Licht und Schatten Tarnung

Prototyp: Trumpeters Geschützwagen VI

„Licht und Schatten“ ist ein Begriff, der in Bezug auf Fahrzeuge der Deutschen Wehrmacht für eine bestimmte Art der Lackierung verwendet wird. MODELLFAN gibt anahnd von Trumpeters Geschützwagen VI Tipps zum Bau.

Ob der Maybach-Motor so gerußt hat, sei mal dahingestellt. Die „Fahnen“ sehen jedoch recht realistisch aus. © Harald Fitz
Ob der Maybach-Motor so gerußt hat, sei mal dahingestellt. Die „Fahnen“ sehen jedoch recht realistisch aus.

Neben 15 Spritzlingen finden sich in einem separaten Abteil die einteilige Wanne, die Ketten aus weichem Material sowie ein kleiner Bogen mit Fotoätzteilen. Der Bauplan ist ein 28-seitiges Büchlein, der Bemalungsvorschlag liegt als separates Farbblatt bei. Dieser ist sehr einfach gehalten, stellt er das Fahrzeug doch in einem einfarbigen rostroten Farbton dar.

Da es nur einen Prototyp gab, der auch noch in der Bauphase erobert wurde, stimmt die Farbgebung sicherlich, sonderlich einfallsreich ist sie jedoch nicht. Auf sehr vielen Bauteilen finden sich leider teils kräftige Auswerferstellen, häufig auf sichtbaren Stellen und mit Details umgeben, die ein Zuspachteln und Verschleifen ohne Beschädigungen fast unmöglich machen.

Bei einigen Teilen stand ich kurz davor, sie aus Sheet neu anzufertigen. Auch findet sich so mancher Gussgrat und Versatz. Mich haben diese Mängel doch sehr überrascht, da ich Bausätze von Trumpeter besitze, die sich deutlich anders präsentieren.

Kleine Laufwerksschwächen

Sieht man von dem leidigen und zeitaufwendigen Spachteln und Schleifen ab, geht der Bau recht einfach von der Hand. In Baustufe 2 habe ich eine Veränderung vorgenommen: Laut Bauplan liegen die erste und letzte Laufrolle je Seite nicht auf dem Boden auf. Dies halte ich für unwahrscheinlich, da es hierfür keinen technischen Grund gab. Die Laufrollen sollen die Gewichtskraft auf die Ketten übertragen.

Wäre es wie am Modell gewesen, würde die Kettenauflagelänge verkürzt und das ohnehin schon hohe Flächengewicht hätte sich grundlos erhöht. Also habe ich bei der Montage der Schwingarme die Bohrungen der Zapfen aufgebohrt und diese mit den Laufrollen so verklebt, dass sie nun wie die anderen eben aufliegen.

Aufgrund der Länge waren die weichen Ketten in meinem Bausatz relativ stark verdreht. Da ich noch zwei Sätze ältere Ketten von ModelKasten hatte, wollte ich die Originale ersetzen. Nur musste ich feststellen, dass die Antriebsräder unterschiedlich waren. Dem Bausatz liegen Räder mit 18 Zähnen bei, die ModelKasten-Ketten können nur solche mit neun Zähnen gebrauchen.

Historisch richtig für den Prototyp sind die 18-Zahn-Antriebsräder. Aber Ketten und Antriebsräder waren recht leicht austauschbar, sodass diese Kombination nicht unmöglich gewesen wäre. Also Seitenschneider raus und neun Zähne abgezwickt. Nach dem Verschleifen der Zahnstummel musste ich jedoch feststellen, dass die Zahnteilung nicht richtig zu den Ketten passte.

Was tun? Ich grub in meinem Fundus und fand zwei Tiger II-Antriebsräder von Friulmodel, welche die richtige Konfiguration aufwiesen. Sie passten nicht nur zu den Ketten, sondern exakt auf die Achsstummel von Trumpeter. Ich musste nur eine Distanzplatte von 1,5 Millimetern pro Seite unterlegen, um sie in Flucht zu bringen.


