Ungewöhnliches Wehrmachtsfahrzeug in 1:35

Prototyp WK 2: Heuschrecke

Dragon füllt mit dieser ungewöhnlichen Fahrzeugentwicklung der deutschen Rüstungsindustrie eine weitere Lücke im Bereich der Wehrmachtsfahrzeuge im Maßstab 1:35.

Heuschrecke IV b I Maßstab 1:35 I Baubericht und Diorama © Fotos Frank Schulz
Heuschrecke IV b I Maßstab 1:35 I Baubericht und Diorama

Mit der Heuschrecke kombiniert Dragon Bauteile von Panzer IV und Sturmgeschütz III mit neuen und speziell für dieses Set entwickelten Teilen. Magic Tracks und Ätzteile ergänzen alles sinnvoll. Der Decal-Bogen ist dagegen leider nicht brauchbar. Zudem finden sich einige kleine Tücken in der Bauanleitung.

Nach oben ist noch Luft

Der Vergleich mit Originalfotos und denen des Museumsfahrzeugs zeigt, dass Dragon seine Arbeit sehr gut gemacht hat. Mit ein paar Verfeinerungen kann man der Heuschrecke aber noch die Krone aufsetzen. Über die Inneneinrichtung von Fahrzeug und Turm sind keine Unterlagen verfügbar. Da der oben offene Turm des in Aberdeen/USA erhaltenen Fahrzeugs mit Metallplatten zum Schutz gegen Wettereinflüsse abgedeckt ist, gibt leider auch das Museumsfahrzeug keine Aufschlüsse.

Als Ergänzung wurde im Bereich des Motordecks eine Naht graviert, welche die Trennung von Ober- und Unterwanne darstellt. Hier wurde die ursprüngliche Hummel-Wanne nach oben verlängert, um den nun hinten eingebauten Motor unterzubringen. Zugleich wurden die an der Wanne angebrachten Zugösen hinten verlängert und davor auf der rechten Seite eine runde Platte aufgeklebt. Vermutlich wurde dort eine Öffnung verschlossen, die zu einem früheren Zeitpunkt der Entwicklung einen Teil des Hebemechanismus aufgenommen hat.

Sämtliche Halterungen der Kettenabdeckbleche wurden an der Wanne weitergeführt und mit Schraubenköpfen versehen. Auf der rechten Seite wurden noch eine Platte und eine Verdickung ergänzt, deren Ursprung nicht zu klären ist, aber sicher auch auf die  erfolgten Umbauten zurück zu führen ist. Diese Änderungen sind allerdings nur sichtbar, wenn das Gestell zum Abheben des Turmes aufgerichtet ist.

Bereits in Baustufe 1 gibt es eine wichtige Besonderheit zu beachten. Es liegen je zwei unterschiedliche Antriebsräder bei. Benötig wird allerdings nur eins von jeder Sorte! Die Originalfotos zeigen, dass auf der linken Seite das frühe Antriebsrad mit acht runden Löchern verwendet wurde und auf der rechten das des Stug. III Ausf. G.

Dies ist vermutlich das Resultat eines defekten Antriebsrades. Auf frühen Fotos sieht man deutlich, dass zu diesem Zeitpunkt nur frühe Antriebsräder verwendet wurden, erst auf späteren ist das neue zu sehen. Der Bauplan zeigt nicht, welches Rad auf welcher Seite verwendet wird.

Laut Bauplan hat der Nabendeckel der Rollenwagen die Teilebezeichnung A21 beziehungsweise A55. Dies sind allerdings die Teilenummern der verschiedenen Federpakete. Die Nabendeckel dagegen tragen die Teilenummern A44/A45.

Die Antriebs- und Leiträder sowie die Laufrollen wurden nicht verklebt, um später die Bemalung zu erleichtern. Die Leit-räder wurden allerdings auf die exzentrisch gelagerten Achsen (A40) geklebt, um so ein Spannen der Ketten zu ermöglichen. Diese wurden mit Flüssigkleber verklebt und vor der endgültigen Trocknung an das Fahrwerk angepasst, aber nicht damit verklebt.

