Modellschiffe arrangieren, Wasserflächen darstellen

Royal Navy im Zweiten Weltkrieg: HMS Glowworm

Tun Sie sich mit der Darstellung von Wasserflächen oder dem Arrangement von Modellschiffen generell schwer? Dann hat MODELLFAN mit der HMS Glowworm vielleicht genau die Rezepte, die Sie weiterbringen. 

Ein Schiff „rottet“ vom ersten Augenblick seiner Existenz. Umso mehr dürfen auch dezente Verwitterungsspuren nicht fehlen. © Christian Bruer
Ein Schiff „rottet“ vom ersten Augenblick seiner Existenz. Umso mehr dürfen auch dezente Verwitterungsspuren nicht fehlen.

Der Anstrich der HMS Glowworm im Frühjahr 1940 wirft einige Fragen auf. Auf den Bildern, die am Tage ihrer Versenkung von Bord der Admiral Hipper aus gemacht wurden, lässt sich, wenn auch nicht eindeutig, ein Farbunterschied zwischen den Aufbauten und dem Rumpf erkennen.

Alle Vorkriegsaufnahmen zeigen den Zerstörer in einem einheitlichen hellen Grauton. Eine Diskussion im Forum von Modellwarships zur Frage des Anstrichs brachte letztendlich auch kein eindeutiges Ergebnis.

Ich entschied mich, meinen eigenen Augen zu trauen und interpretierte die Bilder, die am Morgen des 8. April 1940 von Bord der Admiral Hipper aufgenommen wurden, in Richtung eines zweifarbigen Anstrichs in 507c (Hellgrau) für die Aufbauten und 507b (Mittelgrau) für den Rumpf.

Für die Lackierung von Schiffsmodellen verwende ich gern Farben aus dem Programm von White Ensign. Die Enamel-WEM-Colorcoats-Farben decken einen weiten Bereich an Farbtönen ab und lassen sich sehr gut mit der Airbrush lackieren.

Als Verdünner setzte ich ausschließlich den aus dem Xtracolor-Programm ein. Um eine gute Haftung der hellen Farbe 507c auf den unterschiedlichen Materialien zu erzielen, grundierte ich zunächst die Bauteile mit dem Farbton 507b. Im Weiteren wurden alle Aufbauten und Kleinteile mit Hellgrau 507c lackiert.

Der bereits mit einer Reling versehene mittelgraue Rumpf kann anschließend entlang der Rumpfoberkante abgeklebt und ebenfalls mit 507c lackiert werden. Das Oberdeck bemalte ich mit dem Pinsel und Acrylfarben. Zur Anwendung kamen Farben aus dem Programm von Vallejo Color.

Das Grau für die Stahldecks mischte ich aus verschiedenen Grautönen ab, gleiches gilt für das Rotbraun des Antirutschbelages „Corticene“. Corticene war ein linoleumartiger Belag, der auf britischen Kriegsschiffen in den Bereichen verwendet wurde, in denen ein sicherer Stand nötig war, beziehungsweise in Bereichen, die viel begangen wurden.

„Lebenszeichen“ ...

Doch derjenige, der Schiffe schon mal betrachtet hat, weiß, dass ein Schiff bereits bei der Kiellegung zu rosten beginnt. So müssen selbstverständlich Verwitterung und Verschmutzung her!

Der erste Verwitterungsschritt ist der Auftrag eines Washings mit einer schwarzbraunen Farbbrühe. Das Washing soll sich in alle Vertiefungen setzen und so dem Farbauftrag etwas mehr Tiefe verleihen. Die Farbbrühe kann aus Öl- oder Wasserfarben bestehen.

Ölfarben akzentuieren wesentlich stärker, Wasserfarben sind hingegen etwas diffuser. Im Fall der Glowworm sollte die Verwitterung nicht zu stark ausfallen, und somit kam eine Wasserfarbenbrühe zur Anwendung. Im Nachgang malte ich leicht trocken, um den Farbauftrag zu homogenisieren.

Anschließend ging es an den Teil der Verwitterung, der mir persönlich am meisten Spaß bereitet: das Auftragen von Schlieren und Rostspuren, die durch Witterungseinflüsse von Salzwasser und Regen vornehmlich am Schiffsrumpf zu finden sind. Neben Acrylfarben und Pastellkreide eignen sich hierfür Ölfarben hervorragend.