Von links nach rechts: (Fotos, sofern nicht anders angegeben: Harald Fitz)
  1. Zwei Sets der Model Kasten-Ketten aus Einzelgliedern wurden benötigt. Allerdings blieb noch eine stattliche Anzahl übrig.
  2. Das Lenkgetriebe ist recht imposant, es bleibt aber noch viel Platz für Details. Später ist davon kaum noch etwas sichtbar.
  3. Ein Bausatz im Bausatz –der detaillierte Maybach-Motor wurde nicht eingebaut, sondern für ein anders Projekt verwendet.

Der üppige Innenausbau

Nach der Montage des Laufwerks konnte ich mich der recht kompletten Innenausstattung des Motor- und Fahrerraumes widmen. Positiv hervorheben möchte ich hier das schöne Lenkgetriebe und als Highlight den Antriebsmotor, welcher einen Bausatz im Bausatz darstellt. Beinahe 100 Bauteile sind für die Darstellung und Detaillierung des Motors reserviert, zu Schade, um ihn im engen Motorraum verschwinden zu lassen.

Ich habe ihn deshalb auch nicht eingebaut und werde ihn mir für ein anderes Projekt aufsparen, ebenso das Lenkgetriebe. Wer allerdings die Luken geöffnet darstellen möchte (Achtung: Auswerferstellen beachten) findet in dem großen Fahrer-/Funker-Raum noch genug Potential zur ergänzenden Detaillierung.

Der hintere gepanzerte Aufbau wurde ohne Veränderung gebaut. Ich fügte noch ein paar Schraubenköpfe an den hinteren Stützstangen hinzu. Auch wurden die Seitenwände an den Rändern dünner geschliffen. Am vorderen Aufbau ergänzte ich verschiedene Schweißnähte. Die Motorluken, die Fahrer- und Funkerluke sowie die komplette Deckenplatte lassen sich offen oder abgenommen darstellen.

Das imposante Geschütz

Sieben Seiten der Bauanleitung widmen sich dem Bau des 21-cm-Geschützes. Auch dieser Bau, mit Ausnahme der Sinkstellen, die hier noch etwas schlechter zu entfernen sind, gestaltet sich insgesamt recht einfach. Das Geschütz lässt sich im Fahrzeug verlastet oder separat auf einem Drehschemel aufgebaut darstellen.

Letzterer war nicht im Fahrzeug verlastet, was bedeutet, dass ein zweites Fahrzeug die Selbstfahrlafette begleiten musste. Auch gibt es im Innenraum keine Aufnahmen für die Munition, auch diese wurde wohl separat mitgeführt. Nachträglich glaube ich, einen Fehler am Geschütz erkannt zu haben. Dem Bausatz liegen zwei Metallfedern bei, die an der hinteren schwenkbaren Geschützauflage angebracht werden sollen.


Von links nach rechts: (Fotos, sofern nicht anders angegeben: Harald Fitz)
  1. Die Schweißnähte wurden mit gezogenen Gießästen dargestellt, die um die MG-Kuppel mit einer Epoxyd-Spachtel-Naht.
  2. Die seitlichen Laufstege können wahlweise offen oder hochgeklappt und das Geschützrohr beweglich dargestellt werden.
  3. Aus Messingblech geschnitten, gebogen und verlötet wurden die Kotflügel. Vorlage dafür waren die Bauteile eines Königstiger..

Mit diesen ist das Geschütz fast nicht in den Aufbau zu bekommen. Außerdem schleifen die Federn seitlich an der beweglichen Geschützauflage, was an der seitlichen Anlenkung liegt. Am Originalgeschütz (nicht verlastet) waren diese Federn auch vorhanden, jedoch dienten sie zum Austarieren der Anhängedeichsel. Sie waren auch anders angelenkt, sodass die Federn sich frei bewegen konnten.

