Bereits Out-of-Box ein Schmuckstück

Neubaufahrzeug von Amusing Hobby

Amusing Hobby zeigt mit seinem Erstlingswerk ein gutes Gespür für Wunschmodelle. Bereits Out-of-Box wird das „Neubaufahrzeug“ zum fein detaillierten Schmuckstück.

Gelungener Auftritt – das Neubaufahrzeug von Amusing Hobby in 1:35 © Christian Schiller
Gelungener Auftritt – das Neubaufahrzeug von Amusing Hobby in 1:35

Der erste Blick in den Karton überzeugt: 20 Spritzlinge, Klarsichtteile, Einzelgliederketten, zwei kleine Ätzteilbögen und Decals. Der neue japanische Hersteller legt an extra Spritzlingen zudem Muttern, Schraubenköpfe und Flügelmuttern bei, und man hat die Möglichkeit, zwischen verschiedenen Versionen zu wählen. Es ist daher wichtig, sich vorab für eine zu entscheiden.

Bodenanpassung

Für das Laufwerk werden verschieden große Federn mitgeliefert, um es beispielsweise in einem Diorama am Boden anzupassen. Die fertigen Rollenwagen bleiben nach dem Zusammenbau bei sorgsamem Umgang mit Klebstoff beweglich. In Baustufe 8 ist darauf zu achten, kein Loch für den Notek-Scheinwerfer zu bohren, denn dieser kam erst beim Russlandfeldzug zum Einsatz.

Die Montage der Ketten sah zunächst einfacher aus, als sie tatsächlich war. Die versäuberten Kettenglieder wurden in der mitgelieferten Montagehilfe verbaut, die Verbindung erfolgt über links und rechts einzusteckende Bolzen.

Der Vorteil ist, dass die Glieder beweglich bleiben, da ohne Klebstoff montiert wird. Zu beachten sind die verschiedenen Bolzen, einmal mit Splinten an den Endverbindern und einmal ohne – genauso wie beim Original.

Alternative Bolzenverarbeitung

Der Kunststoff ist recht weich, was sich bei der Montage der Kettenglieder rächt. Die Bolzen können leicht abknicken, bevor sie ganz eingeschoben werden. Abhilfe schafft ein Vorbohren mit einem 0,4-mm-Bohrer. Es sind insgesamt 117 Kettenglieder pro Seite zusammenzusetzen.

Die Ketten wurden probehalber aufgezogen. Sollen Ersatzkettenglieder auf den Panzer, müssen einmal fünf und einmal neun Kettenglieder zusätzlich montiert werden. Bevor man danach die Kettenbleche an der Wanne festklebt, müssen die Löcher für die Werkzeughalterungen gebohrt werden.

Beim Bordwerkzeug kann man zwischen angegossenen Halterungen oder solchen aus Ätzteilen wählen. Ich entschied mich für Letztere, da diese dem Original noch am nächsten kommen. Ein nettes Schmankerl sind die drei unterschiedlichen Schaufelversionen.

Ein kleiner Fehlerteufel …

… hat sich in die Anleitung geschlichen: Bei der Montage der vorderen Kettenbleche (Baustufe 16) mit der Spannfeder ist statt A22 das Bauteil C22 zu verwenden. Im Übrigen ist beim Bau des Nb.Fz. mit der Turmnummer 8 zu beachten, dass die beiden angegossenen Scharniere links und rechts entfernt und gegen das Bausatzteil Z2 ausgetauscht werden müssen.

Die Ketten wurden zunächst mit Air Steel 065 von Vallejo grundiert. Das Fahrzeug selbst erhielt eine Grundierung mit Fine Surfacer Primer Light Gray von Tamiya. Um den Kettenabrieb beziehungsweise blankes Metall darzustellen, klebte ich mit Tamiya-Tape die Ketten ab, um anschließend mit Tamiya X10 Gun Metal und XF64 Red Brown im Verhältnis 9:1 zu lackieren. Die Alterung kann erst im Zusammenhang mit der Festlegung des Dioramenuntergrundes erfolgen.

Raus aus dem Einheitsgrau

Es folgte zwecks Tiefenwirkung ein Preshading mit Tamiya XF1 Schwarz, gefolgt von Tamiya German Grey XF63. Hiernach galt es, das monotone Einheitsgrau aufzulockern, wozu ich der Grundfarbe XF63 so viel Weiß XF2 beimischte, bis ein deutlich hellerer Grauton erzielt wurde.

Diesen spritzte ich nicht deckend auf Flächen, die der Sonneneinstrahlung und Witterung am meisten ausgesetzt wären. Der Vorgang lässt sich nach Belieben mit helleren Grautönen wiederholen.<

Nach einer Trocknungsphase von einem Tag brachte ich die Decals auf. Da Tamiya-Lack trotz Verdünnens mit X20A recht grobkörnig daherkommt, ist es unbedingt erforderlich, die Bereiche der Decals mit Klarlack zu glätten, hier X22 Clear. Wattestäbchen helfen, die Decals anzudrücken.