Bedingt durch die Pigmentierung und Zusammensetzung der Ölfarben lassen sich diese wunderbar mit einem Lappen oder Pinsel verwischen und ergeben damit einen diffusen Effekt. An Farbtönen kamen hier Schwarz, Weiß und Umbra zum Zuge.

Zuletzt wurden die Details wie Positionslichter, Geschütze, Beiboote wiederum mit Acrylfarben bemalt. Bleibt noch das Modell aufzuriggen, wofür ich erstmals Caenis Fishing Line, eine hauchdünne Angelschnur, die zum Fliegenfischen verwendet wird, verwendete. Die schwarze Schnur weist eine gewisse Elastizität auf und lässt sich vorsichtig unter Spannung verarbeiten.

Display ganz einfach

Es schwebte mir vor, die HMS Glowworm an ihrer Festmachertonne liegend in der Bucht von Scapa Flow, mit einigen geschäftigen Seeleuten an Deck und einer passierenden Motorbarkasse darzustellen.

Ein Stück geleimtes auf 150 x 400 Millimeter zugeschnittenes und konturgefrästes Buchenholz diente als Grundlage. Zur Fixierung des Modells wurden in die Grundplatte zwei Aufnahmelöcher gebohrt. Vor der Darstellung der Wasserfläche wurde das Display in einem dunklen Holzfarbton lasiert.

Anschließend wurde zunächst der erste Farbauftrag auf der Displayebene mit weißer Dispersionsfarbe aufgebracht. Auf der Oberfläche wurde der Umriss des Rumpfes aufgezeichnet, um mit dem Aufstippeln einer weiteren Schicht Dispersionsfarbe zu beginnen.

Die aufgestippelte Farbe soll eine leichte Bewegung auf der Wasseroberfläche wiedergeben. Nachdem der Farbauftrag abgetrocknet war, konnte die eigentliche farbliche Ausgestaltung der Wasseroberfläche beginnen. Acrylfarben von Vallejo Color in den unterschiedlichsten Blau- und Grautönen wurden so lange mit der Airbrush aufgetragen, bis ich mit der Schattierung und dem Gesamteindruck zufrieden war.

Nach dem Abtrocknen der Farbe zeigten sich einige Lufteinschlüsse, die auf das Aufstippeln der Dispersionsfarbe zurückzuführen waren. Die so entstandenen kleinen Poren wurden mit diversen Grau und Blautönen einfach aufgefüllt. Abschließend übernebelte ich die gesamte Szenerie mehrfach mit glänzendem Klarlack aus der Sprühdose, um eine klare Wasseroberfläche zu simulieren.

Da der Zerstörer unter Landabdeckung an der Boje liegt, ist kein Steg oder Anleger in der Nähe zu vermuten. Um die Oberfläche etwas zu beleben, lässt sich neben der Tonne und einem Boot ohne weiteres eine Buhne platzieren. Diese entstand aus Polystyrol-Rundmaterial, Bleidraht und Bleifolie.

An den drei Buhnenstämmen ist jeweils unten eine Manschette mit einem Festmacher angebracht. Das Ganze wurde dann noch entsprechend bemalt und auf dem Display an seinem Platz außerhalb des Swojenkreis (freier Drehkreis des Schiffes in der Strömung um seine Festmachertonne herum) des Zerstörers platziert.

Die Tonne entstand aus einem Polystyrol-Rundstab und etwas Flachmaterial. Die Festmacheröse fertigte ich aus Messing-Rundmaterial. Bemalt wurde die Tonne in einem auffälligen Weiß und Rot. Der Zerstörer ist über ein Tau und eine Kette an der Tonne festgemacht und kann so frei in der Strömung um die Tonne swojen.

Fehlt noch die kleine Barkasse, die vor dem Zerstörer ihrem imaginären Ziel entgegen steuert.

Aller Abschied ist ...

White Ensigns Glowworm ist ein Modell mit Ecken und Kanten. Ein schön umgesetzter Rumpf und eben solche Aufbauten und sehr gute Fotoätzteile auf der einen Seite. Dem gegenüber finden sich allerdings Schwächen in der Detaillierung der gesamten Bewaffnung.

Trotz oder gerade deswegen hat der Bau sehr viel Spaß bereitet, bot der Bausatz doch einiges an Potential, dem fertigen Modell eine ganz eigene Note zu verleihen.

TEXT UND FOTOS: Christian Bruer
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