Daher vermute ich, dass sie am verlastbaren Geschütz nicht zur Verwendung kamen. Wenn die Auflageplatte schwenkbar gewesen wäre, könnte ich mir ein Schwenken mithilfe eines kleinen Krans oder eines mechanischen Zahnradgetriebes vorstellen. Hier lässt uns Trumpeter aber im Unklaren.

Eigeninitiative beim Zubehör

Alles in Allem wirkt das fertige Fahrzeug in diesem Stadium recht „nackt“. Sicherlich war die Wanne des Prototyps Anfang 1945 in solch einem Bauzustand. Möchte man jedoch ein Fahrzeug darstellen, welches zum Einsatz gekommen wäre, fehlen doch einige elementare Dinge wie zum Beispiel Kettenabdeckungen, Fahrlicht und alle Ausrüstungsgegenstände wie Werkzeug und anderes.

Leider hat Trumpeter diese Teile nicht beigefügt. Also musste nochmals die Ersatzteilkiste herhalten. Ergänzt habe ich auf der vorderen Panzerung Feuerlöscher, Schaufel, Kreuzhacke, Vorschlaghammer, Axt, Drahtschere und Brechstange. Der Hauptscheinwerfer, analog zum Tiger II, gibt der Frontpanzerung ein total anderes Aussehen. Auch Ersatzkettenglieder sollten nicht fehlen.

Trumpeter spendiert ein schönes Funkgerät, leider funktioniert das nicht ohne Antenne. Also wurde auch diese einem Panzer IV entliehen und nach dem Zurechtschleifen angebracht. Die Kettenabdeckungen fehlen total. Ich bezweifle, dass ein deutsches Fahrzeug die Werkshallen ohne solche Abdeckungen verlassen hätte.

So habe ich die Aufnahmelaschen analog zum Tiger II ergänzt und die Abdeckungen teilweise aus Messingblech nachgebaut.

Auf einem Foto des Originals ist auf der rechten Fahrzeugseite die Halterung eines Abschleppseils zu erkennen (auch Monster bleiben mal liegen). Hier halfen ein paar Streifen Plastik und Ätzteile aus der Restekiste. Alle oben offenen Fahrzeuge hatten gegen Regen die Möglichkeit, eine Plane überzuspannen.

Sicherlich war auch dieses Fahrzeug für eine solche vorgesehen, ansonsten hätte sich die Wanne in ein mittelgroßes Schwimmbecken verwandelt. Aus dünnem, weichem Draht wurden Ösen dafür gebogen und an der Panzerung aufgeklebt. Nachdem ich noch einige Schrauben ergänzt hatte, stand das Modell zum Lackieren bereit.


Von links nach rechts: (Fotos, sofern nicht anders angegeben: Harald Fitz)
  1. Die Enden des neuen Abschleppseils stammen von einem alten Tiger I-Bausatz, die Halterungen dafür sind scratch gebaut.
  2. Verschiedene Washings mit Rost- und Sandtönen wurden zum Altern des Innenraums verwendet. Die Sitze wirken klein.
  3. Mit diesen Ölfarben der „Abteilung 502“ von MIG productions wurde der große Aufbau optisch gealtert und verschmutzt.
  4. Die Grundfarbe der Ketten ist „TankBrown“ von Vallejo (Model Air), ein Washing bringt auch hier die Tiefenwirkung.

Farbe kommt ins Spiel

In einfarbigem Rot sieht das Modell recht trist aus. Letzte Anweisung Ende 1944 war, Großgerät einfarbig grün zu lackieren und mit Rotbraun und Sandgelb abzutarnen. Also habe ich mich an diese Anweisung gehalten und das Modell erst einmal in Dunkelgrün grundiert. Großflächig wurde danach Rotbraun überspritzt und Sandgelb in kleineren Flecken aufgebracht.