In Baustufe 5 fehlen die Federn zum Hochklappen der vorderen Kettenabdeckbleche. Die Teile sind aber im Bausatz enthalten und haben die Nummer A28. In Baustufe 7 kann man zwischen zwei verschieden Tarnrücklichtern wählen. Nur die frühe Variante macht Sinn. Beim Bau der Antenne fehlt in der Anleitung der Hinweis auf B21, den gepanzerten Antennensockel, der als separates Teil vorhanden ist..

In Baustufe 9 müssen die Werkzeuge in die korrekte Position gebracht werden. Davor werden aber noch zwei Handgriffe A47 an der rechten Motorluke ergänzt. Die Brechstange wurde gekürzt, damit die Axt und die Drahtschere weiter nach hinten positioniert werden können und somit nicht über die Motorklappe lappen.

Unter der linken Halterung für die Räder der Haubitze wurde die fehlende Handkurbel ergänzt  und die Anordnung der Werkzeuge auf den Kettenabdeckblechen zudem stark verändert. Auf der rechten Abdeckung im hinteren Teil fanden eine weitere Brechstange und ein Kettenspanner Platz. Die Halterungen D49 und D50 für den Wagenheber sind zu hoch und müssen gekürzt werden.

Außerdem muss der komplette Wagenheber um eine gesamte Länge weiter nach vorne positioniert werden, da ansonsten der Hebemechanismus für den Turm nicht völlig zusammengeklappt werden kann. Auf der linken Kettenabdeckung fehlt im hinteren Bereich ein großes Teil, das fast aussieht wie eine Achse.

Möglicherweise handelt es sich dabei um die Achse der Laufkatze, die auf dem hochgeklappten Hebegestell montiert wurde. Dieses Bauteil ist nicht im Bausatz enthalten, obwohl das Originalfahrzeug in Aberdeen es noch zeigt. Die zahlreichen schon mitgelieferten Ätzteile bereichern das Fahrzeug.

Ein Fehler ist die optionale Bewaffnung, die in Baustufe 13 angeboten wird. Die 7,5-cm-KwK ist überflüssig, da die Heuschrecke nur als reine Artillerie-Selbstfahrlafette mit der leichten 10,5-cm-Feldhaubitze konzipiert war. Es dürfen daher nur die Teile vom H-Spritzling verwendet werden. Der Pfeil für die Position des Richtschützensitzes ist zu niedrig eingezeichnet, die richtige Position ist dann in der Baustufe 15 deutlich zu erkennen.

Der Bausatz enthält Halterungen für Maschinenpistolen sowie Gasmaskenbehälter, diese habe ich zur besseren Detaillierung des Innenraumes im Turm verwendet. Die MP-Halterungen wurden an der Turmrückseite angebracht und die Gasmaskenbehälter im vorderen Bereich. An den abklappbaren Turmwänden wurden an den Innenseiten die Gegenstücke zu den außen aufgeprägten Verschlüssen angebaut (D15).

Herausforderung Tarnfarbe

Die einfarbige Bemalung des Modells ist eine kleine Herausforderung, da sie nicht zu eintönig werden darf und mit Farbschattierungen versucht werden muss, Leben in die zum Teil doch recht großen Flächen zu bringen. Die weitaus größere Herausforderung sind aber die Markierungen des Fahrzeugs. Dem Bausatz liegt ein Decal-Bogen mit kleinen Balkenkreuzen bei, das Original zeigt aber lediglich die Fahrgestellnummer 582503 zwischen den Sichtluken für Fahrer und Funker und die Nummer 232 im Kreis auf der rechten vorderen Kettenabdeckung.