Bei der Benutzung von Decal-Softenern wie Daco Strong (rotes Etikett) nicht wundern, wenn sich das Decal wölbt oder sich Bläschen bilden, nach dem Trocken wird alles glatt. Im Anschluss folgte eine Versiegelung über alles mit seidenmattem Klarlack von Modelmaster (Gloss Clear Acryl). Dann ging es an die Alterung.

Bei der folgenden Arbeit, dem sogenannten Fading, wurden kleinste Mengen Ölfarbe mit einem feinen Pinsel auf das Modell getupft, anschließend mit einem breiteren flachen Pinsel in kreisförmigen Bewegungen verteilt und überflüssige Farbe entfernt. Der Effekt ist eine ausgeblichene, unregelmäßige Farboberfläche.

Deutlicher Verschleiß

Um den „Verschleiß“ im Lack noch weiter zu verdeutlichen, kamen Lackabplatzer ins Spiel. Diese wurden mit einem feinen 5/0- und einem sehr feinen 10/0-Pinsel aufgebracht. Einen stärkeren Effekt erzielt man, wenn zuerst ein hellerer Ton als der Grundton für die Lackabplatzer gewählt wird.

Auf diesen wird mit dem sehr feinen Pinsel ein Schwarzton aufgebracht, sodass der Kratzer Tiefenwirkung erhält. Das folgende Detail-Washing war der nächste Schritt, verwendet wurden die Ölfarben Schwarz, „Siena gebrannt“ und Künstlerterpentin. Auf einen feinen Pinsel wurde Schwarz pur oder mit etwas „Siena gebrannt“ in Rillen und um Erhebungen, Schrauben und Bolzenköpfe herum getupft.

Ein besserer Effekt lässt sich durch Kapillarwirkung eines in Verdünnung getauchten Pinsels erzielen. Überflüssige Farbe wurde mit einem breiten Flachpinsel und Verdünnung aufgenommen. Für die weitere Alterung verwendete ich Pigmente von MIG. Ich fange immer vom Fahrwerk aus an, da dort die umfänglichste Verschmutzung an einem Panzerfahrzeug zu finden ist. Dabei immer mit den dunklen Erdtönen beginnen und dann heller werden.

Mehr Pep im Finish

Um mehr Pep ins Finish zu bekommen, verwendete ich Dark Steel von AK, ein hochkonzentriertes Pigment zur Darstellung von blankem Stahl/Metall, das sich polieren lässt. Aufgebracht habe ich es dort, wo naturgemäß mit Abrieb zu rechnen ist.

Zubehör wie das Werkzeug wurden mit Tamiya XF60 grundiert und mit Ölfarbe bemalt, die Metallteile mit Schwarz grundiert und mit AK086 Dark Steel metallisiert. Die beiden Auspuffanlagen erhielten ein Weathering mit „Rust and Smoke“ von MIG, da die Originale im Einsatz allzu oft glühend heiß wurden und deshalb auch meist stark rosteten.

Die „Operation Weserübung“ fand Anfang April 1940 statt, das hieß Tau- und Schmuddelwetter in Norwegen. Was liegt also näher, als dem Neubaufahrzeug eine ordentliche Schlammpackung zu verpassen. Benötigt werden Gips, flüssiges Resin von MIG, ein breiter Malerpinsel, AK16 Fresh Mud sowie AK17 Earth Effects.

Norwegischer Matsch

Mit Earth Effects wurde begonnen, ideal, um angetrockneten Matsch darzustellen (auftragen mit Pinsel und Airbrush). Hiernach vermischte ich Gips, das flüssige Resin und AK 17. Wichtig ist, eine teils feste wie auch flüssige Konsistenz zu schaffen. Auch dies wurde wieder mit Pinsel und Airbrush aufgetragen.

Abschließend bearbeitete ich die Laufflächen der Ketten mit Vallejo Air Steel 065. So gealtert, gehört ein Panzer in ein Diorama. Als Unterbau schnitt ich Styrodur passend zu und strich Moltofil Holzreparaturspachtel darauf. Das Häuschen wurde aus Plastiksheet und Holzstäbchen scratch gebaut, die Vegetation stammt von MiniNatur und wurde teils aus Pinselborsten selbst gestaltet.

Die Figuren lieferten Tank (Infanterist und Offizier), Tristar (Panzerkommandant, Hornet-Kopf) und MB Models (Zivilisten). Amusing Hobby ist mit dem Neubaufahrzeug hinsichtlich Detaillierung und Passgenauigkeit ein großer Wurf gelungen!

TEXT und FOTOS: Christian Schiller
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