Panzerzug BP 42

Panzerjäger-Triebwagen Nr. 51: Kompakter Panzerzug

Dank Trumpeter ist es möglich, einen kompletten Panzerzug BP 42 zu bauen. Der Artikel widmet sich dem Panzerjäger-Triebwagen Nr. 51, mit dem das Thema Panzerzüge in recht kompakter Form baubar wird.

Dragon liefert den Panzerjäger-Triebwagen als imposantes Großmodell © Frank Schulz
Dragon liefert den Panzerjäger-Triebwagen als imposantes Großmodell

Im Karton finden sich zehn gut verpackte Spritzlinge und weitere Teile für die Panzertürme, die Panzerwanne und das Schotterbett der Schienen. Für die Turmschürzen liegen alternativ zu den Plastikteilen zwei Platinen mit Ätzteilen für Schürzen und Halterungen bei. Ein kleiner Bogen mit Decals ergänzt den Bausatz. Insgesamt machen die Teile einen guten Eindruck und versprechen viel Bastelspaß und ein riesiges Endergebnis in der Vitrine.

Out-of-Box oder genau geschaut?

Der Zusammenbau beginnt mit den vier Achsen und den Radkästen. Hier trifft man auf einen elementaren Konstruktionsfehler, den man aber zum Glück ignorieren kann. Das Modell zeigt vier starre Achsen, damit würde ein Fahrzeug dieser Länge in der ersten leichten Kurve aus den Schienen springen. Der Panzerjägertriebwagen hatte im Original zwei Drehgestelle.

Da aber keine Details dazu bekannt sind, kann man die Achsen getrost nach Bauplan einbauen. Entgegen der Bauanleitung wurde nun die Oberwanne montiert. Die kleineren Türen im seitlichen Aufbau müssen über den Auftritten in der Unterwanne liegen. Man kann die Oberwanne trotz kleiner Passstifte an Front und Heck leicht falsch herum montieren – ich spreche aus Erfahrung!

An Front und Heck fallen kleinere Spachtelarbeiten an, größere an den kleinen und großen Anbauteilen wie den Türen, Radabdeckungen, Scharnieren und anderem. Die seitlichen Einstiegstüren E1 und E2 sind zu lang und müssen zum passgenauen Einsetzen an der Unterkante leicht gekürzt werden.

An allen Türen wurden die aufgeprägten Griffe entfernt und durch neue ersetzt, unter diesen Ringe aus Draht und an den Aufbauseiten je zwei kleine runde Abdeckungen ergänzt. Die Auftritte unter den Türen wurden neu aus Draht gefertigt, der Dachlüfter D12 leicht schräg angebaut.

Die zwei Türme

War das Modell aufgrund fehlender Detailinformationen bis hier für den Nieten zählenden Modellbauer doch eher eine Enttäuschung, kommt es jetzt dafür umso dicker. Der Bausatz enthält zwei Türme, die einer Mischung aus spätem Panzer IV Ausf. H und der Ausf. J entsprechen.

Die Inneneinrichtung ist brauchbar, zumal man selbst bei komplett geöffneten Luken hiervon nicht wirklich viel sieht. Die Details sind an einigen Stellen zu verbessern oder zu erstellen, aber auch die Passgenauigkeit lässt immer wieder zu wünschen übrig.

Tatsache ist aber, dass der Panzerjägertriebwagen Nr. 51 entgegen der ursprünglichen Planung mit Türmen des Panzer IV Ausf. J ausgestattet wurde, was in der Literatur und auch auf der oben genannten Zeichnung nicht berücksichtigt wird. Schaut man aber genau auf die Fotos des Panzerjägertriebwagens Nr. 51, sieht man deutlich, dass die seitlichen Turmluken keine Sicht- und Pistolenluken zeigen und dass der Deckel der Kommandantenluke nicht senkrecht hochklappt (Ausf. H), sondern seitlich ausschwenkt (Ausf. J). Damit wird ein simpler Umbau für den Modellbauer ausgeschlossen.

Ich habe mich leider voll auf die Detaillierung und Verbesserung der Türme der Ausführung H versteift. Sogar die zwei neuen Rohre wurden für diese Version gekauft. Erst nachdem der erste Turm mit geschlossenen Luken und ohne Inneneinrichtung fertig war, kam das böse Erwachen! Ein Austausch gegen Tamiyas Türme des Panzer IV Ausf. J hätte viel Detailarbeit und Mühe erspart.

Ich entschloss mich aber, die Trumpeter-Türme umzuarbeiten und noch zwei neue Rohre mit den späten Mündungsbremsen zu kaufen. Folgende Arbeiten wurden an den Türmen durchgeführt: Die Aussparungen/Öffnungen für die Schürzenhalter und den Staukasten wurden verschlossen/verspachtelt sowie an den seitlichen Turmluken die Sicht- und Pistolenluken entfernt und die Löcher verschlossen/verspachtelt.

