Keine Last mit dem Laster

Oldtimer neu aufgelegt

Italeri nimmt sich seit Mitte der 1960er-Jahre des Themas Nutzfahrzeuge an. Wiederauflagen sind üblich, auch der MAN 26.321 Formel Six gehört dazu. Weiß dieser Bausatz in seiner so gut wie unveränderten Auflage auch aus heutiger Sicht zu überzeugen?
Oldtimer neu aufgelegt © Guido Kehder


Als Italeri das MAN-Vorbild 1982 als Erstauflage herausbrachte, war der Bausatzstand damaliger Lkw-Nutzfahrzeugtechnik: Alle sichtbaren Details und Anbauteile, die man am Vorbild sah, wurden auch am Bausatz ausgebildet. Die am fertigen Modell kippbare Kabine gibt somit auch den Blick auf einen gut detaillierten Motor frei. Damals wie heute lassen diese Kits aber genug Spielraum, selbst zusätzliche Details anzubringen oder Teile zu verfeinern. Heutzutage wird angesichts der Umsatzzahlen und somit aus Kostengründen in Bezug auf Details manchmal etwas abgespeckt.
 


  1. Verklebt wird erst nach der Lackierung. Hier sind die Baugruppen fertig montiert, aber erst einmal nur am Rahmen angesteckt
  2. Der Motor setzt sich aus 27 Bauteilen zusammen. Möglich wäre noch eine Darstellung der Verkabelung (ModellFan 10/2015)
  3. Noch eine Passprobe; da der Motor nach der Lackierung eingesetzt wird, schützt dieser Test vor unliebsamen Überraschungen
 

Top: Rahmen und Fahrwerk

Was 1982 schon gut war, ist es heute immer noch. Alle Bauteile bis auf die Reifen, die in der Wiederauflage als Weichgummiteile beiliegen, sind unverändert übernommen. Alterungsbedingt findet sich teils etwas Fischhaut, die es zu entgräten gilt. Beginnend mit dem Rahmen, kontrollierte ich erst mal alle Teile sorgfältig auf ihre Passgenauigkeit. Formennähte und scharfe Kanten wurden danach mit Bastelmesser und Schleifpapier bearbeitet. Als Nächstes baute ich die Vorder- und Hinterachsen zusammen. Da einige Teile wie üblich aus zwei Hälften bestehen, wurden diese bereits vor der Baugruppenmontage zusammengefügt. Vorder- und Hinterachse verklebte ich für die spätere farbliche Gestaltung noch nicht am Rahmen, allerdings führte ich Passproben durch (1). Drei Baustufen verdeutlichen den Bau des Motors, der aus 27 Teilen besteht. Auch hier empfiehlt es sich, alle Elemente von Formennähten und scharfen Kanten zu befreien. Zunächst wurden die Formenhälften des Motorblocks samt Zylinderköpfen zusammengefügt, es folgten Turbolader, Getriebedeckel, Kühlereinheit und weitere Rohrleitungen, die es anzupassen galt. Wem aussagekräftiges Bildmaterial vorliegt, der kann das Triebwerk weiter verfeinern und nach detaillieren. Aber auch Out-of-Box weiß der Antrieb zu überzeugen (2). Ich prüfte lediglich noch, ob er auch sauber in die Halterungen am Rahmen passt (3).
 
  1. In damaligen Bausätzen lagen den verschiedenen Lkw meist diese Felgen bei und sie überzeugten nicht in der Ausführung
 
  1. Bei diesem Truck kam die CNC-Fräse zum Einsatz. Gefordert waren neue Radnabendeckel, die es im Zubehörhandel nicht gibt
 
  1. Nach Anfertigung der Zeichnungen am Computer entstanden die zweiteiligen, leicht zu verklebenden Deckel aus Polystyrol


 
  1. Das Vorbild einer MAN-Radnabe war die Vorlage für das Modellbauteil. So hätte es eigentlich schon im Kit aussehen müssen
  2. Die Bauteile der Auspuffanlage wurden für die korrekte Darstellung des Endrohrs zersägt und nach Originalfotos überarbeitet
  3. So stimmt die Form. Den Schalldämpfer einfach mit einem Stück Klebeband fixieren und dann die richtige Position überprüfen
 

Was fällt auf?

Seit Jahrzehnten liegen den Lkw-Bausätzen von Italeri die Standardfelgen bei, dabei ist die einfach nicht überzeugende Radnabe im Bausatz immer dieselbe (4). Ich ersetzte den jeweiligen Radnabendeckel also durch ein selbst erstelltes Bauteil, das ich am PC gezeichnet und auf meiner CNC-Fräse maßgenachdenau erstellt hatte (5, 6) und das dem Original nun deutlich näher kommt (7). Den Verlauf der Abgasanlage änderte ich ebenfalls, weil diese im Kit als sogenannte Highpipe-Auspuffanlage (hochgeführter Auspuff hinter der Kabine) gestaltet wurde. Alle Bauteile für diese Highpipe-Anlage, die es an der Kabelbrücke hinter der Kabine zu befestigen galt, wurden nicht benötigt. Um das neue Auspuffrohr zu fertigen, überarbeitete ich die Elemente 110 und 111 so, dass diese nun zur Seite geführt werden (8). Vorab fixierte ich den Auspufftopf mit Klebeband am Rahmen, um die korrekten Maße und die Position zu ermitteln (9).