Aus der Restekiste entnahm ich die Nummerierung und die Balkenkreuze. Auch eine Verladeklassenmarkierung fand sich noch darin.Soweit möglich, schnitt ich den äußeren Trägerfilm ab.

Die Decals wurden mit „Mr. Mark Softer“ aufgebracht. Da der Grundlack nicht sehr stumpf war, verzichtete ich auf einen Glanzlack als Grundlage für die Decals. Allerdings übersprühte ich danach das Modell mit Seidenmattlack, um die Glanzunterschiede deutlich zu eliminieren. Es folgte ein erster Filter in einem Braunton.

Die Werkzeuge wurden in Hellbraun und Grau grundiert, Auspuffrohre in Rostrot und die Sitze der Geschützbedienung in Schwarz. Vertiefungen erhielten anschließend ein dunkles Washing.

Die große offene Wanne wurde mit verschiedenen Braun- und Rosttönen gealtert und verschmutzt. Ölfarben der 502-Serie von MIG in den Tönen „Hellgrau“, „faded yellow“, „faded three tone camouflage“ und „mud“ wurden verwendet, um die Außenflächen zu altern.

In Punkten aufgebracht und mit viel Verdünnung streifig abgewaschen, gibt es dem Modell ein ausgebleichtes Aussehen. Mit erdbrauner Farbe wurden dann die Unterseite und die Flanken des Fahrwerks überspritzt. „Matsch“, aus Pigmenten angerührt, wurde im Anschluss auf den Laufwerksbereich aufgebracht.

Danach erhielten die Laufrollen zuerst einen grauen Filter, abschließend wurden sie mit den gleichen erdfarbenen Pigmenten wie die Wanne behandelt. Die Ketten grundierte ich in Rotbraun von Vallejo (Model Air) und tönte sie dann mit einem Washing in Umber ab. Um sie mit dem Laufwerk in Einklang zu bringen, wurden auch hier die erdfarbenen Pigmente aufgebracht.

Mit einem Grafitstift stellte ich blankes Metall dar. Der riesige hochgeklappte Stempel des Mörsers wurde mit einem Washing in Braun und Rostrot gealtert und abschließend brachte ich auch hier die erdfarbenen Pigmente auf und behandelte sie mit MIG Pigmentfixierer.  Zu guter Letzt wurden verschiedene erhabene Stellen mit Tamiya Pastell-Kreiden betont.

Auch die erdfarbenen Pigmente kamen noch ein letztes Mal zu Einsatz, um auch auf den horizontalen Flächen der Motorabdeckung und der Einstiegsluken Verschmutzungen darzustellen. Nach Ende dieser Prozeduren stand das „Monster“ fertig vor mir auf dem Arbeitstisch.

Licht oder Schatten?

Zum Glück verdrängt der Mensch nach einer gewissen Zeit alles Negative und behält nur die positiven Sachen, so kann ich sagen, dass trotz der Spachtelei, die mir eine halbe Staublunge eingebracht hat, ein recht ansprechendes Modell aus dem Trumpeter-Kit baubar ist. Auch macht es Spaß, die enorme Größe im fertigen Zustand anzuschauen und zu vergleichen.

Jedoch hoffe ich, dass Trumpeter sich das Werkzeugkonzept nochmals ansieht und überdenkt, damit in Zukunft all die sichtbaren Auswerferstellen zu vermeiden sind. Dann sähe ich Licht am Ende des Tunnels …


Von links nach rechts: (Fotos, sofern nicht anders angegeben: Harald Fitz)
  1. Die Schraubenköpfe der Panzerung wurden abgeschliffen und nach dem Verspachteln mittels „Punch & Die-Set“ neu aufgebracht.
  2. Etwas aufpassen muss man bei der Ausrichtung der Ketten, damit sie nicht angesichts der großen Länge „krumm“ werden.
TEXT und FOTOS: Harald Fitz
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