Tow-Under-Armour Version

Moderne Radfahrzeuge: Trumpeters LAV III im Vergleich

Kann die TUA (Tow-Under-Armour)-Version des Light Armored Vehicle III ebenso überzeugen wie die vorangegangenen Bausätze von AFV Club und Trumpeter?

Der LAV III TUA der kanadischen Armee. © Helge Schling
Der LAV III TUA der kanadischen Armee.

Ob die Light Armored Vehicle und Stryker von Trumpeter nun fünf Millimeter zu breit sind oder die Stryker von AFV Club zu schmal, ist eigentlich keiner weiteren Überlegung wert, denn der Gesamteindruck stimmt. Auch ist es unstrittig, dass der Formenbau des Stryker von AFV Club dem von Trumpeter überlegen ist. Trotzdem steht der fertige LAV III TUA überzeugend auf seinen acht Reifen, und darauf kommt es an.

Im Gegensatz zum Guardian ist hier allerdings deutlich mehr Arbeit in Hinblick auf das Versäubern vieler Bauteile vonnöten. Warum auch immer, Versatz ist leider oft zu finden, Auswerfer halten sich in Grenzen, dafür glänzen einige Bauteile mit vielen und dicken Angüssen.

So müssen einige Handgriffe mit nur wenigen Millimetern Breite und Länge von bis zu drei solcher üppig ausgelegten Angusskanäle befreit werden. Das nervt auf Dauer und die Arbeit bis zum fertigen Rohbau zieht sich deutlich in die Länge. Das Fahrwerk zeigt einige „Wurfpassungen“, nach dem Aushärten des Klebstoffs sitzt aber alles.

Ätzteile und Änderungen

Im Bausatz finden sich einige Ätzteile, keine Angst vor deren Montage. Die zeigt sich recht einfach und alle Teile lassen sich leicht und passgenau verarbeiten. Das kommt vor allem den Halterungen für das Reserverad und die Kanister am Heck zugute. Nervig zeigt sich hier lediglich das Gurtzeug für die Kanister, zumal die Halterungen für die Gurte an der Wanne fehlen.

An der Fahrerluke musste die Stange E27 verlängert werden, da sie nicht mit den Aussparungen in der Luke übereinstimmte. Hier wurden auch an der Panzerung B34 die Unterlegscheiben erneuert, da die Formtrennung genau mittig verläuft. Solche Passungenauigkeiten treten auch an anderen Baugruppen wie den Seilumlenkungen in den Baustufen 15 und 17 auf.

In Baustufe 19 sollten die beiden Halterungen für die große Staukiste hinten auf dem Dach nachgearbeitet werden (Auswerfer beachten, Passgenauigkeit).

Die Haken in Baustufe 21 werden aus den beiliegenden Ätzteilen gebogen. Verbiegt man diese beim weiteren Bau aus Versehen zwei bis drei Mal, brechen sie. Das liegt an den recht tief eingeätzten Knickpunkten. Nachdem mir vier Stück während der Bemalung abbrachen, wurden alle neu angefertigt und erst nach der Lackierung wieder angeklebt.

Auch die seitlichen, geätzten Halterungen für Ausrüstung in Baustufe 22 benötigen einigen Zeitaufwand beim korrekten in Form Biegen. Zudem ersetzte ich die drei dort nur angedeuteten Handgriffe durch überschüssige vom Spritzgussrahmen.

Die Stege unten an den Startgestellen F55/47 und F56/48 für die TOW-Rohre sollten, da sie gut sichtbar sind, neu angefertigt und die Nähte verspachtelt werden. Zudem sind die Drehlager alles andere als passgenau, daher wurde die komplette Konstruktion verklebt. Leitungen zu den Nebelmittelwurfbechern fehlen wie üblich im Bausatz, mangels Foto ließ ich sie weg.

Auch hier: die winzigen Unterteile F7 der Wurfbecher verfügen über zwei dicke Anspritzpunkte an den Kanten, das bedeutet sechsmal Fummelarbeit. Für das lange Stahlseil an der linken Wannenseite liegt ein passender Kupferdraht bei. Um diesen nicht lackieren zu müssen, wurde er in Messing-Schwarzbeize eingelegt; diese verfärbt die Oberfläche dunkelbraun.

Aber Vorsicht in Umgang und bei der Entsorgung der Beize, die ist stark ätzend! Zudem wurden die Schäkel (Baustufe 21) neu angefertigt, ein aufgebohrtes Plastikrohr hilft dabei. Der Einbau des verglasten Fahrersichtschutzes scheiterte übrigens, er passt in keiner Weise auf die Wanne.

Eventuell klappt das beim Stryker-Modell, für das er wohl konstruiert wurde. Ein Manko sind die flexiblen Reifen. Denen fehlt es an Volumen in der Breite. Sie lassen sich zwar leicht aufziehen, „schlackern“ aber auf den Felgen.

Abstellen ließe sich das eventuell durch Ausstopfen mit einem wie immer gearteten Füllmaterial. Die Antennen stammen von ABER (deutsche Zwei-Meter-Antennen, R-26), eine gute Notlösung.

Farbe für den LAV III

Im Anschluss an diese Bauarbeiten wurde der LAV III mit dem im Bauplan angegebenen Grün Humbrol 117 grundiert, abschattiert mit Agama N1M (RLM 70) und tockengemalt mittels mit Ölfarbe (MIG Abt. 502 „Buff“) aufgehelltem Grün. Da das Modell für einen „Fototermin“ in 1:35 zur Verfügung stehen sollte, wurde es kaum verschmutzt.

Die Decals zeigten sich im Gegensatz zum Guardian sehr widerwillig. Nach gut 15 Sekunden lösten sie sich bereits vom Trägerpapier und waren daraufhin nur mit extrem viel Weichmacher und Zeit zu überzeugen, auf dem Modell zu haften. Die Nummernschilder, die im Einsatz nicht montiert sind, werden aus dem farbigen DIN-A4-Blatt ausgeschnitten.

Werden sie nicht angebracht, muss man die anmodellierte Platte vorne in mattem Alu bemalen. Hinten fehlt diese Platte am Modell und sie sollte zum Beispiel aus Sheet angefertigt und ergänzt werden.

Der Fotograf stammt aus der Packung 508 von Royal Model, in der sich noch ein kniender Kollege befindet. Die Figuren sind sehr schön gestaltet, Schwachpunkt sind die Hautpartien und hier besonders die Hände, die zahlreiche winzige Riefen aufwiesen. Das sieht man erst nach der Grundierung und diese Macken sind nur recht aufwendig zu beseitigen.

Nachgearbeitet wurde auch die Kamera, die ist doch extrem simpel gestaltet und sieht nun dank Sucher, Einstellrädern, Display und geändertem Objektiv wie eine Digitalkamera aus. Man sieht’s zwar kaum, aber es gefällt mir einfach besser.

Der LAV III ist sicher kein Anfängermodell, dass liegt schon an der Menge der Kleinteile und der teils aufwendigen Montage. Der Gesamteindruck des fertigen Modells überzeugt allerdings und macht Lust auf weitere LAV- und Stryker-Versionen, von welchem Hersteller auch immer.

TEXT und FOTOS: Helge Schling
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