 
  1. Die einfach aufgebaute Kabine wurde vor dem Lackieren komplett zusammengeklebt und war dadurch leichter zu bemalen
  2. Der Flüssigkunststoff lässt sich punktgenau mit dem Pinsel oder mit einer Spritzenkanüle an der jeweiligen Fuge aufbringen
  3. Das Dach erforderte noch Nacharbeit, es sollte erst zum Schluss verklebt werden. Genau auf die Ausrichtung der Teile achten
Da ich das sehr dünnflüssige Ethylacetat zum Verkleben von Polystyrol verwende, machte ich mir die Kapillarwirkung der Flüssigkeit zunutze und trug den Kleber von der Innenseite auf (11). Dies gelang gut mit einem kleineren Pinsel (alternativ einer Spritzenkanüle). Da jede Klebefuge einzeln bearbeitet wird, beim Zusammenfügen darauf achten, die Teile sauber auszurichten. Das Dach erforderte kleine Anpassungsarbeiten und sollte daher zum Schluss aufgesetzt werden (12). So vermeidet man nach dem Lackieren unschön sichtbare und nicht mehr nachzuarbeitende Klebenähte. Dank der barrierefreien Bauweise der Kabine lässt sich nach dem Zusammenbau des Unterbodens dieser später samt Armaturenbrett und Sitzen von unten einfach einschieben.



 
  1. Endarbeiten am Rahmen: Alle Baugruppen sind lackiert und lassen sich nach Trocknung problemlos am Rahmen anbringen
  2. Eine gute Wahl für Grundierungen ist der Primer von Alclad II, der gleichzeitig als Filler dient und gut schleifbar ist
  3. Ein beliebtes Arbeitsmittel des Autors ist Klarlack von Glasurit. Verschiedene Einstellzusätze bestimmen die Trockenzeit
 

Farbe kommt ins Spiel

Bei der Bemalung des Innenraums bieten sich zahlreiche Farbvarianten an. Vorlagen liefern die Fachliteratur oder das Internet. Rahmen, Achsen und Fahrwerk lackierte ich in Feuerrot-Glanz (13). Hier zeigte sich der Umstand hilfreich, dass die Achsen noch nicht am Rahmen verbaut waren. Das erleichterte die Lackierarbeiten ungemein. Gleiches galt auch für die Kabine, die ich in schlichtem Weiß einplante. Weiß ist recht schwierig zu lackieren. Als Grundierung verwendete ich ein mattes Weiß, geeignet ist auch der weiße (alternativ hellgraue) Micro Filler von Alclad (14). Nach der weißen Lackierung und der ersten Schicht Zweikomponenten-Klarlack (15) war es Zeit, die großen Kabinen-Decals aufzubringen. Diese schnitt ich zuerst randscharf aus dem Trägerpapier und brachte sie mithilfe von Weichmacher auf. Geschützt werden sie von einer weiteren Schicht Klarlack.
 
 
  1. Die Umrandung der Scheiben sollte aufgemalt werden. Als Schablone für das Tape von TESA diente das Klarsichtteil
  1. Pinseln oder tupfen? In diesem Beispiel dient ein Wattestäbchen zum Auftupfen der Farbe für die Rahmendarstellung.

  1. Fertig bemalt: Sollte Acrylfarbe unter das Klebeband gelaufen sein, lässt sie sich vorsichtig von der Karosserie abschaben

  1. Die dominanten Radabdeckungen der Hinterachsen zeigen eindeutige Markierungen für die genaue Rahmenpositionierung
  2. Die zu den Radabdeckungen passenden Markierungen finden sich am Rahmen wieder, was die Zuordnung sehr erleichtert

  1. Der Motor ist nun fest eingebaut. Sehr schön kann man auf den Zylinderdeckeln den winzigen MAN-Schriftzug erkennen
  2. Die fertige Bodengruppe mit Sitzen und Armaturenbrett lässt sich abschließend von unten leicht in die Kabine einschieben
 

Fensterdichtungen mal anders
 

Die Fensterdichtungen kolorierte ich in mattem Schwarz. Man kann sie abkleben oder auch freihändig bemalen. Ich entschied mich fürs Abkleben. Als Schablone verwendete ich das Klarsichtteil des Seitenfensters, das als Scheibe eingesetzt wurde (16 bis 18). Die Radabdeckungen halten noch eine kleine Besonderheit für den richtigen Zusammenbau bereit. Sie sind auf der Innenseite angesichts der asymmetrischen Ausführung mit Buchstaben gekennzeichnet (19). Mit einem Blick in die Anleitung lassen sie sich so leicht an der richtigen Stelle positionieren. Diese Buchstaben findet man passend dazu auch am Rahmen wieder (20). Zwischenzeitlich erhielt zudem der Motor die finale Farbgebung und seinen endgültigen Platz im Rahmen (21). Die vorletzte Arbeit bestand danach aus dem Einsetzen der bemalten Bodengruppe (22). War auch die Kabine am Rahmen positioniert galt es, die teils filigranen Anbauteile wie Seitenspiegel, Türgriffe, Dachspoiler, Sonnenblende und das Michelin-Männchen zu montieren.
 

 Fazit

Auch wenn dieser Kit in die Jahre gekommen ist und bis auf die Gummireifen unverändert auf dem Basteltisch landete, überzeugt er heute noch und gibt die damalige Technik perfekt im Modell wieder. Gerade diese älteren Vorbilder lassen sicher nicht nur mich ins Schwärmen geraten. Robuste Technik und zeitloses, funktionelles Design – für Freunde der Nutzfahrzeugtechnik ist dieser Italeri-Bausatz ein absolutes Muss.


 
Guido Kehder
Fotos: 
Guido Kehder
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