Selbst in meiner nicht gerade kleinen Kiste mit Decals fand sich nichts wirklich Passendes. Da kam mir die zündende Idee: ein Bekannter ist in der Lage, sehr gute und feine Ätzteile herzustellen. Ein kurzer Anruf befreite mich von den Sorgen um die richtige Markierung. Nach kurzer Zeit hatte ich eine sehr schöne Schablone mit beiden Markierungen im Briefkasten und die Fahrgestellnummer und der Kreis mit der 232 waren schnell in Schwarz am Modell aufschabloniert.

Zuvor erfolgte natürlich die Grundbemalung mit Sandgelb von Lifecolor. Dieses wurde in mehreren Durchgängen aufgetragen, wobei die Grundfarbe immer mehr mit Weiß aufgehellt wurde. So konnten die verschiedenen Flächen vorschattiert werden und das ganze Fahrzeug bekam einen lebendigen Charakter. Danach erfolgte ein leichtes Washing mit MIG-Produkten. Kratzer und Abriebspuren wurden mit dunkelgrauer Acrylfarbe von Vallejo angebracht.

Nach der Detailbemalung wurde auch das separat bemalte Laufwerk wieder montiert. Vorher grundierte ich die Ketten mit Schwarz und behandelte sie dann mit einem dunkelbraunen Washing. Rost und Schmutz wurden zum Schluss mit Pigmenten von MIG dargestellt und blankes Metall entstand mittels Grafit. Auf dem Fahrzeug wurden abschließend noch eine Kette sowie eine große und eine kleine Plane platziert, um etwas Leben ins Modell zu bringen.

Lebensraum Diorama

Die Heuschrecke sollte auf einem Werksgelände stehen. Es ist allerdings nicht einfach, unbeschädigte Werkshallen zu finden. Ich hatte noch einen alten Bausatz der spanischen Firma Escenart, der die Kriterien genau erfüllte. Leider produziert dieser Hersteller schon lange nicht mehr. Für mein Diorama wurden die Fassadenteile in der Höhe noch etwas gekürzt. Zwei dieser endlos aneinander fügbaren Teile bilden die Kulisse. Seitenwand, Rückwand und Decke wurden aus Plastikplatten ergänzt, um die Fassade ringsherum zu verschließen.

Die Grundplatte (wasserfeste Spanplatte) wurde mit einer etwas zu hohen Profilleiste eingefasst. So entstand eine Art Becken von etwa fünf Millimetern Tiefe, das mit Gießkeramik ausgegossen wurde. Vorher legte ich die Lage des Gebäudeteils fest und verlegte ein paar Schienen. Nach Trocknung der Gießmasse wurden die großen Platten des Untergrunds in das recht weiche Material graviert, inklusive Rissen und abgebrochenen Ecken.

Die großen Wandflächen und auch der Untergrund wurden mit der Spritzpistole grundiert und die Farben wolkig aufgetragen. Danach erfolgte ein Washing. Die Farben müssen wesentlich stärker verdünnt werden, da die Gießkeramik sehr stark saugt und sonst einen stark abdunkelten Effekt zeigen würde. Anschließend montierte ich alles.

Zur Auflockerung wurden Fässer, Kanister, Kisten und weiteres Zubehör von verschiedensten Herstellern verwendet  und bewusst ungewöhnlich farbig gestaltet, um eine optische Abwechslung ins Diorama zu bringen.

Mechaniker beleben die Szene

Die Figuren stammen von Nemrod. Die zwei Soldaten begutachten gerade etwas an dem Fahrzeug. Besonders die stehende Figur ist sehr gut gelungen, zeigt sie doch eine lockere Haltung und mit der zurückgeschobenen Schirmmütze und dem nachdenklichen Gesichtsausdruck auch eine tolle Mimik. Nachdem alle Komponenten auf dem Diorama platziert waren, wurden noch ein paar Blätter aus Birkensamen auf dem Untergrund und in den Fensternischen verteilt und aufgeklebt

TEXT und FOTOS: Frank Schulz
Fotos: 
Frank Schulz
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