen.

Die weitere Detaillierung erfolgte mit einigen Kleinteilen aus dem Ätzteilsatz von eduard. Zudem verbaute ich eine Einzelgliederkette von Broncound stellte die Luken geöffnet dar.

Bemalung im NATO-Standard

Ein Modell im Standard-NATO-Dreifarbanstrich zu bemalen, ist zeitaufwendig und nicht ganz einfach. Nach der Grundierung mit Primer von Tamiya benutzte ich eine Iwata „Eclipse“-Airbrush, um den Tarnverlauf freihändig auf das Modell zu übertragen.

Dafür nutzte ich das NATO-Farbset von Tamiya, allerdings habe ich das Teerschwarz gegen ein Standardschwarz ausgetauscht. Während des Farbauftrags fügte ich den Farben zum Teil etwas Weiß hinzu, um leichte Schattierungen und ausgebleichten Lack darzustellen.

Mit diesem einfachen Trick gibt man dem Modell mehr Leben, weil der Farbauftrag nicht zugleich mäßig und „klinisch“ wirkt. Nach guter Trocknung trug ich einige Filter aus grüner und brauner Ölfarbe auf. Nach vollständiger Trocknung erhielt das Modell einen Überzug mit klarem Glanzlack.Für mich ist das ein wichtiger Schritt während der Bemalung moderner Panzerfahrzeuge.

Der Lack versiegelt die Washings und Filter und verleiht dem fertigen Modell einen leichten Seidenglanz. Anstelle der HobbyBoss-Decals benutzte ich die des Tamiya-Modells, weil diese korrekter und maßstäblicher sind. Auch die Decals wurden nach der kompletten Trocknung mit Glanzlack versiegelt.

Danach wartete ich zwei Tage, bevor ich mit der Alterung und Verschmutzung begann. Nach dem Vorbildfoto sollte mein Leopard nicht zu stark verschmutzt werden. Ich begann mit einigen Washings mit dunkler Farbe, danach erhielt die Wannenunterseite einen Schmutzauftrag mit „woodendeck tan“ von Tamiya.

Die Laufrollen behandelte ich ebenfalls und versuchte, diese mit der Nachbildung von Rost, abgenutzter Farbe und ausgetauschten Teilen lebendiger und vorbildgerecht zu gestalten.

Anschließend trug ich einige Lagen MIG-Pigmente auf, um abgelagerten Schmutz und Erde darzustellen. Ich benutzte dafür nicht irgendeine spezielle Farbe aus dem MIG Sortiment, sondern mischte mir meine Pigmente selbst zusammen.

Teilweise fügte ich zudem Pastellkreiden hinzu, um so meine eigenen, individuellen Farbtöne herzustellen. Das Wannendeck erhielt einige Gebrauchsspuren durch die Darstellung abgeplatzter und abgewetzter Farbe. Abschließend wurden die Ketten mit einer Mischung aus Rost- und Erdfarben bemalt.

Danach behandelte ich sie wieder mit einem Mix aus verschiedenen Pigmenten. Diese trug ich großzügig auf die Ketten auf und nahm mit einem Tuch das überschüssige Material wieder ab. Zudem wischte ich die Kettenpolster mit einem angefeuchteten Finger ab.

Die Kettenpolster bemalte ich mittels Pinsel mit NATOBlack (Tamiya). Mit dieser Methode konnte ich eine realistisch erscheinende Verschmutzung der Ketten nachbilden. Zum Schluss habe ich das gesamte Modell mit einem feinen Staubüberzug mittels Airbrush versehen. Einige Stellen am Modell erhielten noch eine weitere Behandlung mit MIG-Pigmenten.

Das Ganze wurde mit einem Washing aus sehr stark verdünnter Ölfarbe behandelt, um weiche Übergänge am Modell zu erzielen. Ich muss ehrlich gestehen, dass ich in letzter Zeit lieber Ölfarben statt der Pigmente benutze, da sich diese gleichmäßiger und subtiler auf dem Modell verteilen.

Einige mit dem Bleistift gesetzte Abnutzungen an den am Originalpanzer stark beanspruchten Stellen komplettierten die Alterung des Modells.

Figuren, Ausrüstung und Gelände

Ich benutzte die Figuren des Tamiya-Leopard 2A6, allerdings tauschte ich die Köpfe gegen solche von Warriors aus. Zudem fertigte ich jedes Barett mit Hilfe von MagicSculp selber an und bemalte die Figuren mit Vallejo Model-Air-Farben. Die Hautpartien wurden mit Ölfarbe bemalt.

Die Munitionskiste auf dem Turmdeck stammt aus einem Zubehörsatz von Verlinden. Manche Panzerbesatzungen nutzten solche Kisten gerne, um persönliche Dinge und Ausrüstung zu verstauen. Sie hat keine sichtbaren Befestigungen zum Turm.

Im Original wurden solche Kisten einfach von innen in die Gewinde der Abdeckplatte hinter der Ladeschützenluke geschraubt. Die Plane hinten im Turmstaukasten wurde zudem mittels Bleifolie nachgebildet. Für die Grundplatte der Vignette schnitt ich mir eine MDF-Platte zu. Das Gelände modellierte ich mit „Oasis Foam“, einem Blumensteckschaum, und überzog diesenmit Gips.

Die Darstellung der Oberfläche erfolgte mit Erde aus dem Garten. Das ganze wurde mit einer hellen Erdfarbe bemalt, das Gras dann mit entsprechendem Static-Grass aus dem Eisenbahnzubehör aufgestreut und mit verschiedenen Grüntönen von Tamiya, wieder mit Hilfe der Airbrush-Pistole, eingefärbt.

Dies ist mein erstes Diorama in 20 Jahren und es war interessant, auch einmal Figuren zu verarbeiten. Ich werde weiter nach interessanten Fotos für Projekte suchen.

TEXT und FOTOS: Chris Jerrett
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