Projekt für ambitionierte Nachwuchsbastler

Pädagogisch wertvoll: Arche Noah

Auf der Suche nach einem schönen Modellbauprojekt für zwei ambitionierte Nachwuchsbastler stieß ich auf den Minicraft-Kit der Arche Noah. Denn ein Schiff, das seit unzähligen Generationen die Fantasien von Erwachsenen anregt, sollte doch die Fantasie von Kindern erst recht beflügeln und ihren Modellbaueifer wecken können.

Die Arche Noah fährt der neuen Welt entgegen. Alle Tiere, die wir kennen, sind mit an Bord. © Wolfgang Kring
Die Arche Noah fährt der neuen Welt entgegen. Alle Tiere, die wir kennen, sind mit an Bord.

Wie viele Jungs ihres Alters lieben meine beiden ihre Spielzeug-Dinosaurier über alles. Sie kennen jeden noch so zungenbrecherischen Namen und vieles mehr.

Umso überraschter waren sie, als ich ihnen eines Tages ein Lied aus dem Jahr 1980 vorspielte, in dem es darum geht, dass Noah seine Arche baut, doch die Dinosaurier zu schwer dafür sind und zurückbleiben müssen.

„Die Dinosaurier werden immer trauriger, denn sie dürfen nicht an Bord.“

Gut vermessen

Minicrafts Arche ist ein ungewöhnlicher Bausatz in den Schiffsmodellfluten. Laut Hersteller ist das einfache Modell im Maßstab 1:350 gehalten.

Noah war sicherlich eine herausragende Figur der Bibel, ob er aber auch wie die beiliegende Noahfigur um ein Mehrfaches größer war als handelsübliche Figuren im Maßstab 1:350, bleibt offen.

Das gilt auch für die Tiere aus dem Bausatz. Die Abmessungen des Modells dagegen entsprechen den Angaben des Alten Testaments.

Nach den Angaben aus dem Buch Genesis wäre die Original-Arche zwischen 133 und 168 Meter lang gewesen. Minicrafts 47 Zentimeter langes Modell läge mit 164,5 Metern also im „biblischen“ Rahmen.

So viel zur Theologie. Da die Arche auch als zweiteiliges, in der Mittellinie geöffnetes Schaumodell gebaut werden kann, sind die auf drei Decks verteilten Käfige und Gatter im Bauch der Arche im Bausatz enthalten.

Das Abzwicken der zahlreichen Bauteile von den Spritzlingen und das anschließende Versäubern stellte die erste Geduldsprobe für meine beiden Nachwuchsbastler dar.

Der Aufbau der einzelnen Käfige ging Deck für Deck in einträchtigem Teamwork vonstatten. Aufgabenteilung war angesagt und zusammen kontrollierten sie, ob alles auch an der passenden Stelle stand.

Wir planten, den Text des oben genannten Liedes in einem Diorama umzusetzen. Dies bedeutete aber, dass von der ganzen Arbeit mit den Käfigen am fertigen Modell nichts mehr zu sehen sein würde.

Deshalb bauten wir nur eine Rumpfseite aus, um dem Modell mehr Stabilität zu verleihen und das Deck zu stützen; die zweite Hälfte blieb leer.

Auf zum Diorama

Voll kindlicher Ungeduld mussten natürlich auch die Plastik-Dinos schon mal probestehen. Während die beiden das Modell grundierten, schnitt ich den Umriss der Arche aus einer Styroporplatte für das spätere Wasserbett.

Aus einem weiteren Stück Styropor schnitzte ich die kleine, noch verbliebene Insel am Rand der Szenerie. Dem Kleinen reichte es. Er arbeitete nun schon seit über einer Stunde und das Modell war immer noch nicht fertig.

Der Große hatte etwas mehr Ausdauer, klebte noch die Styroporplatten des Dioramas zusammen, bestrich sie mit Strukturgel, um die Poren in deren Oberfläche zu verschließen, und bestreute das feuchte Gel auf der Insel mit feinem Sand.

Das reichte dann aber auch für den ersten Projekttag. Weiter ging es am nächsten Tag mit dem Einfärben der getrockneten Dioramengrundplatte, dem Bemalen der Tiere aus dem Bausatz und einiger 1:350er-Figuren sowie Noah und seiner Familie.

Mehr hatten meine beiden Helfer für den Moment auch nicht zu tun, denn schließlich musste das Ganze erst wieder trocknen (und Hausaufgaben gab es auch noch zu erledigen). Die Ruhe nutzte ich, um die Arche ein wenig zu überarbeiten.

Zuerst schloss ich die Spalten an Bug und Heck, die sich bei der Montage gebildet hatten, mit Plastik- Sheet. Danach war wieder Quellenstudium angesagt.

Denn laut Bibel hatte Noah folgenden Auftrag erhalten (Gen 6.14): „Mach dir eine Arche aus Zypressenholz! Statte sie mit Kammern aus und dichte sie innen und außen mit Pech ab!“

Zypressenholz ist relativ hell, welches aber durch das Pech nachgedunkelt sein dürfte. Mit einem alten Borstenpinsel malte ich den Rumpf und die Hütte trocken.

Dazu nutzte ich Dunkelbraun Humbrol 170 und für das Deck das hellere Humbrol 94. Einen Tag später überfielen mich meine beiden Basler erneut voller Ungeduld und Arbeitseifer.

Die Insel erhielt zumindest teilweise einen grasgrünen Anstrich und zusammen montierten wir eine Rampe auf ihr. Zusätzlich bemalten wir noch ein paar Kleinteile des Herstellers Niko aus meiner Restebox wie Holzkisten, einen Stapel Säcke und gestapelte Baumstämme.

Dazu klebten wir noch zwei Käfige aus den übrig gebliebenen Teilen des „Innenlebens“ der Arche zusammen und dekorierten das sonst sehr eintönige, leer gehaltene Deck.

Die Arche war nun bereit, in See zu stechen. Eingesetzt in die Dioramenplatte, tupften meine Jungs nochmals eine Schicht Acrylgel auf die Wasserfläche.

Die Flut schlägt Wellen …

Mit einem dicken, weichen Pinsel lassen sich mit dieser Methode kinderleicht kleine Wellen erzeugen. Als weiterer Effekt lässt sich das durchsichtig austrocknende Gel mit dem Pinsel auch einfach zu Wellenkä ;mmen – sei es als Bugwelle oder Dünung am Strand – zusammenschieben.

Unser Noah ist nun mit seiner Sippe und den Tieren unterwegs. Nur die Dinosaurier stehen noch an Land und schauen der Arche traurig hinterher. Die Bibel schweigt zu Antrieb und Steuerung der Arche.

Noah hatte sich voller Gottvertrauen einfach treiben lassen, bis er am Berg Ararat landen konnte. Was wäre gewesen, wenn ihn die Strömung weiter ostwärts getrieben hätte und er am Mount Everest gestrandet wäre?

Ob der Rest der Welt dann erst wieder durch Marco Polo von ihm erfahren hätte? Wir wissen es nicht …

Das endgültige Aus für die Dinos

Zum Schluss nochmals eine Textzeile des Liedes, das die ganze Zeit nebenher lief: „Dinosaurier sind ausgestorben, das weiß jedes Kind. Nun weiß man auch, warum die Saurier ausgestorben sind.“

Ein Erklärungsversuch des vorzeitlichen Massensterbens, der sich aber nicht mit der Bibel belegen lässt.

TEXT und FOTOS: Wolfgang Kring
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