Bei offener, vom StuG III stammender Kommandantenkuppel müssen weiterhin fehlende Details wie die Verriegelung und das Kopfpolster an der Luke ergänzt werden. Laut Bauplan soll lediglich nur je ein Zughaken montiert werden. Es dürfte aber wie bei jedem anderen Schienenfahrzeug auch eine komplette Kupplung vorhanden gewesen sein.

Die Teile hierfür sind sogar an den A-Spritzlingen enthalten. Da es nur drei mehr oder weniger gute Fotos der Panzerjägertriebwagen gibt, wird eine weitere Detaillierung schwierig. Das Modell beruht auf der betagten Zeichnung von P. Mallmasari, die in vielen Bereichen nur mutmaßliche Details zeigt.

Die Passgenauigkeit der Türen am Turm ist katastrophal, hier fällt wieder viel Nacharbeit an. Die Hebeösen (B22) müssen dünner geschliffen oder durch neue ersetzt und auf dem Turmdach neben dem Turmlüfter ein S-Minenwerfer ergänzt werden. Vor der Kommandatenkuppel wird ein Zielstachel ergänzt.

Die Waffe wird durch weit bessere Teile von Armor-scale ersetzt. Dieses Set enthält die Kanonenblende aus Resin, das Rohr aus Aluminium, die Mündungsbremse und das koaxiale MG aus Messing, dazu Ätzteile. Die Sichtluke in der Turmfront wird verschlossen und die Regenrinne über der Optiköffnung durch eine neue dünnere aus Blech ersetzt. Letztendlich sollte der Deckel der Rommelkiste noch wesentlich dünner geschliffen werden.

Die Turmschürzen zu montieren wurde zur Glaubensfrage und zum Geduldsspiel. Obwohl die Plastikteile der Schürzen sehr scharfe Kanten aufweisen, sind sie zur Mitte hin recht dick. Auch die Plastikhalterungen fallen zu dick aus. Ich fertigte also die kompletten Schürzen aus Ätzteilen, als Formvorlage dienten die Plastikteile, die übrigens länger sind als die Ätzteile!

Die gebogenen Ätzteile wurden an der Nahtstelle am Heck mit einem Stück Plastik verstärkt, um sie zu verbinden. Dieses Plastikstück sollte so dick sein, das es den Abstand zwischen Rommelkiste und Schürze vorgibt und man so die Schürze quasi unsichtbar an der Rommelkiste fixieren kann.

Nun wurden die Halterungen für die hinteren Schürzenteile montiert und danach die Türen, die vorderen Teile der Schürze und die vorderen Halterungen vorbereitet. Die Schürzenteile wurden fixiert und zuerst die vorderen Halterungen angebracht, so konnte die Schürze genau ausgerichtet werden. Zum Schluss wurden die mittleren Halterungen montiert und dabei immer auf Symmetrie geachtet!

Farbe auf großen Flächen

Die einfarbige Bemalung großer Flächen wie am Panzerjägertriebwagen ist nicht ganz ohne. Ich entschloss mich, mehrere Methoden anzuwenden und dabei teils auch Neuland zu betreten. Zuerst wurde das Modell dunkelbraun vorschattiert, danach folgten mehrere Durchgänge mit verschiedenen Sandtönen.

Hierbei wurden indirekte Lichter im oberen Bereich gesetzt, danach vorstehende Details wie Luken, Abdeckungen, Scharniere und Lüfter mit aufgehelltem Sandgelb bemalt und so starke Kontraste gesetzt.

Eigentlich sollten beide Türme einen sichtlich anderen Farbton erhalten wie die Wanne, was aber leider nicht so gelang wie es geplant war. Die Rohre wurden als Kontrast dunkelgrau bemalt. Dies ist keine künstlerische Freiheit, bei der verwendeten Farbe handelt es sich im Original um eine hitzebeständige Grundierung für Kanonenrohre, die nach Trocknung oftmals nicht sandgelb überlackiert wurde.

Als erster Filter wurde eine dünne Lage stark verdünntes Clear Orange X26 von Tamiya aufgetragen, was eine tolle Homogenisierung der Flächen bewirkt. Nun erfolgte ein Washing mit Produkten von MIG und danach wurden die Flächen nochmals durch das punktweise Auftragen und Auswischen von Ölfarben in den Tönen Gelb, Weiß und Braun aufgelockert.

Für das Auswischen sollte man mildes und hochwertiges Terpentin verwenden und immer von oben nach unten arbeiten. Details wurden mit Dark Wash von MIG hervorgehoben, leichte Kratzer und Farbabplatzer entstanden mit der Vallejo-Acrylfarbe Dunkelgrau, wobei nicht übertrieben wurde, denn der Panzerjägertriebwagen war ja eigentlich ein fabrikneues Fahrzeug.

Die Decals des Bausatzes wurden nicht verwendet, denn das Original zeigt keinerlei Markierungen außer weißen Warnmarkierungen an den Enden der Wanne. Zudem habe ich die Puffer mit weißen Ringen als Warnstrich versehen, wie es in den späteren Kriegsjahren so vorgeschrieben war.

