Neograde präsentiert ungewöhnliches Kettenfahrzeug

Schneisen schieben: Panther mit Räumschild

Die rührige südkoreanische Firma Neograde hat sich einem ungewöhnlichen Panther angenommen und offeriert den aus feinem Resin gegossenen Umbausatz mit dem großen V-förmigen Räumschild, der Walzenblende und den Halterungen.

Neograde präsentiert ungewöhnliches Kettenfahrzeug: Panther mit Räumschild © Lothar Limprecht
Neograde präsentiert ungewöhnliches Kettenfahrzeug: Panther mit Räumschild

Als Basisbausatz dient ein Bausatz des Pz.Kpfw. V Panther in der Ausf. D (früh), wie ihn Italeri erneut aufgelegt hat. Der Italeri Bauanleitung kann man getrost bis inklusive der Baustufe 8 unbedenklich folgen. Hiernach sind ein paar Besonderheiten zu beachten. Die Zusammensetzung der seitlichen Wannenteile (Baustufe 1) bedingt einen geringfügigen Spachtelaufwand, um den sichtbaren Schlitz, den es am Original nicht gab, zu verbergen.

Statt der im Bausatz vorhandenen Weichplastikketten greift man ggf. auf Einzelkettenglieder aus dem Zubehörprogramm anderer Anbieter zu. Vor dem Einsetzen der Fahrer-/Funkerluken deren Passgenauigkeit ermitteln und, falls notwendig, nachbessern.

Auf den Einbau des Motorblocks habe ich verzichtet, da ich dessen Darstellung bei diesem Modell als überflüssig einstufte. Beide Notek Tarnlichter entfallen; sie sind stattdessen durch einen einzigen Scheinwerfer an der linken Fahrzeugseite zu ersetzen. Es gilt zudem, die feinen, aber Italeri-üblichen Markierungen an der rechten Seite der Bugplatte zu entfernen.

Die Rohrstütze ist, obwohl das Fahrzeug über kein Geschütz verfügt, anzubringen, schließlich dürfte es sich bei diesem Panther um ein aus der Instandsetzung genommenes Fahrzeug handeln. Alle Halterungen an den Seitenwänden der Wanne sind ebenfalls zu montieren. Dieser Panther weist aber außer dem Rohrreinigungsbehälter keine weiteren Ausrüstungsgegenstände auf.

An beiden veröffentlichten Originalbildern, die höchstwahrscheinlich aus einer auf das Stadtarchiv Nürnberg aufbauenden Publikation entstammen, ist mittig oberhalb der Räumschaufel ein „Lenkrad“ auszumachen. Dies läßt den Schluss zu, dass das Räumschild mithilfe dieses Handrades abgesenkt bzw. angehoben werden konnte, wie es grundsätzlich sowohl bei Schneeräumfahrzeugen als auch Planierraupen üblich ist. Hinweis: Leider war das Räumschild in meinem Bausatz so ungeschickt eingepackt, dass es gerichtet werden musste.

Da sich dieses Räumschild ohne eine solche Konstruktion unweigerlich festgefahren hätte oder es zu einer folgenschweren Verformung der Räumschildstützen führen müssen, konstruierte ich ein höchstwahrscheinlich anzunehmendes „Innenleben“ hinter dem Räumschild. So hätte es auch bei einer Instandsetzungswerkstatt im Felde aussehen können.

Mittels dieses Handrades erfolgte die Vertikalbewegung des Räumschildes über ein Gestänge, an dessen unterem Ende sich entweder Laufräder oder Kufen zur Gewichtsverteilung befunden haben dürften. Ob dem tatsächlich so war, bleibt offen.

Somit erhielt die Räumschaufel eine Achse in einer Länge von 55 mm mit Laufrädern von einem Pz.Kpfw. I. Mit Spiralfeder, Zahnkranz und einer durchgängigen, parallel verlaufenden Stange deutete ich die nötige Mechanik lediglich an. Zudem ist das Räumschild auf seiner linken Seite noch um ein aufgesetztes und um die Außenkante führendes Blech, hier aus Plastic Card, zu ergänzen. Erst mit diesem und dem sichtbaren Handrad ist die Nachbesserung minimalistisch genug umgesetzt.

Zimmerit muss her …

Am Fahrzeugturm ist auf den alten Originalaufnahmen ein Zimmerit-Belag auszumachen. Statt des aufwendigeren Aufbringens von Spachtel, Modelliermasse o. ä. griff ich für die Zimmerit-Darstellung auf einen Lötkolben mit regelbarer Wärmeleistung zurück (siehe Foto).

Die Halterungen für Ersatzkettenglieder als auch die Nebelanlage entfallen ersatzlos. Leider fehlen Sichtblöcke für den Kommandantenturm des Italeri Bausatzes. Mit der Walzenblende aus dem Neograde Umbausatz wird der Zusammenbau dieses unbewaffneten Panthers abgeschlossen.

Farbgestaltung und Umsetzung

Zur Farbgestaltung lassen sich nach meinem Empfinden ebenfalls nur Vermutungen anstellen. Die Fahrzeugwanne läßt in den Graustufen des Schwarz-Weiß-Fotos gewundene Tarnanstrichverläufe erkennen. Ob diese am Turm ebenso oder in voneinander scharf abgegrenzter und geometrisch geraderen Formen verlaufen, ist nach meinem Dafürhalten nicht unzweifelhaft erkennbar.

Folglich erhielt mein Modell nach der Grundierung und Vorschattierung einen klassischen Dreifarbtonanstrich, da diese Panther aus dem Instandsetzungsrücklauf stammen und ggf. aus zwei Fahrzeugen zusammengesetzt wurden: Turm mit, Wanne ohne Zimmerit-Bewurf.

Weil die einen durchgängig dunkleren Farbton aufweisende Walzenblende und auch, soweit nicht verstaubt und verdreckt, das Räumschild ebenso erscheint, nehme ich an, dass diese Teile über keinen Tarn-, sondern lediglich über einen Rostschutzanstrich verfügten. Somit wurden Räumschild und Walzenblende mit diesem Grundanstrich in Oxidrot versehen.

Anschließend überarbeitete ich das Modell komplett mit verdünnter schwarzer Farbe (alles Vallejo Airbrush) und Pastellkreiden.

Fazit

Endlich mal ein Panther, der nicht in das übliche Schema passt und dank seiner Farbgebung regelrecht aus der Sammlung meiner Panzermodelle hervorsticht. Dies entschuldigt allemal auch den durch die Ergänzung des Umbausatzes notwendig gewordenen Mehraufwand.

TEXT und FOTOS: Lothar Limprecht
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