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Porsche 997 GT3 RSR: Step-by-Step zum perfekten Finish

Dank Kleinserienherstellern gelangen auch besonders ausgefallene Typen wie der Porsche 997 in die Hände der Modellbauer. Solche Modelle sind nicht ganz einfach zu dekorieren – es sei denn man arbeitet Step-by-Step.

Der Porsche 997 ist ein technisches und optisches Highlight; die Kleinserie lässt hier auch Modellbauwünsche wahr werden. © Sascha Müller
Der Porsche 997 ist ein technisches und optisches Highlight; die Kleinserie lässt hier auch Modellbauwünsche wahr werden.

Der Bausatz des 997 GT3 RSR ist nur in einer sehr kleinen Auflage erschienen. Besonderheit ist die Karosserie aus PE-Kunststoff. Außerdem gehören Resin-Kleinteile, Ätzteile, tiefgezogene Scheiben sowie gedrehte Alu-Stücke zum Inhalt. Da ich das Art Car von Flying Lizard bauen wollte, welches 2007 in Le Mans gefahren ist, musste ich einige kleine Änderungen an der Karosserie vornehmen.

Als Erstes bohrte ich Löcher für die Zusatzscheinwerfer in die Frontschürze. Insgesamt dürfen Le Mans-Fahrzeuge über maximal sechs Scheinwerfer verfügen, und Flying Lizard nutzte das voll aus. Als Einsätze für die Scheinwerfer verwendete ich Glaslinsen. In diesem Kit waren diese bereits enthalten, es gibt sie aber auch von verschiedenen Herstellern in unterschiedlichen Farben und Größen.

Außerdem öffnete ich die Lüftungsschlitze auf der Motorhaube, die Öffnungen für die Bremsbelüftung, die Schlitze hinter den Hinterrädern und am Heck das Langloch, wo später der Druckluftanschluss für die Wagenheber seinen Platz findet, und verschliff die Kanten sauber mit Schlüsselfeilen.

Der Tankdeckel auf der Motorhaube wurde mit einem Stück Plastic-Sheet als Auflage für das später anzubringende Ätzteil verschlossen. Für die Positionsleuchten bohrte ich zunächst kleinere Löcher vor und weitete sie danach mit einem 3-mm-Bohrer auf das endgültige Maß. Schließlich wurden noch sämtliche Löcher für die Nieten mit einem 0,5-mm-Bohrer gesetzt.

Zeit für eine Lackierung

Die Karosserie erhielt zuerst innen und außen eine Lage weiße Sprühgrundierung von Tamiya. Danach klebte ich sämtliche Fenster zum Schutz des Innenraumes vor der Außenfarbe ab. Es folgten zwei Schichten Aluminium Silver (TS17) und eine gewisse Zeit zum Aushärten. Danach klebte ich die Farbgrenzen mithilfe von Originalbildern und dem Decal-Satz mit Tamiya-Klebeband ab.

Hier gibt es einen kleinen Spielraum, was den exakten Verlauf der Grenzen betrifft, da das Decal später etwas über die lackierten Grenzen geklebt und somit der exakte Verlauf mit dem Decal bestimmt wird. Das Blau ist eine Mischung aus dekantiertem (mehr dazu in der MBA) Tamiya French Blue (TS10) und Weiß (TS26). Um das genaue Verhältnis zu bestimmen, testete ich vorher einige Probelackierungen, um den Farbton im getrockneten Zustand vergleichen und eventuell Änderungen vornehmen zu können.

Mit dem passend angemischten Ergebnis lackierte ich zwei Schichten über das Silber. Dabei wartete ich zwischen den Schichten nur etwa 15 bis 20 Minuten und entfernte gut fünf Minuten nach der zweiten Schicht bereits das Klebeband. Zu diesem Zeitpunkt ist die Farbe noch etwas flüssig, was dazu führt, dass eine saubere Grenze ohne deutliche Kante entsteht. Dadurch erspart man sich das spätere Entfernen, falls die Farbkante sichbar bleiben sollte.