Wichtiger Akteur im Diorama ist der Jeep, ohne ihn könnte es keine Geschichte erzählen, schließlich soll gezeigt werden, wie die amerikanischen Truppen im Mai 1945 den Panzerjäger-Triebwagen Nr. 51 auf dem Betriebsgelände der Steyr-Werke Münichholz entdecken.

Ich habe mich für das neuere Tamiya-Modell entschieden, wohl wissend um die gute Passgenauigkeit, aber auch um kleine Detailmängel. Nach einem kurzen Fotostudium wurden folgende Details verbessert oder ergänzt: Die Vorderachse wurde mit einem leichten Lenkeinschlag versehen (8), im Innenraum links und rechts unter dem Armaturenbrett je eine Verstärkungsstrebe ergänzt, die Sitzbefestigungen am Bodenblech nachgebildet und die fehlenden Pedale ergänzt. Am Armaturenbrett wurden die Arretierungen der Frontscheibe und an den Außenseiten die Ösen für die Gurte ergänzt, ebenso fehlende Nieten und Schraubenköpfe.

Der Frontscheibenrahmen erhielt Leitungen für die Scheibenwischer, Aussteller für die Fensterscheiben und Flügelmuttern zum Festellen. Auch die Schnellverschlüsse der Motorhaube und die zum Arretieren der abgeklappten Frontscheibe wurden ergänzt und auf der vorderen Stoßstange und im Bereich vor dem Kühler Nieten angebracht. Der Reservekanister erhielt einen besseren Verschluss, an den Werkzeugen wurden die Halterungen verbessert und/oder ergänzt.

Die Farbgebung und Alterung erfolgte nach dem oben beschriebenen Muster, wobei Oliv Drab von Lifecolour als Grundfarbe diente. Entscheidend waren bei dem Jeep die Markierungen, für die ich mir drei Sets von Archer als Ersatz für die dicken und leicht glänzenden Tamiya-Decals zulegte.

Außerdem musste ich mich erstmals mit dem Markierungssystem der amerikanischen Militärfahrzeuge auseinandersetzen, um einen Jeep des 5. Infanterie-Regiments der 71. US-Infanterie-Division darzustellen. Die erstklassigen Markierungen lassen sich gut verarbeiten, nur die Zahlen für die Bumper Codes sind etwas zu groß, was sich besonders an den zweizeilig angeordneten Zahlen am Fahrzeugheck bemerkbar macht.

Im Innenraum wurden reichlich Beutestücke und Souvenirs angeordnet, welche die beiden GIs schon eingesammelt haben. Außen an den Planenspriegeln wurden zudem noch diverse Taschen befestigt. Damit war der Bau der beiden Modelle komplett abgeschlossen und es ging nun an den Bau des Dioramas. Ein Fabrikgelände mit Bahnschienen und möglicherweise eine Fabrikhalle sollten es schon sein, auch wenn ich keine Bilder des damaligen Steyr-Werkes in Münichholz fand.

Ich hatte zum Glück noch einen alten Escenart-Bausatz einer nicht zerstörten Fabrikhalle in meinem Fundus. Leider produziert dieser spanische Hersteller schon seit Jahren nicht mehr. Damit die verwendete Wand nicht nur frei auf dem Diorama steht, habe ich den Winkel dahinter aus Plastikplatten erstellt.

Für den Untergrund wurde Keramin Gießkeramik verwendet. Die Grundplatte aus wasserfester Spanplatte wurde mit Zierleisten umrahmt, die fünf Millimeter höher sind als die Platte. Diese „Wanne“ wurde mit Silikon abgedichtet und als Schienenersatz 5x5 Millimeter starke Holzleisten mit doppelseitigem Klebeband als Platzhalter befestigt.

Auch der Gulli wurde jetzt bereits festgeklebt. Nach Aushärtung der Gießmasse konnte die Oberfläche bearbeitet und die einzelnen Platten, Risse und abgeplatzte Bereiche graviert werden. Anstelle der Holzstäbe wurden nun auch die Schienen aus dem Trumpeter-Bausatz eingesetzt.

Für die Gestaltung vor der Hauswand mit Zubehör plünderte ich die Grabbelkiste und platzierte neben dem Jeep noch einen Stapel Munitionskisten von Tamiya. Für die Figuren waren zwei aus dem MiniArt-Set „U.S. Jeep Crew and MP“ vorgesehen.

Eine erste Passprobe zeigte aber, dass der Fahrer nicht in den Tamiya-Jeep passt. Also wurde der Tamiya-Fahrer umgearbeitet und mit Armen von MiniArt versehen. Beide Figuren erhielten neue, ausdrucksstarke Köpfe von Hornet, auf die die Helme von MiniArt perfekt passen.

TEXT und FOTOS: Frank Schulz
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