Nach dem vollständigen Durchhärten des Anstrichs klebte ich die Karosserie am Heck für die rote Fläche ab. Das ist eine Mischung aus Tamiya Italien Red (TS8) und Bright Orange (TS31). Lackiert wurde nach dem gleichen Schema wie auch beim Blau. In die schwarz bemalten Scheinwerfergehäuse klebte ich die Scheinwerferlinsen ein.

Für die Zusatzscheinwerfer in der Mitte verwendete ich Linsen mit drei Millimeter Durchmesser. Die in den ehemaligen Blinkern haben 1,5 Millimeter und in den Scheinwerfern vier Millimeter Durchmesser. Anschließend klebte ich die Scheinwerfergläser mit Weißleim ein. Somit war die Karosserie bereit für die Decals von Profil24.

Die sind wie üblich von hervorragender Qualität, der Druck ist sauber, sie decken sehr gut und lassen sich zudem leicht mit Weichmacher verarbeiten. Ich verwende vor dem Aufbringen „Mr.Mark Setter“ als Decal-Kleber und zusätzlich nach dem Aufbringen den Weichmacher „Mr.Mark Softer“ von Mr.Hobby.

Kein leichter Job

Der Decal-Auftrag verlief von der Front bis zum Heck. Diejenigen auf dem Dach und auf Höhe der Türen kamen zuletzt. Diese Arbeit ist nichts für den Anfänger. Teilweise kommen bis zu drei Schichten übereinander und besonders der Bereich hinter der Heckscheibe ist eher was für erfahrene Modellbauer. Herausragend sind Decals wie die halbtransparenten am rechten hinteren Kotflügel.

Als Letztes brachte ich die Chrom-Varianten auf. Anschließend lackierte ich die Luftschlitze hinten links mit dem selbst gemischten Rot mittels Pinsel. Das mag zwar auf den ersten Blick widersprüchlich erscheinen, doch wenn man weiß, dass bei dem Originalfahrzeug das Blau nur eine Folie ist, die über die rote Karosserie geklebt wurde und die nicht bis in die Luftschlitze verläuft, macht dieser Arbeitsgang Sinn.

Weiter ging es mit den Heckscheinwerfern, für einen „leuchtenden“ Effekt mit Bare Metal Foil hinterlegt. Diese Heckscheinwerfergläser bemalte ich mit Klarrot von Tamiya und klebte sie anschließend an die Karosserie, ebenso wie die Nieten mit 0,6 Millimeter Durchmesser von T2M.

Nach rund einer Woche Trocknungszeit lackierte ich drei Schichten Klarlack von Gunze aus der Dose auf die Karosserie. Ich war mit dem Glanzgrad so zufrieden, dass ich mir das Polieren ersparte und die Karosserie zum Abschluss nur noch mit Wax von Tamiya behandelte. Die Scheiben liegen dem Kit tiefgezogen bei.

Nach dem Ausschneiden wurden sie mit Weißleim eingesetzt. Ein besonderer Clou sind die aus Folie geschnittenen Scheibenrahmen. Diese befinden sich separat auf einer Trägerfolie und lassen sich einwandfrei aufkleben.

Kleinteilmontage

Als Nächstes klebte ich die Ätzteilgitter in die Lufteinlässe ein, die Haubenhalter auf und brachte an der Karosserie die Spoiler an. Am Original gibt es unter der Frontschürze noch eine Spoilerlippe aus Gummi, die dafür sorgen soll, dass der Spalt zwischen Karosserie und Boden immer möglichst klein bleibt, ohne bei einer Berührung beschädigt zu werden.

Ich habe diese Spoilerlippe aus DC-Fix-Folie nachgebaut, indem ich einen zirka zwei Millimeter breiten Streifen an die untere Kante mit Sekundenkleber an- und die Folie mit Ätznieten von Scale Motorsport beklebte, da am Original diese Lippe angenietet wird. Den Heckspoiler lackierte und dekorierte ich zusammen mit der Karosserie. Zum Schluss kamen die beiliegenden geätzten Spoilerhalterungen an die Karosserie und der Heckspoiler auf die Halterungen.

Zusatzarbeit im Innenraum

Die Bodenplatte für den Innenraum säuberte ich zunächst mit Isopropanol, gefolgt von einer Grundierung und einer Schicht Mattschwarz (Tamiya). Danach verklebte ich die Bodenplatte mit der in Tamiya- Weiß lackierten Innenraumwanne. Den Sitz behandelte ich mit der Mehlmethode, ebenso das Lenkrad.

Gurtmaterial und Gurtschlösser liegen dem Kit bei, sind aber auch separat erhältlich. Die Fußraumplatte erstellte ich aus Plastic- Sheet und lackierte sie in Mattschwarz. Das Armaturenbrett in German-Grey (Tamiya) belegte ich stellenweise noch mit Carbon-Decals. Den zusammengebauten Käfig passte ich erst einmal trocken ein, grundierte ihn anschließend und lackierte ihn ebenfalls mit Tamiya-Weiß.

Nun ging es an die Steuergeräte und deren Verkabelung. Diese Apparate baute ich aus Plastic-Sheet nach Originalbildern. Die Decals dafür liegen dem Kit allerdings bei. Bei der Verkabelung halte ich mich in der Regel grob an Originalbilder, kontrolliere aber nicht genau die Anzahl oder ob alle exakt verlegt sind.

Hier kommt es eher auf ein realistisches Gesamterscheinungsbild an. Im vorderen Bereich der Bodenplatte klebte ich noch einen Kühler aus der Restekiste auf, im hinteren Zigarettenpapier und Carbon-Decals. Beides ist durch die Öffnungen und Schlitze noch gut sichtbar. Die Endrohre baute ich aus Aderendhülsen. Damit sie nicht wie völlig neu aussehen, hielt ich sie kurz über ein Feuerzeug.

Durch die hohe Wärme läuft das Metall an und es setzt sich Ruß ab. Matter Klarlack versiegelte das Ganze, denn der Ruß ist sonst nicht grifffest. Nach dieser Behandlung sehen die Endrohre aus wie bei einem echten Rennwagen. Mit Farben ist der Effekt nur schwierig darzustellen.

Letzte Details

Schließlich setzte ich die Karosserie auf die Bodenplatte und es ging an letzte Detailarbeiten. Die Scheibenwischer aus Ätzteilen fanden ihren Weg an die Karosserie, ebenso die Antennen aus Pferdehaar auf dem Dach. Der Not-Aus-Schalter an der Front besteht aus einem gebogenen Draht. Die Bremsscheiben sind Ätzteile und die Bremssattel aus Resin, in einer Mischung aus Silber und Gold aus Edding-Stiften lackiert.

Die Felgen gehören zum Bausatz, sind aber auch separat erhältlich und passen sehr gut zu vielen weiteren GT3-Fahrzeugen. Sie bestehen aus zwei Teilen, dem gedrehten Alu-Ring und dem chrombedampften Einsatz.

Ich habe dann noch die Zentralmutter der Felgen für die linke Seite mit Clear-Red und für die rechte mit Clear-Blue lackiert, beides Tamiya-Farben. Mit dem Anbringen der Räder waren sämtliche Arbeiten am Porsche 997 GT3 RSR abgeschlossen.

Perfektes Finish Step-By-Step

Für mich gibt dieser Bausatz einen der schönsten Porsche der letzten zehn Jahre wieder. Dank des tollen Kits von Scale Production war es möglich, das Fahrzeug originalgetreu nachzubauen. Und Cartograph belegt auch bei dem verwendeten Decal-Satz die hohen Qualitätsansprüche. Arbeitet man mit Bedacht Step-by-Step, gelingt eine perfekte Dekoration.

TEXT und FOTOS: Sascha Müller
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